Neulich, im Schlaraffenland – Teil I: Wir wählen uns ein Volk


Es ist ein in bürgerlichen Kreisen weitverbreitetes Vorurteil, daß der Kommunismus nicht bzw. nur mit Hilfe von GULags und Hungersnöten realisierbar ist. Dies ist jedoch ein Irrtum, der noch dadurch verstärkt wird, daß der Gegenbeweis in einem Land erbracht wurde, welches auch bei der Masse jener, die den Kommunismus im Prinzip für eine gute Idee halten, nur als Hort des Bösen bekannt und deswegen grundsätzlich keiner unvoreingenommenen Betrachtung zu unterziehen ist. Das Land heißt Israel und der Ort nennt sich Kibbutz. Genaugenommen gibt es dort sogar deren hunderte, und ihre Größe reicht von winzigen Siedlungen über ausgewachsene Dörfer bis hin zu kleinen Städten.

An dreien von ihnen hat der Schreiber dieser Zeilen einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Lebens verbracht und das nicht nur überlebt, sondern auch noch eine Menge Spaß dabei gehabt. Zugegeben, ganz so neulich, wie die Überschrift suggeriert, ist diese Erfahrung zwar nicht mehr, aber gerade dadurch ermöglicht sie einen Blick in eine Zeit, als der Kibbutz noch ein bißchen mehr als heute das war, was der Kommunismus maximal hätte sein können, falls er tatsächlich funktioniert hätte. Und da das Thema in der aktuellen Diskussion bereits angesprochen wurde, folgt demnächst in locker Folge eine kleine Serie mit zwar subjektiven, aber hoffentlich trotzdem hilfreichen Betrachtungen zum „guten Kommunismus“. ***

Die Basis des Kibbutz sind wie in jeder anderen Gesellschaft die Menschen die dort leben. Anders als dort üblich wurden die Kibbutzim (nicht über den merkwürdigen Plural wundern, das hat schon seine Richtigkeit, es heißt ja auch Schnitzelim :-) nicht über eine unwillige Bevölkerung drübergestülpt, sondern ursprünglich von Leuten, die speziell zu diesem Zweck zusammengekommen waren, ganz bewußt gegründet. Es mußte also niemand mitmachen, der das eigentlich gar nicht wollte. Die dabei waren, zogen daher grundsätzlich wenigstens so ungefähr an einem Strang, wodurch sich Dinge durchsetzen ließen, die in der Gesamtbevölkerung sicherlich niemals eine Mehrheit bekommen hätten.

Das Problem an einem solchen auf bloßer Freiwilligkeit basierenden Kommunismus ist aber genau das, daß er eben auf Freiwilligkeit basiert. Wer einem Kibbutz beitritt, tut das nämlich ganz bewußt, weil es dort so ist wie es ist. Wer ihm aber nicht beitritt, sondern dort lebt, weil er zufälligerweise dort gelandet ist – beispielsweise, weil seine Vorfahren diese Entscheidung dereinst getroffen haben, und er jetzt bloß dort geboren wurde -, findet nicht zwingend alles genauso cool wie seine Eltern das vielleicht noch taten. Die daraus resultierende Abwanderung der jungen Generation in die Verlockungen der kapitalistischen Glitzerwelt ist dabei ebenso die Folge wie die Aufweichung der ursprünglichen Ideale, um nicht alle fähigen Köpfe zu verlieren.

Und so leidet der Kibbutz angesichts eines Bevölkerungsanteils, der mit nur noch 1+X Prozent (Tendenz fallend) unter den Wahlergebnissen so mancher jener Parteien liegt, die hier in Europa so lautstark für den Sozialismus trommeln, im Laufe der Zeit zwangsläufig unter einem Mangel an willigen Kommunisten, die die – übrigens durchaus vorhandenen! – Vorteile des Gemeinschaftslebens überhaupt noch zu würdigen wissen. Denn anders als die Staatssozialisten des Ostblocks käme kein Kibbutznik je auf die naheliegende Idee, seine Genossen einfach mit Minenfeld und Stacheldraht am Verlassen des Paradieses zu hindern. Schlimmstenfalls winkt er nicht zum Abschied.

Was erstens zeigt, daß Kommunisten durchaus Humanisten sein können. Und zweitens, daß das mit der Mauer offenbar kein dummer Zufall war, sondern die logische Folge, will man den Kommunismus als obligatorische Menschheitsbeglückung inszenieren, anstatt einfach nur eine reizvolle Alternative zum falschen Leben im falschen anbieten.

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*** Wer einen aktuelleren Blick auf den vielleicht wirklich realen Sozialismus werfen möchte, dem seien Lilas „Letters from Rungholt“ ans Herz gelegt, wo man sehr viel mehr über das eigentliche Kibbutzleben erfährt, als diese doch eher auf politische Fragen abzielende Serie zu leisten vermag.

~ von Paul13 - Mittwoch, 13. Mai 2009.

