Liebe Deinen nächsten (Diktator)


Eine Gruppe von Abgeordneten aus allen Fraktion hat die Bundesregierung aufgefordert, sich stärker für den Schutz von Christen in der Welt einzusetzen. Die Zahlung von Entwicklungshilfe müsse auch davon abhängig gemacht machen, ob in den Empfängerländern Christen verfolgt würden, heißt es in der Erklärung.

Was letztlich nichts anderes bedeutet, als daß Empfängerländer, die nur Muslime, Buddhisten, Demokraten oder Kaninchenzüchter verfolgen, bei der Entwicklungshilfe derzeit offensichtlich keine oder zumindest weniger Einbußen zu befürchten haben.

Aber wäre ja auch zuviel verlangt, sich stärker für den Schutz vor Verfolgung allgemein einzusetzen, weil daraus könnte ganz schnell die Forderung entstehen, Terrorregimen generell nicht mehr unter die Arme zu greifen. Und dann ist man schneller wieder bei der Demokratisierungsagenda als man „Wolfowitz“ sagen kann.

Also, liebe Tyrannen, lasst bei Eurem nächsten Völkermord zur Abwechslung einfach mal die Christen außen vor, dann füllen Euch die Gutmenschen die Lücken im Budget auch weiterhin brav auf, damit Ihr Euch wieder die neueste S-Klasse leisten könnt.

~ von Paul13 - Montag, 29. Juni 2009.

16 Antworten to “Liebe Deinen nächsten (Diktator)”

  1. Christen sind immer noch die am meisten verfolgte Glaubensgruppe. Schön, dass das mal jemand auf seine Agenda nimmt, anstatt nur blöde Sprüche abzusondern.

  2. @ Paul:
    richtig,

    ABER gut das auch mal Christen in den MSM als verfolgte Gemeinschaft benannt werden, alleine dafür lohnt sich m.E. die Meldung.

  3. […] kann und darf man diese Maßnahmen nicht allein auf die Christen beschränken. Denn wie schrieb Paul13: Also, liebe Tyrannen, lasst bei Eurem nächsten Völkermord zur Abwechslung einfach mal die […]

  4. Die finanzielle Schiene finde generell ich nicht gut. Besser wäre es, wenn Vertreter der Bundesregierung bei den Botschaften der entsprechenden Länder protestieren würden.
    Daß lediglich auf Christen Bezug genommen wird, ist allerdings richtig. Alle anderen Gruppen haben in Konfliktregionen ja selbst immer irgendwelche Milizen, die sich um deren Schutz kümmern.

  5. @ Speed

    Es werden aber nicht nur Glaubensgruppen verfolgt. Ethnische und politische Repression sind viel verbreiteter. Alleine in Nordkorea krepieren Millionen zu Ehren eines großen Führers, und da geht’s definitiv nicht speziell ums Christentum.

  6. @ Pio

    Daß man auf die Verfolgung von Christen hinweist, ist absolut ok. Aber daß man speziell für sie Sanktionen androht, die man für die anderen, weit zahlreicheren Opfer nicht in Betracht zieht, ist völlig indiskutabel.

  7. @ Antifo

    Du willst jetzt nicht wirklich wissen, wo sich die Herrscher dieser Länder derartige Proteste hinstecken. Am Geld anzusetzen ist schon sinnvoll.

    Dein Hinweis auf die Milizen bedeutet im übrigen nur, wenn die Christen auch ihre Miliz haben, wird alles gut. Wird es aber nicht. Dann gibt es nur Bürgerkrieg und der Stärkere gewinnt. Und das sind dann wiederum nur selten die Christen.

    Und wo sie es sind, sind sie auch nicht immer nett. Denk mal an Bosnien.

  8. @Paul
    „die man für die anderen, weit zahlreicheren Opfer nicht in Betracht zieht“

    afaik sind die Christen die weltweit größte verfolgte Gruppe. Aber egal, ich geb dir ja recht, man sollte überall ansetzen wo Verfolgung an der Tagesordnung ist.

  9. Auf eine Protestnote müssen die Botschaften jedenfalls irgendwie reagieren. Das mindeste ist, daß sie den Vorhalt prüfen und das sorgt schon mal für Transparenz.

    Hier ein Fall, bei dem an die Bundesregierung appelliert wurde:
    http://www.igfm.de/Detailansicht.384+M50bf2b21d19.0.html
    Ob etwas daraus geworden ist, weiß ich leider nicht.

