Alles klein haut der Mai


Ich geb’s zu, ich mag ihn nicht sonderlich, den 1. Mai. Das hat gar nicht mal was damit zu tun, daß an diesem Tag bei schönem Wetter noch mehr Fahrradfahrer als sonst den Straßenverkehr behindern, daß zahllose soziale Verpflichtungen von Grillfesten bis Familienfeiern drohen oder gerade ich grundsätzlich was gegen freie Tage hätte (gewiß nicht! ;-). Und daß am 1. Mai bei 3sat rund um die Uhr Rock- und Popkonzerte gesendet werden, verbinde ich sogar positiv mit diesem Datum. Was mir nur total gegen den Strich geht, ist die mit dem 1. Mai verbundene Heuchelei, sei es durch die widersinnige Bezeichnung, sei es durch die damit begründete Gewalt.

Denn seien wir mal ehrlich, Arbeit ist ein notwendiges Übel, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, in den seltensten Fällen ist es mehr. Man sollte sich natürlich freuen, wenn man welche hat, aber so toll, daß man sie bejubeln muß, ist sie nun auch wieder nicht. Wenn man schon unbedingt was feiern möchte, dann doch bitte schön lieber den „Tag der nationalen Faulheit“, den „Tag des süßen Nichtstuns“ oder den „Tag des wohlverdienten Eierschaukelns“. Der Begriff „Tag der Arbeit“ hingegen weckt auch zuhause nur Begehrlichkeiten, weil man dann ja ruhig auch früh aufstehen und endlich das Dach ausbessern oder den Rasen mähen kann.

Die Bezeichnung „Tag der Arbeit“ ist aber auch unabhängig davon völlig idiotisch, denn wenn man das Spektakel schon so nennt, dann müßten an diesem Tag ja alle aus purer Lust auf Maloche zur Freude ihrer Arbeitgeber eine unbezahlte Zusatzschicht einlegen, anstatt auch noch auf Kosten der Allgemeinheit hochoffiziell blau machen zu dürfen. Wenn man den 1. Mai aber eher als soziale Errungenschaft denn als Wünschdirwas für zigarrenrauchende Ausbeuter ansieht, dann sollte er auch offen „Tag der Arbeitnehmer“ genannt werden. Die einzigen, die Arbeit wirklich geil finden, sind schließlich eh alles Selbständige, und die schaffen auch am 1. Mai.

Vollends absurd wird es aber, wenn Leute, die vermutlich in den seltensten Fällen selber ernsthaft an geregelter Arbeit interessiert sind, denjenigen, die tatsächlich Arbeit haben, die Autos abfackeln und die Läden der Nachbarschaft zertrümmern, vermutlich in der Hoffnung, daß ein paar davon pleite gehen und wenigstens ein kleiner Teil der infolgedessen auf die Straße gesetzten – dann ehemals – Beschäftigten im nächsten Jahr auch an den herbeigesehnten sozialen Unruhen teilnimmt. Wobei die Annahme, daß hier nur nach Lenins Revolutionsstrategie des „Je schlechter, desto besser!“  vorgegangen wird, noch die günstigere Variante ist.

Angesichts der zunehmend verwischenden Grenzen zwischen autonomen Inter- und Nationalisten bekommt man nämlich langsam den Eindruck, daß mit der traditionellen Gewaltorgie am 1. Mai unter dem inoffiziellen Motto „Alle Hirne stehen still, wenn der Reicharbeitsführer es will“ die „sozialen Errungenschaften“ des Naziregimes gleich mitgefeiert werden. Nur warum dann nicht gleich konsequent noch den „Tag der Autobahn“ einführen? Die könnten die Randalierer dann eigentlich auch gleich bauen. Und wenn sie sich ein bißchen anstrengen, sind sie rechtzeitig zum nächsten 1. Mai fertig. Dann dürfen sie auch gerne wieder mitfeiern.

~ von Paul13 - Freitag, 1. Mai 2009.

41 Antworten to “Alles klein haut der Mai”

  1. Dass Du nicht dem Arbeitskraftfetisch anhängst, habe ich immer gewusst. Ja Kumpel, so mag ich das. Die wahrsten Erkenntnisse kommen halt heutzutage nur aus den Köpfen von Neocons, seien es Neocons Reaganschen Ursprungs, seien es Neocons aus der Lehre Adornos und Horkheimers. We rule!

  2. Hier ist ein schönes Interview mit dem Arbeitsforscher Jeremy Rifkin:
    http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/916564

    „Lasngfristig wird die Arbeit verschwinden!“

    Es gibt also noch Hoffnung.

  3. Bei allem begründeten Abscheu gegenüber Pseudorevolutionsromantik und linker Rancune, wird dann an solchen Postings doch klar, wo Ayn Rand und Adorno eben nicht vereinbar sind.
    Wenn davon geredet wird, dass wenn man ehrlich sei, die Arbeit doch notwendig sei um den Lebensunterhalt zu verdienen, feiert die Ideologie fröhliche Urständ‘. Da der Verdienst – wie der Wert generell – ein gesellschaftliches Verhältnis darstellt (und, im Gegensatz zu den implizit enthaltenen Gebrauchswerten sonst NICHTS) sagt es – Ehrlichkeit oder Wahrheit betreffend – zunächst einmal gar nichts über die Notwendigkeit von Arbeit aus.
    Argumentativ ähnlich wäre es, die Existenz Gottes damit zu begründen, dass wer nicht an ihn glaubt, der Inquisition ausgeliefert wird.

    Zugegeben – und ich denke wir sind uns da ja auch in einigen Prämissen einig, es steht keine Revolution vor der Tür die aussähe, als würde sie auch nur irgendetwas verbessern, stattdessen versuchen Sozialisten Hand in Hand mit Nationalisten, Islamisten und ähnlichen Feinden der Moderne auch noch die letzten Freiheiten abzuschaffen…
    aber die Unfreiheit des Arbeitszwanges deshalb auch noch hochzuhalten, das käme mir dann doch nicht in den Sinn, so angebracht eine Polemik gegen die praktischen Pauperisierungstheoretiker von Kreuzberg-Neukölln auch angebracht sein mag.

  4. Paul sagte eindeutig, dass wenn er die Möglichkeit hätte, er die Arbeit abschaffen würde. Aber wie Pohrt feststellte, der es schon 1974 besser wusste als Du, wird Gebrauchswert nur noch vom Kapitalverhältnis erzeugt. Es ist eine – leider – ontologische Aussage. Revolution ist heute nur noch als Regression durchführbar. Du sagst es schon, wenn Commies und Islamisten Hand in Hand gehen, dann ist es vorbei mit der Revolution, weil das Ding unter heutigen Bediengungen von sich aus zum NS tendiert. Gerade deswegen verwarfen die Theoretiker der Frankfurter Schule jegliche marxistische Phrasologie. Genau deswegen sprach Wertmüller bei der letzten Konferenz, dass die Sache mit dem Kommunismus erledigt sei, genauso mit dem Antideutschtum. Man kann nur noch Ideologiekritik betreiben und die Freiheiten verteidigen, die man noch hat. Die Redaktion Bahamas ist da sehr viel weiter als Du. Ideologiekritik ist aber nur möglich, wenn man auch mal praktisch wird, d.h. Ideologie Notfalls bewaffnet in Schach hält. Sowas wird aber Heutzutag auch von unseren Gegnern als Neokonservativ bezeichnet. Also warum zur Hölle noch eins nicht? Paul erkennt lediglich objektive Tatsachen an. Leider.

  5. Wertmüller: „Die Sache mit dem Kommunismus ist am einfachsten zu erklären. Wer sich Kommunist nennt, lebt in schlechter Nachbarschaft und stößt seit Ende des Kalten Krieges noch nicht einmal mehr auf gut eingeübten Antikommunismus. Mehr als eine fade Pose kommt im besten Fall nicht heraus. Im schlechten – und das ist der Regelfall – wird – und sei es in postmoderner Ironisierung – mit einem „Dank Euch, ihr Sowjetsoldaten“, der stalinistische Schrecken verharmlost und der Beitrag der USA und Großbritanniens an der Befreiung der Welt von den Nationalsozialisten klein geredet. Dass manche Referate, die heute gehalten werden, in engem Bezug zum Werk von Karl Marx stehen, sei schon einmal verraten; dass möglicherweise – wie von den Veranstaltern intendiert – die ganze Konferenz der Kritik der politischen Ökonomie gewidmet ist, wird uns nicht dazu hinreißen, mit Demagogen in Konkurrenz um eine blutbefleckte Fahne und eine ihres einst freundlichen Sinnes vielleicht für immer beraubte Vokabel zu treten.

    Als israelsolidarisch geht heute neben sympathischen Zeitgenossen auch jeder durch, der aktiv verhindert, dass der Hass auf die Juden in Europa beim Namen genannt wird und alles hintertreibt, was Israel eine kleine Entlastung sein könnte. Will man in einem Solidarverband mittun, in dem Leute sich mausig machen, die der CDU vorwerfen, dass sie in eine Bundestagsresolution gegen den Antisemitismus auch die Verurteilung des Antizionismus mit aufgenommen wissen wollte? Das hat der AK Schalom getan, der ausgerechnet in der Linkspartei sein offensichtlich geachtetes Dasein fristet, und in dem Gestalten aus jenen einst so betont auf hochtheoretische Distinktion erpichten Leipziger Opportunistengrüppchen eifrig Dienst tun. Will man mit Leuten zusammen genannt werden, die vor einem guten Monat alles dafür getan haben, dass eine von zwei tapferen Jusos initiierte Bündnisdemonstration gegen den zunehmend migrantisch-islamischen Antisemitismus und Israelhass nicht durch Neukölln zieht, zu der die Bahamas natürlich sofort aufgerufen hat? Kann man sich wohl fühlen unter Leuten, die kein Problem damit haben, mit der sogenannten Arabistin und Islamwissenschaftlerin Claudia Dantschke zusammenzuarbeiten, jener israelsolidarischen Claudia Dantschke, die nichts unversucht ließ, um das Neuköllner Demonstrationsprojekt platzen zu lassen, die vor gewaltbereiten antideutschen Gruppen um die Bahamas gewarnt hatte, deren Auftreten die Situation in den teilislamisierten Kiezen zum Siedepunkt bringen würde? Nein, solidarisch mit den Israelsolidarischen in ihrer Mehrheit wollen wir nicht sein, schon deshalb, weil es uns weiterhin um Israel geht und nicht um Posten und Pfründen in einem Politikbetrieb, der angetreten ist, jede Klärung der Fronten zu verunmöglichen. Mit Leuten, die uns eine Praxisfrage aufdrängen möchten, uns also wegen des Bündniserhalts zum Lügen auffordern, haben wir nichts gemein.

