Diplomatenwahnsinn in Moskau


Moskau – Es erinnert an Propaganda aus Zeiten des Kalten Kriegs:

Also bei dem, was jetzt kommt, wäre das selbst gegenüber den früheren kommunistischen Gerontokraten ein unfairer Vorwurf. Das hier klingt eher wie eine Tischrede aus dem Aufenthaltsraum der geschlossenen Abteilung.

Ein ranghoher Mitarbeiter des russischen Außenministeriums hat den baldigen Zerfall der USA vorausgesagt. Präsident Barack Obama werde noch dieses Jahr das Kriegsrecht verhängen, sagte Igor Panarin, Dekan der Diplomatenakademie, bei einem Vortrag in Moskau.

Obama. Das Kriegsrecht. In den USA. Noch dieses Jahr. Also in Moskau wird der Stoff inzwischen offensichtlich mit den merkwürdigsten Substanzen gestreckt.

Die USA werden nach seiner Ansicht noch vor 2011 in sechs Rumpfstaaten zerfallen, und Russland und China das Rückgrat einer neuen Weltordnung bilden.

Die USA in sechs Staaten zerfallen. Rußland die Weltregierung. Das ist ja herzallerliebst. Und kurz darauf landen dann vermutlich die Invasoren von der arischen Marsbasis.

[…] Alaska werde dann wieder unter russische Kontrolle geraten, sagte er vor Dutzenden Studenten, Professoren und Diplomaten.

Logisch, wo doch der durchschnittliche Eskimo in Alaska bekanntlich von nichts mehr träumt als davon, seine Befehle aus Wladiwostok zu empfangen.

[…] Bei seiner Rede sprach er vom moralischen Niedergang der US-Bürger und verwies auf Schießereien in Schulen, die hohe Zahl von Gefängnisinsassen und homosexuellen Männern.

Auch noch schwul! Das geht für einen aufrechten (ex?-)Commie natürlich gar nicht. Breschnews Zungenküsse und die Männerfreundschaft zwischen Wladimir und Gerd sind das zulässige Maximum, mehr wäre pervers.

[…] Aus der Krise werden nach seiner Ansicht Russland und China gestärkt hervorgehen. Beide Nationen sollten deshalb enger zusammenarbeiten und eine neue Währung schaffen, die den US-Dollar ersetze.

Klar, der neue Runminbel hat natürlich schon vom Klang her weit mehr Sex als der schnöde Dollar, und Rußland wie China sind von der Wirtschaftskrise ja überhaupt nicht betroffen.

[…] Es war nicht klar erkenntlich, wie überzeugend Panarins 20-minütiger Vortrag auf seine Zuhörer wirkte.

Na, wie es halt so wirkt, wenn ein bekiffter Irrer mit Wodkaflasche und „Elvis lebt!“-Schild auf einen zutorkelt und einen mit Details über die bevorstehende Machtübernahme der Fisch-Aliens zutextet.

Ein Lehrbeauftragter fragte ihn anschließend, ob er nicht eher den Zustand Russlands beschrieben habe, das sich derzeit in der schwersten Wirtschaftskrise seit einem Jahrzehnt befindet und dem einige Forscher einen demografischen Kollaps vorausgesagt haben.

Wahre Worte. Die russophilen Antons und Ivans und Marcels hier im Westen werden das jedenfalls gar nicht gerne hören.

Panarin wies diese Ansicht zurück und sagte: „Ein Kollaps Russlands wird nicht passieren.“

Panarin hingegen lebt seinen Kollaps gerade voll aus. Gönnen wir ihm seinen Spaß dabei. Wir haben ihn ja auch.

~ von Paul13 - Donnerstag, 5. März 2009.

25 Antworten to “Diplomatenwahnsinn in Moskau”

  1. Damit geht der Spinner schon eine ganze Zeitlang rumhausieren, hat nur den Praesidenten gewechselt.
    Dient als Wich…vorlage fuer Alt- und Neukommunisten, Stalinisten, Nordkorea und Reichsdeutsche.
    SPON verkommt immer mehr.

  2. Wie kommt der gute Mann eigentlich auf die originelle Idee, die USA würden in 6(!) „Rumpfstaaten“ zerfallen? Wieso nicht in 2, 3, 4 oder 5?

