Change, jetzt auch in Afghanistan


Barack Obama macht Tempo an allen Fronten: In der Nacht hat er das riesige US-Konjunkturpaket unterzeichnet – und direkt danach eine Truppenverstärkung in Afghanistan verkündet. Der Präsident will die US-Präsenz im Land auf das Anderthalbfache erhöhen, um die Taliban zu bekämpfen.

Zweifellos eine neue Ära. Kein Bush mehr, dem man irgendwelche Kollateralschäden in die Schuhe schieben könnte. Oder wie TIME so schön getitelt hat: Jetzt ist es der Yes-We-Can-War. Da wollen wir Obama mal die Daumen drücken, daß seine Strategie so funktioniert, wie er sich das gedacht hat.

[…] Die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) teilte am Dienstag in Kabul mit, die Zahl der zivilen Opfer sei 2008 im Vergleich zum Vorjahr um fast 40 Prozent auf 2118 gestiegen. Für 55 Prozent der getöteten Zivilisten seien Aufständische wie die Taliban verantwortlich gewesen. 39 Prozent der Opfer seien von afghanischen oder internationalen Truppen besonders bei Luftangriffen getötet worden. Die restlichen sechs Prozent seien keiner Seite eindeutig zuzuordnen gewesen, da sie etwa im Kreuzfeuer umgekommen seien.

Vor allem bei Luftangriffen? Also genau jenen Aktionen, zu denen man u.a. dann greift, wenn keine Bodentruppen verfügbar sind, weil die ein paar hundert Kilometer entfernt damit beschäftigt sind, den Müll zu sortieren, und die eh nicht kommen könnten, weil bei ihren Fahrzeuge die ASU abgelaufen ist?

„Die Taliban und deren Helfer sind für etwa 80 Prozent der zivilen Todesopfer verantwortlich“, sagte Nato-Sprecher James Appathurai dagegen in Brüssel. Nach Angaben der Allianz wurden 97 Menschen durch die Afghanistan-Schutztruppe Isaf getötet, etwa 130 durch US-Soldaten der „Operation Enduring Freedom“. 987 Menschen seien jedoch durch Aufständische getötet worden.

Hm, wer könnte da nur recht haben? Das weder von Medien noch Öffentlichkeit kontrollierte zentrale Propagandaministerium der NATO, oder die spätestens seit dem Gazakrieg für ihre zuverlässigen Daten und kritische Distanz gegenüber Behauptungen von Terroristen bekannten Spezialisten der UNO?

Fragen über Fragen…

~ von Paul13 - Mittwoch, 18. Februar 2009.

9 Antworten to “Change, jetzt auch in Afghanistan”

  1. Obama tut endlich, was der Trottel Bush vergeigt hat in seinem Wahn, die irakischen Ölquellen befreien zu müssen…

  2. @Jolly Rogers

    ja, genau der „Trottel Bush“ hätte nur mehr Truppen nach Afghanistan senden müssen und die Jolly Rogers dieser Welt hätten ihm Respekt gezollt…

  3. @Aaron Sperber
    Du triffst den Nagel auf den Kopf! Stürmischen Applaus für Bush hätte es von den JRs gegeben, wenn Bush die Nato-Partner unter Druck gesetzt hätte ;-)

  4. @ Paul_13

    Noch mal ganz langsam: Sie glauben ernsthaft NATO-Angaben zur Anzahl der durch NATO-Angriffe getöteten Zivilisten? LOL! Abgesehen davon, dass es in Afghanistan sowieso eher grobe Schätzungen über Verluste als exakte Statistiken geben dürfte.

    Aber um auf den Ausgangspunkt zu kommen: wer ernsthaft darauf hofft, diesen Krieg mit 17.000 (oder auch 70.000) zusätzlichen troops gewinnen zu können hat die letzten Jahre im Tiefschlaf verbracht. Ein kleiner Hinweis aus berufenem Munde:
    http://news.bbc.co.uk/nolpda/ifs_news/hi/newsid_7432000/7432700.stm
    Also ich glaube, dass Obama einen „ehrenvollen Rückzug“ in beiden Ländern (Irak und Afghanistan) vorbereitet. In Afghanistan müßte dazu zunächst einmal die Zentralgewalt soweit stabilisiert werden, dass ein deal mit den regionalen warlords und Stammesführern ausgehandelt werden kann, der zumindest die kurzfristige Rückkehr der Taliban verhindert. Allein diese Aufgabe dürfte schon die neuen Truppen gut auslasten.

  5. Sie glauben ernsthaft NATO-Angaben zur Anzahl der durch NATO-Angriffe getöteten Zivilisten? LOL!

    Du glaubst ernsthaft, daß die Angaben westlicher Demokratien nicht verläßlicher sind als die Terroristenpropaganda. Obwohl, vergiß es, Du glaubst ja auch den Lancet-Dreck.

    […] Aber um auf den Ausgangspunkt zu kommen: wer ernsthaft darauf hofft, diesen Krieg mit 17.000 (oder auch 70.000) zusätzlichen troops gewinnen zu können hat die letzten Jahre im Tiefschlaf verbracht.

    Also mir kam Obama zumindest während des Wahlkampfes eigentlich hellwach vor.

  6. Also ich glaube, dass Obama einen “ehrenvollen Rückzug” in beiden Ländern (Irak und Afghanistan) vorbereitet.

    So wie manche an den Weihnachtsmann und Osterhasen glauben? Rückzug?

  7. @ Paul_13 / S1IG

    Jungs, um euch noch ein paar Illusionen zu rauben:

    Obama hat im Wahlkampf versprochen den Krieg in Afghanistan zu führen um die Republikaner / McCain auf den Irakkrieg festzunageln. Ein hoher Preis für eine Präsidentschaft – aber was tut man nicht alles um die Fortsetzung von Bush zu verhindern.

    Obama weiß, dass der Krieg gegen die Taliban bzw. gegen die mit ihnen verbündeten regionalen Kriegsherren mit den ihm zu Verfügung stehenden Mitteln nicht zu gewinnen ist (s.o.). Aber wer weiß? Vielleicht geschieht ein Wunder und die Europäer helfen ihm mit ein paar hunderttausend troops aus – oder die Talibanführung erklärt ihren Übertritt zum Katholizismus. Spaß beiseite, was er erreichen muß, ist das was Nixon in Vietnam erreicht hat: zumindest den eigenen Rückzug mit möglichst geringen Verlusten und Gesichtsverlust über die Bühne bringen und dafür sorgen, dass der Westen in der Region seinen Einfluss nicht völlig verliert.

    Da es nie um die Lebensbedingungen der afghanischen Zivilbevölkerung ging, sind diese auch kein Argument gegen den Rückzug. Aber vielleicht kann man ja einen deal mit den neuen / alten Machthabern aushandeln, dass die Lebensmittelspenden weiter verteilt werden dürfen.

    Was ich mich allerdings frage, ist in welches Land Karzai ins Exil gehen wird.

  8. @ alle

    Ein kleiner Tip: Es gibt eine neue Funktion bei WordPress. Wenn man bei einem Kommentar auf Antworten klickt, wird der Kommentar optisch unterhalb des Ursprungskommentars angezeigt. Das erleichtert die Übersichtlichkeit.

  9. Goldig, wie Du Dich windest, um Obama zu verteidigen. :-) Commies for Nixon, das hat was!

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