    Womit ich bei Deutschland bin. Leute, die in dem Fußball-Weltmeisterschaftszirkus 2006 eine faschistische Gefahr erkannt, oder aus den blöden Sprüchen der Popgruppe Mia einen völkischen Aufbruch herausgelesen haben, nennen sich antideutsch. Leute, die, wie eine Gruppe namens kittkritik, sich, scheinbar an Clemens Nachtmann orientiert, mit postnazistischer Kultur auseinandersetzen und stolz darauf sind, einen „intergenerativen“ Ansatz zu vertreten, mithin jedem Kritiker ein schlechtes Zeugnis ausstellen, der nicht zuerst von seinem braunen Großvater oder Urgroßvater erzählt, und so ausweist, wie befangen sein Denken notwendig sein müsse, gelten auch als antideutsch. Wozu rechnet man denn eigentlich jene, die dauernd zur Feindfahrt gegen die „Scheißdeutschen“ aufrufen und „Mehlsäcke klatschen“ gehen? Seit es möglich ist, auf ein Demonstrations-Plakat sowohl „Nie wieder Deutschland“, als auch „Nie wieder Israel“ zu schreiben, sollte bekannt sein, wohin die antideutsche Reise geht. Zum Beispiel zu einer sich antideutsch und hedonistisch nennenden Zeitschrift mit dem programmatischen Namen: Hate. Antideutsch war nie mehr als eine Zuschreibung, die wir gern aufgegriffen haben, weil sie in den 90er Jahren noch ein, wenn auch diffuses Spektrum einigermaßen gekennzeichnet hat. In dem Maße, wie erst die bekennenden Kommunisten unter ihnen, dann die Feinde Amerikas, schließlich die Islamversteher und zum Schluss jene, die eine praktische Israelsolidarität zusammen mit der „Mitte der Gesellschaft“ einfordern, sich von uns emanzipiert haben – oder war es nicht doch eher anders herum? – bleibt von antideutsch eigentlich nur noch der Hass, der schon lange nicht mehr die deutsche Ideologie meint, die längst eine europäische geworden ist, sondern den Westen. Das schließt auch jene mit ein, die gar nicht proamerikanisch oder liberal genug sein können, aber zwischen dem, was die amerikanische Gesellschaft in Rudimenten noch verspricht und jenen durchaus orientalischen Zügen, die auch dort um sich greifen, nicht mehr unterscheiden wollen.“

  6. I´m a former commie, mugged by reality. ;)

  7. @ anti

    Ich kann das zwar nicht so schon wissenschaftlich ausdrücken wie Marxisten, aber ich versuch’s mal mit meinen schlichten eigenen Worten:

    Das Problem mit dem Gebrauchswert ist, daß man ihn erst dann gebrauchen kann, wenn sich jemand vorher den Spaß gemacht hat, die dazugehörige Ware herzustellen. Da das aber in den seltensten Fällen wirklich ein Spaß ist, ist es Arbeit.

    Und damit sind wir auch schon beim Verdienst. Der entsteht nämlich nicht aus purer Bosheit, sondern weil Arbeit wie gesagt keinen Spaß macht und ich somit etwas dafür haben will, wenn ich schon meine Freizeit opfere, um Dir etwas zu basteln.

    Da ich mir selbst aber auch nicht alles basteln kann, muß ich von Dir für meine Arbeit etwas bekommen, daß ich dann einem anderen geben kann, damit er wiederum motiviert ist, mir das gewünschte zu basteln.

    Da das, was ich von Dir eben bekommen habe, aber nicht zwingend das ist, was der andere gerade von mir haben will, einigen wir drei uns auf etwas, bei dem wir sicher sein können, daß wir es anders als Glasperlen immer wieder eintauschen können. Und – schwups! – haben wir das Geld erfunden.

    Das alles hat nichts mit Ideologie oder Revolution zu tun, sondern mit einer ziemlich logischen Kombination aus gesundem Menschneverstand und schnöder Realität.

  8. Nun ist das Geld aber ein historisch recht neuartiges Phänomen, zumindest was seine Verbreitung und Nutzintensität anlangt. Offensichtlich ist es zumindest möglich, sich vorzustellen, daß eine Gesellschaft sich geld-, treffender wohl: tauschfrei konstituiert. Daß es weiters im Moment nicht umzusetzen, bzw. die Umsetzung schnurstracks in die Barbarei führen würde, schießt die theoretische Möglichkeit nicht ab. Einen ziemlich eindeutigen Fingerzeit gibt da schon das Entrée des Wikipedia-Artikels:
    „Geld, ahd. gelt – Zahlung, Vergütung, ist ein Zwischentauschmittel, das sich von anderen Tauschmitteln dadurch unterscheidet, dass es nicht unmittelbar den Bedarf eines Tauschpartners befriedigt, sondern auf Grund allgemeiner Anerkennung zu weiterem Tausch eingesetzt werden kann.“
    Geld zeichnet sich durch die Anerkennung aus, die es zum Geld macht, die Anerkennung wiederum soll aus der Geldhaftigkeit des Geldes entspringen. Heideggernder und kreisförmiger geht’s nimmer.

  9. „I´m a former commie, mugged by reality.“ – T-Shirt-reif.

