Wer ist eigentlich James Bond?


„Das sind Methoden, die nicht in unser Jahrhundert gehören“, sagte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn. „Wir sind extrem besorgt“, sekundierte sein Kollege aus Spanien, Miguel Angel Moratinos. Und Schwedens Chefdiplomat Carl Bildt stellte klar: „Natürlich können wir den Missbrauch von Pässen der EU-Staaten nicht hinnehmen.“

Unglaublich! Zur Tarnung von Geheimagenten Pässe fälschen – wer hätte gedacht, daß derartiges im 21. Jahrhundert noch möglich ist.

[…] Viel erfahren dürften sie nicht. Lieberman wies nach seiner Ankunft in Brüssel jedenfalls erneut jede Verantwortung brüsk zurück. Die Vorwürfe gegen den Geheimdienst Mossad entbehrten jeder Grundlage, erklärte er schmallippig. Dafür gebe es schlicht „keine Beweise“.

Avigdor, Du Dummerchen, es geht um Israel! Wer braucht da schon Beweise? Da ist die Beweisaufnahme mit der Anschuldigung abgeschlossen.

Kurz nach dem Mord war es Lieberman gewesen, der die israelische Linie vorgab. Der Geheimdienst Mossad, so postulierte es der Außenminister, müsse grundsätzlich mit einer „Politik der Unklarheit“ agieren. Eine Aufklärung des Mords im Auftrag der Regierung gehört nicht zu dieser Politik.

Also so was! Wo doch jeder andere Geheimdienst nach derartigen Aktionen auf einer Pressekonferenz die Details der Operation unaufgefordert auf den Tisch legt.

Trotzdem könnte die Dubai-Affäre unangenehme politische Konsequenzen für die Regierung in Jerusalem haben. Seit Jahren bemüht sich der Mittelmeeranrainer um ein sogenanntes Upgrade, eine Vertiefung der Partnerschaft mit der Europäischen Union auf wirtschaftlicher und sozialer Ebene. Eine entsprechende Übereinkunft mit der EU aus dem Jahr 2008 liegt seit der umstrittenen Militäroffensive Israels im Gaza-Streifen im Frühjahr 2009 auf Eis. Die Gerüchte um eine Mossad-Beteiligung am Mord in Dubai sind da alles andere als hilfreich.

Klingt logisch. Denn wie kann ein Land, das einen Top-Terroristen tötet, erwarten, bessere Beziehungen zu einer Organisation zu bekommen, die in ihrer Mittelmeerunion nun mal vorzugsweise für ihren respektvollen Umgang mit ihren Untertanen bekannte Staaten wie Ägypten, Libyen oder Syrien sehen möchte. Die ebenfalls eingeladenen diversen Palästinenserfraktionen und libanesischen Milizen schaffen allen Differenzen zum Trotz doch auch seit Jahrzehnten ein friedliches Miteinander.

„Die Wünsche der Israelis nach Aufwertung der Beziehungen haben durch den Dubai-Mord mal wieder einen herben Rückschlag erlitten“, sagte der Fraktionschef der europäischen Sozialdemokraten, Martin Schulz, SPIEGEL ONLINE. „Jetzt sollte nicht über Intensivierung diskutiert werden. Jetzt ist Aufklärung angesagt“, sagte auch der Vizefraktionschef der Christdemokraten, Manfred Weber (CSU). „Die Vorwürfe sind zutiefst beunruhigend.“ Besorgnis äußerten auch die Liberalen: „Ich fürchte, dass der Fall negative Auswirkungen auf die Beziehungen haben wird“, sagte der FDP-Politiker Michael Theurer, Mitglied in der Delegation für die Beziehungen zu Israel. „Würden sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das natürlich völlig inakzeptabel“, so Theurer.

Genau! Deswegen haben die Parteien ja auch all ihre Vertreter aus den diversen deutsch-arabischen Gesellschaften abgezogen. Ein FDP-Mann an der Spitze der deutsch-syrischen Gesellschaft, mit einem Ehrenpräsidenten von der SPD – undenkbar. Oder ein CSU-Politiker im Vorstand der deutsch-arabischen Gesellschaft – schon die Vorstellung ist absurd.

[…] Auf mehreren Seiten listeten die Ermittler auf, dass der deutsche Pass mit dem Namen Michael Bodenheimer, den einer der mutmaßlichen Täter benutzte, keineswegs gefälscht war. Vielmehr hat sich der Mossad in Deutschland offenbar unter der Benutzung einer Nazi-Opfer-Legende einen Tarnpass für eine gezielte Tötung beschafft.

Das mache man sich mal klar: Die Legende eines Nazi-Opfers wird dazu mißbraucht, einen Judenmörder zu stoppen. Wenn das nicht geschmacklos ist, was dann?

Erst nach der Lektüre der Zeilen konnte sich Westerwelle ausmalen, wie heikel der Fall ist. Intern sagte der Minister, dass man einen solchen Vorgang nach seinem Rechtsverständnis niemandem durchgehen lassen könne. Auch nicht den Israelis, mit denen sich gerade Westerwelle in Erinnerung an die populistischen Eskapaden seines Parteifreunds Jürgen W. Möllemann sicher nicht anlegen will.

