Die Qual der Wahl


Nachdem bald so ziemlich jedes Blog seine Empfehlung zur heutigen Bundestagswahl abgegeben haben dürfte, will auch NBFS nicht zurückstehen. Die Lage ist diesbezüglich hoffnungslos, aber nicht ernst, auch wenn mein ursprüngliches Angebot, daß ich denjenigen wählen werde, der erstens zugibt, daß wir in Afghanistan einen Krieg führen, den wir zweitens gewinnen müssen – und werden! -, leider von keiner der zur Wahl stehenden Parteien angenommen wurde.

Eigentlich müßte ich angesichts dieser entäuschenden Alternativen als kleinstes Übel vermutlich die FDP wählen, aber die Aussicht auf einen Außenminister Westerwelle macht mich ehrlich gesagt nicht wirklich froh. So viel schlechter macht’s der Steini dann auch nicht, und der macht’s ja schon nicht gut.

Die Merkeline liefert letztlich auch nur Sozialdemokratie light. Das ist zwar zugegeben sehr clever, um die SPD zu zerquetschen, allerdings sieht die daraus resultierende Politik dann auch entsprechend aus. Und wenn sie richtig konservative Politik machen würde, wäre mir das auch wieder nicht recht, denn das daraus unweigerlich resultierende reaktionäre Spießbürgertum ist nun wirklich nicht meine Welt.

Die Grünen sind ebenfalls indiskutabel, denn was soll man von einer Partei halten, die mit ihrem eigenen amtierenden Außenminister nicht nur einen ihrer wenigen Profis nach Afghanistan abschiebt, sondern ihn dort auch noch lieber heute als morgen einem Erschießungskommando der Taliban überlassen würde, während sie die eigenen Wähler  gleichzeitig mit zweitklassigen Amateuren wie Ströbele (besteht eigentlich die Gefahr, daß jemand mit einem Fahrrad ein Selbstmordattentat durchführt?) oder Trittin (steht das „Tin“ eigentlich für „Dose“, und schreibt man „ihn“ nicht mit „h“?) abspeist.

Rein vom Unterhaltungswert her müßte ich vermutlich die Linkspartei wählen, denn wo Westerwelle nur lächerlich ist, wäre Lafontaine im Außenamt richtig zum lachen. Zwar würde das Land unter Beteiligung der ex-SED noch schneller zugrundegerichtet als ohne sie, aber wie heißt es noch so schon: Besser ein ganzes Land geopfert als auf einen guten Gag verzichtet. Andererseits muß ich hier selber vielleicht noch eine Weile verbringen, und ich will letztlich nicht wirklich, daß man mir meine Rente in wertlosen Aluchips auszahlt, die ich dann nach Gewicht abgerechnet gegen Runkelrüben aus Sibirien eintauschen muß.

Die ganzen radikalen Splitterparteien wiederum sind die Tinte nicht wert, mit der sich die angemessenen Kommentare wie „linke Spinner“ oder „rechtes Gesindel“ auf dem Wahlzettel anbringen lassen würden, und von all den Esoterikträumern, Cyberfreibeutern und sonstigen Jägern der verlorenen Wahlkampfkostenrückerstattung wollen wir erst gar nicht reden, auch wenn sie noch harmloser sein sollten als sie langweilig sind.

Also werde ich wohl die Liste 9/11 – „Die (Hard) NeoCons“ (das sind die mit dem Slogan „Four more years!!! And kick some terrorist’s ass!“) und ihren Spitzenkandidaten George W. Bush wählen. Zwar ist der Wahlzettel damit ungültig und die Stimme weggeworfen, aber das wäre sie auch, wenn W. tatsächlich angetreten und mit Nullkommairgendwas nicht mal unter ferner liefen gelandet wäre. Aus purer Sympathie hätte ich ihn trotzdem gewählt. Und so haben die armen Teufel, die zum Auszählen der Wahlurnen zwangsrekrutiert wurden, wenigstens einmal am Tag auch ihren Spaß.

~ von Paul13 - Sonntag, 27. September 2009.