  10. @Paul13
    „Da das, was ich von Dir eben bekommen habe, aber nicht zwingend das ist, was der andere gerade von mir haben will, einigen wir drei uns auf etwas, bei dem wir sicher sein können, daß wir es anders als Glasperlen immer wieder eintauschen können. Und – schwups! – haben wir das Geld erfunden.“

    Jo, wenn es bloss so wäre, dass Arbeit dazu diente, nützliche Dinge herzustellen, die man dann mittels Geld tauschen könnte, wer könnte dann gegen sie klagen. Aber ein Großteil des Zeugs, dass heutzutage hergestellt wird, ist bestenfalls nutzlos, schlimmstenfalls gefährlich. Ein Produzent von Landminen kann sich ja immer im Glauben wähnen, er tue etwas Gutes, schließlich verschafft er seinen Arbeitern einen krisensicheren Job und stellt die Ernährung von deren Familien sicher. Die haben wiederum genug Kohle in der Tasch, um Jobs im Einzelhandel und in der Tourismusbranche zu sichern. Blöderweise könnte es sein, dass irgendwo in Afrika oder Asien ein Mensch auf so eine Landmine tritt.

  11. @ C.P.

    Zwar wäre eine geldlose Gesellschaft theoretisch denkbar, sie wäre in ihrer wirtschaftlichen Effizienz einer geldbasierten weit unterlegen, da sich in den seltensten Fällen, jemand findet der zufällig genau das hat, was man selber gerade braucht. Komplexere Güter ließen sich so kaum herstellen.

    Wenn man aber sogar eine komplett tauschfreie Gesellschaft haben will, wird es noch extremer, denn dann muß jeder per definitonem alles selber herstellen, was er braucht. Also jeder sein eigener Bauer, Soldat, Automechaniker und Gehirnchirurg. Diesen Zustand hat die Menschheit schon während der Steinzeit verlassen.

    Natürlich ist eine Gesellschaft mit einer Lebenserwartung von durchschnittlich vielleicht 10 oder 15 Jahren und dem Verzehr einer Erdbeere als höchstem materiellen Genuß im Laufe eines Lebens vorstellbar, aber dann sollten wir den Begriff „theoretisch denkbar“ von „auch nur ansatzweise wünschenswert“ trennen.

  12. Was von einem Ideologiekritiker deines Schlages zu halten ist, wird ja schon beim Ideologischen Bekenntnis sichtbar.
    Ob das nun der antideutsche Ideologe ist, der Kommunistische oder der Neocon, alle sind sie sich einig: „We rule!“.
    Unverfroren nur, dass die Bahamas dann auch noch für deine spießbürgerlichen Großmannsüchte als Kronzeuge herangezogen werden, mehr noch: Aufgefahren gegen die Ideologiekritik als Projekt als solches.
    Hätte man nämlich die Konferenz nicht nur besucht, sondern auch verstanden – und das heißt mehr als seine Projektiven Bedürfnisse an den Referenten abzuarbeiten – hätte man unter Umständen mitbekommen, dass die drei Attribute kommunistisch, antideutsch und israelsolidarisch nicht etwa abgelegt wurden, weil ihr Inhalt zu verwerfen wäre, sondern weil sie ihrerseits – ursprünglich als ideologiekritische Kampfbegriffe eingeführt, zur Ideologie degenerieren.
    Man hätte auch erkennen können, dass ich mitnichten gegen Paul polemisiert habe, geschweige denn gegen jene seiner Ansätze die man als realpolitische anerkennen könnte. Weil was das anbelangt, würde man mich wohl auch in die Neokonservative Ecke stellen. Darüber traf ich gar keine Aussage, aber getroffen darf man sich natürlich trotzdem mal fühlen – vereint im Kampf gegen einen wie auch immer gearteten Gegner, der natürlich nicht mehr die Ideologie ist, sondern ihre jeweiligen Träger.

    „Sowas wird heutzutage von unseren Gegnern auch als Neokonservativ bezeichnet.Also warum zur Hölle noch eins nicht? “

    Hätte man den Bahamasartikel, statt ihn einfach nur zu posten, vielleicht auch noch einmal GELESEN, hätte man die kleine Floskel entdecken können, dass die ganze Konferenz einer Kritik der politischen Ökonomie gewidmet war. Arbeitete man sich nicht an Idolen ab, deren Positionen man offensichtlich nur gelernt, nicht aber verstanden hat (Pohrt wusste es schon damals besser als du, die Bahamas ist weiter als du), hätte man vielleicht auch sehen können, dass in meinem Posting weder ein Wort gegen die von Pohrt, noch gegen die von der Bahamas aufgebrachten Thesen stand.
    Aber gut, lassen wir dich dabei: You rule. No doubt.