35 Antworten to “Neulich, im Schlaraffenland – Teil I: Wir wählen uns ein Volk”

  1. Paul, Du übersiehst da etwas. Die Kibbutzim waren in einen bürgerlichen Staat integriert. Geschützt von einer Armee und Polizei und unter jurisdikation von Gerichten. War das nun kommunistisch was da abgelaufen ist? Gewiss, ein Kommunismus aber der A: in einem bürgerlichen Rechtsstaat integriert war und B: auf Freiwilligkeit beruhte. Genau hier aber bestätigt sich meine Aussage, dass die 76er kommunistischer war als von euch erkannt werden will. Jefferson war fasziniert von der Idee des self governance, in dem communities in der Townhall sich zusammenfinden und basisdemokratisch darüber entscheiden, was, wie, wo und warum in der Gemeinde zu geschehen habe, etwas was in den Kibbutzim radikalisiert wurde, erfolgreich. Das war ja die ursprüngliche Konzeption der USA als Bund nach AUßEN hin, während im Inneren weitgehend basisdemokratische Verhältnisse herrschen sollten und der Zentralstaat nur dort eingriff, wo die community sich nicht helfen konnte. Etwas was Obama mit aller Macht zerstören will.

  2. @ Paul

    Vielleicht muß sich ja jede Generation neu erfinden. Aber ich habe diese Diskussion schon in den achtziger Jahren mit den Autonomen (auch bei denen gab es Anarchosyndikalisten) geführt, die das Ruhrgebiet in selbstverwaltete Dörfer aufteilen wollten:

    Wer organisiert die Wasserversorgung?
    Wer kontrolliert das Strom- und Telefonnetz?
    Ws macht ihr mit denen, die sich nicht an die Spielregeln halten? Lebenslänglich Hausverbot?

    @ analytics
    Auch wenn ich Dir dogmatisch erscheinen mag: ich schlage vor, den Begriff Kommunismus weiterhin nur für Staats-/ Gesellschaftsmodelle zu verwenden, die sich auf die marxistische Theorie beziehen – auch wenn die Anarchisten dann die Wiederholung der Marx-Bakunin-Kontroverse androhen. Deinen eher basisdemokratischen Ansatz bezeichnet man in der Literatur dagegen eher als kommunautaristisch. In diesem gibt es in der Tat eine besondere amerikanische Tradition, die sich aus den Lebensbedingungen der frontier states ergeben hat. Klassiker hier ist John Rwals mit seiner Theorie der Gerechtigkeit (A theory of Justice):
    http://de.wikipedia.org/wiki/A_Theory_of_Justice

    Ich persönlich bezweifle, dass man auss seiner Argumentation ein funktionsfahiges Gesellschaftssystem für globaslisierte postindustrielle Volkswirtschaften ableiten kann. Aber zumindest seine Problemanalyse ist brilliant.

  3. Ach ja, das Kibbutz! Love it or leave it. I loved it.

    „nicht über eine unwillige Bevölkerung drübergestülpt, sondern ursprünglich von Leuten, die speziell zu diesem Zweck zusammengekommen waren, ganz bewußt gegründet.“

    Das ist ein wichtiger Punkt. Als Julius Nyerere versuchte im Rahmen der Ujamaa-Ideologie kibbutzähnliche Strukturen in Tansania einzuführen ist er aus diesem Grund gescheitert. Die Tansanier hatten nämlich keine Lust, ihr Land, auf dem ihre Ahnen begraben waren, zu verlassen, um in die neuen Ujamaa-Dörfer zu ziehen, wie die Regierung es ihnen aufgetragen hatte. So was geht nicht mit Zwang.

    Aber wer weiß, wie lange es in Israel noch Kibbutzim gibt. Ich habe zwar auch nur die bereits verwässerte Form in den 90ern kennengelernt, aber ich bin froh, so was mal erlebt zu haben!

  4. Oha ANE, jetzt sind wir uns wiederum einig. Ebenfalls den Tag rot anstreichen. Ja, egal obs nun Negev war oder die Frontier states, weitgehende Selbstverwaltung ist der Schlüssel zu seehr vielen Problemen, weils am Ende alle sind die Interesse haben, das zb. Schulen geöffnet sind oder Strassen gekehrt, meinetwegen kanns soweit gehen, dass die örtlichen Arbeiter die Fabrik besitzen, was zwar mit gewissen Risiken verbunden ist, aber immernoch besser als die Zerschlagung Chryslers unter semistaatlichen Institutionen. Und wie ANE schon sagte: Jede Generation hat ihre Antworten. Im Zeitalter des Digital Voting sollte man sich nicht unbediengt an Lenin oder Mao halten.

  5. @ Analytics

    Paul, Du übersiehst da etwas. Die Kibbutzim waren in einen bürgerlichen Staat integriert. Geschützt von einer Armee und Polizei und unter jurisdikation von Gerichten. War das nun kommunistisch was da abgelaufen ist?

    Also ich behaupte mal zugunsten des Angeklagten und um meine liberalen Mitstreiter ein wenig zu provozieren „Ja, das ist Kommunismus!“ Zugegeben nur als Teil eines bürgerlichen Staats und in Konkurrenz zu einer kapitalistischen Wirtschaft, und das ganze auch noch mit einem verschwindend geringen Marktanteil, aber vielleicht ist das ja bereits das Maximum, das der Kommunismus ohne Rückgriff auf Erschießungskommandos erzielen kann?

