Nice try


Die Unabhängige Wahlkommission in der Hauptstadt Kabul teilte mit, in fast 95 Prozent der Wahlzentren im Land sei der Urnengang ohne Probleme verlaufen. 300.000 Sicherheitskräfte waren bei der Wahl im Einsatz. Dennoch kamen binnen weniger Stunden mehr als 50 Menschen bei verschiedenen Anschlägen und Gefechten ums Leben, rund die Hälfte davon waren Aufständische. Das Verteidigungsministerium zählte insgesamt 135 Zwischenfälle im ganzen Land, darunter vier Selbstmordanschläge.

Was der SPIEGEL uns damit sagen will: Die ach so unbesiegbaren Taliban, die nach Darstellung der westlichen Medien Afghanistan in weiten Teilen zu kontrollieren und seit Jahren immer kurz vor dem Einmarsch in Kabul zu stehen scheinen, weswegen denn auch ein beträchtlicher Teil der Deutschen lieber heute als morgen vor ihnen kapitulieren möchte, haben es in einem Land, daß knapp doppelt so groß ist wie Deutschland, unter Aufbietung all ihrer Kräfte geschafft, zur – übrigens vergeblichen – Verhinderung der Präsidentschaftswahlen im ganzen Land 135 „Zwischenfälle“ zu inszenieren, und dabei im Schnitt nur fünf Versuche gebraucht, um einen Menschen zu ermorden. Wenn da mal nicht die Hubschrauber der amerikanischen Botschaft aufgetankt werden müssen…

~ von Paul13 - Montag, 24. August 2009.

26 Antworten to “Nice try”

  1. @ Paul

    Die Gefahr des Wiedererstarkens der Taliban wird aber nicht nur von „westlichen Medien“ thematisiert:

    „Um effektiver gegen die erstarkenden Taliban vorzugehen, fordern die Nato-Befehlshaber mehr Truppen und Ausrüstung für das Land. Die Gefahr bestehe, dass die Radikalislamisten wieder die Macht ergriffen.

    Besonders im Osten des Landes nahe der Grenze zu Pakistan seien Verstärkungen nötig, sagte US-General Curtis Scaparotti, der Kommandeur der östlichen Streitkräfte, am Sonntag dem US-Gesandten Richard Holbrooke. Die Taliban stießen in Gebiete vor, die die US-Streitkräfte zuvor als stabilisiert betrachtet hatten.

    Die Lage sei ernst, erklärte auch US-Generalstabschef Admiral Mike Mullen in Fernsehinterviews. Der Kampf der Islamisten sei in den vergangenen Jahren „besser und ausgeklügelter“ geworden. In den kommenden 12 oder 18 Monaten müsse sich die Sicherheitslage verändern. Besorgt zeigte er sich zudem über die schwindende Unterstützung in der Bevölkerung für den inzwischen mehr als acht Jahre dauernden Militäreinsatz.“
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,644542,00.html

  2. @ Paul

    nice try. Die Wahlen waren also demokratisch (fair & frei), nicht manipuliert und eindeutig. Soso:

    http://news.bbc.co.uk/2/hi/south_asia/8216809.stm
    http://www.nytimes.com/2009/08/23/world/asia/23afghan.html

    Was das für die amerikanische Außenpollitik (und die NATO!) bedeutet hat Chewey schon angedeutet:
    http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2009/08/23/AR2009082301456.html

  3. @ Chewey

    Bei der Warnung vor den Taliban geht es aber nicht darum, daß der Krieg verloren wäre und man deswegen nicht mehr versuchen sollte ihn zu gewinnen, sondern im Gegenteil, daß er verloren gehen KÖNNTE, wenn man sich eben nicht anstrengt. Bis heute gewinnen die Taliban aller Propaganda zum Trotz kein ernsthaftes Gefecht, und sie stoßen ja gerade nicht in jene Regionen vor, bei denen die Alliierten gegen sie vorgehen, sondern in jene, wo sie genau das nicht tun.

    Die Taliban haben ähnlich wie ihre Islamistenkumpane im Irak nicht auch nur den Hauch einer Chance gegen eine Koalition aus westlichen Demokratien und der Zivilbevölkerung vor Ort. Das setzt allerdings auch voraus, daß man die Afghanen nicht am Ende im Stich läßt, weil dann werden sie natürlich den Teufel tun und sich kurz vor dem von unseren Cut&Run-Genies geforderten Abzug noch gegen ihre zukünftigen Unterdrücker stellen.

