Wo ist Herbert Wehner…


…wenn man ihn mal braucht:

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Todenhöfer forderte hingegen, jeder Abgeordnete, der für den Krieg stimme, solle vier Wochen mit an die Front: „Die sollten einmal in einem Schützenpanzer die Gefahr spüren, die sie unseren Soldaten und den Afghanen zumuten. Die Zahl der Kriege würde dramatisch sinken.“

Kritiker des früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Todenhöfer wiesen hingegen darauf hin, daß dann konsequenterweise auch jeder Abgeordnete, der gegen den Krieg stimmt, in Frauenkleider gesteckt und den Taliban vier Wochen lang zur Steinigung überlassen werden müßte: „Die sollten einmal bis zum Oberkörper in einem Loch eingegraben die Gefahr spüren, die sie den afghanischen Frauen zumuten. Die Zahl der Kriege würde dramatisch ansteigen.“

Todenhöfer kritisierte scharf den „Bombenterror der USA“: „Für ein muslimisches Kind macht es keinen Unterschied, ob es von einem al-Qaida-Selbstmordattentäter oder von einer amerikanischen Bombe zerfetzt wird.

Ach, daher weht der Wind, es geht um den „Bombenterror der USA“. So nach dem Motto, „was ist schon Oradour gegen Dresden“. Na, dann ist es vermutlich nur noch ein kleiner Schritt zur Feststellung, daß es für ein französisches Kind während der Invasion vor 65 Jahren auch keinen Unterschied gemacht hat, ob es von einer SS-Handgranate oder von einer amerikanischen Bombe zerfetzt wurde. Und schon sind nicht nur sämtliche moralischen Unterschiede dem Erdboden gleich gemacht, sondern auch die letzten Reste von Todenhöfers Verstand.

Die Bush-Regierung hat viel mehr muslimische Zivilisten getötet als al-Qaida westliche Zivilisten.“

Jemandem, der offenkundig noch nicht mal mitbekommen hat, daß der US-Präsident seit dem 20. Januar nicht mehr Bush, sondern Obama heißt, den Unterschied zwischen Kollateralschaden und Kriegsverbrechen zu erklären, dürfte vermutlich verlorene Liebesmüh sein. Aber auch unabhängig davon haben al-Qaida & Co. viel mehr muslimische Zivilisten getötet, als die Regierungen Bushs und Obamas zusammengenommen. Daß Bin Laden verglichen damit weniger Amerikaner töten konnte, heißt nur, daß ihm bisher die Mittel fehlten, nicht aber der Wille.

Wobei man aber an dieser Stelle bereits ahnt, zu welchen Schlüssen ein Jürgen Todenhöfer kommen wird, wenn ihm erst mal jemand das Zahlenverhältnis der während des II. Weltkriegs durch US-Bombenangriffe getöteten deutschen Zivilisten gegenüber den durch Nazi-Massaker ermordeten Amerikanern steckt. Dann muß die Geschichte des III. Reichs wohl mal wieder umgeschrieben werden. Falls das Manuskript nicht eh schon lange fertig ist.

UPDATE: Nachdem inzwischen das komplette Streitgespräch ins Netz gestellt wurde, hat das Weblog Sicherheitspolitik sich Todenhöfer vor- sowie mir die Arbeit abgenommen und seine argumentativen Überreste nach allen Regeln der Kunst fachmännisch zerlegt. Ein Genuß!

~ von Paul13 - Sonntag, 28. Juni 2009.

10 Antworten to “Wo ist Herbert Wehner…”

  1. Exakt getroffen – leider werden es Leute wie Hr. T. nie begreifen!

  2. Die Sprüche von Todenhöfer sind unglaublich. Jeder, der heute zur Bundeswehr geht, weiß, das Auslandseinsätze dazugehören und worauf er sich eninläßt. Die Bundeswehrsoldaten haben diese Entscheidung ganz bewußt getroffen. Wenn man die Soldaten vor Ort auf zitternde Gestalten in Schützenpanzern reduziert, dann ist das eine unverschämte Beleidigung. Andererseits würden sich Typen wie Todenhöfer selbst das Wasser abgraben, wenn sie Respekt vor der Arbeit der Soldaten in Afgh. zeigen würden. Dann könnte man ja noch auf die Idee kommen, der Einsatz wäre sinnvoll.

  3. Todenhöfer hat wieder seine „die größten Terroristen sind wir selbst“-Nummer aufgeführt? Dann wird es nicht lange dauern, bis auch Gauweiler irgendwie versuchen wird, auf diesen Käse noch einen halben zu setzen. Ich glaube langsam, keiner bedauert mehr, dass Bush weg ist, als diese beiden.

  4. Kritiker des früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Todenhöfer wiesen hingegen darauf hin, daß dann konsequenterweise auch jeder Abgeordnete, der gegen den Krieg stimmt, in Frauenkleider gesteckt und den Taliban vier Wochen lang zur Steinigung überlassen werden müßte: “Die sollten einmal bis zum Oberkörper in einem Loch eingegraben die Gefahr spüren, die sie den afghanischen Frauen zumuten. Die Zahl der Kriege würde dramatisch ansteigen.”

    Großartig.

    Ich bezweifle aber, dass Todtenhöfer, Ströbele & Co diesen Vergleich akzeptieren. Irgendeine Ausrede fällt denen immer noch ein, und wenn sie noch so hirnrissig sein sollte.

    Und falls sie im Stillen denken „Mensch, der Paul hat doch Recht“, dann werden sie nicht die Courage haben, das auch offen zuzugeben – wie viele andere, die ähnlich ticken und glauben, dass sie ihre Rolle ewig weiterspielen müssten.

  5. Warum sehnst Du Dich nach Wehner? Wegen seinem historischen Ausspruch „…Herr Hodentöter…“?

  6. @ AHS

    Das war zwar ein eigentlich nur mäßig komischer Kalauer, ist aber dennoch in die Geschichte der Todenhöferbeleidigungen als der absolute Klassiker eingegangen. ;-)

  7. Naja, Ernst-Dieter Lueg vom WDR als „Herrn Lüg“ zu bezeichnen war auch nicht schlecht…

  8. @ AHS

    OK, Herr Lüg fand ich dann schon lustiger. Aber die Kabbelei mit Todenhöfer ist trotzdem das, womit man Wehner immer verbinden wird.

  9. Nee, „Übelkrähe“ für Herrn Wohlrabe ist für mich der all-time-favourite…

  10. @ Bruno

    Ich persönlich finde die Übelkrähe auch weit besser, aber bekannter ist glaube ich trotzdem der Hodentöter.

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