    Wenn mit Geld darauf reagiert wird, kommt sofort irgendein Vorhalt, wie Du ihn hier in dem Artikel hattest. Bei Geld sind die Leute eben immer mißtrauisch. Deshalb halte ich nichts von diesem Ansatz.

  10. @ Pio

    Ich bin mir nicht mal sicher, ob sie die weltweit größte verfolgte Religionsgruppe sind, aber selbst wenn, so sind die größten verfolgten Gruppen keine Religionsgruppen. In Darfur oder Nordkorea geht es nicht um Religion, sondern um ethnische bzw. politisch motivierte Völkermorde, auch wenn die Opfer möglicherweise einer Religionsgruppe angehören.

    Außerdem besteht noch ein Unterschied, ob ein Staat nur nicht in der Lage ist, Übergriffe gegen eine Bevölkerungsgruppe zu verhindern oder ob er sie selber organisiert. Wenn irgendwo auf der Welt al-Qaida Christen massakriert, wäre es nicht nur unfair, sondern auch dumm, der gegen die Terroristen kämpfenden Regierung deswegen die Entwicklungshilfe zu kürzen.

  11. @ Antifo

    Also wenn die iranische Botschaft eine Protestnote erhält, ist die einzige Reaktion, daß der Supermarkt, von dem sie sich beliefern läßt, diesen Monat weniger Klopapier verkauft.

    Und Vorhalte von Dikatorenverstehern sind mir egal. Geld regiert die Welt, also warum soll man es nicht einmal dazu verwenden, nicht legitime Herrscher am regieren zu hindern?

  12. @Paul13

    Natürlich werden nicht nur Christen verfolgt. Ich gebe Dir im Kern auch recht, nur halte ich es für unangebracht in dem Moment, wo sich auch mal jemand für die Belange der Christen einsetzt, das wieder negativ darzustellen.

  13. @ Speed

    Mit auch hätte ich wie gesagt kein Problem, ich heiße ja nicht Nero. Aber Sonderlocken für Christen sind genauso fehl am Platz wie für alle anderen.

  14. @Paul13:
    „Außerdem besteht noch ein Unterschied, ob ein Staat nur nicht in der Lage ist, Übergriffe gegen eine Bevölkerungsgruppe zu verhindern oder ob er sie selber organisiert.“

    Nun, es gibt auch noch die Grauzone, bei der nichtstaatliche Akteure gegen eine Bevölkerungsgruppe vorgeht und die Staatsmacht nichts dagegen tut. In südamerikanischen Diktaturen sprach man in diesem Fall von Todesschwadronen.

    @Paul13:
    „Und Vorhalte von Dikatorenverstehern sind mir egal. Geld regiert die Welt, also warum soll man es nicht einmal dazu verwenden, nicht legitime Herrscher am regieren zu hindern?“

    Es steht Dir frei, diesen Hebel zu benutzen. Ich halte es wie gesagt für problematisch, weil einem da ruck-zuck ein Strick d’raus gedreht wird.

  15. @ Antifo

    Wenn es wirklich eine Grauszone ist, kann man ja wegen mir in dubio pro reo entscheiden, aber wenn der Staat sich nicht mal bemüht, Verbrechen zu verhindern, obwohl er wenigstens zum Bemühen in der Lage wäre, wäre das keine Grauzone mehr.

    Was den Strick angeht, also entweder man ist für das Demokratisierungskonzept oder man ist es nicht. Wenn jeder Diktator, der sich pro forma zum Volksdemokraten ernennt, dadurch dem Strick entkommt, ist an solcher Bedenkenträgerei offensichtlich was falsch.

    Auch hier gilt, wenn ein Regime wirklich mal in der Grauzone ist, kann man den betreffenden ja ans Ende der ToDo-Liste setzen. Hat man die eindeutigen Kandidaten für den Regimewechsel abgearbeitet, werden die übrigen Machthaber eh ganz von selber lupenreine Demokraten werden, glaub mir.

  16. @Paul13:
    Bevor man in der Ferne in Aktionismus verfällt, sollte man erst mal die hiesigen Grauzonen ausleuchten:

    http://antifo.wordpress.com/2009/06/19/brandanschlag-gegen-cdu-innenpolitiker-spd-und-linke-schauen-weg/

    Daß hier weggeschaut wird, ist ebenso politisch gewollt, wie das in südamerikanischen Diktaturen der Fall war.

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