  4. @ A New Era

    Ach weißt Du, bei allen Mängeln sind sie nicht nur demokratischer als alle Wahlen, dies es in Afghanistan vor dem Sturz der Taliban gab und angesichts der Vorgeschichte Afghanistans waren sie geradezu erstaunlich fair, sie sind vor allem auch weit demokratischer als die Wahlen in all jenen Terrorregimen von Havanna bis Teheran, die uns die Gegner einer globalen Demokratisierung immer als ernsthafte Alternative anbieten.

    Also spar Dir Deine Heuchelei, wenn es nach Dir ginge, gäbe es nur deswegen keine Probleme bei den Wahlen, weil Du gleich die Wahlen als solche streichen würdest. Wer das Land ernsthaft den Taliban übergeben will, und bestenfalls noch eine kommunistische Diktatur wie zu Sowjetzeiten als Alternative in Erwägung zieht, sollte bei Detailfragen zur demokratischen Ausgestaltung von gegen seinen Willen befreiten Völkern besser schweigen.

  5. @ Paul

    Natürlich haben sie bei einem regulären Gefecht nicht den Hauch einer Chance. Die Bedenken der US-Generäle gehen ja auch in die Richtung, welche Ressourcen für welchen Zeitraum WIRKLICH nötig wären, um auch Gebiete zu befrieden, die schon als stabilisiert galten und wieder angegriffen werden. Dazu gehört es für die Koalition eben nicht nur zu kämpfen, sondern auch Übergriffe auf die Zivilbevölkerung zu verhindern etc. Die internationale Unterstützung für diese langfristige Aufgabe sehe ich als bröckelnd an.

  6. „Wenn Sie am Hindukusch jemandem erzählen, Sie wollen in Afghanistan die Demokratie einführen, dann werden Sie ausgelacht.“

    Volker Rühe

  7. @ Chewey

    Die bröckelt tatsächlich. Aber das ist wie gesagt eher ein Grund das bröckeln zu kritisieren statt den Einsatz als solchen.

  8. @ Adnan

    Da gibt’s eine ganz simple Lösung: Volker Rühe einfach das Wahlrecht entziehen. Dann versteht er mit ziemlicher Sicherheit schlagartig, daß ihn nicht jene Afghanen auslachen, die zur Wahl gegangen sind, sondern nur jene, die genau das verhindern wollten.

  9. Herrlich naiv mit welcher Innbrunst hier manche an die Demokratisierung am Hindukush glauben. Ausgerechnet in Afghanistan, dem unterentwickelsten und rückständigsten aller Länder Zentralasiens soll das gelingen, was in Iran, in Pakistan, in Usbekistan, in Kasachstan nicht funzt? Welche naive Vorstellung vn Demokratie muss so einem Glauben zugrunde liegen?

    Karzai hat den Westen enttäuscht, und doch tut er das richtige. Er versucht das Land zu stabilisieren und setzt auf Korruption und Vetternwirtschaft. Wenn er geschickt ist, schmiedet er eine Allianz gegen die Taliban, die auch überleben kann, wenn der Westen mal abgezogen ist. Der Zulauf, den die Taliban haben, erklärt sich ja nicht zuletzt durch die westliche Präsenz im Lande. Etwas besseres kann man einer Bewegung, die Islamismus mit paschtunischem Nationalismus verquickt, gar nicht geben.

    Die Wahlen dagegen könnten durchaus nach hinten losgehen. Abdullah reklamiert den Sieg für sich, Karzai ebenso. Aber Abdullah hat große Teile des Nordens und der Tadschiken hinter sich – mithin der einzige halbwegs befriedete Landstrich. Die Chancen auf eine gütliche Einigung, d.h. einem Eingeständnis seiner (Abdullahs) Niederlage, stehen vielleicht nicht gut. Dann gäbe es eine neue Front im Land.

    Wahlen sind ein Luxus für etablierte Demokratien. In einem failed state wie Afghanistan unterminieren sie die Autorität der bisherigen Führung, verstärken die Zentrifugalkräfte in einem multiethnichen Staat, und beschwören letztlich Gewalt geradezu herauf. Sie sind immer das schlechteste aller Mittel, in einem solchen Staat Legitimität zu stiften. Viel wichtiger wären Sicherheit und Rechtsstaat. Doch die werden nicht geschaffen, solange die Gewählten ihre legislatur als 4jährige Plünderung des Landes begreifen.

