Flotten aller Welt, vereinigt Euch


Mit aller Macht gegen die Freibeuter: Die Bundeswehr geht einem Zeitungsbericht zufolge davon aus, dass im Kampf gegen die Piraten vor Somalia eine gigantische Armada von Kriegsschiffen nötig ist. Die Deutschen halten 500 Schiffe für angemessen – derzeit sind es nur 15.

Aber sonst geht’s noch, oder? Sofern da nicht irgendjemand versehentlich eine Null zu viel gedruckt hat, wird beim Bund offenbar das falsche Kraut geraucht. Nach dieser Logik könnte auch der Innenminister fordern, die Zahl der Polizisten auf 5 Millionen aufzustocken, um der Kriminalität Herr zu werden. Und jeder Mensch, daß er fliegen könnte. Und Phil Collins, daß ihm mal wieder ein origineller Song einfallen würde.

Statt hier Luftschlösser zu bauen, sollten die verantwortlichen Herren, die diese irrwitzige Zahl in die Welt gesetzt haben, ihren Job machen und mal spaßeshalber die derzeit auf diesem Planeten verfügbaren Überwassereinheiten in der Größenordnung einer Korvette aufwärts addieren. Dann würde ihnen auffallen, daß alle Staaten der Welt zusammen nicht wesentlich mehr Kriegsschiffe in dieser Größenordnung besitzen.

Aber selbst wenn dann alle Länder – verfeindet oder nicht – den Großteil ihrer Seestreitkräfte am Horn von Afrika stationiert haben, was machen solange die Piraten in der Straße von Malakka? Urlaub? Ok, man könnte natürlich auch noch die Schnellboote hinterherschicken, aber wer kümmert sich dann um das eigentliche Kerngeschäft einer Kriegsmarine, den Schutz der eigenen Küsten und Seewege oder gar das Inszenieren zünftiger Seeschlachten?

Vielleicht sollte man angesichts der Herkulesaufgabe, mit ein paar Schlauchbooten voller zerlumpter Kalaschnikowträger fertigzuwerden, lieber die weiße Flagge aufziehen und die prachtvollen, vom Steuerzahler mit Milliardenbeträgen finanzierten Raketenkreuzer und Flugzeugträger beim Anblick eines Totenkopfwimpels am Horizont am besten gleich selbst versenken. Das spart wenigstens Blut, wenn auch nur das der Piraten.

Nur, wozu braucht man für solche Erkenntnisse noch die Bundeswehr? Auf so was kommen notfalls auch Friedensforschungsinstitute oder die Redaktion der Sesamstraße.  Und die sind weit billiger.

~ von Paul13 - Donnerstag, 27. November 2008.

16 Antworten to “Flotten aller Welt, vereinigt Euch”

  1. Nur haben die Grunsaetzlich nicht ganz unrecht, der Seeraum dort ist Gigantisch. Alternative waere da hoechstens ein Traegerverband der ensprechend zuschlaegt sobald was verdaechtiges zu sehen ist. Also garantiert keine „Polizeiarbeit“.
    Spannend finde ich ehr das ausgerechnet die Bundesmarine mit ihren Ostseefaehigkeiten aus den tiefen 70ern (deren Boote zum Teil im Rucksackverahren dort hingebracht werden muesste) hier so einen auf Dicke Hose macht wenn sie selbst nicht mal einen Bruchteil der Faehigkeiten stellen koennte.

  2. 500 Schiffe sind dennoch Maßlos übertrieben. Aber das passt ins Biild. 1400 Soldaten auf Handelsschiffen sollen ja auch noch kommen, da scheint jemand mal ein bißchen rumzutesten, was man so einem Berliner-Zeitungs-Redakteur alles unterschieben kann…

  3. @ Auslaender

    Ganz genau. Wenn man sich anschaut wie viele Mühen die Bundesmarine hatte, eine Handvoll Schnellboote gerade mal ins Mittelmeer zu verlegen, ist diese Forderung wirklich lächerlich.