    Gewiss, ein Kommunismus aber der A: in einem bürgerlichen Rechtsstaat integriert war und B: auf Freiwilligkeit beruhte. Genau hier aber bestätigt sich meine Aussage, dass die 76er kommunistischer war als von euch erkannt werden will. Jefferson war fasziniert von der Idee des self governance, in dem communities in der Townhall sich zusammenfinden und basisdemokratisch darüber entscheiden, was, wie, wo und warum in der Gemeinde zu geschehen habe, etwas was in den Kibbutzim radikalisiert wurde, erfolgreich.

    Gemeinsamkeiten gibt es hier nur hinsichtlich der Art der Entscheidungsfindung. Die ist tatsächlich basisdemokratisch, aber dazu muß man weder Amerikaner noch Kommunist sein. Erstere würden sich aber von besagten Entscheidungen nur mit vorgehaltener Waffe so weit reinreden lassen wie letzere. Zumindest wäre es mir neu, daß Joe Sixpack sein ganzes Geld in der Townhall abliefert und die Nachbarn dann demokratisch darüber abstimmen läßt, wem davon ein neuer Fernseher gekauft werden soll.

    Das war ja die ursprüngliche Konzeption der USA als Bund nach AUßEN hin, während im Inneren weitgehend basisdemokratische Verhältnisse herrschen sollten und der Zentralstaat nur dort eingriff, wo die community sich nicht helfen konnte. Etwas was Obama mit aller Macht zerstören will.

    Also wenn, würde ich da eher das Gegenteil befürchten, nämlich daß er noch viel mehr demokratisch darüber abstimmen lassen will, wofür die Bürger Geld ausgeben. ;-)

  6. @ a new era

    Vielleicht muß sich ja jede Generation neu erfinden.

    Das ist gerade bei potentiellen Minderheitenveranstaltungen wie dem Kommunismus der Fall. Nicht zuletzt deswegen sind die Kibbutzim ja heute in der Krise.

    Aber ich habe diese Diskussion schon in den achtziger Jahren mit den Autonomen (auch bei denen gab es Anarchosyndikalisten) geführt, die das Ruhrgebiet in selbstverwaltete Dörfer aufteilen wollten:

    Was schon mal nicht gehen würde, weil sie ja das komplette Dorf nicht auf der grünen Wiese neu errichten könnten, sondern bereits vorhandene Dorfbewohner mit integrieren müssten. Die wollen aber vielleicht gar nicht. Ich habe bisher ebenfalls noch keinen Kommunisten oder Anarchisten gefunden, der mir auch nur dieses eine Problem hätte lösen können.

    Wer organisiert die Wasserversorgung?
    Wer kontrolliert das Strom- und Telefonnetz?

    Das ist ein weiterer kritischer Punkt. Auch die Kibbutzim müssen schließlich auf externe Infrastruktur zurückgreifen. Ein großer Vorteil des Kibbutz ist die geographische Nähe von Arbeitsplatz und Wohnort. Damit kann man zwar problemlos Waren produzieren (die dann der kapitalistische Spediteur in alle Welt liefert ;-), aber Dienstleistungen sind so nur regional zu leisten. Eine eigene kommunistische Wasserversorgung läßt sich so jedenfalls nicht unterhalten.

    Ws macht ihr mit denen, die sich nicht an die Spielregeln halten? Lebenslänglich Hausverbot?

    Ein weiterer wichtiger Einwand, denn Andersdenkende wird es hoffentlich auch im noch so idyllischen Kommunismus immer geben. Wobei die Kibbutzim da in einem gewissen Maße auch ihre Mittel haben (in einem der nächsten Teile mehr dazu), die aber letztlich nicht in jedem Einzelfall wirklich funktionieren.

  7. @ lalibertine

    Ich kenne natürlich auch nicht die wirkliche Pionierzeit, aber schon der Unterschied zwischen den 80er- und den 90er-Jahren war spürbar. Eigentlich eine traurige Entwicklung, muß ich auch als Nichtkommunist sagen. Da geht’s mir wie Dir: I loved it, too.

  8. @ Analytics

    Ja, egal obs nun Negev war oder die Frontier states, weitgehende Selbstverwaltung ist der Schlüssel zu seehr vielen Problemen, weils am Ende alle sind die Interesse haben, das zb. Schulen geöffnet sind oder Strassen gekehrt, meinetwegen kanns soweit gehen, dass die örtlichen Arbeiter die Fabrik besitzen, was zwar mit gewissen Risiken verbunden ist, aber immernoch besser als die Zerschlagung Chryslers unter semistaatlichen Institutionen.

    Das ist es auch, was ich mit der peripheren Bedeutung des Eigentums meine: Die Bedürfnisse, die die Menschen haben, und die Fähigkeiten, sie zu erfüllen, hängen nicht von den Eigentumsverhältnissen ab. Sie werden aus Konsumentensicht höchstens anders gewichtet als aus Produzentensicht, aber das Spannungsverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bleibt dasselbe.