  10. „Wahlen sind ein Luxus für etablierte Demokratien“

    Ach, ich dachte die gehören als wesentlicher Bestandteil dazu, Herr Latour.

  11. ich finde es bemerkenswert, dass der große Welterklärer Scholl-Latour ausgerechnet mit dem „Realpolitik“ Argument einen Abzug aus Afghanistan fordert und gleichzeitig den Amerikanern vorwirft die Al Qaida und die Taliban geschaffen zu haben.

    http://aron2201sperber.wordpress.com/tag/peter-scholl-latour/

    was könnte man besser als „Realpolitik“ bezeichnen als die indirekte Bekämpfung des sowjetichen Feinds durch die Unterstützung irgendwelcher dubioser Gruppen vor Ort (aus denen schließlich die Al Qaida und die Taliban wurden)

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2008/08/04/obamas-berater/

    Bushs Politik, den edlen Wilden, die Demokratie aufzuzwingen, mag naiv gewesen sein – die „realistische“ taktische Unterstützung von Al Qaida (um ohne eigenes Blutvergießen die UdSSR zu bekämpfen) u. Taliban (um ohne eigenes Blutvergießen den Bürgerkrieg zu beenden) fallen unter die Carter bzw. Clinton Ära.

    werden die USA unter Obama abziehen und das Feld den „gemäßigten Taliban“ überlassen, wird natürlich auch nicht er schuld an der darauffolgenden Schreckensherrschaft sein, sondern der naive Bush

  12. @Paul

    „Da gibt’s eine ganz simple Lösung: Volker Rühe einfach das Wahlrecht entziehen. Dann versteht er mit ziemlicher Sicherheit schlagartig, daß ihn nicht jene Afghanen auslachen, die zur Wahl gegangen sind, sondern nur jene, die genau das verhindern wollten.“

    Ja, aber wenn die, die zur Wahl gingen die Wahl hätten zwischen Wählen und besserer Sicherheit, würden die wahrscheinlich nicht das Wählen wählen. Wieso sollten die Taliban irgendwann aufgeben? Was haben die zu verlieren? Nichts!

  13. @ Paul

    Ja, ich weiß – alle, die Dir widersprechen sind Feinde der Freiheit der Freiheit, feige Terroristenversteher, heuchlerische Diktatorenfreunde und Krypto-Islamofaschisten (oder so ähnlich).

    Aber ist es nicht so, dass Deine große Schmähtirade das letzte Mittel für Dich ist, wenn die böse Realität die Richtigkeit der Gegenposition mal wieder brutal belegt hat? Wenn gar nichts mehr hilft dann hat der mit den besseren Argumenten einfach böse Absichten und deshalb gilt es nicht … zumindestens ist im Neocon-Kindergarten so.

  14. „mit dem „Realpolitik” Argument einen Abzug aus Afghanistan fordert“

    Es geht nicht um Realpolitik. Es geht um ein Eingeständnis des Scheiterns und das Einmotten des Idealismus. Selbst Bush hat doch in den letzten Jahren zurückgerudert und nicht mehr mit notwendiger Demokratisierung argumentiert. Aufgepropfte Demokratie funzt schlicht nicht.

    „die indirekte Bekämpfung des sowjetichen Feinds durch die Unterstützung irgendwelcher dubioser Gruppen vor Ort“

    Die Taliban sind nicht die Mujaheddeen. Washington hat die Taliban bis 2001 unterstützt und hofiert. Da gab es längst keine Kommunisten mehr in Afghanistan. Dort gab es ein geopolitisches Spiel mit den Taliban (unterstützt von Amerika, Pakistan, Saudi-Arabien) auf der einen Seite und den anti-Taliban Kräften der „Nordallianz“ (unterstützt durch Iran, Usbekistan, Tadjikistan, Indien, Russland) auf der anderen Seite. Ziel der Amerikaner war nicht zuletzt die Zentralasienpipeline.

    „fallen unter die Carter bzw. Clinton Ära.“

    Die Republikaner Reagan und Bush haben genau dieselbe Politik verfolgt.

