Besuch bei den Dämonen der Vergangenheit


Es ist die wohl riskanteste Auslandsreise seiner Amtszeit: Frank-Walter Steinmeier ist zu einem Besuch in Bagdad eingetroffen – als erster deutscher Außenminister seit 22 Jahren. Die Geste demonstriert eine Kehrtwende in der Irak-Politik.

Na, Steini, da staunst, gell? In einem arabischen Staat landen und kein Diktator schüttelt einem die Hand. Ganz neue Erfahrung, was? Und, fühlt sich’s denn jetzt wirklich so unangenehm an? Ging doch, oder?

[…] Den Minister begleitet neben den üblichen Diplomaten und einigen Journalisten noch eine illustre Kleingruppe: aus dem Bundestag der ehemalige Innenminister Otto Schily (SPD) und der CSU-Abgeordnete Peter Gauweiler, dazu ein paar Manager aus dem Wirtschafts- und Kulturbereich.

Wie, den Gauweiler hast Du auch mitgebracht? Sehr schön, da kann der bei seinen Gastgebern gleich mal Abbitte leisten, daß er sie heute in einem Kerker treffen würde statt auf einem roten Teppich, wenn man damals auf ihn gehört hätte.

[…] Als Kanzleramtschef war Steinmeier 2003 – gleich hinter Kanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer – einer der zentralen Exponenten des deutschen Widerstands gegen den Irak-Krieg der USA. Jetzt will der Deutsche dies Kapitel demonstrativ schließen.

Und das möglichst, ohne gleichzeitig allzu deutlich zugeben zu müssen, daß Du und Deine beiden Spezln damals auf der falschen Seite der Geschichte gestanden haben. Das dürfte selbst für einen erfahrenen Krisenmanager noch eine Herausforderung sein.

Solange George W. Bush Präsident war, wäre eine solche Geste Steinmeiers nicht vorstellbar gewesen. Als der damalige Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) vorigen Sommer nach Bagdad flog, hatte der SPD-Außenminister noch vergeblich abgeraten.

Doch seit Obamas Amtsantritt ist alles anders, auch im Umgang mit Bagdad.

Stimmt. Jetzt demonstriert der Besuch nicht mehr primär, daß Bush recht hatte. Sondern Obama unrecht. Ist ja auch schon was.

[…] Dass Steinmeier zwei Tage im Irak verbringen will, ist ein Beleg seines neuen Engagements. Er isst mit Staatspräsident Dschalal Talabani zu Mittag, anschließend trifft er Ministerpräsident Nuri al Maliki.

Wie, Talabani triffst Du auch, Frankieboy? Dann aber mal flugs die Ohren gespitzt und gut zugehört, was der nette Onkel zum Thema Bush, Irak, Befreiung und so zu sagen hat, da kannst Du noch was lernen:

The Iraqi people look upon President Bush as a liberator who delivered them from a brutal despot, Iraq’s chief executive told reporters at the White House Wednesday.

Bush is a hero who saved Iraq “from the worst kind of dictatorship” under Saddam Hussein, President Jalal Talabani said.

Also aufgepaßt und auswendig gelernt! Beim nächsten Wahlkampf wird’s vielleicht schon abgefragt.

~ von Paul13 - Dienstag, 17. Februar 2009.

6 Antworten to “Besuch bei den Dämonen der Vergangenheit”

  1. @ Paul

    Der kluge Mann baut vor: Wenn er es im Herbst doch noch ins Kanzleramt schafft, fällt vielleicht doch noch das eine oder andere hübsche Export-Geschäftchen ab. Wenn das „auf der falschen Seite der Geschichte stehen“ keinen der Beteiligten stört, kommt er damit ja vielleicht sogar durch.

  2. @ Chewey

    Leider hast Du damit vermutlich recht. Aber die Schamlosigkeit, mit der er sich jetzt bei den potentiellen Opfern seiner Politik anbiedert, um auf dem Marktplatz von Goslar den Exportkanzler der Herzen geben zu können, ist schon erbärmlich.

  3. @ Paul

    „um auf dem Marktplatz von Goslar den Exportkanzler der Herzen geben zu können“ :-)))

    LOL! You made my day ;-)

  4. […] · Keine Kommentare Die Fünfte Kolonne Schröders im Kabinett Merkel hat sich jetzt doch einmal dazu durchgerungen, auch den demokratischen Irak zu […]

  5. @Paul
    Exportkanzler der Herzen – schön gesagt :-)

  6. @ Alle

    Jungs, ihr solltet euch bei Gelegenheit ein neues Volk wählen:

    – Wenn es überhaupt einen Grund geben sollte, warum die SPD bei den nächsten Bundestagswahlen nicht völlig abkackt, dann ist es es ihre im Vergleich zur CDU/CSU defensive(re) Außebnpolitik.

    – Wenn es überhaupt etwas gibt, dass die Leute dazu bringt, positiv an die Amtszeit des Ex-Kanzlers Schröder zu denken, dann die Tatsache, dass er die Bundesrepublik / Bundeswehr aus diesem Krieg herausgehalten hat.

    Geht doch mal abends nach den Nachrichen in eine ganz normale Eckkneipe und hört ’ne Stunde den Leuten zu.

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