Farewell, Mr. President!


Da sitze ich hier niedergeschlagen im „U.S. Armed Forces Freedom World Tour“-T-Shirt, schlürfe deprimiert den Kaffee aus meiner morgen schon obsoleten Präsidententasse und betrachte wehmütig das auf dem Sternenbanner angebrachte George W. Bush-Porträt, das ich heute eigentlich noch durch einen Obama ersetzen muß, will ich bei meinen Arbeitskollegen nicht vollends in Ungnade fallen.

Mit Bush tritt ein ganz Großer der Weltgeschichte ab, dessen Verdienste man, auch wenn die meisten Menschen sich das heute kaum vorstellen können, eines – übrigens gar nicht mal so fernen! – Tages in einem Atemzug mit denen John F. Kennedys oder Ronald Reagans nennen wird, denn auch wenn es länger als erhofft dauern sollte, so wird die Befreiung des Irak früher oder später als Beginn der arabischen Perestroika gelten.

Tony Blair hat einmal sinngemäß gesagt, daß die Verbreitung der Freiheit unsere letzte Verteidigungslinie und zugleich unsere vorderste Frontlinie ist. Was immer man an der Politik seines mächtigen Freundes jenseits des Atlantik – zu Recht oder zu Unrecht, sei dahingestellt – ansonsten kritisieren mag, aber George Walker Bush hat diese Frontlinie ein gutes Stück zuungunsten der Tyrannei verschoben.

~ von Paul13 - Dienstag, 20. Januar 2009.

13 Antworten to “Farewell, Mr. President!”

  1. Der von mir überhaupt nicht geschätzte Putin, wohl für den Mord gestern an dem Regimekritiker verantwortlich, sprach etwas aus, was ausnahmsweise sogar stimmt:

    „Große Erwartungen können schnell in große Enttäuschungen umschlagen“.

    Die Grassroots (netroots), während der Wahlkampagne Obama bedingungslos zuarbeitende Unterstützer, werden sich schon in ein paar Monaten kräftig zu zu Wort melden, wenn Obama sich an den Realtitäten orientiert (orientieren muss) und ihre irrationalen Vorstellungen nicht aufgehen.

    Bin gespannt, wie Obama sich dann aus der Äffere zieht, denn die Grassroots werden dann sehr schnell ihre weniger friedliche Seite zeigen.

  2. @Bernd
    Es hat wohl schon begonnen.

  3. @ rene,

    übst du dich schon im Obama-bashing?

  4. @ Paul

    Na das Lob Ihres einstigen Helden fällt ja recht verhalten aus. Dämmert es auch Ihnen langsam welche Katastrophe die Amtszeit von dubya für die USA (und die Welt) war? Ich denke, das meine Haltung zur Politik des ehemaligen Präsidenten ist hinlänglich bekannt, so dass ich mich auf einen Punkt beschränken werden:

    die Ergebnisse des Irakkrieges. Denn das wichtigste – und ernüchternste – Resultat des Krieges ist der erheblich gewachsene Einfluß der zukünftigen Atommacht Iran in der Region. Oder glauben Sie immer noch, dass Obama bis zum Monatsende den preemptive strike gegen das iranische Nuklearprogramm befehlen wird?

  5. die Klage über den durch den Irakkrieg gewachsenen Einfluss der Iran ist wirklich der Gipfel der Heuchelei.

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/01/09/europaischer-und-iranischer-atomkraftfimmel/

  6. @ aron sperber

    Und vor allen Dingen ist sie zutreffend:
    http://www.fas.org/sgp/crs/mideast/RS22323.pdf
    http://www.thenation.com/doc/20080310/dreyfuss
    http://www.brookings.edu/opinions/2008/0321_iraq_maloney.aspx

    Na, immer noch stolz auf dubya, den Befreier der Arabischen Welt? Aber die wirklich wichtige Frage iat: wie wird die Iranpolitik der neuen Administration aussehen? Ein paar erste Hinweise
    http://www.nytimes.com/2009/01/11/washington/11iran.html?pagewanted=3&_r=1&ref=politics
    http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EA74EEBE800C347E0AC626D75846AB606~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Das Zeitalter der NeoCons scheint sich seinem Ende zuzuneigen …

