Das Grübeln…


Wenn man so Sätze liest:

Seyyed Hassan Khomeini, the Grandson of Emam Khomeini in a statement while inviting everyone to participate in Qods Day rally stressed that (reffering to Emam Khomeini) Qods Day is an international day which is not just dedicated to Qods, but a day …for the oppressed to fight oppressors & tyranny.

kommt man langsam ins Grübeln. Was unterstützen wir da eigentlich?

~ von analytics23a - Mittwoch, 16. September 2009.

10 Antworten to “Das Grübeln…”

  1. Diese Frage hätte ich bisher eher in der jungen welt oder im Neuen Deutschland erwartet. Putzig, was unseren Neocons neuerdings für spastische ideologische Verrenkungen einfallen.

    Dass die Iranische Freiheitsbewegung kein Israel-hurrah-wir-lieben-Schwule-und-wollen-auf-der-Straße-ficken-Szenario ist, sollte niemanden überraschen. Ich habe an anderer Stelle bereits darauf hingewiesen, dass man als Unterstützer der Iraner einen langen Atem haben muss. Es wird keine anti-Islam-Revolution geben. Es kann eine Demokratisierung erfolgen, die sich gegen das Militärregime richtet, die allerdings sowohl islamische wie auch säkulare Kräfte einschließt. Khomeini ist zu populär um ihn zu verdammen. Viel wichiger ist, ihn im Sinne der Freiheitsbewegung zu interpretieren und dort die Interpretationshoheit zu erlangen.

    Kritik auch an der Freiheitsbewegung tut not. Aber Hardcore-Neocon-Unterstützer, die meinen Mousavi wäre letztlich genauso wie Ahmadinejad und deshalb der Bewegung in den Rücken fallen, brauchen die freiheitsliebenden Iraner nicht. Es ist IHRE Bewegung. Sie brauchen keine Ratschläge von außen. Schon gar nicht von Menschen, die bisher glaubten, die vermeintlich primitiven Orientalen könnten nur durch Bombenbeglückung aus der Luft befreit werden.

    Zende bad Iran! Ye ya hossein ta mir hossein!

  2. Parsa mag ein Troll sein, aber in der Sache hat er recht. Junge Studentinnen die den Schleier nicht ablegen, Moussavi´s Vorwurf Khamenei habe die islamische Revolution verraten, der Koran als Schutzchild bei vielen Demonstrationen, die Gebete. Diese Revolution ist genuin islamisch, das bedeutet, dass es den Iranern in der Mehrheit nur um die Eliminierung der Wiedersprüche geht. Denkt an diese Worte. Es ist die zweite islamische Revolution.

    Auch ich lag falsch, dass muss ich zugeben. Man ist ja nur ein Mensch.

  3. Nein, analytics, Du lagst nicht nur falsch, Du liegst weiterhin falsch. Du siehst die iranische Freiheitsbewegung durch westliche Augen und hast wenig Ahnung von Iran, von iranischer Geschichte und den bisherigen iranischen Revolutionen.

    Bereits die Iranische Revolution von 1979 (es war die zweite in diesem Land) wurde im Westen verkannt, weil sie nicht ins westliche Denkmuster passte. „Kleriker“ machten nach westlicher Ansicht keine Revolutionen, sie hatten vielmehr Teil des antirevolutionären, konservativen Establishments zu sein. Khomeini bewies, dass der Klerus keineswegs nur konservative Beharrkräfte entfalten konnte, sondern überaus revolutionär die gesamte Gesellschaft umzugestallten vermochte.

    Die momentane iranische Freiheitsbewegung ist ebenso komplex wie die Revolution von 1979. Sie ist keine simple Anti-Regime-Bewegung in dem Sinne, dass sie die Revolution von 1979 ablehnte. Sie will vielmehr viele Ideale verwirklichen, die nach 1979 durch die endgültige Usurpation der Revolution durch die Regime-Islamisten verraten wurden. Bereits die 1979er Revolution wurde durch ein breites Bündnis, das von den Kommunisten über die Nationalisten und Liberalen bis hin zu Islamisten aller Couleur reichte, gemacht. 1979 war ein Jahr der Euphorie, und viele, wenn nicht fast alle aus dem Lande getriebenen Oppositionellen kehrten heim, auch wenn es keine Islamisten waren. Islam und Demokratie schienen durchaus miteinander zu vereinbaren.

    Wir sollten nicht vergessen, dass die momentane Freiheitsbewegung ihren Anfang in den gefälschten Wahlen hatte. Das auslösende Moment war somit die Nichterfüllung des khomeinischen Anspruchs, Theokratie und Demokratie miteinander zu versöhnen. Wir erlebten im Juni die endgültige Usurpierung der halb-demokratischen Institutionen durch die theokratischen, in diesem Falle die Kräfte des militärisch-geheimdienstlichen Komplexes.

