Putins Mann in Jerusalem


Nur weil Avigdor Lieberman entgegen weitverbreiteter Vorurteile nicht extremer ist als seine gemäßigten Gegenspieler auf der palästinensischen Seite, heißt das noch lange nicht, daß er deswegen auch gleich intelligenter wäre. Im Gegenteil, er dürfte wohl der erste israelische Außenminister sein, der sich schon vor Amtsantritt als hochgradiges Sicherheitsrisiko erweist:

Tapped as foreign minister in the future Netanyahu government, Avigdor Lieberman says relations between Israeli and Russia „must and can rise to a level of strategic partnership.“ In an unusual interview with the Russian Interfax news agency, the leader of the right-of-center Israel Beitenu said Wednesday, March 18: „However paradoxical it may seem, the global economic crisis gives Israel new opportunities to reach the Russian market after many Western companies abandoned it.“

He added: „The same refers to military-technical cooperation. Israel has quite a few things to offer Russia in this sector – from electronic systems for fighter jets to drones.“

Bibi sollte daher schleunigst die Notbremse ziehen, bevor Lieberman größeren Schaden anrichten kann, denn wer seine Feinde so behandelt wie die Russen das zu tun pflegen, wird irgendwann auch so leben wie sie. Das Einwanderungsland Israel aber hat nur als eindeutiger Teil des Westens und enger Verbündeter Amerikas eine Zukunft. Und nicht zwischen den Stühlen.

~ von Paul13 - Freitag, 20. März 2009.

20 Antworten to “Putins Mann in Jerusalem”

  1. @ Paul_13

    Dein Problem mit Herrn Lieberman ist also, dass er lieber mit Rußland unter Putin als mit den USA unter Obama kooperieren will. Hmm. Das erinnert mich dan doch an den bekannten Witz von den Grünen und den Autobahnen.

    Mein roblem mit dem araberhassenden Rassisten Lieberman ist, dass er – bzw. die vom ihm geführete Partei – in Israel eine ethnische Säuberung anstrebt, um einen `araberreines` Eretz Israel:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Lieberman_Plan

    zu etablieren, in dem die Staatsbürgerschaft nach ethnischen Kriterien vergeben wird und Gehorsam gegenüber der Regierung Voraussetzung für das Aufenthaltsrecht ist.

    Bei aller Kritik an der Besatzungspolitik Israels war für mich der entscheidende Unterschied zwischen diesem Land und seinen Nachbarstatten immer, dass ein solches Vorgehen dank des demokratischen Grundkonsenses und rechtsstaatlicher Mindeststandards undenkbar war.

    Sollte dieser Mann israelischer Außenminister werden so können wir nicht nur die Reste des Friedensprozesses, die nach Bush noch übrig sind, endgültig abhaken. Dann kommen auf die Region wunderschöne Zeiten mit noch viel mehr Raketenangriffen, Attentaten, Vergeltungsaktionen und kleineren „Polizeimaßnahmen“ wie letztens in Gaza zu.

    Da stellt sich nur noch die Frage: wird lieberman vielleicht gar nicht von Putin, sondern von der Hamas gesponsert?

  2. @a new era

    Mein roblem mit dem araberhassenden Rassisten Lieberman ist, dass er – bzw. die vom ihm geführete Partei – in Israel eine ethnische Säuberung anstrebt, um einen `araberreines` Eretz Israel [zu etablieren]

    Das ist Blödsinn und folgt dem Trend, kleine Dinge mit großen Etiketten zu versehen – und damit eine unangemessene Inflation in Gang zu setzen. „Ethnische Säuberung“ ist etwas völlig anderes.
    Bevölkerungs- bzw. Gebietstäusche hat es in der Geschichte schon öfter gegeben und sie haben auch teilweise funktioniert. In diesem so festgefahrenen Konflikt sollte man daher diese Möglichkeit durchaus in Betracht ziehen.

    in dem die Staatsbürgerschaft nach ethnischen Kriterien vergeben wird und Gehorsam gegenüber der Regierung Voraussetzung für das Aufenthaltsrecht ist.

    Auch das ist Käse. 20% aller Israelis sind Araber. Staatsbürger. Und das wird auch Lieberman nicht ändern. Er will einen Treueeid auf den israelischen Staat, denn es gibt in Israel einige Araber, die zwar die Vorteile und Rechte der isr. Gesellschaft nutzen, aber gegen den Staat operieren. Andere Länder lassen auch auf ihre Verfassung schwören.

  3. Falsch geraten. Mein Problem mit Lieberman ist, daß er erstens ein Araberhasser ist, der sich zweitens nicht nur russischer Methoden bedienen möchte, um die Araber zu bekämpfen, sondern drittens zudem noch mit den Russen in sicherheitsrelevanten Bereichen kooperieren möchte.

