Jimmy, wo bist Du?


Die Türkei hat sich im Atomstreit mit Iran zu Wort gemeldet. Ministerpräsident Erdogan fordert: Der Westen könne der Islamischen Republik nur dann mit Sanktionen drohen, wenn er selbst seine Atomwaffen abgebe.

Fein gemacht, Obambi! Nicht mal ein Jahr im Amt, und schon ist ein einstmals treuer und nicht gänzlich unwichtiger NATO-Alliierter offenbar der Meinung, daß der Wind in Zukunft aus Richtung Osten weht. Wenn schon der große Bruder in Washington durchblicken läßt, sich mit einer Atommacht Iran abzufinden, dann ist es Erdogan nicht mal zu verdenken, daß er die Zeichen der Zeit erkennt und sich prophylaktisch mit dem als stärker bzw. gefährlicher wahrgenommenen Nachbarn arrangiert.

Daß die Türkei, die ihr Überleben jahrzehntelang nicht zuletzt dem amerikanischen Nuklearschirm verdankt, sich jetzt sicherer fühlt, wenn eben dieser Schirm eingeklappt wird, symbolisiert den verfehlten Ansatz von Obamas Außenpolitik wohl mehr als alles andere. Angesichts dieses historischen Versagens des amtierenden US-Präsidenten wagt man ja nicht mal mehr von Bush oder auch nur Reagan oder Kennedy zu träumen. Man wäre inzwischen schon froh, wenn man wenigstens Carter zurückbekäme.

~ von Paul13 - Montag, 2. November 2009.

19 Antworten to “Jimmy, wo bist Du?”

  1. Ich weiß gar nicht was Du hast: Obamas Vision einer atomwaffenfreien Welt ist doch dazu da, von anderen aufgegriffen und weiterentwickelt zu werden. Ich rechne jedenfalls fest damit, am Donnerstag einen Leitartikel auf der Titelseite der ZEIT zu lesen, in dem es sinngemäß heißen wird: „Erdogans Argument ist nicht ohne jede Logik… die Doppelmoral des Westens … wäre es nicht ein wichtiger erster Schritt …“ usw. usf.

  2. Hier ist es gerade ziemlich kalt und regnerisch. Ist das auch Obamas Schuld?

  3. @ alex

    Ja, er ist ja gegen Erderwärmung.

  4. @ Alex

    Heißt das, Du meinst allen Ernstes, Erdogan, der entgegen der antitürkischen Propaganda bis vor kurzem klar zum Westen und zur NATO gestanden hat, macht seine Kehrtwende rein zufällig und ganz unabhängig vom Kurswechsel der USA gegenüber dem Iran?

  5. Wenig Beachtung findet, dass Katar, der lange am stärksten pro-amerikanisch ausgerichtete Golfstaat sich mittlerweile Iran gegenüber sehr servil zeigt. Vom Messias ist eben keine Rettung zu erwarten.

  6. @Paul
    Welcher Kurswechsel. Bisher besteht amerikanische Außenpolitik doch darin was zu sagen und nichts zu machen. Wo ist da der „change“?

  7. Jetzt mal nicht uebertreiben: Ebenso weinig, wie Obama der allheilbringende Messias ist, ist er an allem Uebel der Welt schuld. Dissens mit den USA ueber Nordiraq, massive wirtschaftliche Interessen im Iran, Schmusekurs mit der Hamas – das alles gab’s schon vor Obama. Insofern ist der Austausch von Freundlichkeiten mit dem Mullah-Regime (ebenso wie der zunehmend zur Schau gestellte Anti-Israelismus) nur der logische Schritt in Erbakans Entwicklung zurueck zu seinen Refah / Millî Görüş Wurzeln. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Bewegung weg vom Westen anders verlaufen wuerde, wenn McCain im White House saesse.

  8. @ the usual suspects

    the usual bullshit: die politische Entfremdung zwischen der Türkei und den USA besteht schon eine ganze Weile und hat eine zetrale Ursache:
    http://www.antiwar.com/lobe/?articleid=3200

    Was heißt das für die Beziehungen zwischen der Türkei und dem Iran? Easy, it means to keep all options on the table:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Iran%E2%80%93Turkey_relations

    Aber natürlich ist Obama an allem schuld – er ist ja auch für die weltweite Homosexualität und die Sonnenflecken verantwortlich.

