Die Hoffnungslosigkeit des Hoffenden


Eine der Untaten die man Adorno im Speziellem und den Vertretern der kritischen Theorie im Allgemeinen vorwarf, war der Tatbestand, dass man aus dem was diese Schule der Denkkunst stets hervorbrachte, nichts erbauliches hätte heraus filtern können. Eine Todsünde seit Nietzsche! Doch der Verrat am Positivismus, dessen Verfechter Heute genauso der besten aller Welten frönen wie sie das schon 1848, 1872, 1929 oder 1933 taten reicht tiefer als diese Philister sich jemals eralpträumen konnten. Indem Adorno sich jeder Hoffnung verweigert, sich jeglichem Loblied entzog, gelingt Ihm etwas ungeheuerliches, die Überwindung der Welt in ihrer absoluten Negierung. Die Erkenntnis aber, dass das gesamte Weltall von seinem doch so glänzend scheinenden Beginne, ein einziges Desaster, eine Katastrophe ohne jeglichem Sinne war bringt eine kopernikanische Wende in der Denkeskunst mit sich, wie sie seit Kants kategorischen Imperativ nicht mehr aufzutauchen wagte. Adornos Primus gilt der Vollendung des Selbigen in seiner gleichzeitigen Überwindung. Indem man die Aufklärung beim Worte nimmt muss man sie über sich hinaus treiben, sie quasi überladen um ihr eigentliches Ziel, eine mündige Gattung, zu erreichen. Jegliches Loblied auf diese Welt bringt nur die Wiederholung des Immer selbigen, des ewigen Kreislaufs von Leben und Tod, Aufstiegs und des Niedergangs, der alten Scheiße also, die Marx zurecht auf dem Müllhaufen der Geschichte zu verorten suchte und dennoch scheiterte. War es früher die Kirche die auf Papst und Kaiser sang und doch nur unsäglich jaulte, so sind es heute die sich progressiv gebenden Kräfte die ihre Arien auf Völker und Biotope ( zur Utopie reicht´s halt einfach nicht mehr ) trällern und dabei im Weihrauch des Coffeshops am nächsten Judenmord werkeln. Hach ja, geschlagen ziehen wir nach Haus, unsere Enkel fechtens besser aus. Oder auch deren. Nun soll hier nicht der Führer mit dem Mullah gleichgesetzt werden. Die letzteren habens einfacher. Zwei Atombomben genügen um´s alte Problem zu lösen und anschließend die Welt in einen Bürgerkrieg jeder gegen jedem zu ziehen. Apokalypse statt Utopie. Brave new World.
Die Welt steht am Rande eines erneuten antisemitischen Stahlgewitters. Kann es da Hoffnung geben? Darf es da Hoffnung geben, für eine Welt, die erst 60 Jahre nach Auschwitz erlebt hat, 6 Dekaden, die mit Dschungelkämpfen für Volk, Vaterland und Dosenbier für alle, verschwendet wurden? Adornos Ahnungen, Adornos Furcht vor dem, was er 40 Jahre zuvor auf die Welt zukommen sah und sie zu warnen suchte hat sich vollstes bestätigt. Die Bewegung ist erwacht. Sie ist wohlauf. Sie tourt durch die Welt. Lockt sowohl Hippies als auch Holocaustleugner an. Gibt sich grün und ist es wohl auch. Dabei ist es egal wie die Charaktermasken der Bewegung heißen. Kim Jong-Il oder Ahmadinejad, Chavez oder Bin Laden, das sind nur lebendige Auswüchse des globalen Behemoths, des globalen Todestriebes, der erst die Juden dann sich selbst zu vernichten sucht und geil darauf ist sein eigenes Glied zu verspeisen. Am eigenem Widerspruch wird das Unwesen untergehen, das stand schon vor seiner Geburt fest, was aber nicht feststeht ist der Todeskampf dem es aus ficht. Der Kurs seines Todestanzes dem „es“ einschlägt. Die Gattung steht vor der Entscheidung. Die Spaltung die einst vor Äonen vor Jahren begann ist auf ihrem Höhepunkt. Doch anders als Marx es erwartete steht nicht die Weltrevolution an der Tagesordnung, nicht der alberne Kampf zweier Klassen bevor, das hat sich ins undefinierbare verzogen, evtl. endgültig erledigt. Es steht etwas an was keiner ahnte. Der Krieg des sozialen Es gegen das soziale Ich, der Kampf zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft. Zwischen Horde und Staat, der zwischen Leviathan und Behemoth. Marx konnte niemals wissen, dass all die bisherige Geschichte nicht der Kampf zwischen Klassen war, sondern etwas grundsätzlicher, der zwischen Es und Ich. Meister und Sklave sind nur Formen dieses Krieges.
Was bleibt übrig? Hoffnung auf eine neue Runde? Oder aber die Zuversicht, dass der IDF das gelingt, was dem Proletariat verwehrt blieb, nämlich die Aufklärung militant durchzusetzen und Bedienungen zu Schaffen für eine wahrhaft menschliche Welt. Keine perfekte Welt, aber zumindest im bestem bürgerlichem Sinne eine freie Welt. Besser als Nichts.

~ von analytics23a - Samstag, 10. Oktober 2009.