  7. und selbst wenn es zutreffend ist, dass es dem Iran gelungen ist vom Terror Chaos zu profitieren und Teile der schiitischen Bevölkerung mit iher Ölmullah Ideologie zu infiltrieren, tun sie bitte nicht so, als ob sie das jemals bedauert hätten – das ist die pure Heuchelei

    solange im Irak Gewalt herrschte waren Bush Hasser verzückt

    Der Iran betrieb schon lange vor dem Saddam Sturz sein Atomprogramm, Saddam als Bollwerk gegen den Iran hinzustellen, entbehrt jeder Grundlage

    Europa hat die Israelis mit der Bedrohung durch das Ölmullah Regime alleingelassen – von Wirtschaftssantionen keine Spur.

    Dass auch die USA nicht bereit war gegen das iranische Atomprogramm vorzugehen, musste Israel jetzt ausbaden und wenigstens das Terror Outlet des Irans in einem wenig schönen Krieg zusammenstutzen

  8. @ NMR

    Ich muß zugeben, ich hatte erwartet, daß Bush dem iranischen Atomprogramm noch vor seinem Abgang den Stecker rauszieht. Offensichtlich hat er doch genug Vertrauen in Obama, daß der auch unopoläre Entscheidungen treffen kann. Und mit dem Machtwechsel in den USA wird der Termin nur noch durch die Fortschritte bei der iranischen Atombombe bestimmt.

    Das Märchen vom starken Iran wegen des Irakkriegs kannst Du Dir übrigens in die Haare schmieren. Selbst wenn das von Deinesgleichen so gerne zitierte NIE stimmen sollte und der Iran das Atomprogramm zwischen 2003 und 2007 tatsächlich Eis gelegt hätte, dann solltest Du Dich mal fragen, was 2003 passiert ist, damit die Mullahs lieber mal eien Pause eingelegt haben.

    Der Iran ist genauso stark, wie wir ihm das erlauben. Das einzige regionalmachtmäßige an ihm wäre die Atombombe, und die juße r ja nicht kriegen. Der Irakkrieg hat da nur insofern einen Einfluß, als ein demokratischer Irak langfristig zur Destabilisierung des Mullahregimes beiträgt. Und nein, Obama war NICHT dafür.

    Was das Ende des NeoCon-Zeitalters angeht, so würdest Du Dich darüber, wenn Du nur halb so links wärst, wie Du tust, nicht so laut freuen. Denn jetzt kriegst Du genau die Realpolitik, wegen der Amerika so verhaßt ist. Und das beste ist, Du mußt sie jetzt auch noch verteidigen. DA freue ich mich jetzt schon drauf. Denn das ist genau das, was Du verdienst.

  9. @ Paul

    Da ich weiß, dass Sie nach dem schmachvollen Abgang ihres letzten verbliebenen Helden (nach Wolfowitz, Rumsfeld, Blair usw.) ziemlich traurig, verunsichert und ganz alleine sind, erkläre ich es Ihnen noch mal ganz langsam:

    I. Der Aufstieg des Iran zur Regionalmacht hat nur wenig mit dem iranischen Nuklearprogramm und sehr viel mit dem Irakkrieg zu tun. Denn wenn sich dort nach dem Abzug der Amerikaner ein schiitische Staat nach iranischem Vorbild etablieren sollte – und vieles spricht dafür lesesn Sie die verlinkten Texte – dann gibt es eine ganz neue Machverteilung zwischen Schiiten und Sunniten, prowestlichen Regimen und sog. Schurkenstaaten.

    II. Der Irak unter Saddam war nicht nur eine brutale Diktatur, sondern auch einer der am stärksten säkularisierten arabischen Staaten. ( Vergleichen Sie mal die Rolle der Frau im Berufsleben in Saudi-Arabien und dem Irak vor zehn Jahren). Glauben Sie wirklich Maliki oder Al Sadr werden dies beibehaltzen – bzw. wieder herstellen?