Da hat er wohl Bedenken, daß der Mossad ihn auch noch aus dem Flugzeug schubst. Denen ist ja alles zuzutrauen.

[…] Am Freitagmittag wurde entschieden, dass die Staatsanwaltschaft Köln zunächst ein formales Verfahren wegen der Passbeschaffung einleiten soll. Noch läuft die Recherche der Juristen gegen Unbekannt, spätestens ein Verfahren des Generalbundesanwalts aber könnte sich direkt gegen den Mossad richten.

Na, da werden sich die Agenten des BND und die verdeckten Ermittler der Polizei aber freuen, daß sie ihre falschen Identitäten demnächst offenlegen dürfen.

Für Deutschland wird der Fall ein heikler Balanceakt. Jahrelang hat Berlin wie alle anderen Regierungen der westlichen Welt zu den gezielten Mordmissionen des Mossad geschwiegen und doch nie einen Zweifel an den Machenschaften des Dienstes gehegt. Nun ermitteln deutsche Behörden in der Sache. Sie könnten noch einiges mehr als das bisher Bekannte aufdecken.

Und wenn dann noch rauskommt, daß Präsident Obama von den Drohnen, die die Terroristen in Pakistan gleich dutzendweise ins Jenseits befördern, irgendwas gewußt hat, landet am Ende auch der Messias noch in Den Haag.

~ von Paul13 - Dienstag, 23. Februar 2010.

9 Antworten to “Wer ist eigentlich James Bond?”

  1. Mein Gott, welch ein Agentendrama´und eine Verschwendung von Steuergeldern.
    In ein paar Wochen redet da kein Mensch mehr drueber. Die Kidon-Einheit wurde nach dem debriefing in den Urlaub geschickt und danach zur Ausbildung verlegt.
    In spaetestens einem Jahr kommt ein phoney kidon schreibt ein Buch ueber seine dramatische Teilnahme daran. Das erfreut dann den Autor, den Verlag und jede Menge Spinner. In drei vier Jahren dann den dazugehoerigen Film.

  2. Und dieselben Europäer, die sich jetzt so demonstrativ aufregen, fanden es früher vollkommen berechtigt, daß James Bond für demselben Job zur Belohnung eine vollbusige Bikinischönheit vernaschen durfte. Ich frage mich, ob die auch nur ansatzweise ahnen, was ihre eigenen Dienste eigentlich den ganzen Tag so treiben.

  3. Entweder wollen sie es nicht wissen, stichwort ueberzeugendes Dementi, oder es ist das uebliche blah blah.
    Jede Wette die einbestellten Diplomaten bekamen nur einen Anpfiff weil die Kidon Einheit sich hat erwischen lassen beim Tennis spielen.
    Westerwelle ist eh nicht auf der Hoehe, einfach Weltfremd.
    Wie man diesem Mann das Aussenministerium ueberlassen kann ist mir ein Raetsel. Ich erinnere mich da an seinen Ausruf das die Israelis ihn angeblich wegen seiner Neigung bei einem Besuch seinerzeit bedroht haben. Ich halte jede Wette das dies kein Thema war sondern ehr die Verstrickungen seiner Parteifreunde in diversen krummen Geschaeften mit Israels „freundlichen und friedliebenden“ Nachbarn. Die man gerne mal einem Spiegelmitarbeiter zeigen wuerde.
    Da duerfte er dann in seiner Naivitaet wohl hart am Rande des Infarktes gewesen sein.

  4. vielleicht hatten die europäer einen „dialog“ mit dem hamas-mann gefordert? und war es nicht vor einigen jahren schweden, dass einer hamas-delegation visa ausgestellt hatte, obwohl sie nicht in die eu einreisen durfte?
    und für seine freunde empört man sich dich gerne..

  5. @ Auslaender

    Ja, daß der Außenminister werden konnte, ist DIE personelle Fehlentscheidung der Regierung überhaupt.

  6. @ Christian Hannover

    Die arabischen Kontakte der FDP wären sicherlich ausgesprochen spannend! Und das sage ich als relativer Sympathisant der Liberalen.

  7. @Paul
    Wie Du schon sagtest – damit das alles nicht mehr passiert, muss BO nur Premierminister in Israel werden. Die heimliche Kontrolle der USA durch Israel, ist doch bei den Antiimps schon beschlossene Sache. Aber das Gemecker würde endlich aufhören, wenn der Erlöser da der Boss ist. ;-)

  8. „Zur Tarnung von Geheimagenten Pässe fälschen – wer hätte gedacht, daß derartiges im 21. Jahrhundert noch möglich ist.“

    Das ließe sich doch perfekt mit Biometrie verhindern. Endlich der willkommene Anlass für eine parteiübergreifende oder sogar EU-weite Gesetzesinitiative ;)

  9. Na, da wird die EU aber schäumen:

    http://backsp.wordpress.com/2010/02/24/was-ubrigens-mabhouhs-pass-betrifft%E2%80%A6/

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: