Plädoyer gegen die Diplomatie


„Amerika zeigt, dass es trotz des Ghom-Schocks verhandeln möchte – sollten die Gespräche nun scheitern, wird die internationale Solidarität für einen harten Kurs gegen Teheran noch stärker.“

NOCH stärker? Wow, das müßte dann ja angesichts der mächtigen russisch-chinesischen Blockadeflotte im Persischen Golf und dem nicht minder eindrucksvollen europäischen Totalembargo gegen den Iran vermutlich schon megasuperhammerstark sein. Und das aus dem Mund eines „perfekten Diplomaten“? Da wünscht man sich die Ära weniger perfekter Diplomaten wie Bush, Rumsfeld oder Bolton gleich noch ein bißchen mehr zurück.

~ von Paul13 - Mittwoch, 30. September 2009.

19 Antworten to “Plädoyer gegen die Diplomatie”

  1. @ Paul & fans

    Seufz, Jungs ist es denn so schwer: Diplomatie ist der Versuch, dort zu Vereinbarungen zu kommen, wo militärische Gewalt zu teuer / aufwändig und/oder zu wenig aussichtsreich / technisch nicht möglich ist.

    Die aktuellen Limits für eine amerikanische Militäraktion gegen den Iran hat der Irak-Krieg gesetzt: kleiner, billier, kürzer, mit weniger Verlusten als dieser – kurz: erfolgreich. Angesichts der Topographie, Demographie und Ideologie des Iran bedeutet dies: Verhandlungen, maximal Wirtschaftssanktionen, äußerstenfalls Blockade. Letztere dürfte die USA aber politisch(von Rußland + China) mehr kosten, als Obama auszugeben bereit ist. Sorry Jungs, die Realität ist grausam. Bedankt euch bei Bush, dem Stümper.

  2. Die aktuellen Limits für amerikanische Militäraktionen kommen daher, dass man (auf Kosten des eigenen Militaers zivile Verluste minimieren will (aus welchen Gruenden auch immer, und wie sinnvoll es auch sein mag).

    Die Diplomatie mit Leuten wie der iranischen Regierung in der derzeitigen Position hingegen kann immer nur auf Basis von Drohungen (sowohl militaerisch, als auch nicht) gehen. Wenn diese Drohungen sowohl glaubwuerdig als auch furchteinfloessend sind, koennen diplomatisch Erfolge erreicht werden. (Machmal kommen natuerlich Versprechen dabei raus, deren Einhalten niemand ueberprueft.)

  3. @ ANE

    Ergänzend möchte ich noch anmerken, daß es hier ja gar nicht primär um militärische Abenteuer gehen muß. Wenn die SoftPower-Fraktion ihren Job machen und den Mullahs mit einem internationalen Totalembargo auf alles den Saft abdrehen würde, müßte wahrscheinlich kein Schuß fallen. Aber dann müßte die Appeasementfraktion natürlich erst mal lernen, die Fresse zu halten.

    Denn wie heißt es noch so schon: Wenn der starke Arm der Friedensfreunde es wirklich will, stehen in Schurkenstaaten alle Räder still. Oder so ähnlich. Wenn nicht-militärische Mittel den militärischen auch nur halb so übelegen sind, wie die Kriegsgegner immer behaupten, solte das jedenfalls kein allzu großes Problem darstellen. Falls aber doch geschossen wird, dann haben sie wohl gelogen.

  4. @ paul & fans

    Seufz II. JUngs es ist anscheinend doch ziemlich schwer:

    1. othercoast
    Die aktuellen Limits für amnerikanische Militäraktionen ergeben sich aus der Haushaltslage, den laufenden Kriegskosten (nicht nur finanziell) und der Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung, kurz: Bushs Erbe.

    2. Paul
    Es gibt keine SoftPower-Fraktion, diese macht keinen wie auch immer definierten „Job“ und die blöde Anmache der Peaceniks läuft ins Leere weil auch die Hard-core Militärs z.Z. mit den laufenden Abenteuern gut ausgelastet sind. Was es gibt, sind konkurrierende Großmächte (ohne Anspruch auf Vollständigkeit: USA, Rußland, China, Indien) mit völlig unterschiedlichen außenpolitischen Zielsetzungen und Doktrinen, so dass die Hoffnung auf ein „internationales Totalembargo“ des Iran in etwa so wahrscheinlich ist wie ein freiwiller Bonus-Verzicht an der Wall Street. Und zwar völlig unabhängig davon ob „die Appeasementfraktion“ lernt, die Fresse zu halten oder nicht. Deshalb haben auch die US forces unter Bush – trotz der großen Fresse – genau so wenig angegriffen, wie sie es unter Obama tun werden. Lies doch mal ein bißchen außerhalb der Käseglocke:

    http://www.foreignaffairs.com/articles/65230/stephen-kotkin/the-unbalanced-triangle

  5. @ ANE

    Komisch, da hört man andauernd, daß sich Terrorregime mit rein zivilen Mitteln in die Knie zwingen lassen, und dann kommst Du daher und behauptest, daß es all diese Leute, die das behaupten, gar nicht gibt. Das wird ihnen aber gar nicht gefallen.

