High Noon mit Barack Cooper


Obamas neue Afghanistan-Strategie stellt Europa aber vor eine noch größere Herausforderung – auf dem zivilen Gebiet, das Deutsche und andere Europäer bisher als ihre Paradedisziplin betrachteten und wo sie den Amerikanern Versäumnisse vorhielten.

Was schon eine beeindruckende Chuzpe ist. Da tut Angie so, als ob die Deutschen die „vernetzte Sicherheit“ erfunden hätte, und dabei sind die Amerikaner und ihre im Süden und Osten kämpfenden Verbündeten die einzigen, die sie tatsächlich anwenden, weil dieses Konzept nun mal zwei Komponenten hat, von denen die militärische in der deutschen Diskussion völlig ausgeblendet wird.

Wenn Obama seine Zusagen wahrmacht und Heerscharen von Ingenieuren, Agrarexperten, Lehrern und Verwaltungsfachleuten nach Afghanistan schickt, um den zivilen Aufbau voranzutreiben, und dafür Milliarden bereit hält, stellt er Europas Beitrag auch da in den Schatten.

Und das nicht erst seit gestern, was aber auch irgendwie logisch ist. Denn welcher deutsche Ingenieur, Agrarexperte, Lehrer oder Verwaltungsfachmann hat schon Lust mit dem Kopf unterm Arm wieder nach Hause zu fahren, weil man ihn in eine Region geschickt hat, die vorher nicht wenigstens von nicht gemäßigten Taliban gesäubert wurde. Das aber geht nun mal nicht mit gutem Zureden.

[…] Obama trennt sich von ideologischem Ballast. Kriegsziel ist nicht mehr der Aufbau einer Demokratie, sondern ein Zustand, in dem Al Qaida keine Terroranschläge mehr planen kann. Das ist eine Abkehr von Bush.

Toll, dieser Obama! Keiner störender ideologischer Ballast wie die Demokratie mehr. Ist ja auch widerlich, sowas, igitt! Wer andere Länder in Ruhe läßt, soll die eigene Bevölkerung ruhig ungestört terrorisieren dürfen. Wie gut, daß dieser Weltverbesserer Bush mit seinen weltfremden Flausen weg ist.

Es ist aber auch weniger, als jene Deutsche wollten, die den Bundeswehreinsatz mit dem Aufbau einer Zivilgesellschaft begründeten, in der alle Mädchen die Schule besuchen dürfen.

Ja wie denn jetzt? Waren die Deutschen nun doch für die Demokratisierung? Da haben sie wohl was verwechselt, als es um die Wahl des Präsidenten der Herzen ging. Oder galt Achsen-Schröders „bedingungslose Solidarität“ nach dem 11. September tatsächlich der US Armed Forces Freedom World Tour?

Für sein Ziel ist Obama bereit, Pakistans Souveränität zu missachten. Geht Pakistan nicht gegen Al-Qaida und Taliban im Grenzgebiet vor, wird er es tun. Obama kann in Teilbereichen ziemlich unbequem werden.

Nur wird man es ihm anders als seinem Amtsvorgänger nicht verübeln. Ein bißchen unbequem gegenüber unberechenbaren Atommächten klingt schließlich viel netter als der kriegstreiberische Unilateralismus neokonservativer Finsterlinge. Und er ist ja Obama, der andere hingegen war nur Bush.

~ von Paul13 - Montag, 30. März 2009.

5 Antworten to “High Noon mit Barack Cooper”

  1. „Gleichzeitig hatte es sogar seine Vorteile, denn anders als McCain, der, wovon wir in der Wahlkampfberichterstattung bereits eine Vorgeschmack bekommen haben, einfach als Bush III. niedergeschrieben würde, könnte ein Präsident Obama seinen Jüngern die warzigsten Kröten gleich dutzendweise ins zum Jubeln geöffnete Maul schaufeln, und die würden im Glauben an eine wundersame Speisung immer noch grinsend kotzen.“

    Da hattest Du wohl vor fast fünf Monaten Recht. Du hast zwar auch Recht, dass Obamas Ziel im Krieg gegen den Terror auch sein sollte, Demokratie in die betroffenen Länder zu bringen. Dennoch klingen seine Kriegspläne gar nicht so übel. Und seltsam lustig ist es, dass es bis jetzt keine Demonstration gegen Obama von irgendwelchen Pazifisten gab. (Oder habe ich da etwas überhört.)

    Das ist eben dass was ich an Obama am Besten finde: Er führt Kämpfe ähnlich wie Bush, aber die Leute finden ihn weiterhin toll und so „anders“.

  2. Hej, Paul! Bist Du jetzt wenigstens ein bißchen frustriert weil Obama auch amerikanische Außenpolitik macht und damit als gefühlter Europäer durchgeht während sein Amtsvorgänger für die gleiche Zirkusnummer nur Dresche bekam? Irgendwas macht der Mann dann wohl besser, oder?

  3. Nicht zu vergessen dass im Norden, Niederlaender, Daenen und Norweger auch erst den „deutschen“ Weg gegangen sind.
    Der hat es aber nicht gebracht also haben diese Laender umgestellt und erst gekaempft dann aufgebaut.
    Was „die deutschen“ da bringen ist schlichtweg verlogen.
    Wenn sie dann mal in „Kaempfe“ verwickelt werden haben sie auch noch die Chuzpe Lufnahunterstuetzung anzufordern und hinter her nur die „boesen Amis“ zu beschimpfen. Dabei wird ein Grossteil davon im Norden von Niederlaener (inkl. Artillerieunterstuetzung) oder Franzosen geleistet.

  4. Und ob ich darob frustriert bin! Gerade weil er knallharte Realpolitik macht und damit auch und gerade bei sogenannten Gutmenschen besser ankommt als Bush mit seiner als weltfremd verlachten Vision eines Kreuzzugs für die Demokratie.

    Das trifft mich tief. Aber das ist auch gut so. Denn wenn ich mich ärgere, macht es mir auch am meisten Spaß. Und jemanden anzugreifen ist natürlich ungleich viel einfacher als jemanden zu verteidigen. Frag Ivantonow, der macht das schon immer so.

  5. Ja, das ist peinlich. Wenn’s nicht um Menschenleben ginge und die Taliban nicht solch sadistische Barbaren wären, würde ich den USA empfehlen, bei der nächsten deutschen Anforderung von Luftnahunterstützung dem Bundeswehrkommandeur mitzuteilen, daß man zwar Flugzeuge, aber derzeit keine Piloten dafür hat, weil die gerade alle beim Brunnenbauen und Mülltrennen sind.

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