Neulich, im Proseminar „Literatur und Weltpolitik“…


Wer möchte noch was zu George Bush sagen? Ja, hier, der Herr in der dritten Reihe:

Seine Fans verehren Neal Stephenson als Prophet, sein Buch „Snow Crash“ gilt als Science-Fiction-Klassiker, sein neues Werk landete prompt auf Platz eins der US-Bestsellerliste. Mit SPIEGEL ONLINE sprach der Kultautor über prophetische Bücher, George W. Bush – und seinen Facebook-Doppelgänger.

Wer immer Neal Stephenson ist, er muß offensichtlich ein wichtiger Mann sein, wenn SPIEGEL online ihm ein Interview gewährt. Und wer sich über George W. Bush äußert, ist ja automatisch ein wichtiger Mann, zumindest solange er das nicht positiv tut. Da wollen wir nach diesem vielversprechenden Aufmacher mal hören, welch neue Erkenntnisse über den US-Präsidenten uns denn Herr Stephenson mitzuteilen hat:

„Dieses Buch, „Interface“, ist offenkundig Satire. Es gibt darin eine Technik, die das Gehirn des Präsidenten direkt mit Umfrageergebnissen koppelt. Natürlich passieren dadurch verrückte, komische Sachen. Wäre George W. Bush an so ein System gekoppelt gewesen, würden ihn heute alle lieben, seine Politik wäre sehr populär. Aber bei ihm hat das nicht geklappt.“

Aha.

Und damit war’s das auch schon zum Thema Bush. Aber schön, mal darüber gesprochen zu haben. Das entscheidende ist ja ohnehin bereits gesagt: Wer ein Buch von Neal Stephenson kauft, kauft ein Buch von jemandem, der George W. Bush nicht sonderlich mag. Wer also noch nicht so genau weiß, was er seinen Lieben unter den Weihnachtsbaum legen soll: „Interface“ wäre ein ganz heißer Tip. Wirklich.

Und bis dahin trösten wir uns damit, daß die USA jetzt einen Präsidenten bekommen, bei dem die Kopplung mit den Umfrageergebnissen zweifellos ganz hervorragend klappt. Selbst dann, wenn die Ergebnisse der einzelnen Umfragen absolut widersprüchlich sind.

~ von Paul13 - Donnerstag, 4. Dezember 2008.

22 Antworten to “Neulich, im Proseminar „Literatur und Weltpolitik“…”

  1. Sach ma Paul, der Stephenson hat jetzt aber wirklich nichts böses gesagt und Du drischst hier drauf los. Was ist denn mit Dir los? Krieg Dich mal wieder ein, Du verbitterst ja total hier.

  2. Richtig, Stephenson hat echt nix schlimmes gesagt. Und, Paul, Stephenson ist ein hervorragender Autor und insbesondere „Cryptonomicon“ lege ich dir hiermit ans Herz; da gibt es Passagen, die dir sehr gefallen dürften und die ich, auch wenn sie ein Protagonist spricht, durchaus als Ansicht des Autors gelten lassen würde… sollte noch nciht zu spät für einen Weihnachtswunsch sein, gibs inzwischwen als Taschenbuch, 19,90 oder so…

  3. @ Daniel

    Ich hab mich hier auch weniger über ihn geärgert als über den SPIEGEL, der in der fettgedruckten Einleitung den einen Satz als „sprach über George W. Bush“ hervorhob, wobei sich ohnehin die Frage stellt, ob es irgendeine Relevanz hätte, was ein Science-Fiction-Autor dazu zu sagen hätte.

    Wobei ich Stephensons Aussage auch nicht so brilliant finde, aber weniger wegen überbordender Kritik an Bush als deswegen, weil er so tut, als ob es seit neuestem eine Tugend wäre, wenn ein Politiker nur nach den Umfragen schielt. Ich glaube jedenfalls nicht, daß er Bush damit loben wollte.

  4. @ Bruno

    Vielleicht würden mir seine Bücher sogar gefallen. Aber mir gefällt auch die Musik von John Watts, und trotzdem würde ich ihn nur ausgesprochen ungern in politischen Fragen zu Rate ziehen.

  5. @ jekyllandhyde

    Jekyllandhyde? Wie süß!

  6. Naja, den Spiegel lässt Du hier aber besser wegkommen als den Stephenson. (Dabei könne ich bei der Spiegel-Attitüde „He-Sie-kommen-doch-aus-Amerika-wie-schlecht-denken-Sie-über-Bush? auch kotzen) Und der Stephenson lässt den Bush sogar seht gut wegkommen. Im Gegensatz zum umfrage-gesteuerten Zombi-Präsi in seinem Buch, dem komische Sachen passieren, hat der sich nicht von Popularität leiten lassen. Das GWB heute populärer wäre wenn er nicht gemacht hätte was er sondern was alle wollen, das bestreitest Du ja (wohl) nicht. Ich sehe das Problem nicht, nur einen verbitterten alten Paul ;-)

  7. @ Paul

    Bei allem Verständnis für den neokonservativen Phantomschmerz der letten Wochen. Wollen Sie wirklich diesen Schwachkopf verteidigen:

    http://abcnews.go.com/WN/Politics/Story?id=6354012&page=1

  8. @Paul
    Neal Stephenson hat mit Snow Crash ein ziemlich gutes Buch geschrieben. Ich habe sein neuestes Buch nicht gelesen, teile aber Daniels Einschätzung aus dem letzten Kommentar: Ein umfragenhöriger Präsident ist sicher nichts, was S. für wünschenswert erachten würde.

