Schwerter zu Wattebäuschchen


US-Militär startet brachiale Taliban-Jagd in Kunduz

Brachial? Weil man versucht, gegnerische Truppen aufzuspüren, um sie zu bekämpfen? Da wäre es interessant zu erfahren, wer der ranghöchste ex-Soldat ist, der in der SPIEGEL-Redaktion arbeitet. Und warum der nur Bürobote ist und nicht dafür zuständig, den Erfindern solch kreativer Titelzeilen die Ohren langzuziehen.

[…] Mehrfach kam es wegen unangekündigter und teils sehr harter Zugriffe oder gezielter Tötungen zu Reibereien zwischen deutschen und US-Militärs.

Eine zivilisierte Armee sollte im Krieg eigentlich grundsätzlich nur gezielte Tötungen durchführen. Ungezielte Tötungen enden nämlich ganz schnell in einem Kriegsverbrechen oder aber zumindest mit unverhältnismäßig großen Kollateralschäden. Und ob der SPIEGEL die wirklich will, darf dann doch bezweifelt werden.

~ von Paul13 - Montag, 9. November 2009.

14 Antworten to “Schwerter zu Wattebäuschchen”

  1. Bei so einer (Propaganda)Headline rotiert der Spiegel-Gründer wahrscheinlich im Grab…

  2. Wer is denn der ranghöchste ex-Soldat in der NBFS redaktion?

  3. Hm?

    Afghan government officials said the offensive in Kunduz started last week as Afghan army units and U.S. special operations forces surrounded known Taliban strongholds in the Chahar Dara district, while German troops sealed off the area and trapped fleeing insurgents. Local officials said more than 100 Taliban were killed, a claim that couldn’t be verified.

    http://online.wsj.com/article/SB125770639148236881.html?mod=googlenews_wsj

    Nicht das ich jetzt Afghan gov. officials jetzt fuer eine Top-Quelle halten wuerde, naheliegend ist es aber schon das da jemand „ein bischen“ den rueckwertigen Raum abriegelt.

  4. @ausländer2009: Na endlich mal jemand der sich nicht auch von dem Schrott deutscher Massenmedien berieseln lässt und mecker das alles scheisse sei.
    Das WSJ ist ne Klasse Onlinezeitung, kann man nur empfehlen kann.

  5. @ Dr. No

    Keine Ahnung. Aber ich hab zu ihren Gunsten mal angenommen, daß sie einen haben. Und daß der nicht für die fachliche Beratung zuständig ist, wissen wir spätestens, seit sie drei Anläufe gebraucht haben, um bei einem Bericht über einen Angriff israelischer F-15s das Bild mit dem richtigen Flugzeug zu posten.

  6. @ paul
    Die Frage ist nicht ob brachial versus subtil, sondern erfolgreich – oder nicht. Mittlerweile ist in Afghanistan nicht einmal klar, wer gegen wen mit welchem Ziel kämpft, von den richtigen Mitteln ganz schweigen. Deshalb bleibt die Lage unübersichtlich:

    1) Karsai will einen Interessenausgleich mit den „gemäßigten“ Taliban, d.h. mit den Gruppen, die bereit sind, mit der von ihm geführten Zentralregierung einen Deal zu schließen.

    2) die USA wissen nicht so recht, ob sie Karsai noch wollen – haben aber bisher noch keinen geeigneten Ersatzmann. Was „Sieg“ oder zumindest „Stabilisierung“ in Afghanistan bedeuten könnte ist wohl auch innerhalb der Obama-Administration heftig umstritten.

    3) Die Briten sind ihre Nibelungentreue – wie folgen den USA egal wohin und wozu – herzlich leid, sind aber (noch) nicht bereit, ihre Blairmage einzugestehen und endgültig zu einer zweitklassigen Mittelmacht am Rande EU abzusinken.

    4) Die Deutschen wollen mit möglichst wenig Zinksärgen nach Hause, sind es aber leid, ständig als Weicheier verspottet zu werden und die Bundeswehr-Führung träumt von einem richtigen Militäretat und einer Berufsarmee um mal richtig auf die Kacke zu hauen. Aber Kindergärten zu Schwertern ist auch unter Merkelmädchen und Schwesterwelle nich.

    5) Die restliche NATO will nach Hause, allerdings möglicht ohne den Zugang zu den zentralasiatischen Rohstofflagern ganz zu verlieren.

    Wie es ausgeht weiß noch keiner so richtig – aber eines ist sicher: in den nächsten Jahren keine neuen Kolonialkriege. Und tschüß NeoCons …

  7. @ ANE

    Doch, das ist die Frage. Oder glaubst Du ernsthaft, der SPIEGEL schreibt, wenn alles nach Plan läuft und die Terroristen wie die Hasen zusammengeschossen werden, „Geil, Jungs, kick some ass!“ statt brachial?

    Im übrigen ist die Tatsache, daß Du auch diesmal keine bessere Alternative zu Karsai nennen konntest, schon mal ein hervorragendes Argument für ihn. Daß Kubafans und Saddamversteher sich nur lächerlich machen, wenn sie plötzlich den superdemokratischen Neo-NeoCon geben, sehe übrigens nicht nur ich so:

    http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704402404574525722665041310.html

    Und Du kriegst nicht mehr aus der Welt, daß Deinem tollen Obama das mit der Demokratie in Afghanistan sowieso am präsidialen Sitzfleisch vorbeigeht, und er mit jedem Hurensohn zusammenarbeiten würde, der ihm das Land so schön stabil macht, wie es das unter der Commie- oder Talibanherrschaft war.