    Das ist jedes für sich ein Killerkriterium. Und prowestliche Araberhasser sollte das genauso abschrecken wie antiwestliche Araberfreunde. Wobei Du mit dem Wort Autobahn ganz vorsichtig sein solltest, denn wenn es um einen Vergleich geht, wer brutaler gegen Araber und Muslime vorgeht, die Israelis oder die Russen, greifst Du gleich zur Eisenbahn.

  4. Herr Lieberman ist vollkommen neben der Spur – interessant, dass einer die Moralkeule schwingt, der immer wieder die Hamas verteidigt, die bekanntlich einen Juden-freie Welt anstreben.

  5. Paul
    Das Problem mit Lieberman besteht darin, dass er nicht irgendein durchgeknallter rechter Spinner ist, sondern ein Rassist, der gute Aussichten hat der nächste israelische Außenminister zu werden. Ich fand es immer albern sich z.B. über Kahane / Kach und Konsorten aufzuregen, solange die überwiegende Mehrheit der israelischen Bevölkerung ihn und seine Vorstellungen abgelehnt hat und er politisch (fast) irrelevant war. Wenn aber Netanjahu jetzt bereit ist mit Lieberman / BI zu koalieren, dann ist das eine grundsätzliche Veränderung der israelischen Innenpolitik. Stell Dir vor, die CDU würde nach der nächsten Bundestagswahl Koalitionsverhandlungen mit der NPD führen …

    Zu dem Witz mit der Autobahn, denn Du scheinst ihn nicht zu kennen: einer klassischen Apologien gegen das Dritte Reich in der Bundesrepublik in den fünfziger und sechziger Jahren war: es war nicht alles richtig, was er gemacht hat z.B. „das mit den Juden“, aber immerhin hat er die Autobahn gebaut und so Arbeitsplätze geschaffen. Anfang der achtziger Jahre wurde daraus dann eine ironische Umkehrung über die Politik der Grünen: Hitler war gar nicht so schlimm – bloß die Autobahnen hätte er nicht bauen dürfen.

    @ Markus
    Zum Gebrauch des Begriffs „ethnische Säuberung“ für Liebermans Umsiedlungsvorhaben hier:
    http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3321341,00.html

    @ S1IG
    Meine Grundannahme ist, dass es sich bei dem Staat Israel – trotz Gaza – um eine Demokratie und einen Rechtsstaat nach westlichen Maßstäben handelt. Wenn Du das `Moralkeule´ nennen willst, von mir aus.

  6. Doch, das mit der Autobahn kenne ich durchaus (ich verwende den Gag ja selber gerne). Aber ins Massengrab fuhr man die Opfer eher mit der Eisenbahn.

    Wer mit der Hamas reden will, sich für einen Putin in die Bresche wirft und sich dann über einen Lieberman aufregt, der ist nicht ganz ernst zu nehmen.

    Oder anders ausgedrückt: Ein NeoCon wie ich hat das moralische Recht, einen Lieberman zu kritisieren. Ein Diktatorenversteher wie Du hingegen nicht.

  7. Lieberman ist ein Populist – kein Rassist und auch kein Araberhasser. Mit seinen markigen Spruechen bekommt er uebrigens auch Zuspruch von (arabischen) Drusen in Israel.

    Er hat auch keine Umsiedlungsvorhaben, sondern seine Idee ist die des Gebietstauschs. Arabische Staedte an der gruenen Linie sollen zum kuenftigen Staat Palaestina geschlagen werden, im Austausch fuer israelische Siedlungsbloecke.

    Ich haette eigentlich erwartet, dass diese Punkte wenigstens den Lesern dieses Blogs bekannt waeren.

  8. @a new era
    Paul hat es eigentlich recht deutlich gesagt, aber damit Du es wirklich verstehst: Als Hamas-Cheerleader und Mullah-Fan, hast Du kein Recht Dich hier als Moralapostel aufzuspielen und die Moralkeule zu schwingen.

  9. Rein formell hast Du natürlich recht, aber der Begriff „Rassist“ wird inzwischen ja oft auch in einem übertragenen Sinne gebraucht, also bei jeder Art von Ressentiments aufgrund von Herkunft, Hautfarbe oder Religion.

    Wobei A New Era’s Einwand ohnehin lächerlich ist, denn selbst ein dubioser Unsympath wie Lieberman ist weit weniger rassistisch als jeder der Hamas-Führer, mit denen ANE sofort ohne Vorbedingungen Verhandlungen aufnehmen würde.

    Ich denke, wenn Lieberman ein „klassischer“ Rassist wäre, könnte ANE Chania und Maschal am Verhandlungstisch ebenso zumuten, ihm gegenüberzusitzen wie umgekehrt. Wenn nicht ein Realpolitiker wie er, wer dann? ;-)

  10. @ Paul

    Ein NeoCon hat das moralische Recht zu gar nichts, weil sich diese Ideologie als mörderisch dämlich erwiesen hat. Die spannende Frage ist aber weniger wie Du oder ich Lieberman finden, sondern ob der Likud bereit ist, einen – laß mich das betonen: araberhassenden Rassisten – zum israelischen Außenminister zu machen. Denn die Hamas würde sich darüber ganz doll freuen. Die Unterstützer Israels in den USA und in der EU wohl weniger.