  6. Mit Iran hätte man vor 2005 zu einer Einigung komen können. Das haben die Bushkrieger bekantlich versaut. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung. Und tatsächlich um Diplomatie. Nämlich den Aufbau einer internationalen Anti-Iran-Koalition. Dies wird schwer genug. Wer meint, Diplomatie bringe nichts, der soll doch offen für einen Krieg plädieren. Aber wenn Deutschland dann mitmacht (jetzt darf Merkel ja endlich), dann bitte auch freiwillig zur Bundeswehr melden. Nicht immer andere Leute für die eigene Freiheit abschlachten lassen. Und dann auch nicht rumheulen, wenn die Bundeswehrpanzer in der mitteliranischen Wüste versinken und Marines durch die Straßen Esfahans geschleift werden.

  7. @ Paul

    Was kann ich dafür, dass Du Claudia Roth zuhörst. Nur Deine Unterstellung, die Welt besteht nur aus Peaceniks und Hardcore-Neocons macht Deine Machtfantasien vom Endsieg des guten Westens auch nicht realistischer. Warum streiten wir nicht einmal über etwas wirklich Spannendes – z.B. was die USA nach den absehbaren Niederlagen im Irak & Afghanistan machen sollten? Oder wie sich das Verhältnis zwischen den USA und Europa – vereinfacht: die EU – angesichts der Aufstiegs der neuen Weltmächte China und Indien entwickeln wird. Wär doch mal was.

  8. @ Parsa

    Selbst wenn dem so wäre, dann frag dich mal warum das bis 2005 möglich gewesen sein soll. Damals hatte nämlich jeder Angst, daß es nach Bagdad gleich nach Teheran weitergeht. So ein Zufall aber auch.

    Im übrigen melde ich mich gerne sofort zu den Marines, wenn Du Deinen Dienst als Opfer in den Folterkellern der Mullahs oder als Versuchskaninchen beim ersten iranischen Atomwaffentest antrittst.

  9. @ ANE

    Träum weiter.

  10. Es ist immer gut, wenn man die Diplomatie mit etwas Verhandlungsgewicht ausstattet. Ob nun die Kosten für eine Cruise Missile grösser sind, als das, was sie ggf. zerdeppern kann, weiss ich nicht, aber es wäre falsch die Option völlig vom Tisch zu nehmen.

  11. @ Paul

    Wer träumt hier? Zur Lage:
    http://zfacts.com/p/447.html
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/south_asia/8291553.stm
    http://www.icasualties.org/OEF/index.aspx
    http://www.icasualties.org/Iraq/index.aspx

    Aber Paul träumt immer noch von der „Greater Middle East“ / central asia / rest of the world-strategy. Dream on …

  12. @ Paul
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  13. @ ANE

    Na, wieder ein bißchen zu tief in den Link-Topf gegriffen? ;-) Und dann auch noch die falschen Links erwischt, das muß bitter sein.

    Vier im September von den Widerstandskämpfern getötete GIs sind jedenfalls ein bißchen wenig, um den Sieg von al-Qaida über die Supermacht USA oder wenigstens die Wiedereinsetzung von Saddam Husseins Leiche halbwegs glaubwürdig vorherzusagen.

  14. So ungern ich das auch einräume, ane hat tatsächlich einmal recht. Er zieht zwar völlig falsche Schlüsse daraus – was Vergangenheit UND was Zukunft anbelangt, aber als Sprachrohr des Status Quo macht er sich ganz gut.
    Es klingt tatsächlich aufgrund der ökonomischen wie politischen Lage der USA eher unwahrscheinlich, dass auch unter den Republikanern ein anderer Kurs eingeschlagen worden wäre. Schließlich ist eine Nation immer noch eine Nation und hat eben auch darauf zu achten, dass sie ihre eigene Wirtschaft nicht gar zu stark gegen die Wand fährt.
    Ansonsten, dass ANE 2005 mit dem Iran zu einer Lösung kommen will spricht natürlich wieder für seine übliche defätistische Menschenverachtung, die sich die Menschen des Nahen Ostens generell nicht anders vorstellen will als unter islamistischer Knute – alles ist wie es ist weil es so ist and I dare you to change something.

    So gesehen macht er eigentlich einen ganz passablen Demokraten, mich gruselt halt nur immer wieder, dass er sich irgendwie links zu verorten scheint.

  15. @ Paul

    WEnn Du Dir meinen neuen Provider genau anschaust, wirst Du feststellen, dass ich bereits auf Mission bin. Höchste Zeit, dass Du bei den Marines anheuerst. Der Kampf für die Freiheit wartet nicht. *tröt* *tröt* *tröt*

  16. @ Paul

    Die US-Streitkräfte werden im Irak in ihren Kasernen / FOBs nicht angegriffen, sondern ihre Feinde warten ab, bis sie nächstes Jahr abziehen -boah ey. Hast Du nicht immer gepredigt, ein festes Abzugsdatum -„artificial timetable“ – würde die Terroristen begünstigen? Tja, jetzt setzt Obama um, was Bush vereinbart hat …

  17. Hier, für dich Paul: http://www.theonion.com/content/video/obama_to_enter_diplomatic_talks

  18. @ ANE

    Ich halte das Bestehen der irakischen Regierung auf einem festen Abzugsdatum zwar für unklug, weil es die Terroristen tatsächlich dazu bewegen könnte, bis dahin einfach den Kopf unten zu halten, aber wenn sie die Lage bis dahin im Griff hat, habe ich damit kein Problem. Und falls nicht, werden sie in Bagdad schon wissen, welche Nummer in Washington sie wählen müssen, damit man ihnen hilft. Wir wollen nur hoffen, daß dann ein Präsident am anderen Ende der Leitung ist, der den Telefonhörer abnimmt.

  19. @ Bruno

    Geil!!! :-) So lustig wie treffend!

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