12 Antworten to “Die Qual der Wahl”

  1. hallo Paul…sehe ich leider ähnlich:
    http://freedomwatch.blog.de/2009/09/25/wahlempfehlung-7039313/
    auch wenn ich vermutlich nachher doch wieder zur Wahl des kleineren Übels neigen werde.

  2. Tzz. Diese Politikverdrossenheit*g

  3. @ Paul

    Weltweite Demokratie einfordern und dann zuhause nicht mal zwischen 5 doch einigermaßen akzentuierten Alternativen wählen können und die Stimme „aus Scheiß“ wegschmeißen? Ich hoffe das war Spaß, ansonsten finde ich das ein ziemlich schwaches Bild.

  4. @ Chewey

    Das war kein Spaß! Wirtschaftlich traue ich schwarz-gelb zwar mehr zu, aber außenpolitisch graut es mir vor dem Duell Guido gegen Machmud oder Guido gegen Kim. Gegen diesen kindischen Weichspüler ist selbst Obama noch ein Kriegstreiber. Und Bush wollte ich schon immer mal wählen. ;-)

  5. @ Paul

    Ach komm! Welcher Außenminister wäre dir denn genehm gewesen? Koch? Als ob es in D noch irgendjemanden gäbe, der sich mit Machmud oder Kim duellieren würde. Die Zeiten, sie sind nicht so. Es gibt keine Hardliner mehr. Und ehrlich gesagt, du hättest früher wahrscheinlich auch gekotzt, wie im Falle eines Falles ein Strauß oder ein Dregger mit Kim dann lieber gekuschelt als geholzt hätte. Ausnahme wäre vielleicht Wehner gewesen.
    Der Westerwelle wird das auch nicht schlechter machen als Kinkel oder so. Ich hab den früher auch für einen kindischen Kasper gehalten, aber er ist sich lange Zeit selbst treu geblieben und hat jetzt eine Chance verdient, finde ich. Und um Steinis sprachliche Verrenkungen („die deutsche Geisel wurde nicht ermordert, sondern scheint den Anstrengungen erlegen zu sein“) ist es weißgott auch nicht schade.

  6. @ Chewey

    Also Strauß war auch nur ein Pseudohardliner. Der hat mit Rockerkumpel Erich genauso gekungelt wie die anderen. Und Dregger war einfach nur ein Reaktionär, der wie die meisten Konservativen nichts gegen Diktaturen als solche hatte, sondern nur gegen die falschen Diktaturen.

    Letztlich will ich wohl einen waschechten NeoCon als Außenminister. Das gibt’s hier natürlich gar nicht, und ohne Unterstützung aus Amerika würde das alleine schon wegen der Größe der deutschen Trägerflotte auch wenig Sinn machen.

    Guido hat aber schon einige Äußerungen getan, die mir ziemlich auf die Nüsse gegangen sind, und seine Aversion gegen Bush hat er auch nicht gerade versteckt. Er ist als Außenminister einfach indiskutabel. Da ist mir Steinmeier fast schon lieber.

    Kinkel war übrigens eine große Enttäuschung. Da dachte ich erst, da kommt einer vom BND, der weiß wie’s da draußen in der realen Welt ist, und dann ist er vor Milosevic genauso im Staub gekrochen wie all die anderen. Liberale sind für Dinge wie Wirtschaft und wegen mir auch Bürgerrechte wichtig, aber für Außenpolitik jenseits des Europaministeriums offenbar ungeeignet.

    Es geht hier um die Interessenvertretung eines Landes nach außen, nicht um den Jahrestag der Apothekerinnung. Bei Diktatoren will ich keinen Interessenausgleich und keinen Kompromiß, sondern ihren Sturz. Und das ist nun mal – leider! – nicht liberal.

  7. @ Paul

    „Bei Diktatoren will ich keinen Interessenausgleich und keinen Kompromiß, sondern ihren Sturz. Und das ist nun mal – leider! – nicht liberal.“

    Nicht liberal und nicht rechts. Nicht christ- und nicht sozialdemokratisch. Und links („Raus aus Afghanistan“) schon gar nicht. Nicht mal republikanisch. Nur ein Traum.