22 Antworten to “Die Hoffnungslosigkeit des Hoffenden”

  1. Nett gemeint, sprachlich aber unter aller Sau (um nur eins herauszugreifen: wer soll denn bitte Adornos „Primus“ gewesen sein?) – sobald die Analogien aus der Psychologie eingesetzt werden, wird es aber nur bizarr. Betrunken gewesen?

  2. Adorno verweigerte sich nicht jeder Hoffnung sondern, jedes metaphysichen Trosts über die Welt wie, dass das Leben in ihr einen höheren oder außer ihr liegenden Sinn hätte. So schrieb er auch in der Minima Moralia: „Hoffnung ist am ehsten bei den Trostlosen“

  3. Gaga. PlemmPlemm. Völlig paranoid. Schön, dass Ihr das nochmal so explizit unter Beweis stellt. Die antisemitische Weltverschwörung und die IDF als Agent des Guten und des historischen Fortschritts. Holy shit. Wie heisst die Droge, die Du genommen hast? War es nicht die Muskatkuß, die – geraucht konsumiert – einen den eigenen Schwanz fressen machen lässt? Herrgott! Wirf Hirn vom Himmel und beschütze Adorno und Marx vor der geistigen Vergewaltigung…

  4. analytics liegt im Grunsatz schon richtig. Wenn Kapitalismus herrscht (um sich mal eine kleine Personifikation zu gestatten) und Marxens Analyse des Warenfetischs zutreffend diesen Vergesellschaftungsform charakterisiert, dann sind Juden notwendig das Objekt, das in Verwertungskrisen als Ursache allen Übels identifiziert und liquidiert wird. Das bringt die Dialektik der Wertform einfach mit sich. Die Defense Forces verhindern demgemäß ganz praktisch regressive Kapitalismuskritik, i.e.: den Rückfall in die Barbarei.
    Selbstverständlich zeichnet nicht nur „der Kapitalismus“ für Antisemitismus verantwortlich. Ganz plan: Wenn man sich die Leidensgeschichte der Juden anschaut, die tatsächlich die einzige Gruppe sind, die über alle Zeitläufte, politische, religiöse und ökonomische Systeme hinweg mit dem „Bösen“, „Negativen“, „Abstrakten“, etc. ineins gesetzt wurden, dann ist die Verteidung der Juden bzw. diejenige von deren Staat oberstes Gebot. Quiet simple.

  5. Und das wussten selbstverständlich auch Marx, der im Kapitalfetisch die verrückteste und gefährlichste aller Fetischformen lokalisiert hat, und Adorno, der das mit seinem kategorischen Imperativ, das „Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe“ (Negative Dialektik, ziemlich in der Mitte), äußerst deutlich zu Tage treten lässt.
    P.S.: Muskatnuss wirkt nur nach peroraler Einnahme halluzinogen.

  6. @ anal-ytics

    Edelster Stuß. Die gesamte menschliche Entwicklung auf den Nah-Ost-Konflikt zuzuspitzen ist in etwa so sinnvoll wie alle geschichtlichen Prozesse aus dem immerwährenden Kampf zwischen Links- und Rechtshändern zu erklären. Aber entlarvender als die schwachsinnige „Analyse“ des Antisemtismus als DIE menschliche Ursünde, die alles erklärt, ist dabei verwendete Sprache:

    „Die Gattung steht vor der Entscheidung. Die Spaltung die einst vor Äonen vor Jahren begann ist auf ihrem Höhepunkt. .. Es steht etwas an was keiner ahnte. Der Krieg des sozialen Es gegen das soziale Ich, der Kampf zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft. Zwischen Horde und Staat, der zwischen Leviathan und Behemoth.“

    Das ist die Sprache des Hl. Krieges zwischen den Rechtgläubigen / Richtigrassigen und dem absolut Bösen, d.h. den Ungläubigen / Untermenschen, in dem es nur ein mögliches Resultat geben kann: den Endsieg, der zur vollständigen Vernichtung der Gegenseite führt. Es ist die Logik der Inquisition bzw. aus „Mein Kampf“.

  7. @a new era: „Das ist die Sprache des Hl. Krieges zwischen den Rechtgläubigen / Richtigrassigen und dem absolut Bösen, d.h. den Ungläubigen / Untermenschen“

    Das ist sie natürlich nicht. Die etwas überpointiert runtergeratterten Begriffspaare entstammen ja gerade nicht irgendwelchen privatideologischen „Anfangsgründen“ (Kant), die Mittel und Zweck gleichermaßen in der prospektiven Vernichtung aufgehen lassen. Leviathan/Behemoth: Das sind polemische, gleichwohl analytische Begriffe aus der politischen Theorie von Thomas Hobbes und die stellen eben den Unterschied zwischen vertragsgarantierendem Rechtsstaat und racket-gebundenem „Unstaat“ (Neumann) heraus. Ersterer, und auf dessen Seite schlägt sich analytics ganz zurecht, ist zunächst einmal zum Schutz der Kapitalverwertung da und da seine Bürger die Exekutanten dieser Verwertung sind in all ihrer Leibhaftigkeit mithin zum Schutz der leiblichen Integrität seiner Bürger. Gleiches gilt für den Unterschied von Gesellschaft/Gemeinschaft: Erstere ist ein Begriff für abstrakt vermittelte Herrschaft, letztere für die ideologische Verklärung persönlicher Abhängigkeitsverhältnisse via Ein- und Ausschlussverfahren. Die Metapher mit dem sozialen Es/Ich ist reichlich schief („wilde Psychoanalyse“, Freude), setzt das aber insofern fort, als analytics, ebenfalls völlig rechtens, die zivilisatorischen Standards des menschlichen Zusammenlebens nicht zugunsten des regredierenden Totalkollapses fallen sehen mag.
    Die Begriffe sind, kurz, kritische und haben mit simplen Gut/Böse-Dichotomien nichts zu tun. Der Kampf der „Richtigrassigen“ gegen die „Untermenschen“ lässt sich, im Gegenteil, mit der zweiten Seite der von analytics aufgeführten Begriffe prima fassen: Behemoth, Gemeinschaft – das sind nämlich die passenden politischen Abstraktionen für NS-Staat/Sharia-Staat einerseits, Volksgemeinschaft und umma andererseits.
    Die Logik der Inquisition hat übrigens ziemlich wenig mit derjenigen aus „Mein Kampf“ zu tun.