  9. @ Paul

    Was mir in eurer durchaus interessanten Diskussion noch fehlt, ist der Aspekt, dass eine vollversorgte Zukunft im Überfluss nicht nur nicht möglich (wurde kurz erwähnt: begrenzte Ressourcen bei doch ziemlich unbegrenzter Vorstellungskraft der Menschen), sondern nicht einmal wünschenswert wäre. Ich behaupte, sich anzustrengen, um ein Ziel anzustreben und es dann aus eigener Kraft zu erreichen, ist dem Menschen wesenseigen. Eine Gesellschaft, die sich damit abfindet, dass ihr alles im Überfluss geschenkt wird und nur noch träumend auf der Wiese liegt, hätte den Weg zur Dekadenz höchstwahrscheinlich schon hinter sich. Weitere menschliche Charaktereigenschaften wie Machtwille und Aggressivität dürfen ebenfalls nicht beiseite gewischt werden. Es ist nicht schwer sich vorzustellen, wie in einer perfekten Welt alle aus Langeweile auf einander losgehen und damit wieder einen imperfekten Zustand herbeiführen würden. Wobei der Überfluss-Zustand sicher als weit besser als der Hunger- und Elend-Zustand für viele anzusehen ist.

    Für alle SF-Fans, die es noch nicht kennen: Ian Banks‘ großartiger Roman „Bedenke Phlebas“ und einige weitere beschreiben den Zusammenprall einer perfekten, urkommunistischen Kultur mit dem Rest des Universums. Wie diese Kultur die Dekadenzfalle umgeht, ist absolut lesenswert!

  10. CHEWEYJUNGE!!! Wie bin ich froh Dich zu sehen. Wo warst Du alter Pirat? ;) Ist ja ne Ewigkeit her! Wb.

    Zum Thema, ich muss dir insofern recht geben, als das Freiheit ein dialektischer Begriff ist. Unendliche Freiheit bedeutet Tyrannei. Das haben schon Adorno und Horkheimer an De Sades Werk konstantiert. Schrankenlose Sexualität zb. mündet zwangsläufig in Mord und Todschlag. Lustherrschaft hat schon Adorno Angst eingejagt. Deswegen ging er tw. mit Freud konform, die Lust in geordnete Bahnen zu lenken. Wie das aber mit einer von Kontrolinstanzen befreiten Welt vereinbar war, darüber schwieg er sich aus.

  11. @ Analytics

    „Wie bin ich froh Dich zu sehen.“

    Danke gleichfalls, ich freue mich auch.

    „Wo warst Du alter Pirat? ;)“

    Tja, man hat als Pirat so seine Verpflichtungen. Geht nicht schlecht, das Business :-)
    https://nbfs.wordpress.com/2009/05/10/eh-da-nix-da/

    BTW, Analytics, mit dem Proto-Faschismus-Vorwurf gegen Obama bist du m.E. doch einige Kilometerchen übers Ziel hinausgeschossen, da kann ich ane leider nicht widersprechen. Was stimmt ist, dass seine Politik nach innen gerichtet möglicherweise den „individual persuit of happiness“-Gedanken etwas in den Hintergrund stellt, und außenpolitisch den Weltsheriff gleich ganz im Schrank einsperrt. Das mag bedauerlich sein – aber wenn es demokratisch geschieht und er mit seiner Politik eine Mehrzahl der Amerikaner überzeugen kann, dann hat das mit Faschismus aber auch nicht das Allergeringste zu tun. Im Gegenteil, der will niemandem etwas aufzwängen, sondern noch mit den finstersten Schurken quatschen bis die Kauleiste qualmt. Bis zum Beweis undemokratischer Machenschaften ist der Faschismus-Vorwurf gegen Obama nicht nur Denunziation, sondern auch Verharmlosung echter Faschisten.

  12. @ Chewey

    Was mir in eurer durchaus interessanten Diskussion noch fehlt, ist der Aspekt, dass eine vollversorgte Zukunft im Überfluss nicht nur nicht möglich (wurde kurz erwähnt: begrenzte Ressourcen bei doch ziemlich unbegrenzter Vorstellungskraft der Menschen),

    Auch eine sehr schöne Formulierung!

    sondern nicht einmal wünschenswert wäre. Ich behaupte, sich anzustrengen, um ein Ziel anzustreben und es dann aus eigener Kraft zu erreichen, ist dem Menschen wesenseigen. Eine Gesellschaft, die sich damit abfindet, dass ihr alles im Überfluss geschenkt wird und nur noch träumend auf der Wiese liegt, hätte den Weg zur Dekadenz höchstwahrscheinlich schon hinter sich.

    Das ist tatsächlich ein nicht unerheblicher Aspekt bei der Bewertung jeder Ideologie, die uns das Paradies auf Erden verspricht. Aber um Marx mit seiner Bedürfnis-Fähigkeiten-Idylle nicht gleich zu Beginn er Diskussion dumm aussehen zu lassen, (am Ende reicht vollkommen;-), nehmen wir mal spaßeshalber an, das wäre eine feine Sache. Obwohl natürlich jeder weiß, daß die Erfindung des Aufzugs wahrscheinlich mehr Menschen in den Tod getrieben haben dürfte als die des Panzers.