    Wenn ausreichend luftgesützte Seeüberwachung inkl. Strike-Kapazitäten vorhanden wäre, käme man schon mal mit viel weniger aus. Ein Flugzeugträger oder entsprechende landgestützte Kräfte würden bereits viel ausmachen. Aber damit ist eben nicht ein einzelner altersschwacher Atlantic-Seeaufklärer gemeint.

    Auch können die mir nicht erzählen, daß man für die Überwachung einer Schiffahrtsroute von weniger als 1000km Länge so viele Schiffe braucht. 15 ist sicher zuwenig, aber 500? Was wollen die damit machen? Alle paar Kilometer eine Fregatte mit 200 Mann als bewaffnete Boje vor Anker gehen lassen?

    Und wenn es wirklich so schlimm wäre, könnten sie die Tanker auch mit einem Bruchteil der Kräfte in Konvois durch den Golf von Aden geleiten. Wenn sie dann noch die Landbasen der Piraten zerstören, sehe ich nicht, was die 500 Schiffe sinnvoll machen sollen.

    Aber vielleicht wollte da auch nur jemand dem Finanzminister auf etwas umständliche Weise das Budget für wenigstens 3 oder 4 der 500 Schiffe aus den Rippen leiern. ;-)

  4. @ Paul

    „Wenn sie dann noch die Landbasen der Piraten zerstören“

    Na, du bist gut. Wenn ich mir das folgende so durchlese, ist der Fregattenkapitän gut beraten, alleine zum Kampfauftrag einen Völker- und einen Strafrechtler, einen Richter des Bundesverfassungsgerichts und seinen persönlichen Anwalt mit an Bord zu nehmen. Plus genug Kaution für alle Fälle ;-)

    Besonders nett ist: „Womit die paradoxe Situation entsteht, dass die Grenzpolizei See die Befugnis, aber nicht die Mittel und nicht die örtliche Präsenz hat, und die Marine die Mittel und die örtliche Präsenz, aber nicht die Befugnis. Ein Beispiel dafür, dass sich eine heute bestehende Gefahrensituation mit dem hergebrachten begrifflichen Handwerkszeug der äußeren und inneren Sicherheit, der Aufteilung nach Polizeiarbeit und Militäraufgabe nicht mehr erfassen lässt.“

    http://www.marineforum.info/DAUERBRENNER/Piratenresolution/piratenresolution.html

  5. @ Chewey

    Das Paragraphendickicht müßte diesbezüglich sowieso mal ausgedünnt werden. Falls das nicht geschieht, würden auch 5000 Schiffe nicht helfen.

    Wobei sich mir sowieso nicht so richtig erschließt, wo an der Bekämpfung der Piraterie, in internationalen Gewässern zumal, das juristische Problem liegen soll. Wenn das kein Fall für’s Militär ist, was dann?

    Und wenn’s ein Fall für’s Militär ist, dann gibt’s beim Einsatz von Kriegswaffen durch die Piraten auch keine Diskussion um die Befugnisse mehr. Wer meint, ein 3000t-Kriegsschiff mit einer Panzerfaust angreifen zu müssen, ist selbst schuld.

  6. 3 Regimenter Marines + Strike group und das Problem wäre in 2 wochen gelöst. Nix wirkt so gut gegen Bedrohungen durch Seekräft wie ein Landungsunternehme.

  7. @Paul
    Die Piraten könnten hervorragend als Übungsziele dienen ;-) Da würde dann aber wieder irgendeiner kommen und von Völkerrecht und GC schwafeln. Es gibt bestimmt einige nützliche Idioten, die diese Verbrecher verteidigen….