  8. @ CP

    Eine schnelle Antwort und der qualifizierte Versuch eine unhaltbare Position zu verteidigen. Trotzdem gescheiter, weil:
    1. Also ich behaupte nicht, Experte für die politische Theorie(n) Thomass Hobbes zu sein. Aber seinen Leviathan als „vertragsgarantierenden Rechtsstaat“ zu bezeichnen erscheint mir doch sehr gewagt. Schließlich handelt es sich um die klassische Apologie des absolutistischen Staates, der keine Begrenzung des staatlichen Herrschaftsbereiches durch Verfassung und/oder Volkswillen vorsieht. Näheres hier:

    „Hobbes nennt zwei Wege in den Staat, beide sind begründet durch Angst. Der Staat durch Vertragsschluss entsteht durch die Angst der Menschen voreinander. In dieser Konsequenz verzichten alle auf ihr Naturrecht und schaffen durch eine „Vereinigung aller zu ein und derselben Person“ den Staat, den Hobbes „Leviathan“ nennt und als „Sterblichen Gott“ bezeichnet. Der zweite Weg in den Staat ist die bloße Aneignung eines Staates durch einen übermächtigen Gegner. Die Angst der Bürger vor der Macht des Eroberers gewährleistet Frieden. Durch die ihm zuerkannte Autorität ist der Souverän in der Lage, „alle Bürger zum Frieden und zu gegenseitiger Hilfe gegen auswärtige Feinde zu zwingen.“ Er regiert mit uneingeschränkter Gewalt, also absoluter Macht, der sich alle zu unterwerfen haben. Insbesondere ist er – anders als die nun zu Untertanen gewordenen Menschen – selbst nicht Vertragspartner des Gesellschaftsvertrags und lebt damit als einziger außerhalb des Rechts. Jedoch kann er sich damit nicht mehr als einziger im Naturzustand befinden, weil der Naturzustand jedem Menschen das Recht auf alles zuspricht (Naturrecht). Daraus resultieren nach Hobbes die konkurrierenden, argwöhnischen, sowie ruhmsüchtigen Verhaltensweisen des Menschen. Mit dem Abschluss des Gesellschaftsvertrages, mit dem die Legitimation des Souveräns einhergeht, ist der Naturzustand aufgehoben, sodass sich der Souverän auch nicht mehr in diesem befinden kann; er ist Produkt des Vertrages. Der Souverän befindet sich also weder im Naturzustand noch innerhalb des geschlossenen Gesellschaftsvertrages, dem er übergeordnet ist. Demzufolge müsste für ihn eine dritte Kategorie geschaffen werden. Nur diese dritte Kategorie stellte unter der Voraussetzung, dass er seine Untertanen zu beschützen versteht, diesen rechtsfreien Raum dar. Seine Macht steht über jeder Gerechtigkeit.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Leviathan_(Thomas_Hobbes)

    2. Das trifft auch den von analytics aufgegriffenen Gegenbegriff des Behemoth. Dieser von Hobbes negativ besetzte Naturzustand, in dem das Leben „einsam, armselig, scheußlich, tierisch und kurz“ ist, ist ein antipolitischer vorstaatlicher Status und deshalb NICHT mit der nationalsozialistischen Diktatur oder der Herrschaft der Sharia gleichzusetzen. Allenfalls könnte man argumentieren, dass die Lebensbedingungen in sog. failed states wie Somalia oder Afghanistan im Bürgerkrieg nach dem Abzug der Sowjetunion diesem Zustand nahe kommen. Interssanterweise treten in diesen Ländern die Islamisten als Ordnungsmacht auf und verdanken dieser Funktion ihre – zumindest befristete – Popularität in der Bevölkerung.

    3. Gleiches gilt für das von analytics postulierte und von Dir verteidigte Gegensatzpaar „Gesellschaft“ versus „Gemeinschaft“: die Definitionen sind unscharf und führen in konsequenter Anwendung zu Blödsinn. So war die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland natürlich eine moderne arbeitsteilige Industrie-Gesellschaft, die durch abstrakte Entscheidungsregeln (Recht) gesteuert wurde. Gleiches gilt für die Islamische Repunlik Iran. Würde es sich um Stammesverbände handeln, in der allein die Verwandschaftsbeziehung und die persönliche Loyalität zum Häuptling / Sippenältesten zählt – könnte man sich den ganzen Aufwand mit Propaganda, Plebisziten und manipulierten Wahlen schenken. Umgekehrt ist der Kientelismus ein klassisches Instrument der Herrschaftssicherung in den politischen Systemen z.B. Südeuropas. Ist also deshalb die griechische PASOK Teil der islamistischen Weltverschwörung, weil sie den ländlichen Raum über ineffiziente Beschäftigugsverhältnisse im öffentlichen Dienst subventioniert? (Ich könnte jetzt auch Beispiele aus der israelischen Innenpolitik raussuchen, um analytics zu ärgern, aber das ist besides the point).