    Weitere menschliche Charaktereigenschaften wie Machtwille und Aggressivität dürfen ebenfalls nicht beiseite gewischt werden.

    Marx scheint davon aber auszugehen, sonst hätte er sich vor dem Aussprechen des Wortes Bedürfnisse lieber auf die Zunge gebissen.

    Es ist nicht schwer sich vorzustellen, wie in einer perfekten Welt alle aus Langeweile auf einander losgehen und damit wieder einen imperfekten Zustand herbeiführen würden.

    Davon gehe ich auch mal aus.

    Wobei der Überfluss-Zustand sicher als weit besser als der Hunger- und Elend-Zustand für viele anzusehen ist.

    Ich wäre schon froh, wenn es einen „weniger Mangel auf dieser Welt“-Zustand gäbe.

  13. Chewey, ahm, lass mich etwas weiter Ausholen: Während der 90er Jahre des vorherigen Jahrhunderts hat Wolfgang Pohrt mehrere empirische Studien im Auftrag des Reemtsma-Institutes ausgeführt. Die Basis dieser Arbeiten waren die in der „The Authoritarian Personality“ von Adorno und Brunswick zusammengefassten Resultate wiederrum empirisch durchgeführter Erhebungen. Die F-Scale dürfte dir sicherlich ein Begriff sein. Wie dem auch sei, Pohrt konstantierte ein beunruhigendes Faktum, welches nicht unterschätzt werden darf. Es geht hier um die sog. „innere Führung“. Hier muss ich wiederrum weiter ausholen: Franz Neumann konstantierte während des 2. Wk. in seinem Werk „Der neue Behemoth“, dass der NS-Staat keine klassische Diktatur war, kein normales faschistisches Regime wie es zb. Spanien oder Italien war. Vielmehr war das dritte Reich ein Gangland, wo staatliche und semistaatliche Institutionen miteinander in Konkurenz standen, sich gegenseitig behinderten und es teilweise an den Rand des Bürgerkrieges brachten. Es war ein Unstaat, zusammengehalten von 2 Faktoren: Einmal dem formelen Einspruch des Führers und zweitens einem weitaus wichtigeren psychosozialen Faktor. Die Rede ist hier von eben jener inneren Führung die Pohrt in den 90ern empirisch nachvollzog. Die SA SS Wehrmacht etc. waren sich spinnefeind und nur in einem sich einig, dem Erspüren des Volkswillens welches sie selber waren. Warum konnte Dland niemals einen eigenen Flugzeugträger bauen aber die Gaskammern betreiben? Warum verlief die Luftschlacht um England so amateurhaft aber die Transporte nach Auschwitz so durchorganisiert? Warum konnte Dunkirk von den Briten geräumt werden aber Sobibor am laufen gehalten werden? Weil nämlich der einzelne Volksgenosse nicht primär am Krieg interessiert war, sondern an der Vernichtung um der Vernichtung willen. Es war jener „Wille zu töten“ ( Goldhagen ), die diese gesamte abgefuckte Nummer zusammenhielt. 6 beschissene Jahre. An den Juden führte man vor, was man sich selbst antun wollte. Das war EINER der Gründe warum das so gut klappte. Nun lass mich wieder zurückkehren zur heutigen Zeit. Das Nachkriegseuropa hatte eine Ursünde auf sich geladen, die der bereitwilligen Kooperation mit den Deutschen bei der Vernichtung der Juden. Hasste man auch die Okkupanten, so lachten die Polen vollkommen bereitwillig diejenigen aus, die nach Auschwitz geführt wurden. In einem Punkt hatten die braunen Gangs obsiegt, das Konzept der inneren Führung wurde Europaweit übernommen. Im Potenzial schlummerte dieses Monstrum überall im nach 1929er Europa, es musste nur von Avangardisten geweckt werden. Avangardisten wie die Nazis sie waren. Hier unterschied sich Dland nur minimal von Frankreich oder Norwegen. Es war lediglich konsequenter. Nun kamen die 50er Jahre des letzten Jhd. Europa wuchs unter Druck von außen zusammen. Dann kam 68. Lange Rede kurzer Sinn: Das Prinzip der inneren Führung feierte fröhliche Urstände bei Akademikern, Nachwuchspolitikern, Medienverantwortlichen, Funktionären der Gewerkschaften etc. etc. und natürlich bei den Prikären, Arbeitslosen und der Unterschicht zuerst in D dann in Frankreich und dann fast überall in Europa. Der grosse Unterschied zu den 1920ern und den 1930ern bestand in den Rahmenbediengungen des postindustriellen globalisierten Zeitalters. Heute ist kein Führer notwendig um den Mob anzuheizen. Heute weiß der Mob wo und wie er zu schlagen hat ohne dass ijemand ihm noch Anleitungen geben muss. Und das, mein Kumpel gilt nicht nur für Europa, sondern auch und vorallem für die Grassroots in den USA. Jene Grassroots denen Obama und die gesamte Medienelite der USA entstammt. Das meinte ich mit Protofaschismus.

