Wo geben unseliger denn nehmen ist


Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig: Von dahergedümpelten Piratenbanden, die in harter Währung für ihre Verbrechen auch noch fürstlich belohnt werden, bis hin zu kompletten Schurkenstaaten, vor denen gar ex-Präsidenten von Supermächten demütig im Staub kriechen, ist die Botschaft an die Welt immer die gleiche – Entführung muß sich wieder lohnen. Man müßte schon ziemlich blöd sein, diesen offensichtlichen Zusammenhang nicht zu erkennen.

Daher ist es schön, wenn wenigstens die nachträgliche Bewertung unseres Umgangs mit Geiselnahmen in den Medien mal etwas kritischer rüberkommt. Wenn sie jetzt noch lernen, daß auch vorher schon so zu sehen und von den Politikern eine harte Linie fordern anstatt ihre Sturheit geißeln, und wenn sie dann noch hinterher, wenn die Leichen gezählt werden, bei ihrer Haltung bleiben, könnte man sogar erwägen, das ernst zu nehmen. Bis dahin machen wir uns aber nichts vor:

Wenn bei den nächsten Entführungen jeweils sämtliche Entführer ohne größere Diskussionen gleich an Ort und Stelle erschossen werden und die nordkoreanischen Botschaften in Europa nach Abbruch der diplomatischen Beziehungen gestürmt und die Botschaftsangehörigen zur weiteren Vernehmung nach Guantanamo ausgeflogen werden, hören vielleicht die Übergriffe auf, der SPIEGEL aber wird sich an seine Artikel vom 5. August nicht mehr erinnern wollen.

~ von Paul13 - Mittwoch, 5. August 2009.

25 Antworten to “Wo geben unseliger denn nehmen ist”

  1. Jaja, so ein Menschenleben ist halt keine 2Mio wert Paul, da hast Du schon recht. Wär‘ schon besser wenn wieder mehr Leute für Ehre, Prestige oder einfach aus Ideologie morden und sterben lassen.

  2. @ daniel

    Ideologie ist in jedem Falle mehr wert als Menschenleben. Ein Graus, dass Nixon damals nach China gegangen ist. Bomben auf diese Kommunistenverbrecher – das wäre die einzig moralisch tragbare Lösung gewesen!

  3. @ daniel

    Welche Erleichterung diese Lösung für die Geiseln und ihre Angehörigen sein muss, ist nicht schwer nachzuvollziehen. Man würde es in der selben Lage sicher genauso sehen. Wieviele Menschen aber letztlich sterben müssen, weil durch dieses Handeln die Entführungsindustrie richtig angekurbelt wird und irgendwann nicht mehr gezahlt wird/werden kann, steht auf einem anderen Blatt.

  4. @chewey
    Dann würde ich mir aber wünschen, Paul zöge über Reedereien und Unternehmer her, die ihre Mitarbeiter zu Geldverdienen dorthin schicken. Dass die Unternehmen, die wenigstens den Anstand besitzen, die Geiseln von dem verdienten Geld freizukaufen halte ich für moralisch unbedenklich.

  5. @ daniel

    „wenn sie dann noch hinterher, wenn die Leichen gezählt werden, bei ihrer Haltung bleiben, könnte man sogar erwägen, das ernst zu nehmen.“

    Ich habe Paul nicht so verstanden, dass damit die Leichen der Geiseln gemeint sein könnten. Sondern dass nicht wirklich einzusehen ist, warum den Entführern nicht vorher entschieden genug entgegen getreten wird, um abschreckend zu wirken. Die weiche Tour wird sich hier langfristig rächen, vor allem für die zukünftigen Geiseln.

  6. @ Daniel/Parsa

    Interessant, daß es Leute tatsächlich noch Leute gibt, die allen Ernstes bestreiten, daß das Zahlen von Lösegeld zum Nehmen von Geiseln motiviert.

  7. @ Chewey

    Es ging mir hier tatsächlich primär um die Leichen der Geiselnehmer. Aber es wäre wohl unredlich zu behaupten, daß bei einer kompromißlosen Linie nicht auch Geiseln zu Schaden kommen könnten.

    Unterm Strich würde die harte Tour mehr unschuldige Opfer verhindern als das immer neue Nachgeben. Es rettet halt nur nicht die konkreten aktuellen Entführungsopfer, sondern die weit zahlreicheren anonymen der Zukunft, die selbst nie erfahren werden, daß sie jemals welche geworden wären.

    Das ist halt ein Dilemma, daß Deniel und Parsa ignorieren wollen. Natürlich wollte ich als Geisel auch, daß man Lösegeld für mich bezahlt. Aber noch mehr wollte ich halt, daß ich erst gar nicht Geisel werde.

  8. @Paul
    Klassisch, Paul. Du schützt die anonymen Opfer der Zukunft. Das ist lächerlich. Empirisch, weil die Bereitschaft Geld zu zahlen doch wohl keinen Einfluss darauf hat, ob Geiseln genommen werden oder eben nicht. Oder Du erklärst, warum ständig amerikanische Soldaten im Irak als Geiseln genommen werden. Logisch, weil Du Opfer nicht dadurch verhinderst indem Du welche bringst. Aber egal. Da Du ja noch nicht mal einsiehst, dass das Unternehmen richtig handelt, wenn es seinen selbstverursachten Schlamassel wieder ausbadet hapert es bei Dir hier an anderer Stelle. Ich kann das nicht glauben. Deswegen nochmal: Die Geiseln können nix dafür dass sie Geiseln geworden sind. Willst Du die jetzt sterben lassen damit andere später wieder dem Risiko ausgesetzt werden? Oder denkst Du allen ernstes das Piratenbüro Somalia stellt die Piraterie ein wenn Geiselnahmen nicht mehr lohnen. Im besten Fall schlachten die die Besatzung von wertlosen Schiffen dann halt ab. Man, Paul, was ist nur los mit Dir.

  9. „Aber noch mehr wollte ich halt, daß ich erst gar nicht Geisel werde.“
    Und wer kann das verhindern?

  10. @ daniel

    Falls du es schaffst, deinen Empörungsmodus wieder 2 Stufen runter zu schalten, könntest du ja mal darüber nachdenken, ob es auch richtig sein könnte, jetzt zu bezahlen, aber daraus zu lernen und in Zukunft ernsthaft Maßnahmen zu ergreifen, dass 170 m lange Schiffe nicht mehr widerstandslos von Schlauchboot-Freibeutern eingenommen werden können. Ich denke, da gäbe es schon Möglichkeiten. Das dann auch zu kommunizieren und auch so zu meinen. Das würde den Schiffsbesatzungen deutlich mehr helfen als die „Gibt das die deutsche Verfassung überhaupt her?“-Diskussion, die wir jetzt haben.

  11. „dass 170 m lange Schiffe nicht mehr widerstandslos von Schlauchboot-Freibeutern eingenommen werden können“

    Wie wär’s wenn die Reeder mal aufrüsten würden? Käme sie sicherlich billiger, als Millionen für ihr Schiff zu berappen.

  12. Im übrigen hatte ich mich am Anfang nicht auf die lustigen somalischen Piraten bezogen, sondern mehr auf Monica’s Ex, und seinen Weekend Trip ins Reich des Bösen. Ich würde mal davon ausgehen, dass Staaten normalerweise anders vorgehen als lustige Piraten. Wahrscheinlich hatten in Nordkorea grade wieder viele viel Hunger. Vielleicht hat Clinton ja auch den 200kg-Nachfolger von olle Kimmi begutachtet…

  13. @Chewey
    Ich habe immer gesagt dass jetzt bezahlen richtig ist und dass die Schiffer in Zukunft die Verantwortung dafür haben, dass sowas nicht passiert. Deswegen reg‘ ich mich ja auch über Pauls „Lieber Leichen als Schwäche zeigen“ auf.

  14. @ daniel

    „und dass die Schiffer in Zukunft die Verantwortung dafür haben, dass sowas nicht passiert“

    Dieser Teil muss mir bei dir entgangen sein.
    Ich habe bisher nicht den Eindruck, dass der Wille zum rigorosen Umgang mit Entführern sonderlich ausgeprägt ist. Mir erschließt sich auch nicht, warum der Steuerzahler für irgendwelche durchgeknallten Sahara-Touristen aufkommen soll, die es besser wissen müssten. Wie oft der Staat da sonst noch in die Bresche springt, will ich glaube ich gar nicht genau wissen.

  15. „Oder denkst Du allen ernstes das Piratenbüro Somalia stellt die Piraterie ein wenn Geiselnahmen nicht mehr lohnen“

    Zwangsweise, wenn Geld für Sprit, Waffen und Munition ausgehen.

