Die lieben Verwandten


Gaza – Israels Entscheidung, zwei Kulturstätten im Westjordanland zum israelischen Nationalerbe zu erklären, stößt bei den Palästinensern auf scharfen Widerstand. Ismail Hanija, Anführer der im Gazastreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas, rief deswegen am Dienstag zu einem neuen Palästinenseraufstand gegen Israel auf. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas von der rivalisierenden Fatah-Organisation warnte in Brüssel vor einem „Religionskrieg“ und kritisierte Israels Entscheidung als Provokation.

Die israelische Regierung hatte am Sonntag beschlossen, die Patriarchengräber in Hebron und das Rachelsgrab bei Bethlehem auf eine Liste von insgesamt etwa 150 Stätten zu setzen, für deren Erhaltung man sich einsetzen wolle. Im Rachelsgrab soll die Lieblingsfrau Jakobs – einer der biblischen Erzväter – beerdigt sein, in den Patriarchengräbern der Urvater Abraham, den auch Muslime als Ibrahim verehren.

Solange die Palästinenser nicht in der Lage sind, im Umgang mit den Toten und religiösen Symbolen anderer einen halbwegs zivilisierten Umgang an den Tag zu legen, sollten sie in dieser Angelegenheit besser mal die Füße still halten. Wenn sie wirklich an einer Aussöhnung interessiert sind, steht es ihnen jederzeit frei, sich zusammen mit den Israelis um die Ruhestätte Abrahams kümmern, damit dessen Erstgeborener auch mal stolz auf sie sein kann. Da könnten sie dann endlich mal unter Beweis stellen, daß sie nicht nur kaputtmachen, sondern auch bewahren können.

Und dann, so in hundert Jahren vielleicht, wenn in Palästina Juden hoffentlich nicht mehr als Affen und Schweine betrachtet werden, wird sich unter entfernten Verwandten sicher eine vernünftige Lösung finden, nach der jüdischen Organisationen in Palästina hinsichtlich des Erhalts religiöser Stätten dieselben Rechte zugestanden werden, wie sie die Araber in Israel seit Jahrzehnten als selbstverständlich erachten. Bis dahin aber kann man sehr gut verstehen, daß die Israelis ganz gerne selber ein Auge drauf haben, wer hier bei der Grabpflege das letzte Wort hat.

~ von Paul13 - Mittwoch, 24. Februar 2010.

8 Antworten to “Die lieben Verwandten”

  1. […] Ergänzender Lesetipp: Die lieben Verwandten […]

  2. […] Lesen! Es könnte für den nächsten HcAd-Stammtisch nützlich sein. […]

  3. Ich sage nur: Josefsgrab in Sichem/Nablus.

  4. @ Carla

    Auch ein gutes Beispiel!

  5. Die Grabstätte Abrahams ist eine Schande. Wird jeder bestätigen können, der schon mal da war. Putzig ist allerdings das Panzerglas zwischen Synagoge und Moschee.

  6. Ein kultivierter Mensch benutzt das Wort „putzig“ nicht. Es sein denn will er mit dieser Sprache seine Verachtung zum Ausdruck bringen. Wen verachtet der kultivierte Mensch wenn er vonm Panzerglass schrieb. Die Sicherheitsvorkehrungen der Behörden sollen doch die Moslems von den Aggresionen der Zionisten schuetzen. Will der kultivierter Mensch, dass die fanatisierten Siedler die frommen moslemischen Pilger angreifen?
    Oder bedauert er, dass wegen des Panzerglasses dir Fütterung von Affen und Schweinen ausbleibt?

  7. Netanyahu: Sanierungsarbeiten in Koordination mit dem Waqf

    Vier Tage nach der Deklarierung der Patriarchengräber im Westjordanland zu Stätten des nationalen Erbes hat Israels Ministerpräsident den Palästinensern eine Botschaft übermittelt, die die entstandenen Spannungen beilegen soll.

    „Dies war ein Missverständnis“, sagte Netanyahu am Donnerstag in einem Interview mit dem russischsprachigen Sender Channel 9. „Wir haben keinerlei Absicht, den Status Quo hinsichtlich jüdischen und muslimischen Betens zu ändern. Wir wollen die gegenwärtigen Gebetsregelungen beibehalten. Die Renovierungsarbeiten sind in Koordination mit dem Waqf [der für die heiligen Stätten zuständigen muslimischen Behörde] durchgeführt worden. Es waren notwendige Reparaturen.“

    Dabei fügte der Ministerpräsident noch hinzu: „Wir wollen auch einige Reparaturen am jüdischen Teil vornehmen. Dies sind die Stätten unserer Vorväter. Ich respektiere sowohl unsere Vorväter als auch ihre – ebenso wie die Freiheit der Religionsausübung.“

    Auch in den Reihen der führenden Oppositionspartei Kadima stellte man sich hinter die Regierung und wies die Drohungen von palästinensischer Seite entschieden zurück.

    (Yedioth Ahronot, 25.02.10)

  8. @ Claudio Casula

    „Wir wollen auch einige Reparaturen am jüdischen Teil vornehmen. Dies sind die Stätten unserer Vorväter. Ich respektiere sowohl unsere Vorväter als auch ihre – ebenso wie die Freiheit der Religionsausübung.“

    Soweit die Worte des als Hardliner verschrieenen Netanyahu. Ich wünschte, wenigstens von den gemäßigten Palästinensern mal was vergleichbares zu hören.

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