  14. @ Analytics

    An vielem was du schreibst, ist etwas Wahres dran. Viele dieser psychosozialen Komponenten sind erst in den letzten Jahren näher untersucht worden. Die 68er hätten den Vorwurf, mit autoritärem Zwangscharakter behaftet zu sein, weit von sich gewiesen und tun das teilweise heute noch. Dennoch wird jedem, der Aufnahmen von den Demos mit den „USA/SA SS“-Rufen sieht, klar, dass da noch ganz andere Prozesse ablaufen als der Kampf gegen den Imperialismus.

    Dennoch, bei diesen Analysen liegt vieles im spekulativen Bereich, darüber muss man sich im klaren sein. Das bedeutet nicht, dass sie falsch liegen. Aber es bedeutet für mich, dass Taten mehr wiegen als Worte. Und die USA sind nicht Europa. Man muss Grassroots, linke Lehrer und „liberale“ Hochschuldozenten nicht mögen. Ich z.B. mag sie zumeist nicht. Aber solange sie nicht Taten begangen haben, von denen echte Faschisten schon oft genug bewiesen haben, dass sie sie ohne mit der Wimper zu zucken begehen, gilt für mich die Unschuldsvermutung. Kann sein, dass sie ein anderes Amerika wollen. Wenn sie es mit demokratischen Mitteln erreichen und die Demokratie dabei intakt lassen, haben sie das Recht dazu. Es GIBT keinen statischen „So muss es sein“-Zustand.

  15. @ Analytics

    Bei dem hier angesprochenen Artikel ( https://nbfs.wordpress.com/2009/04/25/sovereignity-changed/ ) sehe ich das ähnlich wie Chewey. Zwar ist was dran, daß Obamas Blick auf die Welt durch eine Generation geprägt ist, die ihre Fenster durch selbstgemalte Bilder ersetzt hat, aber Obama irgendwelche faschistischen Anwandlungen zu unterstellen geht zu weit.

    Er ist weder so böse noch agiert er so planvoll. Die Wahrheit ist wahrscheinlich viel trivialer. Er ist einfach ein Dilettant, der als herbeigewünschter Erlöser auf eine Position gespült wurde, die er nicht mal ansatzweise auszufüllen in der Lage ist. Er steht verdutzt vor der komplizierten Weltlage und hofft jetzt einfach, daß draußen alles gut geht.

  16. @ Chewey, in einem Punkt hast Du recht, die USA sind nicht Europa. Er wird schon scheitern – ich hoffe bald. Nur finde ich etwas von Dir gesagtes unverantwortlich: „. Wenn sie es mit demokratischen Mitteln erreichen und die Demokratie dabei intakt lassen, haben sie das Recht dazu. Es GIBT keinen statischen “So muss es sein”-Zustand.“
    Hätte Lincoln so gedacht, es gäbe noch immer eine Apartheids-CSA. Hätte FDR so gedacht, GB hätte den Krieg verloren. Hätte Hindenburg so NICHT gedacht, 55 Millionen Unschuldiger wären nicht ermordet worden. Manchmal muss man tough sein und demokratische Prozesse ignorieren, was übrigens Israel auch tut, indem es die Hamas ignoriert. Das wusste Jeferson, das wussten andere Gründerväter der USA. Deswegen ist dortdrüben keine Barbarei möglich, was dieses System so unglaublich besser macht als alle europäischen Demokratien zusammen. Ich bin Republikaner und kein Demokrat. ;)
    @ Paul, ich hoffe Du hast recht, ich hoffe verdammt und zugenäht das hast Du.

  17. @ Analytics

    Mein lieber Mann. Bei aller Sympathie, bei dieser Antwort fällt es mir schwer, ruhig und gelassen zu bleiben. Ich versuch’s trotzdem mal. Es stimmt zwar, dass Einzelpersonen manchmal das Weltgeschehen zuweilen unglaublich beeinflussen können. Aber so wie bei dir geht’s nun wirklich nicht.

    „Hätte Lincoln so gedacht, es gäbe noch immer eine Apartheids-CSA.“

    Dafür gibt es absolut keinen Beleg. Gesellschaftliche Prozesse entwickeln sich, manchmal schneller, manchmal langsamer. Dass heute ein Schwarzer Präsident der USA ist, daran haben Martin Luther King und andere Bürgerrechtler maßgeblich Anteil. Lincoln hätte sich dergleichen nicht mal vorstellen können.

    „Hätte FDR so gedacht, GB hätte den Krieg verloren.“

    Hallo!? FDR war demokratisch gewählt und legitimiert.

    „Hätte Hindenburg so NICHT gedacht, 55 Millionen Unschuldiger wären nicht ermordet worden.“

    Meine Aussage war: mit demokratischen Mitteln erreichen und die Demokratie dabei intakt lassen. Hindenburg hatte selbst für die Demokratie wenig übrig und unterschätzte den antidemokratischen Impetus der Nazis sträflich. Darin liegt seine Verantwortung und sein Versäumnis. Hier war ZUWENIG und nicht zuviel Demokratie im Spiel.

