It’s the Iraq, stupid!


Angesichts der oft geradezu haßerfüllten Kritik an George W. Bush stellt man sich unwillkürlich die Frage, welcher Fehler es denn jetzt eigentlich war, den ihm die Menschen so übel nehmen, daß sie sich kollektiv in einen regelrechten Rausch der Verachtung hineinsteigern. Die Antwort darauf ist verblüffend: Keiner, im Gegenteil!

It’s not because of his failures. To the contrary, Mr. Bush’s disfavor in Washington owes more to his greatest success. Simply put, there are those who will never forgive Mr. Bush for not losing a war they had all declared unwinnable.

Die klügeren unter seinen politischen Gegnern hatten das zwischenzeitlich ja begriffen und das Thema während des eigentlichen Präsidentschaftswahlkampfs anders als bei den Vorwahlen zunehmend vermieden, weil sie wußten, daß sie mit ihren teilweise grotesken Fehleinschätzungen im Gegensatz zu Bush meilenweit danebengelegen hatten.

Die dümmeren unter ihnen stampfen hingegen bis heute wie trotzige kleine Kinder mit dem Fuß auf und wiederholen in fast schon bemitleidenswerter Sturheit, daß der Irak im Bürgerkrieg zerbrechen und/oder eine islamistische Theokratie und/oder ein iranischer Satellit wird. Umso bitterer muß es für sie sein, daß die Realität nicht mitspielt und er partout nicht im erhofften Chaos versinken will.

Pünktlich zum Machtwechsel wurde dies gleich von drei bezeichnenden Ereignissen so treffend unterstrichen, daß sie verdienen eigens hervorgehoben zu werden:

Da war zunächst der scheidende CIA-Chef Michael Hayden, der dem zukünftigen Präsidenten eine Liste der 10 drängendsten Probleme im nächsten Jahr mit auf den Weg gab, auf der sich so dramatische Krisenherde wie z.B. Mexiko befanden, das bekanntlich seit Jahren die Titelseiten und Schlagzeilen der westlichen Massenmedien bestimmt. Der Irak hingegen war nicht mal mehr dabei.

Wer jetzt einwendet, daß die CIA nur aus finsteren und inkompetenten Dunkelmännern besteht, bekam aber auch von der beliebten und hochprofessionellen UNO in der Resolution 1859 schwarz auf weiß bestätigt, daß der Irak sogar aus multilateraler Sicht eine Erfolgsstory ist, was nur deswegen unterging, weil die darauffolgende Nr. 1860 natürlich viel interessanter war, da sie sich gegen Israel richtete.

Da wollten die Irakkriegsgegner selbst offenbar nicht zurückstehen. Die Betreiber des „Iraq Coalition Casualty Count“ haben angesichts der wohl niedrigsten Opferzahlen seit wenigstens 40 Jahren jetzt still und heimlich das Geschäftsmodell umgestellt und behandeln den „guten Krieg“ in Afghanistan auf ihrer Startseite seit kurzem als gleichberechtigt neben dem Irak, damit sie wenigstens etwas zu vermelden haben.

Der Irak ist derweil auf dem Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft, die noch vor wenigen Jahren undenkbar schien, und er hat diese Chance nicht wegen der inzwischen auf dem Müllhaufen der Geschichte vor sich hin rostenden „Achse des Friedens“, sondern weil George W. Bush, um bei einem beliebten Cowboy-Klischee zu bleiben, getan hat, was getan werden mußte. Seine Feinde sollten es wie ein Mann nehmen.

~ von Paul13 - Freitag, 23. Januar 2009.

9 Antworten to “It’s the Iraq, stupid!”

  1. Paul13, ich pflichte dir bei und hoffe, daß du mit dem „Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft“ recht hast. Du weißt aber schon, daß derzeit noch mehr als 130.000 Streitkräfte im Irak stationiert sind. Gewonnen haben wir im Iak dann und erst dann, wenn das Land nach dem Abzug stabil bleibt. Vorher ist das alles noch ein bißchen verfrüht.

