Krepiert ruhig, aber bitte leise!


Während Obama der Diplomatie eine neue Chance gibt, zeichnet sich in Israel ein Wahlergebnis ab, das die Region einem Krieg näher bringt.

Wohlgemerkt, hier werden allen Ernstes die israelischen Bürger als Schuldige eines möglichen Krieges genannt, nicht die iranische Atom- und Raketenrüstung oder das Versagen der internationalen Gemeinschaft, die nicht die friedlichen Mittel zur Kriegsverhinderung, sondern nur die Skala zwischen verschämtem Appeasement und unverhohlener Kollaboration voll ausreizen.

Alle Umfragen sehen zurzeit die rechtsnationale Likud-Partei und ihren Chef Benjamin Netanjahu als Sieger der Parlamentswahlen am 10. Februar.

Wie kommt das nur? Kann es vielleicht sein, daß sich die Israelis angesichts der beeindruckenden Ergebnisse der jahrelangen Verhandlungen mit dem Iran bei der Wahl zwischen dem nackten physischen Überleben und hübschen europäischen Gedenkstätten für die Opfer des nuklearen Holocaust ganz egostisch und unsensibel für ersteres entscheiden?

„Bibi“ selbst hat Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad mit Adolf Hitler verglichen.

Heißt das, wenn Achmadinedschad nur Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß wäre, könnte Entwarnung gegeben werden?

Zu seinen Kandidaten für die Knesset gehören Leute wie der ehemalige Generalstabschef Mosche Yaalon, der neulich ein Attentat auf Ahmadinedschad als Option bezeichnet hat.

Ein Attentat? Pfui Teufel! Das muß ja ein ganz schlimmer sein, der es da wagt, über Tyrannenmord nachzudenken, statt gleich prophylaktische Flächenbombardements der gegnerischen Bevölkerung zu fordern. Zum Glück hat der SPIEGEL da die Wertmaßstäbe noch mal zurechtgerückt.

~ von Paul13 - Donnerstag, 11. Dezember 2008.

11 Antworten to “Krepiert ruhig, aber bitte leise!”

  1. Vielleicht sollten die Israelis mal ein Buch von Christoph Bertram lesen oder alternativ den Artikel in Die Zeit (20.11.2008 Nr. 48).

    „Wenn auch Verhandlungen kaum vorangekommen sind, trifft die Schuld nicht vorrangig die Islamische Republik. Im Mai 2003 legte Iran den USA ein umfassendes Gesprächsangebot vor, das sogar die indirekte Anerkennung Israels in Aussicht stellte – die Bush-Regierung wischte es vom Tisch. Später unterbrach Iran vorübergehend die Anreicherung und gewährte der IAEA zusätzliche Inspektionen. Nennenswerte Gegenleistungen, vor allem seitens der USA, blieben aus, und der Iran zog seine Konzessionen zurück.“

    Also, wenn Sie als Jogger von einem Hund angefallen werden, geben Sie nicht dem Besitzer oder dem Tier die Schuld. Fragen Sie sich lieber, warum Sie keine Leckerchen dabei hatten.

  2. Besonders schön ist auch das hier:

    Die „gute“ Nachricht lautet: Bei der Entwicklung der Bombe selbst kommt es zu Verzögerungen.

    Gibt es irgendeinen Grund, „gute“ in Anführungszeichen zu setzen?

  3. Naja, Mr. Moe, vielleicht weil die Nachricht dann doch noch bedeutet, dass der Iran an der Bombe bastelt und das – gleich wie langsam es vor sich geht – nicht gut sondern maximal „gut“ ist?

  4. Ja, Herr Drungels. Sie haben ja Recht – das letzte ernsthafte Gesprächsangebot ist vom Mai 2003. Vermutlich wurde sogar ein Fehler begannen, indem man es nicht angenommen hat.

    Aber: Das Datum! Hallo! Mail 2003! Was war da wohl gewesen, dass die Ayatollahs gesprächsbereit waren? Sonnenschein in Europa? Frühlingsgefühle hierzulande? Entspurt in der Bundesliga? Na, was hat wohl den Ausschlag gegeben? Na,na?

    Ernsthaft: Mit GIs in Bagdad hätte ich auch ernsthafte Angebote gemacht. GIs im Nachbarland, die Botschaft versteht auch der durchgeknallteste Ayatollah. Im Gegensatz zu diplomatischen Floskeln.

    Grüße!