    „das Feld den „gemäßigten Taliban” überlassen“

    Darum geht es nicht. Der Westen muss nur gemeinsam die Nordallianz und Anti-Talibankräfte im Land unterstützen. Die haben schliesslich auch 2001 den Ground War gewonnen. Die Taliban sind so stark weil sie sich als religiöse und nationalistische Widerstandskämpfer gegen die „Ungläubigen“ stilisieren können.

  15. die machtübernahme der Taliban erfogte 2006 – also mitten in Clintons erster Amtszeit – die Unterstützung der taliban erfolgte wohl aus dem Wunsch, dem Land Stabilität zu geben (von mir aus auch um die böse, böse Pipeline zu bauen)

    aber warum zum teufel hätte ausgerechnet Saudi-Arabien am Bau einer Pipeline aus Zentralasien interessiert sein sollen?

    saudi-arabische Jihadisten werden von Nahost-experten grundsätzlich mit dem Staat gleichgesetzt – ganz so als ob die RAF Attentate der BRD zurechenbar gewesen wären…

    die Unterstützung der taliban war wohl der Weg des geringsten Widerstands…

    eben typisch für „Realpolitik“:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/08/25/die-ruckkehr-der-realpolitik/

    die Taliban haben leider schon vor dem Eingreifen der USA das land beherrscht (auch ganz ohne als widerstandskämpfer „wahrgenommen“ zu werden)

  16. ich meinte natürlich 1996

  17. Sämtliche Nachbarn Afghanistans fordern den schnellstmöglichen Abzug der NATO aus Zentralasien.

    Um es überspitzt auszudrücken: Wie würde es uns denn gefallen, wenn China mit der SCO erklären würde, Mitteleuropa wäre sein strategischer Interessenbereich, Österreich aber strategischer Verantwortungsbereich, in dem solange Truppen stationiert blieben, wie man es für richtig hielte bzw. solange die österreichische Marionettenregierung dies bfürwortete?

    Ich weiß, wie sehr dieser Vergleich hinkt, aber er taugt dennoch recht gut, die Problematik westlicher militärischer Präsenz in Afghanistan hervorzuheben: Die Taliban, die nun einmal die bewaffneten Kräfte der Pashtunen sind, können sicher sein, daß ihr Kampf gegen die NATO und OEF immer auch den (klammheimlichen) Interessen aller Nachbarstaaten Afghanistans dient.

    Es entspricht militärischer Logik, daß einem Verantwortungsbereich ein Interessenbereich vorgelagert ist, d.h. im einzelnen schlüssig, daß aus Afghanistan heraus Aufklärung, insbesondere elektronische sowie Spionage betrieben wird, mit Hauptaugenmerk auf China, Rußland, Iran und Pakistan.

    Meine Damen und Herren, wenn Deutschland sich in Afghanistan nicht im Krieg befindet, dann zumindestens in einem kalten Krieg.

    Demokratie, Krieg gegen den Terror?
    Karzei haben die USA dort gekriegt, aber einen Haftbefehl gegen Bin Laden immer noch nicht? Wie passend! LOL

  18. @ sperber

    „die Unterstützung der taliban erfolgte wohl aus dem Wunsch, dem Land Stabilität zu geben“

    Der Wunsch war ebenso dort ein pro-westliches Regime hinzusetzen, schließlich kämpften die Taliban gegen die Proxies Irans und Russlands. Besonders putzig wenn man diese Unterstützung mit den Vorwürfen gegenüber Irn vergleicht. Der Islamismus kann trotz aller Beteuerungen nicht das Problem gewesen sein, denn gegen Kabul war Teheran ja geradezu eine Bastion der frivolsten Liberalität.

    „warum zum teufel hätte ausgerechnet Saudi-Arabien am Bau einer Pipeline aus Zentralasien interessiert sein sollen?“

    Den Saudis ging es mehr um die Verbreitung ihres wahhabitischen Scheißdrecks.

    „saudi-arabische Jihadisten werden von Nahost-experten grundsätzlich mit dem Staat gleichgesetzt – ganz so als ob die RAF Attentate der BRD zurechenbar gewesen wären…“

    Der Vergleich hinkt, da der Islamismus Staatsdoktrin in Saudi-Arabien ist. Die Jihadis sind nur noch radikaler, und zeigen den Saudis ihre eigene Heuchelei auf.