    Die Freiheitsbewegten sind somit selbst eine äußerst heterogene Gruppe. Sie umfassen selbstverständlich auch die Exilopposition und alle, die die Islamische Republik als solche ablehnen und eine Demokratie nach westlichem Muster anstreben. Aber die allein sind nicht die Mehrheit. Die Führungsfiguren der Bewegung sind ehemalige Regime-Angehörige wie Mousavi, Khatami und Karoubi, die für eine „bessere“ islamische Republik stehen. Sie verkörpern die demokratische Komponente und die freiheitliche Versprechung der 1979er Revolution – auch wenn sie selbst lange ein anderes Regime mitgetragen haben.

    Die Berufung auf Khomeini ist wichtig, weil der Führer der 1979er Revolution weiterhin eine massive Popularität genießt. Sein eigenes Versagen war zwar, dass er die Usurpation der Revolution durch Islamistische Kräfte hingenommen, ja sogar vorangetrieben hat. Das jedoch verzeihen ihm viele Iraner. Schließlich befand sich das Land fast bis zu seinem Tode in einem existenziellen Kampf ums Überleben gegen Saddams faschistisches Regime und seine westlich-östlichen Verbündeten in aller Welt. Was nicht verziehen wird, ist die Tatsache, dass Khomeinis Erben das Demokratie- und Freiheitsversprechen nach Wegfall der äußeren Bedrohung nicht einlösten. Khatami scheiterte 1997-2005 an den konservativen, theokratischen Kräften innerhalb des Regimes. Dies löste erst Frustration, dann Resignation aus. Ich selbst war noch vor einem Jahr in Teheran und hätte nicht geglaubt, dass die massenhafte Resignation in eine solche Wut umschlagen hätte können. Iran hat uns alle überrascht, wieder einmal.

    Will die Freiheitsbewegung nun eine „zweite islamische Revolution“? Nein, sie will nur die Ideale von 1979 einlösen, und in Iran eine Demokratie errichten – allerdings eine, die sich nicht gegen den Islam richtet. Das ist auch die einzige Alternative, die wirkliche Chancen auf Durchsetzung hat. Sie versöhnt die freiheitsliebende, gebildete und prowestliche Mittelschicht mit den traditionell denkenden, größtenteils gläubigen Unterschichten.

    Wer meint, dieser breiten Freiheitsbewegung nun in den Rücken fallen zu müssen, weil sie nicht 1-zu-1 neokonservativen, westlichen Idealen entspricht, wird letztlich das existierende Regime stärken. So jemand betet die Götze einer westlichen Revolution an, die es in Iran nicht gibt. Die Mittelschichtkinder aus Nordteheran allein werden keinen Umsturz herbeiführen. Sie brauchen die Unterstützung gerade auch derjenigen Schichten, die die Islamische Revopublik, und somit das Regime lange getragen haben.

    Es geht somit nicht um größtmöglichen Idealismus, sondern darum die reale Chance zu ergreifen, Ahmadinejads Regime zu beseitigen. Das gelingt nur dann, wenn man Ahmadinejad und Khamenei dort angreift, wo es ihnen richtig weh tut: indem man ihr Regime anti-islamisch nennt und sie der Verhöhnung Khomeinis und der revolutionären Ideale von 1979 zeiht. Eine rein prowestliche Bewegung dagegen wird scheitern, weil sie Ahmadinejad sowohl die Instrumentalisierung von Islam wie auch persischem Nationalismus erlaubt. Sie wird ihm die Armen und Ungebildeten zutreiben, die den Sündenpfuhl Teheran mehr fürchten als die Repression. Die Menschen in Iran haben nicht vergessen, dass sich die Revolution von 1979 gegen ein politisches Regime richtete, wie es prowestlicher nicht sein konnte: die Schah-Diktatur. „Prowestlich“ ist deshalb kein Synomym von freiheitlich und gerecht. Eher von Heuchelei und schlimmster Unterdrückung.

    Somit ist für die große Mehrheit der Iraner nur ein dritter Weg vorstellbar. Einer, der Demokratie und Islam verbindet, und der sowohl dem persischen Nationalismus wie auch der Volksfrömmigkeit gerecht wird. Dies wäre ein realer Fortschritt.

  4. Parsa, Du ehrst mich indem Du mich – ganz zu Recht im Übrigen – bezichtigst, mit den Augen des Westens zu sehen. Was wäre der Orient nur, ohne den Orientalisten. Und dennoch, trotz fehlender Sympathiepunkte Dir gegenüber, muss ich immer mehr und mehr feststellen, dass Du Recht hast. Diese Revolution ist eine Mutation der 1979er Revolution, d.h. Kontinuation. Eine Schimäre aus persischer Volksfrömmigkeit, direkter Demokratie und Umma-sozialismus, ausgetragen innerhalb eines Racketstaates, welcher bald über die Bombe verfügen wird. Ich weiß nicht was schlimmer wäre, eine islamistische Militärdiktatur mit Apokalyptikern an der Spitze oder aber eine ummasozialistische Direktdemokratie die anti-westlich getrimmt ist. Und ja das stimmt, Khomeneni ist ein Star dort. Und das lässt schlimmes befürchten. Der Tschador bleibt. Klasse. Eine Revolution, die Volk und Islam, Nation und Umma sich auf die Fahnen geschrieben hat. Jeder der kritische Theorie kennt, weiß wohin die Reise geht.
    Der berühmte dritte Weg. Parsa hat Recht, er mag zwar Orientalist sein, aber er kennt den Orient mehr als wir, denn der Orientalist und sein Objekt sind eins. Der, der über den Orient spricht, spricht über sich selbst.

