Krokodile, aufgepaßt!


Wo die Geschütze gerade geladen und bereits korrekt ausgerichtet sind:

Liberventionisten behaupten, man müsse die Freiheit verteidigen, indem man etwa am Hindukusch oder im Irak die Unterdrücker Dritter militärisch bekämpft. Sie übersehen dabei, dass die eigene Freiheit in erster Linie durch den Staat bedroht ist.

Jaja, so hat jeder sein Kreuz zu tragen. Nur daß das Kreuz, das man in der Steuererklärung machen muß, einigen offenbar deutlich größer erscheint als jenes, an das der Nachbar geschlagen wird. Aber was ist schon das bißchen Unterdrücken und Ausrotten gegen Bundestrojaner und Verteidigungsetats?

Gerade diesen haben die Liberventionisten aber dazu auserkoren, die Freiheit zu verteidigen.

Wenn die Liberpeaser den Job auch ohne Staat freiwillig übernehmen würden, wäre das natürlich nett, aber solange sie’s nicht machen, muß es wohl ein anderer tun. Und der tut das nun mal nicht umsonst.

Die dem Staat zur Durchführung militärischer Operationen übergebenen Mittel bedeuten mittelbar und unmittelbar ein Minus an Freiheit. Die Verteidigung der Freiheit Dritter durch den Staat wird so teuer mit zunehmender Unfreiheit erkauft.

Soll heißen, das Betrachten eines Massengrabs von unten ist nichts gegen den Verlust von 1 oder 2 Prozent des Einkommens. So setzt eben jeder seine Prioritäten etwas anders.

Völlig unreflektiert verwenden die Liberventionisten auch die Begriffe Verteidigung und Freiheit. Man verteidigt sich gegen Angriffe gegen Leib und Eigentum. Freiheit ist Reflex von Leib und Eigentum.

Auch der Nachbar hat Leib und Eigentum. Aber eben nicht immer die Mittel, sich selbst zu verteidigen. Also hilft man ihm dabei und schützt so indirekt auch seine eigene Freiheit, weil glückliche und zufriedene Menschen weniger Lust haben, sich an Leib und Eigentum ihrer Mitmenschen gütlich zu tun.

Meine Freiheit wird nicht gefährdet und erst recht nicht angegriffen, wenn in den Strassen New Yorks ein Raubüberfall geschieht.

Aber sie wird dann gefährdet, wenn Räuber damit durchkommen und es beim nächsten Mal bei denjenigen probieren, die sich damals nicht angegriffen gefühlt haben.

Wenn ein Taliban einer afghanischen Frau einen Schleier aufzwingt, ist das kein Angriff auf meine Freiheit, sondern auf die ihrige.

Ist schließlich selbst dran schuld, daß sie nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde, die alte Schlampe. Als eigenverantwortliches Individuum hätte sie sich Eltern und Geburtsort ja etwas weitsichtiger auswählen können.

Ein Eingreifen durch den deutschen Staat am Hindukusch bedeutet nicht mehr als die bloße Chance, die Freiheiten dieser Frau zu verteidigen. Er bedeutet aber mit Sicherheit eine Einschränkung meiner Freiheit.

Um einen großen Konserventionisten zu zitieren: „Ein Appeaser ist jemand, der ein Krokodil füttert, in der Hoffnung, daß es ihn als letzten frißt.“ Und Libertäre würden eigentlich ein ganz hervorragendes Krokodilfutter abgeben.

Die Liberventionisten präferieren die Chance auf größere Freiheit Dritter über die sichere Einschränkung ihrer eigenen.

Das sollte man schon richtig ausdrücken: Die Liberventionisten präferieren die Chance auf deutlich größere Freiheit Dritter über die sichere, aber vergleichsweise geringe Einschränkung ihrer eigenen.

Dabei ist diese Präferenz nicht einmal ein Ergebnis gesunder Abwägung, sondern oft genug Prämisse.

Auch falsch. Die Prämisse ist das Ergebnis der Abwägung. Wobei jemand, der das Eintreiben von Steuern auf eine Stufe mit der Ermordung Unschuldiger stellt, vor Verwendung des Wortes „Abwägung“ dessen Bedeutung vielleicht besser erst noch mal im Duden nachschlagen sollte.