  2. @ Paul

    very tempting. Aber ich komme nicht zurück. Grüßen Sie den „Müllhaufen der Gschichte“ von mir.
    nmr

  3. @ MPH

    Sofern man sich nicht darauf festlegt, wann man die Truppen abzieht, wird man das vielleicht sogar früher als gedacht tun können. Und ich kann mir nicht vorstellen, daß die Iraker, nachdem sie sich erst mal an die Vorteile der Demokratie gewöhnt haben, freiwillig wieder darauf verzichten werden.

  4. @ NMR

    Ich wußte, Du würdest es lieben. ;-)

  5. Die Demokratie in eine Weltgegend exportieren zu wollen, in der die einzige bereits existierende Demokratie (die Türkei) von Dir selbst höchst treffend als einer jener Staaten charakterisiert worden ist, „die ihren Minderheiten neben einem eigenen Staat auch jegliche sonstigen Rechte verweigern, und sie schon aus weit geringerem Anlaß nicht nur mit Krieg überziehen, sondern auch mit Terror, Folter und Mord“; in eine Weltgegend, in der die Demokratie schon deshalb niemals Fuß fassen wird, weil Demokratie so etwas wie Zivilisation voraussetzt und deshalb unvereinbar ist mit der monströsen totalitären Barbarei, die dort vor 1400 Jahren zur Religion erklärt wurde; für diese alberne Fata Morgana eine Billionensumme aus dem Fenster zu werfen; den Tod von Tausenden eigener Soldaten zu verschulden, die glaubten, dem eigenen Land zu dienen, und die stattdessen dem internationalistischen Größenwahn einer Bande von postbolschewistischen Schwachköpfen dienten, die sich selbst „Neocons“ nannten; das eigene Land im (vermeintlichen) Interesse eines anderen zu ruinieren – eine solche Politik nicht für verbrecherischen Irrsinn zu halten, ist wahrlich nur für solche Leute konsequent, die sich des Hasses auf das eigene Land geradezu rühmen.

    Wenn es eine Gerechtigkeit gäbe, müsste George W. Bush aufgehängt werden, und zwar an den Gedärmen von Tony Blair!

  6. @Manfred
    Aha das ist ja spannend
    Kleiner Tipp
    ueber Deutschland haben das auch mal so einige gedacht.
    Gut das auf ihre Plaene nicht gehoert wurde und auf ihre Stimmen nicht gehoert wurde.
    Weit entfernt scheinst Du mit Deinen feuchten Gerechtigkeistphantasien aber von denen die Du fuer Barbaren haelst aber nicht zu sein.

  7. @ Manfred

    Die Kurden in der Türkei wurden aber nicht von irgendwelchen religiösen Fanatikern, sondern von laizistischen Nationalisten unterdrückt, die im übrigen weit entschlossener gegen den Islam vorgingen, als eine CDU-Regierung gegen das Christentum.

    Und was ist Deine Alternative zur Politik der NeoCons? Einfach abwarten und hoffen, daß islamische Fundamentalisten zu doof sind, eine Atombombe zu bauen? Was, wenn Du Dich irrst? Sind Millionen von Toten in einem Atomkrieg dann besser als der Ansatz von Bush und Blair?

  8. Diese Menschen tun mir sehr leid: http://www.bbc.co.uk/programmes/b00gvflg

    Warum sind sie denn nur in dieser Lage? Wo ist denn da unsere Solidarität?

  9. @ Manfred

    die großspurigen Ausführungen erinnern mich sehr an Scholl-Latour

    der findet auch, dass man die Afghanen Afghanen sein lassen soll – bei uns braucht er den Islam freilich nicht

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2008/10/22/menschen-bei-maischberger/

    Wollen Sie seine Nachfolge antreten und den Deutschen in Zukunft die Welt erklären?

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