    III. Zur Politik Obamas in den nächsten vier Jahren:

    1. Die USA sind pleite und große Teile ihrer Volkswirtschaft stehen vor dem Kollaps. Obama wird große Teile seiner Zeit und seines politischen Kapitals darauf verwenden müssen zu verhindern, dass die Banken zahlungsunfähig werden, dass die Autoindustrie pleite geht, dass die Kommunen kollabieren, dass der Immobilienmarkt zusammenbricht und dass der Verfall des gesamten privaten Konsums (nur ein Stichwort: Kreditkartenverschuldung) die Volkswirtschaft in eine
    Depression treibt. Wenn er für etwas keine Zeit hat, dann militärische Abenteuer.

    2. Er hat sich außenpolitisch in einem Punkt festgelegt: Afghanistan. Dasx bedeutet, dass er Truppen aus dem Irak abziehen muß (egal ob die irakische Regierung das will oder nicht), schlicht weil er keine anderen einsatzfähigen mehr hat und alle Träume von einem Ausbau der Strreitkräfte haben sich seit SEptember 08 erledigt. Das bedeutet, dass er an einer Stabilisierung der Lage im Irak UND in Afghanistan interessiert ist. Das letzte was er brauchen kann – ist Ärger mit dem Iran.

    3. Was das Nuklearprogramm betrifft: der Iran wollte VOR 2003 einen Interessenausgleich mit dem USA. Diesen hat Bush abgelehnt weil man ja mit Schmuddelkindern nicht spricht und weil er wohl wirklich an einen Domino-Effekt der Irakinvasion geglaubt hat. Wie gesagt: Inkompetenz und Größenwahn. Wenn der Iran Obama einen solchen Deal heute anbieten würde – würde dieser laut hier schreien, vorausgesetzt ein Bestandteil ist der Verzicht des Iran auf eine Destabilisierung des Irak in den nächsten Monaten.

    4. Meine Freude über den Abgang Bushs bezicht sich auf das Ende einen völlig inkompetenten Außenpolitik der letzten verbliebenen Supermacht, was sich gerade die europäischen Verbündeten angesichts der sich stapelnden Probleme nicht mehr länger leisten können. Die Handlungsrestriktionen für den neuen Präsidenten sehr ich sehr deutlich und erwarte deshalb keine Wunder, sondern allenfalls eine Trendwende.

    Sie sehen: gerade die Invasion des Irak und das verlustreiche Besatzungsregime seit 2003 hat eine effektive Eindämmungspolitik gegenüber dem Iran unmöglich gemacht. Aktuell ließe sich wohl höchstens eine Vereinbarung erreichen, dass der Iran auf eine agressive Expansionspolitik in der Region verzichtet, wenn die USA ihrerseits einen formellen Interventionsverzicht ausspricht. Selbst ein solches begrenztes agreement dürfte langwierige und schwierige Verhandlungen erfordern. Zumindest dafür hat die Bush-Adinistration gesorgt.

    Und damnit werde ich mich zunächst verabschieden. Sobald aber die irakische Regierung die offiziell die Islamische Republik Iraq ausruft melde ich mich noch mal mit einem Schlusskommentar. Bis dahin sollten Sie lernen, mit der neuen Realität zu leben.

  10. @nmr
    Was mich ja wunder ist, da Du ja immer so schoen alle Probleme der Welt moralisch einwandfrei und Gerecht loesen kannst,
    warum hat President Obama, die UN, die Politische Fuehrung der Eu etc. dich nicht angerufen und Dir einen Job angeboten?
    Du muesstest doch der meistgesuchte Mann(?) sein auf diesen Planeten?

  11. @Auslaender
    Das ist das BDS-Leiden ;-)

  12. @ alle

    Alan Posener hat in der Jüdischen Allgemeinen eine der besten Würdigungen von Bushs Vermächtnis in deutscher Sprache geschrieben, die ich überhaupt kenne:

    http://www.juedische-allgemeine.de/epaper/pdf.php?pdf=../imperia/md/content/ausgabe/2009/ausgabe04/08.pdf

    Ein absolutes „must read“! Schade nur, daß NMR das nicht mehr mitkriegt, weil er sich mal wieder verabschiedet hat. Aber was soll’s, morgen ist ja auch noch ein Tag. ;-)

  13. @Paul
    Nett! Aber jedes Gegenargument mit dem Party-Vergleich abzuwehren, macht den Posener Text eben nur zu einer „Würdigung“.

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