Bei allem Verstandnis für eine gesunde Portion Rationalismus, aber die hier an der Tag gelegte Herzlosigkeit gegenüber jenen, die im Schatten leben, nur weil man selber zufällig auf der Sonnenseite des Lebens steht, ist schon erschreckend. Da beginnt man die oft naiven, aber wenigstens mitfühlenden sozialistischen Träumer richtig lieb zu haben.

Aber gut, wem die Sonne zu heiß brennt, der mag die im Dunkeln vielleicht nicht sehen, doch auch die hellste Sonne geht irgendwann mal wieder unter. Und Krokodile fressen eh lieber nachts.

~ von Paul13 - Freitag, 5. Juni 2009.

31 Antworten to “Krokodile, aufgepaßt!”

  1. Du sprichst mir so aus der Seele, Paul.

    Cool auch die Begründung der Libertären für ein Recht auf Abtreibung: Das Kind sei ein Aggressor/Eindringling und die Frau hätte das Recht, sich dagegen zu verteidigen. Das ist schon nicht mehr herzlos, sondern dumm. Das Kind hat sich schließlich nicht selbst diesen 9-monatigen Wohnort ausgesucht und ist aus eigenem Antrieb zum „Hausbesetzer“ geworden.

    Hier sollte man doch zumindest das Verursacherprinzip walten lassen. Genauso, wie bei Opfern von Drittweltdiktaturen: sind wir nicht auch ein bisschen Schuld daran, dass sich deren Herrschaft im Kalten Krieg zementiert hat und heute die Menschen darunter leiden müssen? Wäre es nicht irgendwie unsere Pflicht, in diesen Ländern alles „auf Null“ zu stellen und den Menschen wenigstens die Möglichkeit zu geben, ihre Unterdrücker einmal selbst zu wählen?

  2. „Das Kind sei ein Aggressor/Eindringling“

    wer hat denn diese scheiße verzapft????????????????????

  3. Paul, Du sagst es. Lieber die „Entgrenzung des Individuums“ einfordern als solch einen abartigen Bullshit verzapfen. Deswegen nenne ich mich immernoch Adornit. Eine andere Frage ist es zwar ob man 8 std. Gesellschaftlich notwendige Arbeit als „Unterdrückung“ bezeichnen kann, aber mir sind solche Einstellungen dann doch sympathischer als dieser Radikalliberalismus.

  4. @ Analyics
    Ich bin auch radikalliberal, aber kein Appeaser oder gar ein Anti-Staatler.
    Man möge doch nicht alle in einen Topf werfen. Wer für Krieg gegen Schurkenstaaten ist, der ist nicht automatisch ein Neocon.

    @ ahs
    Viele Mises Libertären, viele Paleo-Libertäre sind gegen Abtreibung und „Pro Life“.
    Wenn das Kind im Bauch der Mutter krank ist, wenn es der Mutter starke Schmerzen bereitet, wenn sie es von einem ungewollten Erzeuger hat usw. usf. dann ist das Kind tatsächlich ein „Aggressor“ und nicht Gottes Wille.
    Tumore sind ja sicherlich auch Gott gewollt, nicht wahr?

    Aber für einige von euch Konservativen sind Frauen ja nur dumme Geburtsmaschinen, die auch dazu verdammt sind, das Kind bei sich abzeichnender starker Fehlgeburt großzuziehen oder gar wenn sie bei der Geburt sterben werden.

  5. Hey, Freak, höre ich da gerade Untertöne heraus, die Euthanesie oder Eugenik einfordern? Soviel zum Thema „Radikalliberalismus“.
    Ah ja genau, warum nicht gleich defekte Föten abtöten, spart man Geld und Mami hat ganz schnell wieder die Beine breit. Soetwas widerliches.

  6. Wie tief muss man eigentlich fallen um unschuldiges menschliches Leben mit Krebs zu vergleichen. Du elender…
    Adorno hatte für Leute wie dich ein Wort, es hieß Faschist. Hier muss man den Frankfurter rechtgeben. Radikalliberalismus = Faschismus.

    Und ja ich bin Pro-Life. Weil ich Adorno verpflichtet bin.