    Was Paul angeht, auf den die Erwiderung dann doch interessanter ist als das plumpe Polemisieren, was eigentlich auch schon zuviel der Ehre war, so stimme ich dir natürlich zu:
    Dass Arbeit nicht die größte Freude der Erde ist, ist dir wohl so klar wie mir. Und in deinem ergänzenden Posting stellst du es dann ja schon klarer dar: Arbeit ist nicht etwa eine Notwendigkeit, um seinen Unterhalt zu verdienen, sie ist eine Notwendigkeit, weil sie das einzige Verhältnis ist, das Gebrauchswerte produziert und das Kapitalverhältnis bisher das einzige ist – Pohrt wusste es wirklich, aber dazu brauchte es ihn gar nicht, das wusste nämlich schon Marx – das die Arbeitsteilung in einem ausreichenden Maße verwalten kann, um mit den Produktionsverhältnissen mitzuhalten.
    Wenn du aber wirklich mit einer NOTWENDIGKEIT argumentieren willst, die den Verhältnissen vorgeschaltet ist, und davon gehe ich aus, schließlich richtet sich deine Polemik gegen jene, die die Verhältnisse ändern wollen, hilft es nichts darauf hinzuweisen, dass sie notwendig sei zum verdienen des Lebensunterhaltes… darauf kann dir nämlich noch der besoffenste Punk zurücklallen, dass er das ja in der Anarchie nicht mehr müsste.
    Der entscheidende Punkt liegt also wirklich da, wo die Arbeit eine gesellschaftliche Notwendigkeit ist um Gebrauchswerte, damit Luxus, damit Freizeit, damit die Möglichkeit von Freiheit zu schaffen. Du weist vollkommen zurecht darauf hin, dass der Wunsch nach einer Vergütung der Arbeitszeit innerhalb der Verhältnisse ein wichtiger ist, damit bewegst du dich aber vollkommen innerhalb der (auch ein Begriff den „Neocons aus der Lehre Adornos und Horkheimers“ scheinbar vergessen haben) instrumentellen Vernunft. Dass die zumindest prinzipiell zu überwinden ist, beweist aber schon die reine Existenz von Kritik. Warum das Kapitalverhältnis nämlich dazu beiträgt, dass mit einiger Notwendigkeit die Tatsache, dass du auf deinen Tauschwerten in der Art beharrst, wie du darauf beharrst, nicht etwa dazu führt, dass du mehr, sondern dass du WENIGER Freizeit hast, begründet Marx ja recht eindrücklich im Kapital… ich weiß nicht ob du es gelesen hast, wenn nicht sei es dir mitsamt der Kritik der politischen Ökonomie einmal ans Herz gelegt.
    Dass eine Revolution momentan allerdings nur das schlechtere bringen kann, einen Zustand nämlich, der von einer freien Assoziation von Individuen weit entfernt ist, ist traurig, aber der wahre Kern von Analytics Aussagen.
    Nichtsdestotrotz ist die Kritik der politischen Ökonomie – die prinzipiell auch irgendwann wieder praktisch werden SOLLTE – eine Disziplin von der man nicht lassen kann, wenn einem der Liberalismus und die damit verbundenen Werte nicht nur Lippenbekenntnis sind.

  13. Kleiner Kommentar am Rande noch, Paul:
    Eine tauschfreie Gesellschaft heißt nicht eine Gesellschaft in der die Arbeitsteilung aufgehoben ist. Der Verein freier Menschen und die Subsistenzwirtschaft sind nicht dasselbe, sondern ziemlich genau das Gegenteil. ;)

  14. @ Lebowski

    Solange der Kauf eines Produkts freiwillig ist, steht zumindest der subjektiv erwartete Nutzen außer Frage. Das schützt zwar nicht vor Fehlkäufen, aber grundsätzlich ist die Entscheidung beim Kauf auch dann zulässig, wenn ich ihr, wie beispielsweise beim Erwerb eines Tickets für ein avantgardistisches Theaterstück oder einer Stange Zigaretten, nicht zustimmen kann.

    Zudem hängt das ganze auch davon ab, wofür man das gekaufte Gut verwendet. Minen, mit denen afrikanische Milizen ganze Landstriche jahrzehntelang verseuchen, sind sicher nicht sinnvoll, aber das sind besagte Milizen schon selber nicht. Minen, mit denen man Naziarmeen am Vormarsch hindert, sind hingegen eine feine Sache. Und auch die kosten immer noch Menschenleben.

  15. Anti, wie soll man sich den sonst, ja… klaszifizieren ( ich weiß „instrumentelle Vernunft“ ). In dieser Welt ist man wer, egal ob da einer will oder nicht. Neocons sind keine homogene Gruppe, sondern ziemlich genau das, was der Begriff „antideutsch“ war, nämlich eine Fremdbezeichnung. William Kristol hat diesen Namen ÜBERNOMMEN, nicht selbst erfunden.

  16. P.S.: Ich bin gerne Spießbürger. Ask Wertmüller. ;)

  17. Ahem: „Nichtsdestotrotz ist die Kritik der politischen Ökonomie – die prinzipiell auch irgendwann wieder praktisch werden SOLLTE“

    Das ist unmöglich geworden, wie es aussieht wandelt Obama die USA in einen jakobinischen Wohlfahrtsstaat um, was DAS für die Kritik der politischen Ökonomie bedeutet sollte dir klar sein. Ich bin nicht bereit irgendetwas zu Kritisieren, auch sei es noch so mangelhaft verfasst, was in 5 Jahren als das Paradies auf Erden erscheinen wird. Wer vom Antikapitalismus nicht reden will, der hat vom Faschismuus zu schweigen.

  18. Ich bin Spießbürger, aber nicht gerne, solange zumindest die Vorstellung der klassenlosen Weltgesellschaft sich noch erhält. Und sie erhält sich notwendigerweise in Gestalt des bürgerlichen Glücksversprechens, will man sich eben gerade NICHT an die deutsche Ideologie ausliefern.
    Und wieso du dich selbst klassifizieren MUSST oder SOLLST ist mir schleierhaft, mir genügt es vollends wenn andere das tun.
    Da habe ich eigentlich auch alle Klassifizierungen schon durch. Anarchist, Kommunist, Antisexist, Sexist, Faschist,Macker, Emo, Neocon, Rassist, Imperialist, und so weiter und sofort, ich denke du kriegst den Dreh. Dass man sich bisweilen auf Seiten der Neocons positionieren muss, heißt ja noch lange nicht, dass man selbst einer IST.
    Auch wenn es sicherlich durchaus mal wieder ein schönes Gefühl wäre, wenigstens IRGENDWO dazu zu gehören. Aber dass die Vereinzelung ein Problem dieser Gesellschaft per se ist, ist ja auch nichts neues.

