Gordon wer?


Da schau her, Obama ist durchaus lernfähig, wenn auch auf seine ganz eigene Art. Nachdem ihm seine Gesprächsangebote an die diversen Tyrannen und Terroristen bisher im wesentlichen jeweils einen kräftigen Tritt in den Hintern gebracht haben und die Fußabdrücke auf seiner Hose inzwischen den gesamten Globus repräsentieren, versucht er’s jetzt offensichtlich zur Abwechslung mal auf die harte Tour.

Ok, vielleicht nicht gleich bei besagten Tyrannen und Terroristen, aber man kann ja – sozusagen zum Üben – bei befreundeten Demokraten damit anfangen. Dadurch wissen wir jetzt auch, was damals gemeint war, als Obama ankündigte, einen anderen Umgang mit den eigenen Verbündeten pflegen zu wollen. Und wer bietet sich für eine gepflegte Brüskierung besser an als der traditionell engste Alliierte überhaupt:

British Prime Minister Gordon Brown felt half snubbed on his visit to the U.S. a few days ago when he didn’t receive the customary press conference and dinner. According to London’s Daily Telegraph, the Obama administration says the president was too tired.

Wer sich jetzt verwundert fragt, was die größere Frechheit ist – das Verwehren einer bisherigen diplomatischen Selbstverständlichkeit, was bei Obamas Amtsvorgänger Bush zweifellos für einen Aufschrei der Empörung gesorgt hätte, oder die nur noch als schallende Ohrfeige zu verstehende offizielle Begründung, der Präsident sei müde – kennt die inoffizielle noch nicht:

[…] “There’s nothing special about Britain,” he reportedly said. “You’re just the same as the other 190 countries in the world. You shouldn’t expect special treatment.”

Da ist es dann auch nur folgerichtig, daß man sich für Browns aufdringliches Gastgeschenk – „a pen holder made from the wood of a warship that helped stamp out the slave trade – a sister ship of the vessel from which timbers were taken to build Mr Obama’s Oval Office desk“ – mit einer profanen DVD-Sammlung revanchiert.

Auch wenn Gordon Brown zugegeben nicht den Höhepunkt britischer Staatskunst repräsentiert, ist diese demonstrative Aufkündigung der auch für den Rest der Welt meist vorteilhaften „special relationship“ zwischen Großbritannien und den USA nichts, was für die Zukunft gutes ahnen läßt. Da kann Obama nur hoffen, daß die Queen ihre gute Kinderstube nicht so leicht vergißt.

~ von Paul13 - Dienstag, 10. März 2009.

7 Antworten to “Gordon wer?”

  1. …wenn selbst der SPIEGEL enttäuscht erkennt, dass Mr. Obama derzeit lieber durch die Bundesstaaten reist, Hände schüttelt, sich betroffen zeigt und auf die politische Auseinandersetzung in Washington verzichtet – dann muss man nochmal darüber nachdenken, ob derart wenig Erfahrung jemanden zum Präsidenten irgendeines Landes befähigt. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen – nicht an der immer und immer wieder gleichen Yes-we-can-Rede…

  2. Paul / AHS

    Jungs, auch wenn es weh tut: das Britische Empire ist schon Mitte des letzten Jahrhunderts zu Ende gegangen, die special relationship zwischen Bush & the poodle war in der britischen Bevölkerung ehrlich verhaßt und die absteigende Mittelmacht Großbritannien ist für die schwankende Weltmacht USA im Aufgenblick schlicht nicht mehr so wichtig.

    Da die britische Politik sich seit Jahrzehnten weigert den Bedeutungsverlust des eigenen Landes zur Kenntnis zu nehmen, stürzt sie sich immer wieder in Abenteuer, die sich „der kranke Mann an der Themse“ schlicht nicht mehr leisten kann:

    – Großbritannien ist dabei seinen Status als Industriesstaat endgültig zu verlieren (Anteil der Industrieproduktion am GDP noch ca. 15 %, weiter fallend)

    – das Nordseeöl ist – demnächst – alle (die ausgewiesenen Reserven von ca. 8,5 Mrd. bl reichen bei der aktuellen Förderung zwar noch für ca. 20 Jahre, aber schon in den nächsten fünf Jahren wird das Land zum Nettoimporteur von Rohöl werden)

    – und jetzt ist London dabei, auch noch seinen Status als zweites Weltfinanzzentrum zu verlieren. Denn britische Banken haben kleinere Verluste mit hochspekulativen Wertpapieren („toxic assets“) erlitten, die den Börsenplatz London an den Rand des Kollapses geführt haben. Allein die Royal Bank of Scotland RBS hat im letzten Monat faule Papiere im Wert von 325 Mrd. BPD an den Staat verscherbelt. Dies entspricht immerhin gut 10 vH des britischen Bruttoinlandsprodukts von 2008. Loyds ist pleite und demnächst in Staatsbesitz. Schon jetzt spricht mam zehntausenden von Jobs, die in der City verloren gehen werden und die Investoren aus dem Nahen Osten und Asien haben bereits Billionen an Anlagen abgezogen.

    Und ihr fragt euch, warum Obama für „Gordon who?“ keine Zeit hat?

  3. Und dazu noch die schleichende islamisierung von GB. Pakistan am Atlantik ist für Mr. Yeswecan keine lockende Option.

  4. @Paul
    Interessanter Punkt von ane. Ist es jetzt typisch amerikanisch oder total außergewöhnlich dass Obama keine Zeit für Gordon hat?

  5. „Ist es jetzt typisch amerikanisch oder total außergewöhnlich dass Obama keine Zeit für Gordon hat?“

    Weder noch! Das ist typisch „Linker Flegel“.

  6. Was meinst du denn, was zutrifft?

  7. […] andere Mal eine Ohrfeige einfing, versucht er es jetzt mit Härte – bei befreundeten Nationen. Als erstes bekommt der britische Premier die kalte Schulter gezeigt, weil der Erlöser „zu müde“ für ein […]

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