    4. Völlig blödsinnig wird es, wenn analytics aus einer Kritik der europäischen Linken / Alternativen eine antisemitische Weltverschwörung konstruiert. Kim Jong Ils REgime hat viele Feinde und noch mehr Probleme, aber sein kleinstes dürfte die Existenz des Staates Israel sein. Dass sein Regime als Teil eines globalen Todestriebes erst „die Juden“ und dann sich selbst zu vernichten sucht ist so eindeutig kontrafaktisch, dass diesen Blödsinn auch dein freundliches Geschwätz von den „zivilisatorischen Standards des Zusammenlebens“, die von dem sich azeichnenden „redigrierenden Totalkollaps“ bedroht werden, nicht retten vermag.

    5. Und damit komme ich zum zentralen Punkt: analytics hypertrophierte Fantasien von der weltweiten antisemiischen Verschwörung verstellt den Blick auf den realen Konflikt und die Optionen für seine Beendigung. Denn wenn die Gegenseite qua sozialem und politischen Status als Verhandlungspartner nicht in Frage kommen – bleibt logischerweise nur ein militärischen Sieg, der einen Siegfrieden ermöglicht. Und NUR in dieser Hinsicht stimmen die Inquisition und der nationalsozialistische Rassenkrieg überein: sie wollen ihren Gegner nicht besiegen, sondern ihren Feind vernichten.

  9. DJ mal wieder. Viel Stuss, null Inhalt. Puuh. ANE, noch nie was von Franz L. Neumann gehört? Gerhard Scheit? Einschlägige Arbeiten von Leo Strauss? Die Rackettheorie von Horkheimer? Nein?

    Erst schön die HA machen, dann erst Maulen. Furchtbar.

  10. a new era: Antwort folgt, mit Zitaten aus den echten Werken, anstatt der Wikipedia-Artikel. Um sich Peinlichkeiten zu sparen, könnten Sie sich, vor allem in Betreff der Beurteilung Leviathan/Behemoth noch korrigieren. Die Zeit läuft!

  11. Mir kam da eine Idee: Da deine Antwort doch Essaycharakter und auch die entsprechende Größe haben dürfte wäre es nur von Vorteil, sie als eigenständigen Post hier auf diesem Blog zu veröffentlichen. Paul, deine Meinung ist gefragt.

  12. @ analytics

    Fein. Du bist also kein einzelner Spinner, sondern kannst Dich auf die Überlegungen anderer Spinner berufen. Ein Beispiel: zur Hyperthrophisierung des Antisemitismus bei SCHEIT hier ein ziemlich ausreichender Komentar:
    http://www.ca-ira.net/isf/beitraege/bindseil-offener.brief.scheit.html

    Was NEUMANNs Analyse zur Herrschaftstruktur des Nationalsozialismus betrifft, so ist sie brilliant, aber leider in keiner Weise state of the art. Als Migrant in den USA hatte er in den vierziger Jahren notwendigerweise nur einen sehr beschränkten Zugriff auf Akten und Dokumente der empirischen Herrschaftspraxis im nationalsozialistischen Deutschland.
    So gibt es in der zeitgeschichtlichen Debatte zum nationalsozialistischen Herrschaftssystem seit Jahrzehnten die These des „schwachen Diktators“ bzw. der „schwachen Diktatur“. Diese bezieht sich aber auf die polyzentrischen Entscheidungsstrukturen des Dritten Reiches und den wachsenden Einfluß, den Fachbürokratien und koservative Eliten auf die Herrschaftsausübung im Deutschen Reich während der Aufrüstung und insbesondere während des Zweiten Weltkrieges gewannen. Daraus die Schlußfolgerung abzuleiten, der Nationalsozialismus hätte sich durch die Herrschafts „des Mobs“ bzw. einzelner „Rackets“ ausgezeichnet, ist schon ziemlich abenteuerlich. Im Gegenteil: es gab bis kurz vor Kriegsende eine stabile Kooperation zwischen nationalsozialistischen Entscheidungs- und konservativen / nationalen Funktionseliten: Militär, Wirtschaft, Verwaltung, Justiz, Wissenschaft. Keine Goldene Horde, sondern Buchhalter des Massennmordes.