  19. „Unverfroren nur, dass die Bahamas dann auch noch für deine spießbürgerlichen Großmannsüchte als Kronzeuge herangezogen werden, mehr noch: Aufgefahren gegen die Ideologiekritik als Projekt als solches.“

    Großmannsüchte??? Was das? ;)

  20. Analytics, das ist solange nicht unmöglich geworden, wie es noch Leute gibt, die betonen, dass es nicht unmöglich ist. Ich stimme dir vollkommen zu was deine Einschätzung Obama gegenüber anbelangt, aber nichtsdestotrotz leben WIR noch nicht in dieser Welt die du da aufmalst. Was von den ganzen „Der Weltuntergang kommt ohnehin“ Szenarien zu halten ist, kannst du übrigens in den Studien zum autoritären Charakter nachlesen, die dir ja sicherlich ein Begriff sein werden.
    Solange es noch die Bürgerlichkeit gibt – und es gibt sie nachweislich noch – solange individuelles Glück noch nicht vollends zur Obszönität geworden ist, sprich, solange noch nicht jeder heimlich im Keller weint, weil er mal kein Fairtrade Produkt gekauft hat, solange wäre die Realität noch über den Leisten des Glücks zu brechen. Erst wenn dieser gar nicht mehr sichtbar ist, müsste das geändert werden – aber das bedeutete, dass wir schon wieder vollends im Faschismus angelangt wären, weshalb auch da dann wieder die Möglichkeit der Revolution – zurück zum Kapitalismus nämlich – hochgehalten werden MÜSSTE.

  21. @ anti

    Wenn du aber wirklich mit einer NOTWENDIGKEIT argumentieren willst, die den Verhältnissen vorgeschaltet ist, und davon gehe ich aus, schließlich richtet sich deine Polemik gegen jene, die die Verhältnisse ändern wollen,

    Dieses mal tut sie das nicht mal. Meine Polemik richtete sich dagegen, daß selbst wenn ich dieses Ziel als solches akzeptiere, der dazu eingeschlagene Weg, also so viel wie möglich kaputt zu machen, besagtem Ziel entgegensteht. Denn je mehr man vorher kaputt macht, desto mehr muß man nachher wieder aufbauen. Und dazu braucht man – richtig – wieder Arbeit. Mehrarbeit, um genau zu sein. Damit ist das verhalten der Randalierer sogar für deren Ziele kontraproduktiv.

    hilft es nichts darauf hinzuweisen, dass sie notwendig sei zum verdienen des Lebensunterhaltes… darauf kann dir nämlich noch der besoffenste Punk zurücklallen, dass er das ja in der Anarchie nicht mehr müsste.

    Das darf er gerne tun, da warte ich ja schon lange drauf, hierauf mal antworten zu dürfen. Denn in der Anarchie müßte er nicht nur mehr arbeiten, er hätte auch weit schlechtere Arbeitsbedingungen, und für die Mehrarbeit bekäme er gleichzeitig weniger Gegenwert. Er besäße weder den Farbstoff für seinen zugegeben beeindruckenden Irokesen noch die coole Lederjacke noch das schmackhafte Dosenbier, sofern er nicht gleichzeitig Friseur, Jäger, Metzger, Schneider, Brauer und noch einiges andere mehr gelernt hätte. Aber er wäre bei einer Kindersterblichkeit um 80% wahrscheinlich eh schon seit 20 Jahren tot. Und da lallt sich’s nicht wirklich gut.

    […] Du weist vollkommen zurecht darauf hin, dass der Wunsch nach einer Vergütung der Arbeitszeit innerhalb der Verhältnisse ein wichtiger ist, damit bewegst du dich aber vollkommen innerhalb der (auch ein Begriff den “Neocons aus der Lehre Adornos und Horkheimers” scheinbar vergessen haben) instrumentellen Vernunft. Dass die zumindest prinzipiell zu überwinden ist, beweist aber schon die reine Existenz von Kritik.

    Ich kritisiere, daß ich mit meinen Armen nicht wie ein Vogel mit den Flügeln schlagen und dann fröhlich durch die Lüfte fliegen kann. Diese Kritik existiert und fände bei den meisten Menschen vermutlich sogar Zustimmung. Aber ist das Fehlen von Flügeln beim Menschen deswegen ein prinzipiell zu überwindender Mißstand? Eine positive Antwort würde mich da im Zeitalter der Genmanipulation ehrlich gesagt ein wenig beunruhigen.

    Warum das Kapitalverhältnis nämlich dazu beiträgt, dass mit einiger Notwendigkeit die Tatsache, dass du auf deinen Tauschwerten in der Art beharrst, wie du darauf beharrst, nicht etwa dazu führt, dass du mehr, sondern dass du WENIGER Freizeit hast, begründet Marx ja recht eindrücklich im Kapital… ich weiß nicht ob du es gelesen hast, wenn nicht sei es dir mitsamt der Kritik der politischen Ökonomie einmal ans Herz gelegt.