  9. @Paul

    Der Vergleich mit Tom Waits hinkt aber etwas, da Stephenson ein eminent politischer Autor ist (Science-Fiction ist ja generell ein politisches Genre, in dem es größtenteils nur peripher um Technik an sich geht; darüber hat nicht zuletzt der gute Irving Kristol was schönes geschrieben). Vielleicht poste ich ja mal ein paar entsprechende Passagen, vorauasgesetzt ich kriege mal wieder ein Exemplar in die Hände, meines habe ich verliehen und nie wieder bekommen…

  10. @ Bruno

    Nein, nicht Tom Waits, bloß nicht! Was ich von dem gehört habe, möchte ich kein zweites Mal über mich ergehen lassen müssen. John Watts war der Mann hinter Fisher Z, und der ist sogar sehr politisch.

    Die „Red Skies Over Paradise“ war ein Meisterwerk antiwestlicher Agitation, aber eben auch ein Meisterwerk. Wohl selten kamen NATO, Nachrüstung und Kapitalismus so bedrohlich rüber wie bei „Cruise Missiles“, „Battalions of Strangers“ und „Multinationals Bite“ und klangen dabei gleichzeitig so klasse.

    Aber bevor Du mich falsch verstehst: Ich will Stephensons Verdienste um die Literatur in keinster Weise schmälern, ich kenne sie ja nicht einmal.

    Aber es geht mir auf die Nerven, wenn jeder gefühlte Intellektuelle zu George Bush befragt wird, als ob jemand, nur weil er irgendeine Art von Künstler ist, besonders viel Ahnung von weltpolitischen Fragen hätte. Bisher hatte ich eher das Gefühl, daß es umgekehrt ist. Und damit meine ich nicht nur Günter GraSS.

    Und wenn man das dann wie der SPIEGEL noch groß angekündigt, obwohl es nur um eine eher nebensächliche Bemerkung des Interviewpartners geht, dann darf man sich nicht beklagen, wenn sich meine Begeisterung in Grenzen hält.

  11. @ David Harnasch

    Also wie ein Lob-Bush klang das aber nicht in meinen Ohren. Aber gut, wenn er Bush-Fan ist, dann will ich meine Kritik an ihm gerne zurücknehmen. Die am SPIEGEL bleibt dann aber trotzdem.

  12. @ NMR

    Schön daß ich Dich dran hab: Gibt’s eigentlich schon einen Termin, wann der von den Netroots gestellte Verteidigungsminister die Kapitulationsurkunde gegenüber den Terroristen im Irak unterzeichnet?

  13. @ Dr. Jekyll

    Alleine um Dich zu ärgern muß ich ja schon weitermachen.

  14. Ja Paul es ist schon ein Elend fuer die Obama Juenger das der Change nicht kommt, da kann man schon mal ein bischen Irre werden so wie unser nmr oder auch der Allseitsbeliebte Troll Rene.
    No change no hope!

  15. Ooops, ja peinlich, Freudscher Verleser – ich mag Tom Waits nämlich. Aber egal, was ich meinte, ist, daß Stephenson eben nicht nur ein politischer Autor ist, sondern mit dir auch z.T. durchaus auf einer Wellenlänge liegt. Daß man Künstler, egal ob Schriftsteller, Schauspieler, Musiker oder wasweißich, nicht unbedingt als politische Vorbilder nehmen muß – d’accord, dazu hat dein Kollege Harnasch mal wat Nettes gepostet: http://www.senordaffy.de/?p=1284

  16. @ Re… äh, Dr. Jekyll

    Wie willst Du mich denn ärgern?

    Wie ich schon sagte, indem ich weitermache. ;-)

  17. @ Paul

    Wieso? Die hat die Bush-Administration doch schon unterzeichnet:
    – innerhalb von 6 Monaten Rückzug in die Kasernen ( FOBs = forward operating bases)
    – innerhalb von maximal 2 Jahren bedingungsloser Rückzug – no more american bases.

    Oder wie ich bereits gesagt habe: declare victory and run …

  18. @ Paul

    for more read here:
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7767665.stm

  19. @ NMR

    Ist eben nicht jeder so ein brillianter Stratege wie Du, der auch nach dem Sieg unbedingt noch mit dem Panzer durch friedliche Parkanlagen brettern möchte, weil er sonst nicht glaubt, daß er gewonnen hat. Du meinst ja vermutlich auch, daß die Ostmark die Alliierten 1955 dann doch besiegt hat.

  20. @ Dr. Jekyll

    Deswegen forderst du ja auch andeuernd, daß ich endlich mein Blog schließe. Du amüsierst Dich einfach nicht gerne.

  21. Amüsanter Artikel von Maxeiner: George W. Bush, „von den Vereinten Nationen zum „Sonderbotschafter des Bösen“ ernannt“ :-)
    http://debatte.welt.de/kolumnen/14/maxeiner+und+miersch/102242/ein+platz+fuer+george+w

  22. @ Chewey

    Köstlich!!!

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