  8. Ich meinte ob dieses Blog einen hat….

  9. @Paul:
    Da Du nach einer Alternative zu Karsai fragst – ich haette eine: Militaerverwaltung. Und dabei die Demokratie von unten aufbauen. Da naemlich Afghanistan auf lokaler Ebene durchaus demokratische Traditionen aufzuweisen hat. Schliesslich hat man in Deutschland (ich weiss, der Vergleich hinkt) ja auch nicht sofort eine Bundesregierung waehlen lassen bzw. eingesetzt, sondern erst mal mit den Kommunen angefangen. Leider wollte man in Afghanistan alles vermeiden, was nach Krieg oder Besatzung aussah. Aber aufgeschoben ist nicht afgehoben…

  10. @ Dr. No

    Ich bin zu blöd. Hab Deine Frage falsch gelesen und gemeint, Du hättest nach der SPIEGEL-Redaktion gefragt. Sorry! Was also NBFS angeht, möchte ich mal vermuten, daß das Auslaender ist, aber welchen Rang genau er hat, mußt Du ihn fragen.

    Ich selbst bin nur ein – sagen wir mal – interessierter Laie. Umso schlimmer ist es, daß mir solche groben Patzer auffallen und den hochbezahlten SPIEGEL-Profis nicht. Und das nicht erst seit kurzem, sondern bereits seit mehr als 20 Jahren.

  11. @ Peter

    Das Problem an einer Militärverwaltung ist, daß das eben nr eine gewisse Zeit funktioniert und länger als eine Legislaturperiode nach dem Sturz eines Regimes letztlich auch gar nicht funktionieren sollte. Beginnt dann nicht die Demokratisierung, kommt nämlich tatsächlich irgendwann ein Kampf gegen die Besatzer.

    So aber sind die Taliban selbst die Besatzer, was man ja auch an ihrem Auftreten in jenen Gebieten, wo die NATO ihnen Raum läßt, sehr gut beobachten kann. Als Ergebnis bildet sich dort inzwischen sogar eine Anti-Taliban-Guerilla:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,660561,00.html

    Bei allen Problemen, die auch das mit sich bringt, ist das so immer noch besser als andersherum.

  12. @Paul

    „beginnt dann nicht die Demokratisierung“: Ich sage doch, die Demokratie sollte dabei von unten aufgebaut werden, womit ich natuerlich auch einen unmittelbaren Beginn der Demokratisierung impliziere. Lokale Demokratisierung ist m.E. in einem so dezentral strukturierten Afghanistan viel entscheidender als eine demokratisch legitimierte Zentralregierung. Nach ein paar Jahren haette man dann eine demokratisch legitimierte Loya Jirga anstelle einer Versammlung von Warlords. Das ist doch das Problem: zwischen der Zentralregierung einerseits und den lokalen Kommunen andererseits gibt es diese massiv anti-demokratische Schicht, die nach Gutsherrenart waltet, gerne mal Wahlen manipuliert (fuer deren Abhalten viele westliche Soldaten das Leben gelassen haben!) und gerne mal die Allianzen wechselt (was unter der schwachsinnigen Bezeichnung „moderate Taliban“ firmiert, sind ja im wesentlichen gar keine Taliban, sondern mit den Taliban verbuendete Mujaheddin-Warlords).

    Ausserdem hat ein Kampf gegen Besatzer ja nicht umbedingt in der Besatzung allein seine Ursache, sondern in der Art und Weise, wie sich diese Besatzung verhaelt.

  13. @ Paul

    Mit complete bullshit ist Dein letzter Beitrag noch sehr milde charakterisiert. Eine Besatzung setzt zunächst eine Besetzung voraus. Man kann füglich darüber diskutieren, ob die Taliban VOR der Invasion der USA eine Besatzzungsmacht waren. Nach ihrer militärischen Niederlage gegen die Nordallianz / USAF sind sie eine leichtbewaffnete Truppe ohne efektives zentrales Kommando und logistische Strukturen, von einer eigenen Verwaltung in den von ihnen mehr oder weniger kontrollierten Gebieten (Helmand, Kandahar, Grenzregionen) ganz schweigen. Vielfach beruht ihr Einfluss auf einer mehr oder weniger festen Kooperation mit den lokalen Eliten in diesen Gebieten und auch anderswo … Du kannst sie deshalb Guerillas, Aufständische oder Terroristen nennen aber Besatzung ohne Besatzungsmacht ist schlicht Quatsch:
    “ …So aber sind die Taliban selbst die Besatzer, was man ja auch an ihrem Auftreten in jenen Gebieten, wo die NATO ihnen Raum läßt, sehr gut beobachten kann.“

    Was den zitierten Artikel betrifft, so beschreibt er anschaulich das Dilemma, in der sich Obamas (und der ganze Westen) in Afghanistan befindet. Erinnere Dich – große Teile der afghanischen Bevölkerung jubelten den Taliban anfangs zu, weil sie eine Alternative zum Bürgerkrieg „alle gegen alle“ boten.

  14. […] ist, die aber, wie bekannt, nur bellen und nicht beißen darf. Beim SPIEGEL wollen sie natürlich Schwerter zu Wattebäuschen machen und finden die Aktion „brachial“. Und das geht nicht, macht der Ton klar. Taliban muss […]

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