    „die Unterstützung der taliban war wohl der Weg des geringsten Widerstands…“

    Wenn sich jemand im Pentagon mal hingesetzt hätte und nachgedacht, wäre er vielleicht zum Schluß gekommen, dass der Steinzeitislamismus kein guter Verbündeter für Amerika ist. Und vielleicht auch der Stabilität Pakistans nicht sonderlich zuträglich. Es war nicht der Weg des geringsten Widerstands, es war einfach eine grandiose Fehleinschätzung, die nach 09/11 korrigiert wurde, indem man genau diejenigen Kräfte der Nordallianz unterstützte, zu deren Marginalisierung man das Jahrzehnt zuvor noch beigetragen hatte. Freilich mit Unterstützung Irans, die man kurz darauf schnell wieder vergessen machen wollte, indem man das Land schizophrenerweise auf die „Achse des Bösen“ packte.

    @ Benedetto

    „Die Taliban, die nun einmal die bewaffneten Kräfte der Pashtunen sind, können sicher sein, daß ihr Kampf gegen die NATO und OEF immer auch den (klammheimlichen) Interessen aller Nachbarstaaten Afghanistans dient.“

    Nicht unbedingt. Zwar wird die NATO dort als Bedrohung wahrgenommen, v.a. von Iran und von Russland. Allerdings wären die Taliban für viele eine viel größere Bedrohung, da ihr Islamismus die kleptokratischen Regime in den Nachbarstaaten untergrübe. Weniger in Iran, wo die Taliban gehasst werden, aber in Usbekistan, das den Islamismus unterdrückt, und in Pakistan mit seiner Millionenstarken pashtunischen Minderheit. Auch China wäre angesichts seiner Ostturkestanproblematik wenig an einem islamistischen Regime in Kabul gelegen. Insgeheim hoffen wohl die meisten Nachbarländer darauf, dass sich NATO und Taliban im Land gegenseitig aufreiben und damit schwächen. Weder an einem islamistischen noch an einem failed state ist ihnen gelegen.

  19. @ P.K.

    So sehr Ihre Einwände berechtigt sind, so sehr sind die Taliban dennoch unter vielerlei Aspekten sehr nützlich für alle, die gegen die Präsenz westlicher Truppen in Zentralasien sind.

    Bitte ziehen Sie in Betracht, daß die SCO sich ja seit Gründung als Allianz gegen Terrorismus und Sezessionismus sieht, daß Pakistan und Iran inzwischen Beobachterstatus haben und Beitrittskandidaten sind. Wie passt da ein seit Jahren zu beobachtendes Wiedererstarken der Taliban ins Bild?

    Die USA unterstützen ja selbst eine Terrororganisation im Iran, die MKO, obwohl diese selbst noch nicht von der Terrorliste des DoS gestrichen wurde. Und wenn schon die USA, Hort der Freiheit, Leuchte der Gerechtigkeit, von solcher Ambivalenz Gebrauch machen, was sollen wir da erst von der „Achse des Bösen“ erwarten?

    Nein nein, die SCO kocht die NATO auf kleiner Flamme. Wohl bekomm’s!

  20. @ Ratzi

    Hier waren wir einen Interessenskonflikt. Einerseits ist die NATO vielen Nachbarstaaten nicht willkommen, andererseits werden aber auch die Taliban, v.a. ein Taliban-Afghanistan als bedrohlich wahrgenommen.
    Vielleicht können wir das mit der Sicht der Amerikaner auf die Ostfront im 2.WK vergleichen. Einerseits wollte man die Deutschen da weg haben, andererseits fürchtete man eine sowjetischen Hegemonie. Strategie der Amerikaner war, so spät wie möglich selbst einzugreifen und sich die Kontrahenten im Osten möglichst lange zerfleischen zu lassen. Beide schwächen war immer noch besser, als den einen schnellstmöglich los zu werden.

    Ich glaube, Staaten wie Iran, Russland und China, die die NATO-Präsenz dort kritisch sehen, auch als Bedrohung ihrer eigenen geopolitischen Interessen, können ganz gut mit ihr leben, solange sie mit den Taliban beschäftigt ist. Schlecht wäre es, wenn AFG irgendwann ein befriedeter, amerikanischer Vasall werden würde. Viel schlechter allerdings auch, wenn dort die Taliban wieder herrschen würden, was Pakistan enorm destabilisierte, dem Iran Millionen Flüchtlinge bescherte, Chinas Uiguren aufwiegelte, und Usbekistans säkulares Regime unter Druck setzte. Fazit: Der Status quo ist so schlecht nicht.