    S1IG

    Eine „judenfreie“ Welt? Nein. Aber einen S1IG-freien blog könnte ich mir ganz gut vorstellen. Schon wegen des drastisch verrringerten großkotzigen Geschwätzes.

  11. „araberhassenden Rassisten – zum israelischen Außenminister zu machen.“

    Das ist mir auch ein Rätsel. Wenn man die Geschichte der letzten 80 Jahre sich anschaut, müssten die Israelis eigentlich alle arabophil sein. Aber nein was machen die Verrückten? Die kommen auch noch mit der Demografie daher. Einfach widerlich! Die sollten sich echt mal ein Beispiel an den umliegenden Staaten nehmen. Dort wird ja bekanntermaßen vorbildlich mit Minderheiten umgegangen.

  12. @a new era

    Eine “judenfreie” Welt? Nein.

    Genau dies will die von Dir so gehätschelte Hamas – da helfen keine Ablenkungen und schlechten Beschimpfungsversuche. Dumm für Dich gelaufen.

  13. Preisfrage:
    Wer hat mehr Menschen auf dem Gewissen?
    Die Ideologie der Neo-Cons oder die sogenannte Realpolitik mit ihrem wegschauen?

  14. Der Unterschied macht mindestens zwei Nullen am Schluß aus. Das ist für Leute wie ANE, die Schädelberge nur als leichte Bodenwellen wahrnehmen, zu viel, um damit noch rechnen zu können.

  15. @ S1IG

    Eher blöd von Dir gequatscht, da ich nie die Hamas „gehätschelt“ habe. Und zu den Amerkungen bezüglich Deiner person bzw. der primitive und hilflosen Anmache bleibt festzuhalten – es handelt sich nicht um Beschimpfungen sondern um die Aufzählung von Fakten. Einigen wir uns also auf das generelle Urteil: großkotziges Geschwätz Typ S1IG.

  16. Echt jetzt? In 8 Jahren NeoCons weniger Tote als in den 40+ Jahren davor? Wirklich? Ganz sicher? Boah ey!!!

  17. Es ist noch viel schlimmer als Du vermutest: 40 Jahre NeoCons würden sogar weniger Tote verursachen als 8 Jahre Realpolitik.

    Und das ist noch sehr zugunsten der Realpolitik geschönt, denn die Toten, die Du den NeoCons hier unterschiebst, gehen zum allergrößten Teil auf das Konto derjenigen, die Deine Realpolitiker nicht nur aus dem Untergrund heraus morden lassen wollen, sondern denen sie gleich die ganze Macht und damit unbeschränkten Zugriff auf ihre Opfer gewähren wollen.

    Aber trotzdem danke für Deinen Einwand. Wenn Pappnasen wie Du nicht von Zeit zu Zeit so wunderschöne Eigentore schießen würden, müßte man sich ja fast Mühe geben euch vorzuführen.

  18. Du meinst also man kann die Politik zur Zeit des Kalten Krieges mit heute vergleichen?
    Und weil ich meine, dass der Vergleich hinkt sinds dann gleich MEINE Realpolitiker?

  19. Vergleichen kann man es eh schon mal, höchstens vielleicht nicht gleichsetzen. Der Unterschied besteht aber vor allem darin, daß die Realpolitik des Kalten Krieges der Bedrohung durch einen noch skrupelloseren und möglicherweise übermächtigen Gegner geschuldet war, während es heute keinen Grund mehr gibt, vor drittklassigen Despoten im Staub zu kriechen, statt sie aus dem Amt zu jagen.

    Und wenn jemand die Realpolitiker gegenüber den NeoCons mit einem Argument in Schutz nimmt, das gerade für die NeoCons spricht, dann sind es „seine“ Realpolitiker. Will er das vermeiden, kann er schließlich sagen „NeoCons find ich scheiße, aber immerhin weniger scheiße als Realpolitiker, mein konstruktiver und beiden überlegener Alternativvorschlag wäre hingegen…“

  20. @a new era

    Eher blöd von Dir gequatscht, da ich nie die Hamas “gehätschelt” habe.

    Sicher erinnerst Du Dich noch an Deine hilflosen Versuche die Hamas-Putschisten als Demokraten hinzustellen. Du hast die Terrororganisation (die sich Vernichtung der Juden auf die Fahnen schreibt) mit politisch Parteien auf eine Stufe gestellen. Ein Hinweise darauf, ist dann dummes Gequatsche LOL!

    Und zu den Amerkungen bezüglich Deiner person bzw. der primitive und hilflosen Anmache bleibt festzuhalten […]

    Du hast vollkommen recht: Mehr als primitive und hilflosen Anmache hast Du nicht zu bieten. Schrecklicher als der Ivan Antonovitsch…

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