  8. @ Chewey

    Bush hat aber den Nachweis erbracht, daß es kein Traum bleiben muß.

  9. @ Chewey

    Ich muß noch mal daran erinnern:

    FDP-Chef Guido Westerwelle sagte: „Die Ära Bush war keine gute – weder für Amerika noch für jene, die sich wie ich als Freunde Amerikas verstehen.“ Nach dem Terror des 11. September 2001 habe Bush einseitig auf militärische Lösungen und auf einen Abbau der Bürgerrechte gesetzt. Der Irak-Krieg habe die Uno geschwächt, das Gefangenenlager Guantanamo sei „eine Schande für all die Werte, für die gerade Amerika steht“.

    ( Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,558401,00.html )

  10. Vergesst nicht wessen Ziehkind Guido ist und das geht nicht bei Moellemann los das fing wesentlich frueher an.
    Soll jetzt keine generelles FDP Bashing sein.

  11. @ Paul

    Na und? Ist doch nix besonderes. Dann bring mir mal das Zitat irgendeines deutschen Politikers, der gesagt hat, die Ära Bush wäre eine gute, Bush habe die richtigen Entscheidungen getroffen, die UNO sei einen Dreck wert und Guantanamo war eine Notwendigkeit. Dann können wir weiter Guido bashen.
    Klar ist das peinlich, wenn ein Außenminister nicht gut Englisch spricht und deshalb BBC-Reporter abwürgen muss. Aber Kohl konnte das auch nicht, das hat seinen „Männerfreundschaften“ nicht im Wege gestanden.

    Ach und noch was: Ohne Wertung, ob Irak ein Erfolg war oder nicht – Bush hat nur den Nachweis erbracht, dass kein Politiker egal welcher Couleur das Instrument der Zwangsdemokratisierung in Zukunft auch nur mit der Mistgabel anfassen wird, sofern er nicht suizidale Tendenzen hegt. Das sollte man sich ehrlicherweise auch eingestehen.

  12. @ Chewey

    Na und? Ist doch nix besonderes. Dann bring mir mal das Zitat irgendeines deutschen Politikers, der gesagt hat, die Ära Bush wäre eine gute, Bush habe die richtigen Entscheidungen getroffen, die UNO sei einen Dreck wert und Guantanamo war eine Notwendigkeit. Dann können wir weiter Guido bashen.

    Und das kommt noch erschwerend hinzu! Bei diesen Witzfiguren wäre meine Stimme eh nicht gut aufgehoben. Lieber Bush und ungültig wählen als diesen unfähigen Dilettanten auch noch eine Legitimation für ihr klägliches Versagen ausstellen.

    Klar ist das peinlich, wenn ein Außenminister nicht gut Englisch spricht und deshalb BBC-Reporter abwürgen muss. Aber Kohl konnte das auch nicht, das hat seinen „Männerfreundschaften“ nicht im Wege gestanden.

    Ich werfe ihm nicht vor, daß er kein Englisch kann, aber das kann man auch anders rüberbringen als jemanden so arrogant abzubügeln. Vor allem dann, wenn angesichts des Stellenwertes der deutschen Sprache gegenüber der englischen Arroganz ohnehin nur in umgekehrter Richtung funktionieren würde.

    Ach und noch was: Ohne Wertung, ob Irak ein Erfolg war oder nicht – Bush hat nur den Nachweis erbracht, dass kein Politiker egal welcher Couleur das Instrument der Zwangsdemokratisierung in Zukunft auch nur mit der Mistgabel anfassen wird, sofern er nicht suizidale Tendenzen hegt. Das sollte man sich ehrlicherweise auch eingestehen.

    Daß der Erfolg seiner Politik in den Medien nicht anerkannt wird, ist nicht Bushs Schuld. Nur weil ich die Lieblingsmahlzeit von Millionen von Fliegen kenne, heißt das noch lange nicht, daß ich meinen eigenen Speiseplan deswegen auch umstellen muß.

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