  7. Was ist daran widerlich? Jeder soll das selbst entscheiden. Ich fordere von niemanden was ein.

    Aber genau das tut ihr! Ihr fordert ein, dass Frauen, egal bei welchen Umständen, die Geburt auszutragen haben. Nicht nur, dass euch der Kontext eigentlich nichts zu interessieren hat, habt ihr auch bei problematischen Krankheitsbilder, euch der Kontext also bewusst ist, keinerlei Bedenken den Frauen zu diktieren, wie sie sich zu verhalten haben. Und dann mit Eugenik Vorwürfen abzulenken sprengt den Maßstab einer vernünftigen Diskussion.
    Ihr seit ja Männer (sind iwie die, die sich am meisten für „pro Life“ einsetzen, kein Wunder) und müsst nicht nach der Geburt ableben oder ein Kind großziehen, dass nie gewollt war und der Erzeuger sich an euch hergemacht hat (vergewaltigt). Nicht nur Vergewaltiger verachten den Körper der Frau, ihr Eigentum, sondern auch diejenigen, die Abtreibung (Embryo und Fötus) ablehnen.

    Es gibt bei einigen Neocons große Schnittmengen zu muslimischen Kulturen, was die Achtung der Frau (menschliches Wesen) betrifft und ihr Recht auf Eigentum, Freiheit und ihr Leben.

  8. Hmm was ist besser? 2 std. Schmerz oder n totes Kind? Idiot.

    Meine Fresse, wie nihilistisch muss man sein um solch eine gequirlte Scheiße zu verzapfen? Ja toll, behinderte Kinder sind eine Belastung. Schon mal an Adaption gedacht, wenns Weib eh kein Gewissen hat, ists dem Kind eher gedient. Dann sind die Ossiweiber die wegen der Karriere Kinder umbringen ja ach so Liberal. Abtreibung iat Mord und du n Faschist.0

  9. Zur verachtung der Frau and all that bullshit: Lieber den Körper der Frau verachten und sie per Gesetz zur Geburt zwingen als ein Kind zu ermorden.

  10. Just-In: Genauso sind wir commies. Wir fordern ein. Wir fordern eine menschliche Welt ein. Wir fordern ein, dass was euch postmodernistischen Hurensöhnen egal ist. Wir mögen naiv sein, aber bei G´tt, das ist eine gute Naivität, eine noble Naivität, eine gesegnete Naivität. Wenigstens haben wir ein verdammtes Gewissen.

  11. Du wirfst Begriffe durcheinander.
    Niemand hat das Recht ein Kind zu töten und es ist auch nicht mehr Eigentum der Eltern. Ich bezog mich aber auf Embryonen und Föten und genau dies meine ich umgangssprachlich auch mit „Kind im Bauch“.

    Nun stellst du die Frage, was besser ist: Die schmerzvolle Austragung oder ein totes Kind. Ersteinmal hat der Kontext keine Gewichtung, was eine Frau mit ihrem Körper anstellt und aus welchen Gründen sie dies tut.

    Behinderte Kinder eine Belastung? Wo habe ich das geschrieben? Wenn die Frau den Wunsch hat so ein Kind großuziehen, dann ist das ihre Entscheidung und das befürworte ich. Wenn sie aber nicht den Wunsch hat, dann ist das ebenfalls ihre Entscheidung, auch wenn ein vollkommen gesundes Wesen prognostiziert wird.

    „Lieber den Körper der Frau verachten und sie per Gesetz zur Geburt zwingen als ein Kind zu ermorden.“

    hört hört liebe Bloggergemeinde und Paul13. Auf eure Stellungnahme bin ich mal gespannt und was hier tatsächlich faschistischer ist.
    Achja, hatte Adorno, den du dich verpflichtest fühlst, auch so eine untragbare Ausdrucksweise?

  12. Das mit dem verachten war ironisch gemeint. Für mich ist es keine Verachtung, sondern Gewissensangelegenheit.

  13. Lieber neocol, komm mal wieder runter! Von was sprichst Du da überhaupt? Abtreibungen nach Vergewaltigung oder auch bei tatsächlich Schwerstbehinderten Kindern machen wenige Promille aller Abtreibungen aus. Bitte beim Statistischen Bundesamt nachschauen, bevor man faktenfrei dichtet.
    Zudem gibt es heute nur noch wenige Einzelfälle (weniger als 1 Promille aller Fälle), bei denen das Leben der Mutter tatsächlich durch die Geburt bedroht ist. Ein mit mir befreundeter Onkologe beschrieb mir erst vor ein paar Wochen, dass in vielen Fällen sogar Chemotherapie möglich ist, ohne den Fötus zu schädigen.
    Und noch ein Faktum: in der Pro Life Bewegung dominieren weibliche Mehrheiten. Die Männer sind da in der Minderheit.