    SRAUSS ist einer der theoretischen Wegbereiter der NeoCons. Seine politische Philosophie ist zutiefst antiliberal, elitär, in großen Teilen anti-demokratisch, mit einer expliziten Verachtung für „die Masse“, die lieber glauben als denken soll:

    „daraus, dass das rechts-gewordene Deutschland uns [Juden] nicht toleriert, folgt schlechterdings nichts gegen die rechten Prinzipien. Im Gegenteil: nur von den rechten Prinzipien aus, von den fascistischen, autoritären, imperialen Prinzipien aus lässt sich mit Anstand, ohne den lächerlichen und jämmerlichen Appell an die droits imprescriptibles de l’homme, gegen das meskine Unwesen protestieren. […] Es gibt keinen Grund zu Kreuze zu kriechen, auch nicht zum Kreuz des Liberalismus, solange noch irgendwo in der Welt ein Funke des römischen Gedankens glimmt.“
    Leo Strauss: Brief von Leo Strauss vom 19. Mai 1933 aus Paris an Karl Löwith
    Deine Bewunderung für solche Gedankengänge solltest Du mit Deinen NeoCon-Kumpels klären.

    Zur Rackettheorie von HORKHEIMER: ich gebe, zu ich habe diese Form der gesellschaftlichen Analyse immer als methodisch unscharf und empirisch wenig fundiert empfunden. Aber nehmen wir eine bekannte Zusammenfassung von Horkheimers wichtigsten Thesen:

    „Ausgangspunkt der Rackettheorie ist […] eine Analyse der zeitgenössischen Gesellschaft als eines Konglomerats organisierter Gruppen unter der Leitung bürokratischer oder quasi-bürokratischer Eliten. Das Verhältnis von Elite und Klientel ist nach dem [neofeudalen] Prinzip Schutz gegen Gehorsam strukturiert. Da die einzelnen Rackets nicht einmal mehr vorspiegeln, geistige Ideale oder gesamtgesellschaftliche Ziele zu
    verfolgen, verschwinden auch die überkommenen Ideologien, […]. An ihre Stelle treten unverblümt pragmatische Zielsetzungen, Zwecke der Manipulation und der Machterhaltung.“
    Gunzelin Schmid Noerr: Nachwort des Herausgebers,
    zitiert nach HORKHEIMER, Max: Gesammelte Schriften Bd.5: Dialektik der Aufklärung und Schriften 1940-1950, hrsg. von Gunzelin Schmid Noerr, Frankfurt/M.: Fischer, 1997.

    Wenn die Rackets also keine „geistigen Ideale und gesamtgesellschaftliche Ziele“ verfolgen, dann weiß ich eins: das Mullah-Regime im Iran ist KEIN racket. Denn dieses Regime hat einen islamischen Gottesstaat errichtet und will diese Herrschaftsfom zumindest in der schiitischen Welt verbreiten.

    More names to drop?

  13. @ CP

    Die Zeit kann von mir aus weiter laufen. Es gibt nichts zu korrigieren. Ich erwarte Deine Antwort.

  14. Strauss als Faschist… looooooool.

    The stuff must be good.

  15. Zu Strauss: Du hast Dir selbst wiedersprochen. Du sprichst es selber aus, das war eine Synthese aus Mob und Elite. Bürokratisch vermittelt. Das war alles was vom Staat übrig geblieben war. Zu den Rest wird sich CP äußern.

  16. @ Analytics

    ANE darf selbstverständlich hier was posten, da er bereits mehrmals (alleine in diesem jahr dreimal) Mitarbeiter des Monats war und noch nie von der damit vebundenen Option Gebrauch gemacht hat. Das weiß er aber auch, und ich glaube er will das gar nicht. Aber bei Interesse den Text einfach nur als Mail an mich, dann stelle ich es gerne rein.

  17. Ich meinte CP.

  18. @ analytics

    1. Faschist. Falls Du es nicht mitbekommen haben solltest: es handelt sich nicht um eine Einschätzung von mir, sonderm um ein Zitat. Ich würde ihn eher als anti-demokratischen Elitentheoretiker bezeichnen, aber zumindest hat er in der Anfangsphase des italienischen Faschismus Sympathien für Mussolinis Regime entwickelt:

    „Strauss is arguing that fascism may be an antidote to Nazism. His fascism turns to the Italian model of Mussolini, which drew intensely from the thoughts and concepts of the Roman empire. It was to be sure chauvinist and tinged with racism, but had not in 1933 manifested anything like the anti-Semitism that was being seen in Germany.“
    zitiert nach: http://www.harpers.org/archive/2008/01/hbc-90002212

    Ein ziemlich stranger Gedankengang, wenn Du mich fragst.

    2. Die Herrschaftsstruktur des Nationalismus. „… das war eine Synthese aus Mob und Elite. Bürokratisch vermittelt. Das war alles was vom Staat übrig geblieben war.“ Hmm. Eine Synthese (= Verbindung) aus welchem Mob und welcher Elite? Wenn etwas die Etablierung des nationalsozialistischen Regimes auszeichnete, dann die schrittweise Ausschaltung bzw. den Machtverlust der „nationalsozialistischen Bewegung“ zugunsten bürgerlicher Eliten: Röhmputsch / Entmachtung der SA, Bedeutungsverlust des Parteiapparates, Aufstieg des Offizierskorps und der Wirtschaftsführung INNERHALB des nationalsozialistischen Staatsapparates. Es ist richtig, dass die klassische Verwaltungsstruktur durch parallele ad-hoc-Organisationen wie die Organisation Todt, das SS Rasse- und Wirtschaftshauptamt, der Beauftragte für den Vierjahresplan, bis hin zur Leitung der Kriegsproduktion unter Speer) ergänzt und z.T. überlagert wurde. Aber ich finde, es blieb jede Menge Staat „übrig“. Und es ist wirklich albern diesen komplizierten Herrschaftsapparat auf die Propagandaphrase von der „Volksgemeinschaft“ reduzieren zu wollen.