  5. @ Tobi: dein Denkansatz ist auf jedenfall richtig, so im nachhinein..

    fieser artikel im spiegel finde ich.
    und immer immer immer wieder frage ich mich woher dieser hass kommt und was es den leuten bringt die juden / israelis so zu hassen.

  6. Lieber Tobi, da haben Sie wohl den zarten Sarkasmus überlesen und meinen Kommentar missverstanden. Ich vergesse hin und wieder, dass Sie mein Jack Nicholsen-Grinsen ja nicht sehen können. Mein Fehler.

  7. @NEB

    Wirklich beantworten kann man diese Frage nicht. Antisemitismus und Judenvernichtung sind Selbstzweck. Was nicht bedeutet, dass man hilflos vor einem unergründlichen Phänomen stünde. Die Arbeiten von Adorno, Horkheimer, Leon Poliakov, Wilhelm Reich und Moishe Postone seien Dir empfohlen. Raul Hilberg, Dan Diner und natürlich Jean Amery als Ergänzung. Gerhard Scheit bietet überdies Einsichten zum aktuellen Weltkrieg gegen Zionisten, Amerikaner und andere Juden.

  8. @ Hedon
    Danke fuer die Empfehlungen, leider bin ich in Asien als Berufsschueler/Stdudent,
    da sind meine Ressourcen an Buecher ranzukommen nicht sehr gross.
    aber kann man nicht als grundlegend ansehen dass es sich um eine projizierung von hass auf andere handelt, weil die islamische religion bzw die faschistische ideologie (sowie fast jeder rassismus) bestimmte probleme nicht selbst bewaeltigen kann und darum einen suendenbock braucht ?
    denn das ist wohl der hauptgrund, einen suendenbock bzw ne art riesensandsack fuer frustration und aggression haben.
    egal dabei der grund, ob es wegen minderwertigkeitsgefuehlen weil man nicht gross und blond ist, weil man keine frau und keinen job bekommt oder oder oder

  9. @NEB

    Nein so kannst du es nun wirklich nicht sehen. Mit einem Lexikon-Artikel ist dir aber nicht geholfen. Also versuch ich mal einige Fehler anzumerken.

    Du kannst nur in streng psychoanalytischer Sprache von Projektion reden. Was da projiziert wird, reicht von Allmachtsphantasien bis hin zu dem „Sexualtrieb des Wilden“. Der Antisemit hält „Juda“ für übermächtig/allmächtig. Die Juden werden zunächst gar nicht verantwortlich gemacht, für ein gesellschaftliches Übel – also ein reales, wenn auch nur angebliches Verhalten/Handeln ihrerseits -, sondern für das was sie sind, glaubt man dem Antisemiten. Dies ist grundlegend für den rassistischen Antisemitismus. Zum Sündenbock können Juden erst gemacht werden, wenn die Mehrheit diese Übung schon vollzogen hat. Als solche stehen die Juden heute als Personifizierung alles Volksfremden und somit Falschen, Kranken und Entartetem am Kapitalismus dar, wovon jeder rote, braune und grüne Antikapitalist auf der Welt nur zu gern ein Liedchen singt.

    Dir scheint der Unterschied von Rassismus und Antisemitismus, nicht geläufig zu sein. Der zwischen islamischem- ,faschistischem- und nationalsozialistischem Antisemitismus auch nicht. Diesen muss man aber kennen, um die spezifischen Gemeinsamkeiten zu verstehen: Die Ausrottung aller Juden, samt ihrer Helfer, weltweit. Genau so auch des „jüdischen Prinzips“, womit gemeinhin einfach der Westen gemeint ist.

    Aus diesem Sätzen sollte auch klar werden, warum es sich verbietet vom jüdischen Punchingball zu reden, obwohl es ja stimmt, dass (ökonomische) Krise und antisemitischer Wahn zusammenfallen.

    Minderwertig fühlt sich der Antisemit – kollektiv, wie ganz persönlich – von der jüdisch kontrollierten Welt behandelt.
    Der Knick in der eigenen Biographie, das Versagen und schon es nur zu fürchten, sind sicher wichtige Ursachen. Soweit es den einzelnen Antisemiten angeht jedenfalls.

  10. Wahlen lösen keine Kriege aus, Wahlen SIND Kriege!

  11. […] „unsachlich“, aber vollkommen richtig kommentiert Paul13 von No Blood for Sauerkraut ein SPIEGEL-Stück aus dem […]

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