  8. gibt es allerdings!
    habe (leider link verschlampt) bei ner deutschen zeitung
    oder wagazin gelesen : „(sinngemaess)so schlimm is das doch alles nicht, kurbelt da im armen somalia die infrastruktur an ! und ausserdem, die lieben moslem-milizen regulieren dass doch langsam ein bisschen, oder ? “
    da musste ich mich erstmal an den kopf fassen, dass irgend ein deutscher redakteur die gelegenheit nutzt um Kriminelle (bei extra 3 (NDR) ein Beitrag: „the foreigners fished our fish, now we have now food, so we fish their boats“

  9. offtopic,
    habe grade eine erfreuliche nachricht betreffs irak gelesen in der South China Morning Post:
    (war nur n vierzeiler am rand)
    WOMEN TURNED IN
    14 Women in Iraq tuned themselves
    over to American Forces. The group of
    women fled from Islamic terrorists,because
    they did not want to commit suicide bombings“

    gute sache, finde ich.
    stehts in Deutschland auch in der Zeitung?

  10. @ Paul

    Eines der diversen Rechtsprobleme ist wohl Artikel 87a Grundgesetz: „Außer zur Verteidigung dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdrücklich zulässt.“
    D.h. wenn die Piraten nicht so dusselig sind wie letztens bei dem indischen Kriegsschiff und eine deutsche Fregatte direkt angreifen, dann dürfen die Deutschen eben nur zugucken. Es gibt aber inzwischen auch schon einige, die das anders sehen. Ich hätte als Kommandant aber auch keine Lust, mir bei einer unklaren Rechtslage die Finger zu verbrennen.

  11. Ich würde draufhalten, komme was wolle. Erst schießen, dann fluchen und dann erst denken. Es ist Krieg, ich bin auf See und habe die Verfügungsgewalt über ein 76mm OTO Malera Geschütz, da führt eines zum anderen. Anwälte? Hey, ich bin vor Somalia und nicht in Brüssel.

  12. Ich wäre schon ein Irrer Kapitän. Ich würde net nur draufhalten, sondern auch diese Hurensöhne verfolgen, denn das ist militärisches Standardprozedere. Nach jedem Angriff Coastal Bombardment. Zusätzlich zum versenktem Piratenkahn. Aber das versteht sich ja von selber.

  13. @analytics
    Versteh‘ ich. Ich möchte auch lieber Pirat sein.

  14. @ daniel

    Ich glaube, Analytics möchte lieber Piratenbekämpfer sein.

  15. Genau Chewey Junge. P.S.: Mail dir gleich, die woche war hart. Sehr hart.

  16. @Analytics
    Du bist mir ja ganz ein harter.

    Tja, das ist Pech: erst fischt man den Westafrikanern die Küste leer und das undankbare Gesindel revanchiert sich, indem es Flüchtline nach Europa schleust.
    Jetzt fischt man den Somalis die Küste leer(jaja, failed states haben auch ihre Vorteile) und verklappt by the way noch ein bisschen Gift und das undankbare Gesindel bedankt sich, indem es genau an den Arsch fasst an dem es abgewischt wurde.

    Wobei so manche ausländischen Schiffe gar nicht am Thunfisch interessiert sind. Als der Tsunami im Dezember 2004 die somalische Küste erreichte, spülte er radioaktiv verseuchten Unrat, Chemikalien und Schwermetalle an die Strände im Norden des Landes – Giftmüll aus den Industrieländern, der nach Angaben der UN-Umweltorganisation Unep jahrelang vor der somalischen Küste illegal verklappt worden war.

    Piraterie erzeugt Piraterie: Die somalischen Fischer bewaffneten sich, griffen die großen Fischtrawler an, verlangten »Zölle« und »Steuern« und kaperten die ersten Boote, die gegen Lösegeld wieder freigegeben wurden. Eine Geschäftsidee war geboren. Aus Fischern wurden Seeräuber.

    http://www.zeit.de/2008/49/Piraten

    Und dass ausgerechnet Deutschland als Exportweltmeister hunderte von Kriegsschiffen nach Somalia schicken will, ist nicht verwunderlich und auch, dass man in der Eile schon mal das Zählen vergisst.

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