  9. Ich finde es recht amüsant, dass jetzt so getan wird, als werde Obama von einem nennenswerten Anteil von Personen für die Probleme auf der Welt verantwortlich gemacht. Dabei ist es doch genau umgekehrt, wie Krauthammer argumentiert:

    Is there anything he [Obama, Mr. Moe] hasn’t blamed George W. Bush for? The economy, global warming, the credit crisis, Middle East stalemate, the deficit, anti-Americanism abroad — everything but swine flu.

  10. @Mr.Moe
    Volltreffer – versenkt!

  11. @ Peter

    Also wenn McCain klar auf den Regime Change im Iran setzen und keinen Zweifel daran lassen würde, daß der Iran definitiv nicht die Atombombe bekommt, ganz gleich was es kostet, dann würde Erdogan kaum den gemütlichen NATO-Schoß für den gemneinsamen Untergang mit einem designierten Verlierer eintauschen.

  12. @ Mr. Moe

    Sehr schöner Hinweis. Danke!

  13. @ Peter

    Der „Schmusekurs“ musste damals zumindest als Sondierung von verhandlungsbereitschaft verkauft werden.

  14. @Paul: Das haette meiner Meinung nach an Erdogans Haltung oder Politik nichts geaendert – er haette sie nur nicht so publik gemacht. Der Trend weg vom Westen waere geblieben, denn, wie gesagt, den fuer den ist eben nicht die Wahl Obamas entscheidend, sondern die Wahl Erdogans. Ist aber auch muessig zu spekulieren was waere wenn…
    Just for the record: Ich teile die Ansicht, das McCain eine haertere Gangart gegen den Iran gezeigt haette, und wuerde das auch begruessn. Es steht aber auf einem anderen Blatt, weit er aber angesichts der Rezession und der Gefahr steigender Oelpreise haette gehen koennen. Nicht zu Vergessen die Tatsache, dass die meisten Westeuropaeischen Verbuendeten die USA gerne im Stich lassen. Deren Regierungen gehoeren m.E. viel staerker gescholten als Obama.

  15. Politisch-korrekte sagen Obama.

    Politisch-inkorrekte sagen Obongo.

    Aber Obambi? Als Rassisten wollen wir nicht gelten, aber einen guten Negerwitz muß man schon noch erzählen dürfen, nicht wahr?

    Apropos:
    Obama will in Texas eine Rede halten, und wie Mr. Chimp so am Pult steht, umkreist eine Fliege ständig seinen Kopf.

    „Ganz schon nervig, diese Pferdearschfliegen, was?“ fragt ein alter Cowboy im breitesten texanischen Slang.

    Mischt sich der Moderator ein:“Sie wollen doch nicht etwa den amerikanischen Präsidenten einen Pferdearsch nennen?“

    „Nein, nein, auf keinen Fall…“ spricht der alte Cowboy.

    Und nach einer kurzen Pause:

    „Ziemlich schwer, so eine Pferdearschfliege zu täuschen…“

  16. @ Benedikt

    Ich denke nicht, dass Leute, die auf die Assoziationskette Bambi –> Neger kommen, qualifiziert sind, über Rassismus zu dozieren.

    Aber damit Du auch mal was lernst: Obama hat sich diesen Spitznamen wegen seines naiv-unbefangenen Umgangs mit den Gefahren in. der Welt da draußen verdient.

    Wie Du da auf die Hautfarbe kommst, darfst Du beim nächsten Mal aber gerne Deinem Psychologen erklären, wenn Du beim Rohrschachtest statt einer Vagina den Schwarzen Mann siehst.

  17. @paul: die gründe hat caroline glick vor einiger zeit deutlich herausgestellt.
    „It isn’t that Ankara’s behavior changed fundamentally in recent days. There is nothing new in its massive hostility toward Israel and its effusive solicitousness toward the likes of Syria and Hamas. Since the Islamist AKP party first won control over the Turkish government in the 2002 elections, led by AKP chairman Recip Tayyip Erdogan, the Turks have incrementally and inexorably moved the formerly pro-Western Muslim democracy into the radical Islamist camp populated by the likes of Iran, Syria, Hizbullah, al-Qaida and Hamas.“

    http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1255547729496&pagename=JPost/JPArticle/ShowFull

  18. […] Verbündeten in die Arme der Feinde Amerikas zu treiben – die Türkei; das ist zumindest die Analyse von Paul13. Ich denke zwar, dass die Erdogan-Türkei ohnehin nur auf die Gelegenheit gewartet hat sich […]

  19. […] } Da habe ich mit meiner Einschätzung der türkischen Abwendung vom Westen so falsch offenbar nicht gelegen. Unter dem treffenden Titel […]

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