    Aber warten wir die Argumente von CP ab.

  19. Wow! Nach dem kruden Rausch-und-Suff-Konglomerat von analytics hat sich eine erstaunliche Diskussion entwickelt. Wurde mal wieder Zeit, nachdem Bashing die Agonie des Neokonservativismus in letzter Zeit stetig begleitete.

    „Wenn Kapitalismus herrscht (um sich mal eine kleine Personifikation zu gestatten) und Marxens Analyse des Warenfetischs zutreffend diesen Vergesellschaftungsform charakterisiert, dann sind Juden notwendig das Objekt, das in Verwertungskrisen als Ursache allen Übels identifiziert und liquidiert wird.“
    –> Dieser Gedankengang von CP ist interessant, widerspricht er doch der zentralen These von Neuliberalen und Neocons: nämlich, dass nur Kapitalismus und die daraus entstehende „freie“ Gesellschaft den Judenhass eliminiere. Da der Kapitalismus alle Bindungen zerstöre, die auf restriktiven Strukturen basieren, gewissermaßen die Gesellschaft völlig entgrenze und den Menschen auf das rein ökonomische reduziere, könne Judenhass nicht mehr funktionieren. Der Mensch ist radikal gleich, und jeder Ausbeuter kann auch Ausgebeuteter werden und sein. In dieser Gleichheit schwindet der Hass auf die Gruppe der Besonderen, der Anderen – allerdings schwindet auch diese selbst, sofern sie nicht aus rein freiheitlichen Motiven besteht.

    Insofern verdammt diese Philosophie allen Antikapitalismus als antisemitisch, da er die radikale Gleichmacherei und die Entgrenzung aller Strukturen durch den Kapitalismus aufhalte. Ich kann CPs Analyse nicht folgen, wenn er erklärt, Kapitalismus würde Antisemitismus hervorbringen. Ich sehe dies nur gegeben durch die immanenten Systemkrisen dieses Wirtschaftssystems, die politisch ganz gewaltige Auswirkungen haben, und in denen Kräfte die Oberhand gewinnen, die unter dem Druck der Masse nach Sündenböcken für die Misere suchen. Hier bieten sich die Juden als althergebrachte Minderheit – die zudem durch die entgrenzende und strukturzerstörende Tendenz des Kapitalismus zu sozialem Aufstieg gekommen sind – an. Letztlich produziert der Kapitalismus aber nicht mehr Antisemitismus als seine ökonomischen Vorgängersysteme. Nur haben die enormen, durch ihn frei gesetzten Produktivkräfte die Möglichkeit grundsätzlich mörderischer zu wirken, als dies vorher der Fall gewesen ist.

    Im generellen bin ich bei A New Era, der richtigerweise von der Hypertrophierung des Antisemitismus schreibt. Der Versuch damit die Welt zu erklären, wird scheitern. Nicht zuletzt, weil der Antisemitismus im wesentlichen ein im weitesten Sinne europäisches Phänomen ist. Nur im Abendland bildeten die Juden die einzige, die sichtbarste und die dauerhafteste Minderheit.

  20. Das hat sich ja nun doch recht ausgewachsen. Wo anfangen? Der Reihe nach.
    a new era:
    In Ihrer ersten Replik auf meinen Kommentar haben Sie zwar auf der Grundlage des Wikipedia-Artikels korrekt Hobbes Ansicht des schieren Zustandekommens des berüchtigten „Gesellschaftsvertrages“ dargetan und damit dessen Meinung, wie ein Staat konstituiert wird. Allein: Das hat mit dem, was ich zuvor schrieb, gar nichts zu schaffen. Ging es mir doch nicht um Genese, sondern meinethalben Geltung und, falls er überhaupt gilt, Funktion des Staates und die besteht, laut Hobbes, nun recht eindeutig im „Schutz“ seiner „Untertanen“. Selbstverständlich dürfte das zu Hobbes Zeiten eine schiere Verniedlichung des Verfügungsgewalt des Souveräns darstellen, nur ist der gute Hobbes sich selbst oft nicht sicher. Wenn er über den englischen Staat spricht, also gleichsam Zeitdiagnosen aufstellt, dann operiert er mit rhetorischen Fragen, stellt sich selbst Fragen aus der Position eines fiktiven Gegenübers, kurz: die royalistische Treue (die ihm von Arendt ja dann auch so ausgelegt wurde, dass er „der einzige politische Denker [sei], der je für den von ihm entworfenen Staat mit Stolz den Namen Tyrannis in Anspruch genommen hat“ [Elemente…]) verdeckt, was er nicht nur ahnte, sondern genau wusste über die erst später sich voll entfaltende bürgerliche Gesellschaft: Dass der Souverän der Garant des Rechtsverhältnisses ist. Dieses wiederum ist das reziproke Verhältnis zweier mit Autonomie begabter Individuum, mit einander Verträge zu schließen. Erstaunlicherweise teilt Hobbes diese Ansicht (exemplarisch hier: „That men performe their Covenants made“ [chap. 15. Leviathan]) mit Eugen Paschukanis, einem sowjet-marxistischen Rechtstheoretiker; beide folgern aus dem klassischen Grundsatz „pacta servanda sunt“ erstens: Verträge werden freiwillig geschlossen, zweitens: die ganze Gesellschaft stellt sich „als eine unendliche Kette von Rechtsverhältnissen dar“ (Paschukanis, Allgemeine Rechtslehre…), drittens: dies ist nur möglich, weil „gleichursprünglich“ (G. Scheit) mit dem Entstehen dieser Rechtsverhältnisse der Souverän entsteht, der die Einhaltung der Verträge garantiert oder, falls eine individuelle Entscheidung, einen Vertrag nicht einzuhalten, getroffen wird, diese Entscheidung mit einer Sanktion zu belegen. Im Unterschied zu Hobbes freilich reflektiert Paschukanis, dass das Doppel Rechtsverhältnis/Souverän ebenfalls simultan entsteht – logisch und historisch -, was bei Marx „Warenfetisch“ heißt.
    So, dies erst einmal, aus Arbeitsgründen, zu Punkt 1.
    Wie man übrigens darauf kommt, im „Leviathan“ nicht nur eine tendenzielle, sondern gar „die klassische Apologie des absolutistischen Staates, der keine Begrenzungen des staatlichen Herrschaftsbereiches durch Verfassung und/oder Volkswillen vorsieht“ zu entdecken, das ist mir reichlich schleierhaft. Erstens aus oben genannten Gründen, zweitens aber schon mit Blick auf den Wortlaut. Hobbes ist es historisch zwar nicht, logisch aber sehr wohl schnurz, ob nun die monarchische, demokratische oder aristokratische „Staatsgewalt“ (Hobbes) herrscht. Alle historischen Kommentare kommen der schieren politischen Theorie rein äußerlich hinzu. (vgl. etwa chap. 19).
    Später mehr zu den vielen folgenden Punkten.

  21. Zu Punkt 2.: Es kann ja nicht darum gehen, alles, was so passiert, ins Schema Hobbes’scher Theoriebildung zu pressen. Der Kontraktualismus Hobbes‘ wäre eine eigene Ideologiekritik wert. Leviathan/Behemoth – der Unterschied liegt nach Maßgabe des Kapitalverhältnisses (dass ich hier zunächst mal, bis es dann an Parsas Kommentar geht, stillschweigend als existent voraussetze) exakt darin, ob der Staat, dessen vorrangige Aufgabe die Garantie der Rechtsverhältnisse ist, sofern diese Verhältnisse zur kapitalistischen Verwertung taugen (!), mithin die Garantie eben dieser Verwertung, diese Garantie mit dem Schutz seiner Bürger verbindet (Leviathan) oder sie, z.B. inmitten einer Akkumulationskrise, sie gegen seine Bürger durchsetzt (Behemoth) und damit, da die Bürger als Individuen leibliche Träger der Rechtsverhältnisse sind, gegen diese Rechtsverhältnisse selbst. Und „gegen seine Bürger“ kann auch heißen: nach dem Wunsch seiner Bürger. Diese Unterscheidung dürfte analytics im Sinn gehabt haben. Und diese Unterscheidung greift m.E. durchaus Platz, wenn man z.B. die USA und den Iran kontrastiert; oder auch die USA und „failed states“; denn was die Islamisten dort durchsetzen, ist direkte Herrschaft von Menschen über Menschen (Norm-geworden in der Shariah) und gerade nicht Herrschaft vermittelt durch allseitige Rechtsverhältnisse. Das lässt sich, und das wird hier auch noch getan werden, anhand der Kontrastierung Recht vs. Shariah und Leviathan vs. die politischen Verhältnisse im Iran recht gut verdeutlichen.

  22. @ CP

    Wir sollten uns entscheiden entweder führen wir eine Debatte um die Entwicklung der Staata(rechts)theorie seit Hobbes – was angesichts Ihrer bisherigen Beiträge intellektuell anregend sein dürfte. Oder wir diskurieren auf der Grundlage der doch ziemlich wirren Endzeitfantasien von “ analytics“. Ich schlage ersteres vor.

    I. Also zu Hobbes: ich bleibe bei meiner These, dass es sich bei seinem Leviathan um eine Streitschrift zur Verteidigung des uneingeschränkten absolutistischen Herrschers (idealtypisch: Ludwig IVX.) handelt. Dabei bezog er sich durchaus auf die zeitgenössische politische Praxis, wobei die Konfliktlini natürlich nicht zwischen Monarchie und Demokratie – im modernen Sinnes des Wortes – verlief. Sondern zwischen Absolutisms und Konstitutionalismus, oder anders ausgedrückt: über die Kontrolle des Herrschers und die formale Begrenzung seiner Herrschaftsgewalt durch die Privilegien des Adels und der Kirche bzw. dem Steuer- Gesetzgebungsvorbehalt einer ständischen Versammlung. Hobbes politisches Denken ist sicherlich durch den englischen Bürgerkrieg geprägt, der den Untergang des Absolutismus auf britischem Boden einleitete. Hobbes war aktiver Parteigänger zugunsten des Königs. Und deshalb ist ihm auf kkeinen Fall „schnurz, ob nun die monarchische, demokratische oder aristokratische „Staatsgewalt“ (Hobbes) herrscht.“ Denn er sieht ja gerade in der Kontrolle, der Begrenzung der Herrschaftsgewalt, die Gefahr, dass der „Naturzustand“ sich Bahn bricht. In dieser Hinsicht war er eindeutig anti-demokratisch.