    Das wenige, was ich von Marx gelesen habe, hat mir wahrlich gereicht, und es ist schon aus stilistischen Gründen nichts, was ich guten Gewissens weiterempfehlen würde, von seinen rassistischen Ausfällen mal ganz zu schweigen. Aber wenn Du sein Geschwurbel in ganz normales Deutsch packst, höre ich mir die Argumentation gerne an. Wie er die von mir oben genannten simplen Tatsachen aus der Welt schaffen will, würde mich tatsächlich aufrichtig interessieren.

    Dass eine Revolution momentan allerdings nur das schlechtere bringen kann, einen Zustand nämlich, der von einer freien Assoziation von Individuen weit entfernt ist, ist traurig, aber der wahre Kern von Analytics Aussagen.

    Das liegt daran, daß nicht nur Revolutionen, sondern auch die Anarchie und der Kommunismus von Menschen gemacht werden. Und die sind genausowenig perfekt wie die Welt, in der sie leben. So sieht sie dann ja auch aus, die Welt.

    Nichtsdestotrotz ist die Kritik der politischen Ökonomie – die prinzipiell auch irgendwann wieder praktisch werden SOLLTE – eine Disziplin von der man nicht lassen kann, wenn einem der Liberalismus und die damit verbundenen Werte nicht nur Lippenbekenntnis sind.

    Oh, ich finde die Anarchie und je nachdem, was man darunter versteht, sogar den Kommunismus durchaus nicht unsympathisch. Ich bin nur skeptisch, ob sie sich mit dem vorhandenen Personal verwirklichen lassen. Derejnige, der das bisher am besten erkannt hat, war übrigens Pol Pot.

  22. Man ist auch Antifaschist wenn man gegen den Faschismus ist. In dieser Welt ist man immer irgendwas auch wenn es Kritiker ist.

  23. @ anti

    Eine tauschfreie Gesellschaft heißt nicht eine Gesellschaft in der die Arbeitsteilung aufgehoben ist. Der Verein freier Menschen und die Subsistenzwirtschaft sind nicht dasselbe, sondern ziemlich genau das Gegenteil. ;)

    Das mußt Du mir näher erklären. Wie soll das gehen? Wie läuft das mit der Arbeitsteilung, wenn unser Punk null Bock auf seinen Teil der Arbeit hat?

  24. Paul, ich zitiere den ca ira-verlag. Das hat mir immer wieder zu denken gegebem und mich schließlich dazu bewogen, den Kommunismus aufzugeben:“Die ISF weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber sie weiß bestimmt, daß es anders werden muß, soll es jemals besser werden können. “ Man will Revolution machen, man fährt ein „radikales Programm der Abschaffungen.“. Anti, nix für ungut, aber hat das nicht auch Pol Pot versucht?

  25. „Analytics, das ist solange nicht unmöglich geworden, wie es noch Leute gibt, die betonen, dass es nicht unmöglich ist. Ich stimme dir vollkommen zu was deine Einschätzung Obama gegenüber anbelangt, aber nichtsdestotrotz leben WIR noch nicht in dieser Welt die du da aufmalst.“

    Siehe Chrysler. 55% an UAW – sprich an die Gewerkschaftselite – einiges an die Regierung. Das ist beängstigend und der POTUS ist nicht einmal 100 Tage im Amt. Er hat nun die ABSOLUTE Majorität in beiden Häusern und Traumhafte Umfrageergebnisse. Das macht mir Angst, genauso wie die Prognosen des IWF. JETZT Revolution zu fordern ist Wahnsinn.

  26. Beantworte mir folgendes, was solls bringen in der HEUTIGEN Situation? Hast Du Einfluss? Ich? Paul? Wirf mir Resignation vor. Aber das Gleiche kannst Du dann auch Adorno vorwerfen. Die Scheíße werden wir alle früh genug fressen müssen.

  27. „Was von den ganzen “Der Weltuntergang kommt ohnehin” Szenarien zu halten ist, kannst du übrigens in den Studien zum autoritären Charakter nachlesen, die dir ja sicherlich ein Begriff sein werden.“

    HAHAHA. Kreuzberger Faustkeilregel. You win. LOL.

  28. Beantworte mir folgendes, was solls bringen in der HEUTIGEN Situation? Hast Du Einfluss? Ich? Paul? Wirf mir Resignation vor. Aber das Gleiche kannst Du dann auch Adorno vorwerfen. Die Scheíße werden wir alle früh genug fressen müssen.

    Zunächstmal nur die Antwort auf Analytics, weil ich heute abend den Kopf relativ voll habe,..
    Nein, ich gehe da voll und ganz mit dir konform. Das einzige kommunistische Programm das gerade gefahren werden kann, ist jegliche Revolution zu verhindern.
    Paul formuliert das dann so: „Ich weiß nicht ob das mit dem heutigen Personal machbar ist.“
    Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen: Nein, ist es nicht.
    Das heißt nur nicht, dass es niemals anders werden könnte. Nur nicht heute und nicht so.
    Vermutlich auch nicht mehr zu meinen Lebzeiten.