  16. @Tigger
    Ja, aber das Piratenbüro in Somalia hat noch andere Kernkompetenzen. Raub, Brandschatzen, Erpressung. Geiselnehmen ist nur Zusatzgeschäft.

  17. […] altbewährte Art und Weise reduziert der Spiegel das komplexe Thema auf die “Rassen-Karte”, die “von der Republikanischen Partei […]

  18. @ Daniel

    Wenn Geiseln von islamistischen Selbstmordattentätern genommen werden, hast Du recht, aber das sind ja im eigentlichen Sinne keine Geiselnehmer, sondern wie gesagt Selbstmordattentäter, die halt zusätzlich noch Geiseln nehmen, um uns unter Druck zu setzen. Die kann man naürlich nicht abschrecken (man kann sie aber auch nicht beschwichtigen).

    Bei den ganzen Piraten hingegen geht es um den schnöden Mammon. Die wollen, daß Ihr Anführer Geld kriegt, um sie dann mit einem Bruchteil davon zu bezahlen. Aber die wollen dann schon noch nach Hause, um ihren Anteil anschließend auszugeben. Und diese Leute schreckt man definitiv ab, wenn die Geiselnahme bei Beginn gleichzeitig Endstation ist.

    Hier kommt nämlich noch ein weiterer Faktor dazu: Ein rein krimineller Geiselnehmer würde sich nur dann nicht abschrecken lassen, wenn er sich mit seinen Geiseln irgendwo verstecken kann und sich daher eine Chance ausrechnet, nicht erwischt zu werden. Bei einer Geiselnahme auf einem Schiff – oder auch in einer Bank – ist sein Aufenthaltsort hingegen bekannt.

    Und genau dadurch ließe sich verhindern, in so einem Fall erst Geisel zu werden, weil sich das dann schlicht und einfach nicht mehr lohnt. Und wenn Du das tatsächlich bestreitest, dann kann ich Dir auch nicht helfen.

  19. @ Parsa

    Da hast Du sogar mal recht. Daß sollten die Reeder – sprich, da sie es ja an die Kunden weiterreichen würden – wir Endverbraucher schön selbst bezahlen.

  20. Man sollte die Reeder auch gesetzlich verpflichten grundsätzlich alle Geiseln freizukaufen, und sie ansonsten wegen unterlassener Hilfeleistung einknasten. Damit wäre das ganze Problem von einem Augenblick auf den anderen gelöst. Die Fische am Horn von Afrika hätten viel zu fressen und die Sicherheitsdienstleister würden boomen.

  21. @Parsa Kakashanian
    Man koennte die Reeder aber auch verplichten ein Kopfgeld in hoehe des geforderten Loesegeldes auszusetzen.
    Dann haette sich das auch ganz schnell erledigt
    private military contractor haetten sinnvolle Beschaeftigungen und der Spuk waere schnell vorbei. Die unfaehigen Politiker die sich nicht einig werden wer denn nun dafuer zustaendig ist haetten dann auch wieder einen Suendenbock um von ihrem versagen abzulenken die Internationalen Seewege vernuenftig zu sichern.

  22. Nö. Es fällt ja nicht unter deutsche Souveränität dort in somalischen Gewässern für Ordnung zu sorgen. Das müsste wenn überhaupt die UNO besorgen.

    Allerdings finde ich auch, dass die Reeder das selber besorgen sollten. Blackwater springt bestimmt ein.

  23. Bloss nicht, dann müssten wir auch noch die unfähigen Blauhelme freikaufen.

  24. Vor allem, wer sollte denn, wenn es überhaupt eine Zustaendigkeit der UN geben wuerde, stellen?
    Deutschland faellt schon mal aus.

  25. Die UN darf selbst entscheiden ob sie zuständig ist. Wenn sie darauf entscheidet, ist sie das auch.

    Deutschland wäre keineswegs aus dem Schneider. Schließlich sind das viele deutsche Schiffe, die da rumgurken. Kaum ein anderes Land der Welt exportiert soviel, auch über die Weltmeere. Über Suez ist schliesslich ein Weg nach Indien und China, sowie in die arabische Welt, Iran, Ostafrika. Wenn D’land sich drückt, dann könnten nur noch die Amis das Ruder rumreißen. Kann mir nicht vorstellen, dass Malawi, die Malediven und Oman dort ne Schutztruppe stellen (mal ganz abgesehen davon, wie effizient eine solche wäre.).

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