  21. ALso ich freu mich einfach, daß in dem angeblich nicht demokatisierbaren Afghanistan vergleichsweise sichere Wahlen stattfinden konnten. Und ich find es cool, daß im Großen und Ganzen so viele Menschen den Mut hatten, ihre Rechte als Wähler wahrgenommen zu haben.

    „If you can read this, thank a teacher. If you can read this in ENglish, thank an american soldier.“

    Danke Dabbelju. Schaun wir mal, wie die Geschichte in dreißig Jahren urteilen wird. Ich glaub, es wird ganz gut aussehen für Dich, im Vergleich zu den Carters und Nixons.

    Viele liebe Grüße an alle, eine gute Woch und schabbat schalom.

  22. OT: Grünenpolitikerin beim Hakenkreuzeschmieren erwischt
    http://antifo.wordpress.com/2009/08/27/grunenpolitikerin-beim-hakenkreuzeschmieren-erwischt/

  23. @ florian

    Also ich weiß ja nicht, was i 30 Jahre sein wird. Aber bis sieht es so aus, dass W gute Karten hat, auf einen Ehrenplatz zu kommen:
    http://www.worstpresidentever.com/
    http://www.harpers.org/archive/2008/04/hbc-90002804

  24. @ florian

    Und damit wir nicht vergessen warum „W“ auf ein so tolles rating kommt, hier ein aktueller Zwischenstand (nur aus den beiden letzten Tagen) zu den Ergebnissen einer seiner Kriege:

    „08/29/09 Reuters: Four Iraqi soldiers wounded in Mosul
    Four soldiers were wounded by mortar rounds landing on an Iraqi army station in western Mosul, police said.

    08/29/09 Reuters: 18 suspected militants arrested in northeastern Basra
    Iraqi forces arrested 18 suspected militants during operations in northeastern Basra, 420 km ( 260 miles) southeast of Baghdad, police said.

    08/29/09 AFP: 12 killed, over 40 wounded in northern Iraq attacks
    Twelve people, including five policemen and two children, were killed and more than 40 others, women and children among them, were wounded in bombings in northern Iraq on Saturday, police said.

    08/29/09 Reuters: Grenade fire kills policeman, wounds 7 in northern Baghdad
    An attacker threw a grenade at an Iraqi police patrol, killing one policeman and wounding seven other people in northern Baghdad on Friday night, police said.

    08/29/09 Reuters: Suicide car bomb kills 4, wounds 6 in Shirqat
    A suicide car bomb exploded near a police station, killing at least four people and wounding six others in Shirqat, 300 km (190 miles) north of Baghdad, police said.

    08/28/09 Reuters: Gunmen kill girl in central Mosul
    Gunmen opened fire on Iraqi police and killed a girl and wounded one civilian in central Mosul on Thursday night, police said.

    08/28/09 Reuters: Gunmen kill man in northern Mosul
    Gunmen killed a man affiliated with Mosul’s al-Hadba political group when he left a mosque in northern Mosul on Thursday, police said. Mostly Sunni Arab al-Hadba dominates Mosul’s provincial council.

    08/28/09 Reuters: Roadside bomb kills civilian in northern Mosul,
    A roadside bomb targeting an Iraqi army patrol killed one civilian and wounded a soldier in northern Mosul, 390 km (240 miles) north of Baghdad on Thursday, police said. “

    zitiert nach:
    http://icasualties.org/Iraq/index.aspx

    Und noch sind über hunderttausend american troops im Land …

  25. Wenn die Taliban so schwach und bedeutungslos sind wie Paul schreibt, gibt es keinen Grund mehr, die Bundeswehr weiterhin in Afghanistan stationiert zu lassen. Soll doch die ANA die restlichen paar Kämpfer ausräuchern, dafür wurde sie schließlich ausgebildet und ausgerüstet.

  26. @ ALex

    Eine komplett neue Armee aus dem Boden zu stampfen, braucht Zeit. Wenn der Job erldigt ist, kann die Bundeswehr dann auch wieder nach Hause. Vorher aber nicht. Denn wenn die eigene Seite schwächer wird, wird die andere nun mal zwangsläufig wieder stärker. Wundert mich, daß man Dir das erklären muß.

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