    Ich mache Dir, neocol, einen Vorschlag: lasst uns alle Fälle, in denen das Leben der Mutter bedroht ist oder sie vergewaltigt wurde, ohne weitere Bedingungen legalisieren! Im Gegenzug setzt Du Dich bedingungslos für einen absoluten Lebensschutz für alle anderen Fälle ein!

  14. Eigentlich beschwert sich der Autor des Textes über Liberventionisten darüber, dass er Steuern zahlt und andere bestimmen, was mit Ihnen passiert. Das Thema Krieg könnte man hier leicht durch ein anderes (Infrastruktur z.B.) ersetzen.
    Stellen wir uns nun mal vor, die Libertären müssten keinen cent Steuern für den Afghanistankrieg bezahlen. Sei es weil sie alle in der Schweiz oder in Island wohnen, sei es, weil es in Deutschland ein neues Steuersystem gibt und jeder die Bereiche bestimmen kann, für die seine Steuern benutzt werden. Dann wird die Kritik substanzlos. Denn dann leistet sich eine Gemeinschaft von Menschen freiwillig einen durch Berufssoldaten angebotenen Dienst; die Befreiung afghanischer Mädchen z.B., oder Sicherheit vor den Taliban.
    „Die Liberventionisten präferieren die Chance auf größere Freiheit Dritter über die sichere Einschränkung ihrer eigenen.“
    Können sie doch machen, wenn sie das möchten. So wie doch jeder das Recht hat sich mit anderen Menschen zu solidarisieren und zu versuchen ihnen zu helfen. Ich behaupte gar, dass es für eine Gesellschaft, die funktionieren und Bestand haben soll, notwendig ist, dass sich Leute einschränken um anderen mehr Perspektiven zu geben.

  15. Nachtrag;
    Kurz gesagt:
    Der Autor kritisiert staatliches Handeln (also Steuern einnehmen und ausgeben), dieses ist aber für Liberventionismus gar nicht unbedingt notwendig.

  16. Einem behinderten Menschen nicht die gleichen Rechte zuzuerkennen, ist Diskrimminierung und verfassungsfeindlich. Einem behinderten menschen das gleiche Lebensrecht abzuerkennen, wie gesunden Menschen, ist Eugenik. Und damit zumindest ganz, ganz nahe am Faschismus. Dass es noch Deutsche gibt, die das anders sehen, hätte ich nie für möglich gehalten.

    Und übrigens, für das Fundament der weiteren Diskussion: nach Definition des Embryonenschutzgesetzes und des Verfassungsgerichts ist der Embryo menschliches Leben, das uneingeschränkt unter dem Schutz des Grundgesetzes steht, insbesondere Art. 1 und 2.

    Vielleicht sollten wir zunächst uns den Rahmen unseres Rechtsstaates klar machen, bevor man in die Falle geht und anti-rechtsstaatlich wird.

    Abtreibung ist übrigens auch in Deutschland in jedem Fall immer noch illegal (wg. Gesetz und Verfassung). Unter der Voraussetzung einer Beratung aber bleibt sie straffrei. Eine Parallele gibt es beim Ladendiebstahl: unter einem gewissen Wert wollte Frau Däubler-Gmelin bei Ladendiebstahl von einer Strafverfolgung absehen. Damit wird er jedoch sicher nicht rechtens, sondern bleibt illegal…

  17. @ ahs
    Erstens hast du den Anstoß zur Diskussion gegegeben und das konnte ich unmöglich hier so stehen lassen.
    Zweitens frage ich mich gerade, warum ich „runter kommen“ soll, und dass bei der Ausdrucksweise, die mein Diskussionspartner hier an den Tag gelegt hat. Aber scheint auf den Blog hier wohl Standard zu sein. Werde ich mir merken.

    Mir ist es egal, wie viel Prozent der Abtreibungen nach Vergewaltigungen oder anderen Umständen zustande kommen. Mir geht es um die Freiheit und das Leben, die in diesem Fall nun einem die Frau inne hat und kein Fötus oder Embryo.

    „Ich mache Dir, neocol, einen Vorschlag: lasst uns alle Fälle, in denen das Leben der Mutter bedroht ist oder sie vergewaltigt wurde, ohne weitere Bedingungen legalisieren! Im Gegenzug setzt Du Dich bedingungslos für einen absoluten Lebensschutz für alle anderen Fälle ein!“

    Nein, den absoluten Lebensschutz für alle anderen Fälle hat aber immer noch die Frau. Warum sollte sich das mit einmal ändern?

    „Vielleicht sollten wir zunächst uns den Rahmen unseres Rechtsstaates klar machen, bevor man in die Falle geht und anti-rechtsstaatlich wird.“

    Jetzt wird es langsam peinlich.

    „Einem behinderten Menschen nicht die gleichen Rechte zuzuerkennen, ist Diskrimminierung und verfassungsfeindlich. Einem behinderten menschen das gleiche Lebensrecht abzuerkennen, wie gesunden Menschen, ist Eugenik.“

    Ich sprach von Föten und Embryonen. Einem behinderten Menschen Rechte abzuerkennen ist in der Tat falsch.
    Einen Fötus oder einem Embryo das gleiche Recht auf Leben einzuräumen ist ebenso falsch, zumal er sich selbst in einen lebenden Mensch befindet und diesem ist das Recht auf Leben sicherzustellen.

    @ Schmock

    Richtig erkannt und die Fantasien von Dirk enttarnt. Für ihn gibt es wohl nur Antistaatler und alle die ihm widersprechen sind wohl Steuereintreiber usw. Ein Anti-Etatist, also auch eine radikalliberale Betrachtungsweise, lässt den Staat zu für innere und äußere Sicherheit. Deshalb muss es aber keine Steuern geben.
    Für mich ist Dirk nichts weiter als ein libertäre Etatist, da Etatismus nicht nur staatlichen Quell entspringt, sondern auch von Individuen ausgehen kann und dies ist in einer anarchistischen Gesellschaft absehbar. Nichts anderes ist Libertarismus.

  18. @ Schmock

    Ein Steuersystem, bei dem die Bürger bestimmen können, wofür ihre Steuern im einzelnen verwandt werden, kann genauso wenig funktionieren wie ein basisdemokratisches System, bei dem die Bürger ständig ihren Senf zu Detailfragen abgeben sollten. Weil solche Entscheidungen wie der Afghanistaneinsatz immer „Mischkalkulationen“ sind. Es geht der Regierung dabei nicht NUR um die Durchsetzung eines menschlicheren Systems, aber AUCH. Gleichzeitig geht es um das Signal an befreundete Staaten, im gemeinsamen Verteidigungsbündnis seinen Beitrag zu leisten. Es geht AUCH um die Durchsetzung eigener Sicherheitsinteressen. Usw.
    Die Bürger sehen das, einzeln angesprochen, völlig unterschiedlich, und das gilt für sämtliche Fragen. Du würdest wahrscheinlich eine eklatante Anzahl mit der Meinung „Müllabfuhr brauch‘ ich nicht, zahl ich nicht für. Ich schmeiß meinen Dreck einfach in den Park“ finden.
    Deshalb macht es Sinn, alle vier Jahre über das Gesamtergebnis einer Regierung abzustimmen und bei großer Unzufriedenheit mit Detailfragen es dann eben mit einer anderen Partei zu versuchen. Den Bürgern die Entscheidung über die Verwendung ihrer Steuern direkt zu überlassen würde heißen, der Regierung ihre Handlungsfähigkeit zu nehmen.

  19. „Ich sprach von Föten und Embryonen. Einem behinderten Menschen Rechte abzuerkennen ist in der Tat falsch.“

    Mal eine Verständnisfrage: was ist denn ein Embryo, wenn nicht ein Mensch? Eine Giraffe? Da hast Du irgendwas verpasst in Biologie.

    Naturwissenschaftlich ist der Mensch ein Mensch von der Befruchtung an. Das sagen sogar Befürworter der embryonalen Stammzellfoschung wie Brüstle. Das sagt sogar Singer, der nur die Schutzwürdigkeit abstufen will. Das sagt auch das Bundesverfassungsgericht und das sagt das Embryonenschutzgesetz.

    Woher stammt also die „Weisheit“, dass ein menschlicher Embryo nicht Mensch ist???

  20. „Mal eine Verständnisfrage: was ist denn ein Embryo, wenn nicht ein Mensch? Eine Giraffe? Da hast Du irgendwas verpasst in Biologie.“

    Ein Embryo, wie auch Fötus, ist ein Leben, genauso wie dies eine Nuss ist oder auch eine Giraffe. Allen sollte aber nicht die Rechte zustehen, die ansonsten tatsächliche menschliche Wesen inne haben.
    Leben an sich ist eine wichtige Qualifikation, aber nicht ausreichend um ein menschliches unabhängiges Individuum zu sein.

    Zudem ist der Fötus und der Embryo komplett von der Frau abhängig und im Fall einer Abtreibung ist das Recht des Menschen, der Frau, „vorzuziehen“.

    „Naturwissenschaftlich ist der Mensch ein Mensch von der Befruchtung an.“
    Richtig. Die DNA entspricht die unser. Aber Rechte gelten Menschen und dazu gehört schon bisschen mehr. Ein Baby hat die Rechte oder auch ein voll entwickelter „Fötus“ im Bauch in bestimmten Fällen.

    „Woher stammt also die “Weisheit”, dass ein menschlicher Embryo nicht Mensch ist???“
    Aus einer rechtlichen Sichtweise.

  21. @ neocol

    1. aus rein rechtlicher Sichtweise ist der Embryo Mensch. Siehe Bundesverfassungsgericht und Embryonenschutzgesetz. An welche rechtliche Sichtweise könnte man sich daneben halten? Parallelwelten?

    2. der Embryo ist komplett von der Frau abhängig. Genauso wie ein Neugeborener und auch Babies mehrere weitere Monate lang. Aber auch alte, kranke und behinderte Menschen, Komapatienten etc. sind teilweise oder vollständig von anderen Menschen oder gar der Technik und Medizin abhängig. Merkst Du was? Wo ziehst Du die Grenze?

    3. auch Embryonen haben bereits bestimmte Rechte nach dem bürgerlichen Gesetzbuch. Z.B. kann das Erbrecht einem Ungeborenen zukommen. Da gibt es bereits Fälle in der Rechtsprechung. Ganz abgesehen vom Lebensrecht, was ihm das Bundesverfassungsgericht zugesprochen hat. Hast Du das damals mitbekommen? Sogar in zwei Höchstrichterlichen Entscheidungen…Kann ja sein, dass Du 1993 bei der letzten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts noch nicht geboren warst…

    4. was bitteschön sind „tatsächliche menschliche Wesen“? Wer entscheidet das, wenn nicht die Naturwissenschaften oder eine rechtliche Norm? Bitte nenn mir objektive Kriterien, die nicht Ideologie sind, die gegen das Menschsein des Embryos sprechen. DIE BIST DU NÄMLICH SCHULDIG GEBLIEBEN!

  22. ahs, drückt alles aus, was ich an Neocol etwas blumiger richtete. Ich hatte die Diskussion schon mit meinen Genossen. Das erschreckende ist, dass sowohl Radikalliberale als auch Genossen das Wesen „Mensch“ zwar als konkretes Wesen bestimmen, diese Konkretheit aber durch eine Vorbediengung definieren: nämlich Reflexion. Die Fähigkeit zur Reflexion aber impliziert weitere Fragen. Wann beginnt jene Fähigkeit? Was mich erschrocken hat war eine Antwort eines Genossen, der behauptete, dass ihm Infazid ( also Kindsmord einer Mutter ) nicht einen „FICK“ interessieren würde, wenn es nicht unnötige Gewalt wäre. Vllt. habe ich da etwas missverstanden, aber ich bin erschrocken worden von der Kaltschnäuzigkeit des Typs. Wenn Reflexion die Grundbestimmung ist, dann wäre das Nietzsche-light. Außerdem: Was IST Reflexion. IQ? Hatten wir schon. Was ist „Mensch“? Da ist mir die biolog. Definition lieber. Dann hat der Genosse noch was von der Umkehrbarkeit des biologischen Arguments gesprochen. Stimmt. Nur behaupten Nazis niemals, Behinderte wären keine Menschen. Ihre Argumentationsweise ging vom Lebensunwertem Leben aus. Exakt die Position die der Genosse vertretten hat. Denn wenn er zwischen „konkretem Mensch“ ( als der Frau ) und dem „möglichem Menschen“ zu Wählen hätte… Es war mir unheimlich zumute. Ka. war das eben Petze? Hoffe nicht.
    Jedenfalls, bin ich Pro-Life, gerade weil es mir um die Gattung geht.