    „Manchmal muss man tough sein und demokratische Prozesse ignorieren, was übrigens Israel auch tut, indem es die Hamas ignoriert.“

    Die Hamas ist eine terroristische Organisation, die kein demokratisches Land akzeptieren muss, genauso wenig wie die Amerikaner die Nazis akzeptieren mussten. Bringst du eigentlich alles durcheinander?

    „Ich bin Republikaner und kein Demokrat.“

    Jetzt ohne Scheiß: Mit solchen Sprüchen bist du näher an faschistischen Denkstrukturen als alles, was du Obama unterstellst.

  18. Paul, bitte meinen vorherigen Kommentar freischalten

  19. Beantworte mir eine Frage: Die Mehrheit eines Volkes beschließt, aufzurüsten, sich eine faschistische Staatsform zu geben, durch Volksgruppenpolitik Nachbarn zu schwächen und am Ende totalen Krieg und Genozid zu begehen. Was ist besser, wie Neville Chamberlaine diese Regierung als demokratisch gewählte zu akzeptieren oder, rein hypothetisch, die US-Army in Hamburg landen zu lassen und nach Berlin weiter zu marschieren? Auch gegen den Willen der Bevölkerung.

  20. Wir leben nunmal in einer solchen Welt, Mann. Manchmal muss man auf dem ersten Blick fragwürdige Entscheidungen Treffen um schlimmeres zu verhindern.

  21. @ Analytics

    Einfach. Wenn das Land totalen Krieg und Genozid begangen hat, hat es sich im humanen Zusammenspiel der Völker selbst disqualifiziert. Selbstverständlich kann dann die US-Army, besser aber zusätzlich auch noch andere Nationen, geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen. Als Selbstverteidigung sowieso, das steht eh außer Frage.
    Wenn du aber einem Land unterstellst, es wird demnächst faschistisch nur weil der Präsident nicht Chuck Norris heißt, dann ist das so, als würdest du auf der Straße sagen: „Der Typ sieht übel aus, der hat sicher finstere Machenschaften vor. Den knips‘ ich aus.“

  22. „begangen hat“
    Und vorher? Dann wäre der 6-Tage Krieg illegitim gewesen. Dann wäre ein Präventivangriff auf den Iran unverhältnismässig.

  23. Es ist Politik, Mann. Politik ist aber zu aller vörderst die Androhung des Todes, siehe Machiavelli. Auch wenn heute es die UNO gibt so herrscht heute zwischen den Staaten immernoch Naturzustand, auch zwischen demokratischen. Um die Menschlichkeit zu schützen muss man einfach ab und an auf Präventive Gewalt zurückgreifen.

  24. @ Analytics

    Die Mehrheit eines Volkes beschließt, aufzurüsten, sich eine faschistische Staatsform zu geben, durch Volksgruppenpolitik Nachbarn zu schwächen und am Ende totalen Krieg und Genozid zu begehen. Was ist besser, wie Neville Chamberlaine diese Regierung als demokratisch gewählte zu akzeptieren oder, rein hypothetisch, die US-Army in Hamburg landen zu lassen und nach Berlin weiter zu marschieren? Auch gegen den Willen der Bevölkerung.

    Zur Demokratie gehören freie Wahlen. Bei einer faschistischen Staatsform gibt’s die nicht. Also Feuer frei!

    Zur Demokratie gehören auch fundamentale Menschenrechte. Bei einem Genozid sind die nicht wirklich gewährleistet. Ebenfalls Feuer frei!

    Der massive Verstoß gegen unterzeichnete Waffenstillstandsabkommen ist auch nicht nett. Und wieder Feuer frei!

    Chamberlain hatte also genug Gründe, Deutschland den Krieg zu erklären, ohne daß er hier eine fragwürdige Entscheidung hätte treffen müssen.

  25. @ Analytics

    Israel war auch 1967 schon eine Demokratie. Seine arabischen Feinde waren auch damals allesamt Diktaturen. Damit sind weitere Diskussionen über die Legitimität des 6-Tage-Krieges bereits überflüssig.

  26. Demokratie ist nicht Republikanismus. Das ist Basiswissen. Republikanismus ist freie Wahlen UND Menschenrechte, Kapitalismus UND Liberalität, freier Markt UND Meinungsfreiheit. Das kann man alles auch ohne UND haben. Plebizit UND KZ gabs auch.

  27. […] im Schlaraffenland – Teil II: Untertan sticht Überbau Nachdem wir uns im ersten Teil ein geeignetes Volk gewählt haben, wollen wir uns im zweiten mal näher anschauen, was unsere […]

  28. @ Analytics

    Also ich verstehe Republik in der heutigen Bedeutung eher als Gegensatz zur Monarchie. Die können beide demokratisch sein, müssen es aber nicht. Volksrepubliken beispielsweise sind zwar Republiken, aber in den seltensten Fällen auch Demokratien. Sondern nur Volksdemokratien. ;-)

    Auch auf dem freien Markt und dem Kapitalismus würde ich nicht bestehen. Wenn ein Volk so blöd ist und es gerne mal ein, zwei Legislaturperioden mit der Planwirtschaft probieren möchte, ist das sein gutes Recht. Die sehen dann schon, was sie davo haben.

  29. @ Analytics

    „Um die Menschlichkeit zu schützen muss man einfach ab und an auf Präventive Gewalt zurückgreifen.“

    Da würde ich dir gar nicht widersprechen. Man muss sich nur im klaren sein, dass es sich dabei um einen besonders heiklen Punkt handelt, der in demokratischen Entscheidungsprozessen eingebettet entschieden werden muss. Und damit meine ich keine Laberrunden, das kannst du mir glauben.
    Ein Beispiel: Israel, das versuchen würde, das iranische Atomprogramm mit einem gezielten Luftschlag auszuschalten, würde sich nach allem was geschehen ist, sicher auf dem Boden der legitimen Präventivverteidigung bewegen. Aber ein Israel, das einfach so, sagen wir, die Schweiz angreifen würde? Daran, wie absurd die Vorstellung ist, siehst du schon einen der großen Vorteile von demokratischen Staaten: ihre Friedfertigkeit.

    Du musst verstehen: Auf lange Sicht hat noch jeder anfangs noch so gute König oder Kaiser oder Diktator oder Oligarch oder Papst oder Staatsratsvorsitzende oder General oder irgendeine Gruppe, die dem Volk nicht direkt verantwortlich ist, es geschafft, sein Land und meistens auch noch die Nachbarn in die Scheiße zu reiten. Das ist nur logisch, weil das Interesse der Bevölkerung und das Gruppeninteresse nie WIRKLICH deckungsgleich sind.

    Deshalb: Wenn du denkst, dass du oder deine Kumpels „eigentlich“ besser wüssten als das Volk, wo es langgehen sollte, dann hat der kleine Commie in dir immer noch sein Plätzchen in deinem Herzen ;-)

  30. Hmm, vllt. ist da noch was übrig von meiner KPD-Phase. Ja, ganz richtig ich war Stalinist. Ohne scheiß. Zu meiner Verteidigung, ich war 15! Als ich dann zwischen meinen Zionismus und meiner stalinistischen Gesinnung wählen musste…
    Dann kam Bush, der mich erlöst hat. Obwohl der Mann ka hat, habe ich ihn persönlich sehr viel zu verdanken. Sehr viel. Naja, dann stieß ich auf die Antideutschen, dann die Neocons, et voila hier bin isch. Vllt. ist das wirklich ein Überrest meiner dunklen Phase, aber wenn ich solche Sauerreien wie Ruanda oder Darfur ansehe möchte ich manchmal schon mit den Verantwortlichen Volkskommissar spielen.

  31. @ Analytics

    Mach Dir nix draus, viele große Geister waren früher mal harte Commies. Gerade amerikanische Neocons und französische „neue Philosophen“ haben da ja so ihre ideologische Vorgeschichte. Wenn sie nur irgendwann die Kurve kriegen, sind sie oft die Besten.

  32. @ Analytics

    „Ja, ganz richtig ich war Stalinist. Ohne scheiß. Zu meiner Verteidigung, ich war 15!“

    No stress, ich war ja auch mal jung. Du kennst doch sicher den Spruch: „Wer unter 30 nicht Kommunist ist, hat kein Herz. Wer es über 30 immer noch ist, hat kein Hirn.“ :-)

    „aber wenn ich solche Sauerreien wie Ruanda oder Darfur ansehe möchte ich manchmal schon mit den Verantwortlichen Volkskommissar spielen.“

    Durchaus verständlich. Aber hier haben wir – zumindest theoretisch – eine weitere Überlegenheit demokratisch verfasster Staaten. Die haben nämlich moralische Grundsätze. Die sie leider oft genug über Bord werfen, ich weiß. Aber es besteht zumindest eine kleine Chance, dass irgendwann eine Anzahl Regierungschefs sich zusammenschließen, um einem solchen Missstand abzuhelfen. Beim Balkankrieg haben sie es ja dann – besser spät als nie – auch getan (Regards to USA!).
    In einer „Volksdemokratie“ mit dir als Verantwortlichem Volkskommissar hingegen würde der dir übergeordnete „höhere, wichtigere, noch verantwortlichere Volkskommissar“ befehlen, stillzuhalten, „weil die Partei kein Interesse an Vorgängen außerhalb des geostrategischen Fokusses hat und ihre Ressourcen für bedeutendere Aufgaben verwendet“ – bzw. eben das, was sie für bedeutender hält. Means game over for you, my friend! Oder Dissidentenstatus.

  33. Na he, hör mal, ich habe meine commiezeit hinter mir. Das sind eindeutig Überreste davon. Durchaus kritisch zu bewerten, aber meine Agitprop Phase ist schon längst Geschichte. Hab ich ja selber zugegeben.

  34. @ Analytics

    Ich weiß. Aber du hattest geschrieben „möchte ich manchmal schon mit den Verantwortlichen Volkskommissar spielen“. Und dann machen solche kleinen Gedankenspielchen doch Spaß, findest du nicht?

  35. Tumor ist, wenn man trotzdem lacht. ;)

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