  3. Ich kannte den noch gar nicht. Daß die so einen Spinner in so einer herausgehobenen Position beschäftigen und das dann auch noch über einen längeren Zeitraum, sagt einiges über geistige Verfassung und politische Ausrichtung der russischen Führung.

  4. Das hab ich spontan auch gedacht. Die Landkarte würde ich wirklich gerne mal sehen.

  5. Wenn jemand den Weltuntergang für nächstes Jahr ankündigt, fragt man doch auch nicht, warum der auf den 18. Juli und nicht auf den 16. September oder 3. April fallen wird…. das ist taktlos.

  6. Die Karte gibts übrigens hier: http://gawker.com/5119823/with-russia-gone-to-pot-diplomat-predicts-us-split

    Er zählt Alaska und Hawaii als einzeln, der Rest zerfällt in 4 Teile, grob Nord-, Süd-, Ost- und Westteil…

  7. fehlt nur noch, dass er als Beweis für die amerikanische Dekadenz anführt, dass sie einen Afrikaner zum Präsidenten gewählt haben.

    Sollte sich lieber über die Lebenserwartung der russischen Männer Sorgen machen – die liegt dank Wodka bei 58,9 Jahren

  8. andererseits würden ohne Wodka keine so kreativen und beherzten Reden herauskommen – ein paar Lebensjahre sind das Opfer für so schöne Räusche wohl wert

  9. Cool! Danke!!!

  10. Ja, der muß da schon ganz schön tief ins Glas geschaut haben. Der sieht schon weiße Häuser.

  11. Bekannt gemacht im westlichen Raum hat er seine These irgendwann so um 98 oder 99 in Oestereich, nagele mich nicht auf das genaue Jahr fest. In Russland geht er schon laenger damit hausieren.
    Hier mal auf hastig bei googel gefunden.
    http://online.wsj.com/article/SB123051100709638419.html?mod=googlewsj

    Wenn ich die Nummer nicht schon laender kennen wuerde, wuerde ich sagen er hat sich von Jericho bei seiner „wissenschaftlichen“ Expertise leiten lassen.
    So war es evtl. anders herum.
    Da sage ich nur: „Nuts“ ;-)

  12. Unglaublich, dass so ein besoffener Fratzke so viel Aufmerksamkeit bekommt.
    Und wenn man die deutschen Blogs in den letzten Tagen verfolgt, dann sieht man die ausgebrochene Freude des Kommunistischen Deutschen Packs. Die nehmen die Prophezeiungen des Besoffskis für bare Münze und hoffen auf wiedereinführung des Kommunismus im Russland.
    Der Putin als neuer Breschnev!

  13. Das Alkoholproblem in Russland hat eine lange Tradition – prominentes Beispiel: Boris Jelzin
    Es gibt ja Kasper, die schieben dieses Problem gern auf den Kapitalismus. Mit der Ausnahme der Gorbatschov-Zeit (wo der Fusel reglementiert war), haben die Russen immer schon gern einen gehoben. Viele wurden aber auch Opfer von Panscherei (Reinigungsmittel, Parfüm oder Bremsflüssigkeit).

  14. @ Derrick / Paul

    Auch wenn es mir schwer fällt: ich muß euch recht geben. Da träumt offensichtlich jemand davon, dass der böse Feind auch mal zerfällt. Die sechs Teile sind allerdings logisch: Frühling, Sommer, Herbst und Winter und oben und unten.

    Selbst wenn man konstatieren kann, dass die Bilanz der Bush-Ära als ziemlich katastrophal einzustufen ist – es wird eine USA auch ohne GM geben.

    Wobei ich allerdings bei den West-Untergangsphantasien nicht den Wodka verantwortlich mache. Dahinter steckt eher der tiefe Frust ehrlicher russischer Nationaliaten dass der real existierende Kapitalismus russischer Prägung nicht den Wiederaufstieg des „Dritten Roms“ gebracht hat sondern das Absinken der einsrtigen Weltmacht zu einer Rohstoffökonomie, die von einer postkommunistischen Bürokratie mehr schlecht als recht abgewickelt wurde.

  15. Jetzt im Ernst? Das fanden tatsächlich welche gut? Hast Du da mal ’nen Link oder zwei? Das ist bestimmt lustig!

  16. Aber Jelzin war mir um Längen lieber als die jetzt dort herrschenden Kreise. Lieber ein versoffener, korrupter, überforderter Demokrat als ein nüchterner, intelligenter und skrupelloser (Halb)diktator wie Putin.

  17. Da muß ich auch Dir – mit Ausnahme Deiner Bewertung der Bush-Präsidentschaft natürlich ;-) – mal recht geben. Gut gesprochen!

  18. So lange macht der das schon ? Das ist ja krass!

  19. @ Paul_13

    “ … Ausnahme Deiner Bewertung der Bush-Präsidentschaft natürlich…“

    Soso. Und wen willst Du für die augenblickliche wirtschaftliche Lage der USA verantwortlich machen? Obama? Klingt logisch. Schließlich ist der auch schon fast 50 Tage im Amt.

  20. Bin zwar nicht Paul, aber ich fange dann mal über die Praesidenten Carter, Bush sen. und Bill Clinton weiter zu
    Bush jr. der nicht den Mumm hatte, genau wie sein Varter, denn Unsinn zu stoppen die beiden FM’s anzuhalten endlich Kreditvergabe an jeden Trottel zu stoppen. Private Banken politisch zu erpressen und den Schaden dann auf die beiden FM’s uebertragn zu muessen.
    Praesident Bush jr. haette ,wie seine Vorgaenger, diesen Linken Unsinn endlich stoppen muessen Kredite Politisch Korrekt zu vergeben.
    Hier aber Praesident Bush die alleinige schuld zu zuschieben ist mehr als laecherlich und billig.
    Vor allem da sein Nachfolger es nicht besser macht.
    Auch er ergreift, nicht mal im Ansatz, die Initiative dazu.
    Nein er treibt es mit Teilen des „Stimuli“ sogar noch weiter.

  21. A New Era geht offensichtlich davon aus, daß die Wirtschaft der USA wie die der glorreichen Sowjetunion staatlich gelenkt wird und der Präsident damit automatisch auch für die Fehler sämtlicher Wirtschaftsunternehmen haftet. ;-)

  22. @ auslaender + paul13

    Wenn schon Schuldzuweisungen, dann aber richtig: über die Kreditvergabepraxis von Fannie und Freddie ließe sich mancherlei sagen. Aber dafür, dass aus diesen „subprime“ loans – dessen Risikoabschätzung jedem anständigen Kreditsachbearbeiter die Haare zu Berge stehen lassen – eine Krise des Weltfinanzsystems wurde haben die `Experten´ richtiger privater Unternehmen wie Lehmann Brothers, Merril Lynch und AIG und ihre ebenso gierigen wie blöden Kollegen aus Europa gesorgt. Denn sie haben aus dem einzelnen Kreditrisiko solcher loans mittels „credit default swaps“, „mortgage backed securities“ und anderer `innovativer Finanzprodukte´ international handelbare Wertpapiere gemacht, die jahrelang zu steigenden Preisen von Trottel zu Trottel wanderten, immer in der Hoffnung, einen noch größeren Idioten zu finden (sog. greater fool theory). Dieser Monopoly-Kapitalismus wurde ermöglicht durch eine fast vollständige Deregulierung der nationalen Finanzmärkte und eine gegen Null strebende Zinspolitik der FED. Richtig ist, dass daran die Clinton-Administration ein gerüttelt Maß an Mitschuld trifft.

    Aber wer jede staatliche Kontrolle über die Wirtschaft als Sozialismus verteufelt, die Leitungsebene der SEC und andere Aufsichtsbehörden mit Schaufensterpuppen besetzt, Greenspan zum Guru erklärt und Idioten wie Paulson beschäftigt, der noch immer Sommer 2008 durch die Fernsehshows getingelt ist und allen erklärt hat, wie stabil das amerikanische Bankensystem ist, den darf man dann doch für (mit)verantwortlich erklären.

    Und dass private Banken dazu „erpreßt“ wurden, Kreditverträge zu unterschreiben, die sich nur dann rechnen, wenn sich der Marktwert der Immobilien in der Laufzeit verdoppelt hätte – das könnt ihr Schwachköpfen dubya erzählen, aber bitte nicht mir. Umgekehrt haben die Banken offensichtlich immer darauf spekuliert, dass der Staat den Immobilienmarkt im Zweifel nicht völlig absaufen lassen würde – was er dann auch (unter Bush!) brav getan hat.

  23. @a new era
    Hoho da hat aber einer eine ganze Menge Nichtahnung von den USA und den Gesetzen fuer Banken die unter Carter gekommen sind und unter Clinton „verfeinert“ wurden.
    Nun denn wenn Du genau wie die Vorgaenger von Dir eben President Bush hassen wollt, fuer alles Verantwortlich machen was schief gelaufen ist seit beginn der Nation. Nun denn dafuer wurde er bezahlt. Nur wird es dadurch nicht einen jota wahrer und sein Nachfolger macht auch weiter wie alle vorher.
    In der Wirtschaftspolitik und in der Aussenpolitik was die Terrorbekaempfung angeht etc.
    Die ersten Erkenntnise sind schon da wie man hoert und bald wird auch bei den Neuen Bewohner im Weisen Haus die Erkenntnis kommen die auch schon sein Vorgaenger gemacht hat.
    Auch bei der Realpolitik wird er erkennen muessen, genau wie sein Vorgaenger, das dort der Hund begraben liegt.
    Viel Spass also dabei wenn ihr nach Ausreden suchen werdet…

  24. @ auslaender

    Also ich bin ja nicht ein solcher USA-Experte wie Du, aber so viel weiß ich: Gesetze werden vom Kongress beschlossen und können auch nur von ihm geändert werden. Aber der Republikaner Bush hatte während seiner achtjährigen Amtszeit ziemlich lange eine komfortable Mehrheit in beiden Häusern. Mir ist keine Initiative seiner Administration(en) bekannt, die darauf abzielte, die Kontrolle des Bankensystems und der Finanzmärkte zu verschärfen. Sich dann auf die Fehler Carters – dessen Amtszeit nun mittlerweile knapp 30 Jahre her ist! – rauszureden, ist ein bißchen billig.

    Die Immobilienkrise, die explodierende Votalität der Kreditmärkte, die wachsende Verschuldung der privaten Haushalte, das permanente Außenhandelsdefizit und dadurch die wachsende Verschuldung der USA gegenüber dem Ausland, die steigende Energieabhängigkeit – all das zeichnete sich über Jahre ab und die Bush-Admininstration hat tief geschlafen.

    Deshalb bleibt es dabei: die Krise ist zu seiner Amtszeit entstanden und er ist entscheidend für die Folgen mitverantwortlich. Was die Republikaner jetzt versuchen ist: „Haltet den Dieb!“ Aber das wird genauso wenig funktionieren wie der lächerliche Versuch, die Verantwortung für das Fiasko im Irak seinem Nachfolger in die Schuhe zu schieben.

  25. Die Finanzkrise wurde u.a. durch die geplatzte Immobilienblase hervorgerufen. Die Grundlagen wurden durch die Politik von Clinton gelegt. Nach dessen Amtsende übernahmen vor allem seine Getreuen das Ruder bei Fannie und Freddie. Diese Leute steuerten die beiden Fianzierer in den Ruin. Die Reformversuche seitens der Republikaner scheiterten an der Blockade der verantwortlichen Demokraten.

    „These two entities – Fannie Mae and Freddie Mac – are not facing any kind of financial crisis, […]“
    Barney Frank
    September 11, 2003 – NYT

    Bush muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht hart genug gegen diese Leute vorgegangen zu sein. Aber für manche Leute ist Bush bekanntlich ganz allein an allem Schuld, selbst für deren Jucken am Hintern!

    Russland ist keine Weltmacht mehr, weil die Freunde des KGB-Schergen sich das Geld in die eigenen Taschen stecken durften/dürfen. Die verjuxen jetzt das Geld mit Jachten. Villen, Fußballclubs… Früher wurden die Staatseinnahmen in Rüstung, Unterdrückung und Terror gesteckt. Damit begründete sich der „Weltruhm“ der Weltmacht Sowjetunion. Mal abgesehen vom Weltraumprogramm und dem Bestseller AK47, gab es kaum Waren, die wirklich für das „entwickelte Industrieland“ Sowjetunion standen. Die Bevölkerung wird heute mit Wodka ruhig gestellt – so wie man es unter Lenin, Stalin und Breschnew gemacht hat. Es hat sich nichts geändert – mit der Ausnahme, dass Putin und Co. es jetzt nicht mehr im Namen der Partei verkaufen. Ob das nun den Nationalisten Altkommunisten gefällt ist doch egal…

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