  29. Freut mich, dass wir wieder Konform miteinander gehen. Mein Pessimismus ist wahrscheinlich noch Tiefer als der meiner „Idole“ Pohrt und Adorno. Alles was gesagt, geschrieben, gefilmt, festgestellt, entdeckt, entziffert, entmythologisiert etc. etc. werden konnte, wurde gesagt etc. etc. Die Erde strahlt nicht nur im Glanze des Unheils, sie ist von ihm durchdrungen. Ka wie du das siehst, aber es müsste ne Deus ex machina kommen um überhaupt Hoffnung möglich zu machen.

  30. @ anti

    Das Problem aber ist, daß das jeweils heutige Personal immer das jeweils zukünftige Personal macht. Wobei der lallende Punk aber selbst auch vor dem Problem mit dem heutigen Personal steht.

    Er sagt ja nicht, bis das Personal vernünftig ist, zieh ich mir eine Krawatte an und werde Bankangestellter mit Reihenhaus und zwei Kindern, sondern ich haue JETZT alles kaputt und schaue, was das HEUTIGE Personal draus macht.

  31. Paul, ich weiß durchaus, dass das heutige Personal auch das zukünftige Personal stellt… und dass der Alkipunk nicht die Revolution macht ist uns wohl beiden klar. (auch wenn er im Vergleich zu denjenigen, die das dann noch in Studentischen Zeitungen in Schutz nehmen regelrecht sympathisch ist.)
    Für das bessere zukünftige Personal sorgt man aber am ehesten, indem man
    a) für eine flächendeckende Bildung sorgt und
    b) für den Erhalt privater Freiräume – egal ob das die Unverletzlichkeit der Wohnung, des Krankengeheimnis oder whatever ist sowie
    c) Die Bedingungen dafür schafft, dass Menschen eine glückliche Kindheit erfahren und dadurch eine gelungene Verinnerlichung von Werten vollziehen und ein starkes Ich entwickeln.

    Das Personal von heute stellt zwar das von morgen, aber jeder von uns ist schließlich auch heutiges Personal, der durch sein aktuelles Wirken das morgige mitbeeinflusst.

  32. ein Fall absolut berechtigter Arbeiter-Randale:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/05/02/kleiner-nachtrag-zum-tag-der-arbeit/

  33. @ anti

    Meine Rede. Und dafür müssen heute die bürgerlichen Freiheiten verteidigt werden. Im Zweifelsfalle durch das USMC. Und hier setzt Mr.Change an. W hatte was messianisches dagegen.

  34. @ anti

    Deinen hier genannten Punkten stimme ich im Großen und Ganzen zu, aber damit bewegen wir uns nicht mehr außerhalb des bisherigen Systems, sondern innerhalb, und versuchen es zu verbessern statt abzuschaffen. Wir verlängern also das Leben eines unvollkommenen Systems anstatt ein vollkommenes zu schaffen.

    Das ist nicht notwendigerweise falsch, aber es entzieht allen, die am 1. Mai zum Molli greifen, jegliche Legitimation. Denn im Prinzip ist das genau jenes Arrangieren mit den herrschenden Verhältnissen, die man in jenen Kreisen Sozialdemokraten und anderen Reformlinken als Verrat an der Arbeiterklasse vorwirft.

  35. Anders als aber Reformlinke wollen wir aber weniger Staat, mehr Privatsphäre und eine aggressive Politik gegenüber Schurkenstaaten. Klingt nach Neocon für mich. :P :D

  36. P.S.: Adorno sagte einmal, es gäbe kein richtiges Leben im falsche. Anti wird mir wohl zustimmen, das ein Sturm auf Winterpalais nicht das ist, was unter Revolution zu verstehe ist. Hier setzt Benjamin eher ein als Lenin. Eine Palin ist halt näher am guten Leben als ein Lenin ( und wesentlich schärfer ). Anti erklärst du das ihm, was es mit Benjamin auf sich hat. Grad wenig Zeit, aber das dürfte Paul interessieren.

  37. @ Analytics

    Die von Anti genannten Punkte sind aber genau jene reformistischen Ideen, die das richtige Leben im falschen so erträglich machen, daß man sich mit dem richtigen Leben im richtigen Zeit lassen kann, so daß das Warten darauf vergleichsweise falsch erscheint. ;-)

  38. Die Gefahr besteht nur, dass es bald vorbei sein kann mit dem guten Leben und ich muss es wirklich betonen dass wir im Westen es sehr sehr gut haben. Nur dachten das auch die Leute in den roaring 20s. Wie gesagt anti, wäre die westliche Welt so zu haben wie sie Ende der 90er war ohne die Gefahr eines Umschlages in die Barbarei, ich wäre der erste Marktsuperduperhyperneoliberaler ;). Nur das ist eben die Gefahr und die ist nicht zu unterschätzen.

  39. War herrlich die Zeit um die Jahrtausendwende. Vielleicht ist es nur deswegen weils der Beginn meiner Pubertät war, jedenfalls habe ich die Zeit in goldenster Erinnerung. Nix schien unmöglich, gar nix. So dachten die Menschen um 1900. Genau deswegen hat Adorno nichts von seiner Aktualität verloren. Leider.

  40. Paul, Du verzeihst mir, wenn ich jetzt den 3 Post hintereinander poste ( schreckliche Grammatik, grin ), aber ich wollt grad mit der community hier ein wenig Nostalgie teilen. Ich war da gerade 12. Sweet times: http://www.youtube.com/watch?v=99f_P5YKnX8&feature=related

    1997. Jaha, auch ich habe ne softe Seite.

  41. AAHHRG was sag ich da, ich war gerade 11. 11! Schluchz.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: