Querschläger aus der Vergangenheit


Neue Wende im Fall des 1967 ermordeten Studenten Benno Ohnesorg: Der Kriminalbeamte Karl-Heinz Kurras, der damals den tödlichen Schuss abgab, war Forschern zufolge Stasi-Spion in West-Berlin. Akten der Birthler-Behörde belegen ihren Recherchen zufolge auch eine Mitgliedschaft in der SED.

Na, also wenn das stimmt, dann muß die Geschichte zur Abwechslung mal wirklich neu geschrieben werden. Denn das bedeutet nichts anderes, als daß die ganzen 68er damals (und viele davon wohl auch ihr Leben lang) in die falsche Richtung gestürmt sind, und sich damals statt dem Springer-Hochhaus besser mal die Wachtürme an der Zonengrenze vorgenommen hätten.

Selbst wenn Kurras damals tatsächlich nicht den offiziellen Auftrag gehabt haben sollte, nachzuhelfen, um in der BRD mal für ein bißchen explosive Stimmung zu sorgen, und nur rein zufällig den Startschuß zur Radikalisierung der Studentenrevolte gegeben haben mag, so hat er den Zielen der DDR-Führung unterm Strich wohl mehr gedient als eine komplette neue Panzerdivision.

Aber das hat bei aller Tragik auch seine lustige Seite. Denn schon die bloße Vorstellung des Gesichtsausdrucks der RAF-Veteranen, als sie merken, daß all die Jahre als Terror-Rentner im spießig-kleinbürgerlichen DDR-Mief nicht nur umsonst waren, sondern auch noch von denjenigen bezahlt wurden, denen sie die Notwendigkeit eines vorgezogenen Ruhestands im Exil überhaupt erst verdankten, ist komischer als das meiste, was man uns bei RTL als Comedy verkauft.

Und wenn jetzt noch die Linkspartei zu dieser überraschenden Entwicklung Stellung beziehen muß, dann wird‘s vermutlich so richtig spaßig.

~ von Paul13 - Freitag, 22. Mai 2009.

21 Antworten to “Querschläger aus der Vergangenheit”

  1. In dem Artikel auf Spiegel-online wird behauptet, Ohnesorg sei ermordet worden. Die Gerichte kamen da zu einem anderen Schluss.
    Erstens wundert mich, dass Spiegel offenbar eine Klage wegen Verleumdung riskiert, bei der sie doch keine Chance haben sollten.
    Zweitens zeigt das doch wieder was für ein Hetzblatt der Spiegel ist.

  2. @ Schmock

    Hat mich auch gewundert, wieso sie das im Opener als unumstrittene Tatsache hinstellen, wo das Gericht das anders gesehen hat. Würde mich nicht wundern, wenn sich da die Fronten demnächst um 180° drehen, weil die Kontrahenten die Schützengräben wechseln.

  3. „Selbst wenn Kurras damals tatsächlich nicht den offiziellen Auftrag gehabt haben sollte, nachzuhelfen,…“
    Naja, er hat ja wohl auch kaum von der Westberliner Polizei den Auftrag gehabt. Obwohl seine Tat immer als Folge der Radikalisierung durch Springer und die Konservativen dargestellt wurde. Somit bleibt die Tat in jedem Fall die gleiche, nur der Auslöser hat gewechselt. Nun waren es die Linken, nicht die Rechten, die ihn radikalisiert haben.
    Ich finde, als Bürgerlicher sollte man jetzt genau die Deutungsmuster der 68er für diesen Fall übernehmen und sie immer und immer wieder wiederholen.
    Wir müssen den 68ern nun einfach Recht geben. Sie lagen einfach damals nicht falsch. Oder behauptet heute einer, die 68er lagen falsch mit ihrer Ansicht, Kurras sei radikalisiert worden?

  4. Hm, also wenn ich das als Auslaender so richtig verstanden habe, dem das ganze bis auf die in meiner jungen Zeit als Jr. Officer erhoehte Terrorlage zur Endzeit der RAF, ziemlich am Arsch vorbeiging und geht.
    Sah es doch so aus dass von den Linken der Taeter als „faschistoider schiesswuetiger westdeutsche Bulle des BRD Regimes“ dargestellt wurde. Dieses Regime sollte nun bekaempft werden.
    Richtig?
    Wenn Richtig lagen die Jungs und Maedels in der Begruendung ja nun falsch. Es war ein faschistoider Stalinist der lieber als VoPo auf der anderen Seite der Mauer gessen haette.
    Also ob nun Mord oder nicht, er ist ja freigesprochen worden vom Tatvorwurf, das wirft schon ein anderes Licht auf die Initialzuendung. Obwohl es aus meiner Sicht eh dazugekommen waere, es war nur eine Begruendung vonn vielen. Auf eine mehr oder weniger kam es diesen Versagern eh nicht an.

  5. Es ist ein Treppenwitz der Historie. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen… LOOL

  6. Auslaender, got my mail?

  7. @analytics
    Ja gerade gelesen.
    Antwort folgt.

  8. @ Paule et al.

    Schön. Die Birthler-Behörde hat zum Jubiläum ihre Existenzberechtigung nachgewiesen und der Spiegel hat was zu schreiben. Immer nur Hitler ist ja auch irgendwann langweilig. Sonst habt ihr keine Sorgen?

  9. Sorry,

    dass ich völlig frei von Schadenfreude sei, kann ich nicht behaupten, aber immerhin gab es einen Tpoten, der eine schwangere Frau zurückließ. „auf der Zunge zergehen lassen“ und „spaßig“ finde ich nicht ganz angebracht.

  10. @ A new era

    Täusche ich mich oder kann es sein, daß das ein Thema ist, daß Dir irgendwie nicht so hundertprozentiug recht ist? ;-)

  11. @ Martin Riexinger

    Die Tragik erkennt hier wohl jeder an, aber wie bei schwarzem Humor lacht man eben manchmal auch über Dinge, deren Thema überhaupt nicht lustig ist. Ich sag nur Bonker. :-)

  12. @ Paul

    Für die Ermordung von Benno Ohnesorg bzw. die Bedeutung des 2. Juni 1967 für die bundesrepublikanische Geschichte ist die politische Orientierung des POM Kurras eher unerheblich. Wenn es eine Erkenntnis aus der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts gibt, so diese – dass deutsche Polizeibeamte nicht einem politischen System sondern ihrem Pensionsanspruch verpflichtet sind.

  13. @ a new era

    Sag’s Deinen 68er-Freunden. Die haben das bisher nämlich ein wenig anders gesehen.

  14. Hm…die 68er behaupteten damals doch, dass Kurras durch den Staat gedeckt wurde und dass es deshalb zum Freispruch kam, oder?
    Und das gerciht sprach ihn aus Mangel an Beweisen frei, obwohl das Gericht „erhebliche Zweifel“ am Tathergang äußerte, oder etwa nicht?

    Nun soll untersucht werden, welcher Staat hier Kurras gedeckt hat und ob beweise verbogen wurden.

    Und es muss untersucht werden, warum gerade im zeitlichen Umfeld der Tat die MfS-Akten in den chaotischen Tagen nach dem 9. Nov. 89 mit Priorität bereinigt wurden. Warum wurden gerade hier Blätter aus den Akten genommen?

    Das sind ganz neue Fragen und es könnte dabei einiges rauskommen, was die 68er in ihrem Weltbild erschüttert…

  15. @ AHS

    Neben den drei öffentlich diskutierten Varianten Unfall, Notwehr und Auftragsmord fehlt mir in der Diskussion noch eine vierte, aber m.E. nicht unbedingt unwahrscheinlichere Variante.

    Denn genauso wie es denkbar ist, daß ein rechtsreaktionärer Law&Order-Fanatiker im Eifer des Gefechts durchdreht und am aufsässigen Studentenpack auf eigene Rechnung ein Exempel statuiert, so ist es denkbar, daß er geglaubt hat, als Avantgardist des Proletariats auf diese Weise nach dem Hobel-Späne-Prinzip der Weltrevolution eine kleine Starthilfe geben zu können.

    Sowas bedarf völlig unabhängig von der politischen Ausrichtung keines Auftrags, sondern nur einer ausreichend gefestigten Überzeugung, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.

  16. @ Paul

    Wie gesagt: sonst habt ihr keine Sorgen?

  17. @ a new era

    Doch, haben wir. Aber es ergänzt die bereits vorhandenen ganz wunderbar.

  18. Kicher, kicher
    hust, hust

  19. @Paul
    Das „Hobel-Späne-Prinzip der Weltrevolution“ hat zu viele Menschenleben gekostet – einen nicht unwesentlichen Anteil haben dabei die Stasi-Schergen. Davon wollen einige Leute jetzt nichts wissen – das beginnt bei von Lafo und seine Genossen – und endet bei kleinen unwesentlichen Kommentatoren…

  20. @ S1IG

    ISt aber nicht auszuschließen, daß jemand, der immerhin irre geführt genug war, um freiwillig mehr als ein Jahrzehnt der SED zu dienen, selber so kalkuliert.

  21. @Paul
    Sicher kalkuliert mancher so – es scheint aber, dass im Fall Kurras kein Irreführung im Spiel war – es war eher Überzeugung oder er war zum Spitzel geboren. Nun will er seine Ruhe – so wie die SEDie-Linke endlich Ruhe vor ihrer mörderischen Vergangenheiit haben will. Andere versuchen solche Verbrechen mit „Existenzberechtigung der Brithler-Benhörder“ zu verharmlosen. Bloss keine Erinnerung an die Gräueltaten der SED-Diktatur.

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