    Wir Narren!

  5. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Eine islamische Demokratie. Orientalischer Nationalsozialismus. Das ist… wo waren unsere Augen früher? Leute wacht auf. Das wird hässlich.

  6. Analytics, auch jetzt liegst Du wieder falsch. Es ist bedenklich, wie Du versuchst, die iranische Freiheitsbewegung faschistoid umzudeuten.

    Es geht nicht um eine „Ummasozialistische Direktdemokratie“. Dieses Begriffsungetüm allein ist Blödsinn. Die Freiheitsbewegung beruft sich auf Iran, auf die persische Geschichte. Das steht konträr zum Umma-Gedanken. Die Freiheitsbewegung beruft sich auch nicht auf die expansionistische islamistische Tradition von 1979, sondern auf das demokratische Erbe der damaligen Revolutionäre. Kein Freiheitsbewegter fordert die weltweite islamische Revolution. Auch antiwestlich ist die Bewegung nicht. Warum sollte sie das sein? 1979 haben amerikanische Waffen zur Unterdrückung beigetragen, 2009 tun sie das in Iran nicht. Amerika ist Sehnsuchtsland, kein Feind.

    Die Freiheitsbewegung ist wie jede große Volksbewegung nicht notwendigerweise in all ihren Zielen kohärent. Wie könnte das auch sein? Es ist eine breite Masse an Individuen und verschiedensten Gruppen, die nur ein Ziel wirklich eint: das Ende der Regime-Diktatur und mehr Freiheitsrechte. Es sind keine Bienen und auch keine gleichgeschalteten Ideologen, die genau wissen, wie Iran nach Ahmadinejad auszusehen hat. Sie wissen nur, dass man die Fehler von 1979 nicht wiederholen sollte, um die Ideale von damals nicht nochmal in den Schmutz zu ziehen.

    Was Du tust, ist, die Freiheitsbewegung in den Schmutz zu ziehen. Du greifst sie an ob ihrer Heterogenität, ob ihrer in dieser Phase völlig verständlichen inneren Widersprüche. Du verleugnest damit den Mut, den diese Menschen aufbringen um gegen eine unmenschliche Diktatur zu bestehen. Und indem Du das Regime mit der Freiheitsbewegung auf eine Stufe stellst, beginnst Du sie international zu delegitimieren. Du spielst denen in die Hände, die Du vorgibts zu bekämpfen. Anscheinend hast Du Angst, Deinen Lieblingsfeind zu verlieren.

    „Eine islamische Demokratie.“

    Es gibt eine Christdemokratie in Europa. Nicht gerade die antidemkoratischste Bewegung auf diesem Kontinent. Und es gibt eine türkische AK-Partei, die in den letzten Jahren mehr für die Demokratisierung der Türkei getan hat, als die undemokratischen Säkularisten von der CHP und Konsorten über Jahrzehnte. Religion und Demokratie schließen sich nicht aus. Gerade in Iran ist die starke quietistische Tradition, die weiterhin – trotz Khomeini – den klerikalen Mainstream darstellt, der Idee einer gewissen Trennung zwischen Religion und Staat sehr aufgeschlossen.

  7. Eine islamische Demokratie. Du meinst eher eine Demokratie im islamischen Kulturkreis.

    DIE AKP??? Was für Zeug rauchst du denn?

  8. Von der Türkei hast Du auch keine Ahnung! Die AKP in die Tonne knallen, aber davon labern, in Afghanistan wäre plötzlich die Demokratie ausgebrochen, ne? Mir deucht, Du hast gar nix, was Du Dir durch übermäßigen Drogenkonsum verderben könntest…

  9. Wenn das das Demokratieverständnis der Grünen Welle ist, dann habe ich recht. Und das macht mir Angst.

  10. Ich breche diese Diskussion hier ab, weil mir daran liegt mit Leuten zu diskutieren, die auf Argumente eingehen können. Bei Dir, analytics, ist dies leider nicht der Fall. Für diesen BLOG sehe ich schwarz, wenn Leute wie Du hier weiterhin führend beteiligt sind.

    Ich hätte trotzdem gerne gewusst, ob analytics‘ Meinung die generelle Sicht der Dinge der BLOG-Autoren darstellt? Wenn dem so ist, so bitte ich die grüne Schleife der Unterstützung der Iranischen Freiheitsbewegung zu entfernen. Wenn man diese Bewegung anfeindet, so sollte man so konsequent sein, dies auch offen und geradeheraus darzustellen. Alles andere ist Heuchelei.

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