  23. Na supi. NBFS wird zur vegan Pro-Life Plattform. Erst Adorno und jetzt das… :-(

  24. Merkwürdig, nicht? Da will man ein bißchen Beschuß der Libertären Volksbefreiungsarmee rauskitzeln, und was kriegt man – eine Abtreibungsdebatte. Wobei das Thema zugegeben auch nicht ganz unwichtig ist. Nur leider weniger spaßig als anarchokapitalistische Verteidigungsstrategien.

  25. Um das Ursprungsthema nicht noch weiter zu versauen – und weil es dazu so viel zu sagen gibt, dass es hier den Kommentar-Raum sprengen würde, hab ich mein umfangreicheres Statement in meinen eigenen Blog verlagert…

  26. Meine Lieblingsspeise ist Salamipizza. Soviel zum Thema Veganismus. Ich esse Rindersteaks, keine Menschensteaks.

    Ahja, Bush ist auch Pro-Life. Aber der ist ja n veganer Peacenik. Oh Leute, warum immer in Stereotypen denken, ich fass es nicht.

  27. @ AHS

    Wobei Ihr durchaus auch hier darüber diskutieren dürft, nicht daß das falsch verstanden wird! Hatte mich nur überrascht, wobei das ja auch den Reiz des Bloggens ausmacht, daß man am Ende manchmal was ganz anderes bekommt als ursprünglich geplant.

    Und weil ich mich selber noch gar nicht dazu geäußert habe, also ich bin auch dafür, Kinder möglichst nicht abzutreiben, aber ich verurteile auch keine Frau, die es tut, weil man sich da immer erst mal im Einzelfall die näheren Umstände ansehen muß.

    Es gibt da keine philosphisch saubere und trotzdem praktikable Lösung. Ich denke, irgendeine Art von Fristenlösung ist das einzig realistische. Wobei ich es schön fände, wenn man verhindern köntne, daß sich überhaupt jemand zur Abtreibung gezwungen sieht.

  28. „Und weil ich mich selber noch gar nicht dazu geäußert habe, also ich bin auch dafür, Kinder möglichst nicht abzutreiben, aber ich verurteile auch keine Frau, die es tut, weil man sich da immer erst mal im Einzelfall die näheren Umstände ansehen muß.“

    Ich glaube, dass kommt auch meiner Position am nächsten.

  29. Sag mal Analytics, warum gehst du eigentlich immer ab wie Schmidts Katze? Immer inklusive Faschismusvorwurf und allem pipapo. Heißblütiges Temperament? ;-)

  30. Cheweyjunge, isch bin nun mal so. Erst fluchen dann denken. Ist tadelnswert, ich weiß. Dennoch ich hab ne grosse klappe. ;)

  31. @ Paul13
    Ganz Deiner Meinung. Ich hoffe immer, dass es irgendwann so gut wie keine Abtreibungen mehr gibt, verurteile keine einzige Frau, die sich dazu ezwungen sieht und empfinde eine Gesellschaft als grausam, in der eine Frau sich dazu gezwungen sieht.

    Eine „Anekdote“ aus meinem Bekanntenkreis: eine mit mir befreundete Gynäkologin erzählte mir, dass von den Fällen in der Klinik, in der sie arbeitet, über 90% der Frauen unter irgendeinem Zwang den Entschluss zur Abtreibung fällen: Angst vor Arbeitslosigkeit, Angst vor Armut, Karriere-Ende, die Eltern, ein Arschloch als Erzeuger, ein Mann, der keine Kinder will usw. Medizinische oder kriminologische Indikation (Vergewaltigung, Inzest) bewegen sich im Promillebereich unter den gemeldeten Abtreibungen.
    Sie sagt auch, dass sich die Mehrheit für das Kind entscheiden würde, wenn man ihr die Zukunftsängste nehmen könnte. Ist das nicht wirklich grausam?

    Ich sehe das an mir selbst: wir erwarten ein Kind und ich habe durchgerechnet, dass trotz Elterngeld, Steuererleichterung und Kindergeld gute 300 Euro im Monat weniger zusammenkommen. 300! Ich glaube schon, dass es in diesen Dimensionen bei so manchem ums finanzielle Überleben geht…

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