    Was den absoluten Herrscher als Garanten des Rechtsverhältnisses zwischen seinen Untertanen – auch den handel treibenden Bürgern – so haben Si bis zu eiem gewissen Grad recht. Nicht zuletzt, weil sich erst durch die zentrale Herrschaftsgewalt eineheitlich verwaltete Territorium herausbilden konnten, eine entscheidende Voraussetzung für die Entstehung von Nationalstaaten. Allerdings ist der Herrscher bei seiner Staatsräson ausdrücklich an diese Rechtsverhältnisse nicht gebunden, da er über dem Gesetz steht und es auf ihn nicht anzuwenden ist. Der moderne Rechtsstaat setzt dagegen zwingend die Kontrolle der Regierung durch die Rechtssprechung voraus.

    Und schließlich – diese Sätze sind für jemanden, der sich mit Sprache und Logik befaßt hat schon ziemlich schwerer Tobak:

    II. „Leviathan/Behemoth – der Unterschied liegt nach Maßgabe des Kapitalverhältnisses (dass ich hier zunächst mal, bis es dann an Parsas Kommentar geht, stillschweigend als existent voraussetze) exakt darin, ob der Staat, dessen vorrangige Aufgabe die Garantie der Rechtsverhältnisse ist, sofern diese Verhältnisse zur kapitalistischen Verwertung taugen (!), mithin die Garantie eben dieser Verwertung, diese Garantie mit dem Schutz seiner Bürger verbindet (Leviathan) oder sie, z.B. inmitten einer Akkumulationskrise, sie gegen seine Bürger durchsetzt (Behemoth) und damit, da die Bürger als Individuen leibliche Träger der Rechtsverhältnisse sind, gegen diese Rechtsverhältnisse selbst. Und „gegen seine Bürger“ kann auch heißen: nach dem Wunsch seiner Bürger.“

    Um mal zu sortieren:
    – ein Kapitalverhältnis setzt zeingend voraus, dass ein Klassengesatz existiert: eine Klasse, die über „das Kapital“ vulgo die Produktionsmittel verfügt und deshalb in der Lage ist, den gesellschaftlichen Produktionsprozess zu ihren Grunsten zu organisieren. Und (mindestens) eine weitere Klasse, die im Rahmen dieser Produktionsverhältnisse den gesellschaftlichen Reichtum (BIP) produziert.
    – in einr so organisierten Gesellschaft sichert das Recht-(ssystem) IMMER die erfolgreiche Kapitalverwertung. Durch die rechtlichen Bedingungen des wirtschaftlichen Tausches, der Arbeit und der Finanzierung des Staates.
    – das bedeutet natürlich nicht, dass alle kapitalistischen Transaktionen (und alle Kapitalisten) immer durch das Gesetz geschützt werden: es gibt politische Interessen des Gesamtstaates, es gibt Interessengegensätze der verschiedenen Kapitalgruppen, die auch über Rechtssetzung und -streit ausgefochen werden und es gibt selten die Notwendigkeit, in einer revolutionären Situation Zugeständnisse an die anderen Klassen zu machen, um die Stabilität des Gesamtstaates zu sichern.

    III. Bis hierhin kann ich mit. Ich bin nicht Ihrer Meinung, aber es macht Sinn – und spaß – zu diskutieren. Leider versuchen Sie dann analytics Geschwärtz zu retten und das geht nur durch Aufgabe Ihrer argumentaiven Standards:
    „denn was die Islamisten dort durchsetzen, ist direkte Herrschaft von Menschen über Menschen (Norm-geworden in der Shariah) und gerade nicht Herrschaft vermittelt durch allseitige Rechtsverhältnisse.“

    Es gibt verschiedene Gründe, die Shariah abzulehnen. Mich stört amm meisten, das sie zutiefst patriachalisch ist und ihr Leibstrafensystem vormoderne Grausamkeit verkörpert. Aber sie ist ein religiös begründetes „allseitiges Rechtsverhältnis“ – genau wie die Thora:
    „Gottes Gesetz. Das göttliche Element ist vom jüdischen Recht nicht zu trennen, was dazu führt, dass man es hier mit einer Vermischung von ius humanum mit ius divinum zu tun hat. Viele Gesetzgeber pflegten sich auf die Unterstützung ihres Gottes zu berufen, ja sich sogar auf einen von Gott erteilten Auftrag zu stützen wie z.B. König Hammurabi. Aber auch in späterer Zeit findet man nicht selten Könige von „Gottes Gnaden“, die ihre Legitimation zur Gesetzgebung von Gott ableiten. Das mosaische Recht geht einen Schritt weiter. Sein Ausgangspunkt ist der Glaube, dass nicht nur die zehn Gebote von Gott persönlich in Stein graviert wurden, sondern dass die ganze Tora, die fünf Bücher Moses, von Moses selbst niedergeschrieben wurden, nachdem er sie aus Gottes Mund wahrgenommen hatte (nachzulesen im 2. M.). Die Tora sei eine Offenbarung und enthalte die absolute Wahrheit. Die zwingende Konsequenz dieses Glaubens besteht in der wichtigsten Regel des jüdischen Rechts: Die Gesetze der Tora sind unveränderbar.“
    zitiert nach: http://www.juedisches-recht.de/stu_einfuehrung.php

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