Zu viel T getrunken


Die Verhaftung des Militärchefs der Eta in Frankreich schwächt die in Hardliner und Pragmatiker gespaltene Terrororganisation weiter. Doch auch nach der Ergreifung von „Txeroki“ ist die Bande noch nicht besiegt – zumal jetzt offenbar auch im Ausland getötet werden darf.

Na, da muß sich in unserem Redakteur in all den Jahren ja ganz schön was aufgestaut haben, so freigiebig wie hier mit den verschiedensten Variationen des T-Worts in um sich geworfen wird. Gleich ein Dutzend mal ist in diesem Artikel von den „Terroristen“ und dem „Terrorchef“ einer „Terrorbande“, „Terrororganisation“ oder „Terrorgruppe“ sowie ihren „Terroranschlägen“ die Rede. Nicht schlecht für eine kleine Fanatikertruppe, die es im knappen halben Jahrhundert ihres Bestehens mit Mühe und Not geschafft hat, im Schnitt ein bis zwei Menschen pro Monat zu ermorden, und das auch nur, wenn man den Kampf gegen die Franco-Diktatur recht kühn unter der Kategorie Terrorismus einsortiert.

Aber nachdem der beim SPIEGEL in der Nahostberichterstattung aufgelaufene Überschuß an Ts jetzt endlich erfolgreich unter die kritische Schwelle abgebaut wurde, kann man beim Überschütten afghanischer Mädchen mit Säure wieder weiter von Aufständischen reden, entführte westliche Geiseln werden von ganz normalen Rebellen geköpft, beim Bombenanschlag auf einen Wochenmarkt in Bagdad steckt nur der Widerstand dahinter, im Libanon kämpfen die üblichen Milizionäre gegen die Besatzung Tel Avivs, Raketen werden wie früher von Aktivisten auf den Kibbutzkindergarten abgefeuert, und behinderte Jugendliche bekommen ihre Sprengstoffgürtel beim traditionellen Militanten um die Ecke.

Und wenn sich dann doch irgendwann wieder die Ts im Setzkasten stapeln, hat bis dahin sicher die IRA irgendwas angestellt.

~ von Paul13 - Dienstag, 18. November 2008.

27 Antworten to “Zu viel T getrunken”

  1. Herzhaft gelacht und vor lauter Kopfnicken fast ein Schleudertrauma provoziert – Danke!

  2. Volltreffer. Versenkt.

  3. Krieg, Partisanenkampf, Attentate, Anschläge gegen Einrichtungen richten sich direkt gegen die Staatsgewalt.

    Der Terror von unten, der eine Staatsgewalt zermürben will, richtet sich immer nur gegen eine Staatsgewalt, die durch die Angst der potenziellen Terroropfer tatsächlich beeinflusst werden kann.
    Die IRA, ETA, PKK und PLO waren militante nationalistische Bewegungen. Terror wurde von diesen Bewegungen als Mittel erkannt, den Staat, der in Verfassungsstaaten den Willen seiner Bürger repräsentiert, zu beeinflussen.

    Eine weiter grundlegende Institution der demokratischen Rechtsstaaten nämlich die freien Medien spielten für das Entstehen des Terrors von unten eine wichtige Rolle.

    Gegen Diktaturen wurde Terror durch Widerstandsgruppen kaum angewendet, weil es keinen Sinn machen würde, Bürger zu beeinflussen, die ohnehin keine Relevanz für die Willensbildung der Staatsgewalt haben.

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2008/07/15/islam-islamismus-terror-und-pk/

  4. @ aron2201sperber

    Gegen Diktaturen wurde Terror durch Widerstandsgruppen kaum angewendet, weil es keinen Sinn machen würde, Bürger zu beeinflussen, die ohnehin keine Relevanz für die Willensbildung der Staatsgewalt haben.

    Wichtiger Hinweis, auch wenn er nur deswegen funktioniert, weil es in Demokratien von nützlichen Idioten nur so wimmelt, die sich von sowas beeinflussen lassen und den Terror damit für die Terroristen überhaupt erst attraktiv machen. Wenn Die Terroristen wüßten, daß niemand auf diese Trottel hört, würden eine Menge Menschen in Afghanistan und im Irak noch leben.

  5. @Paul
    Nicht ganz richtig. Terroristen streuen schlicht Angst unter denen, die die Regierungsgewalt beeinflussen. In der Regel löst Terror Gegenterror aus. Harte Reaktionen auf harte Angriffe. Das endet in der Gewaltspirale die die Seite gewinnt, die entschossener ist und das ist in der Regel der Ursprungsterrorist.

  6. Ziel des islamistischen Terrors ist es gewesen, zu polarisieren. das ist zum Teil gelungen:

    durch die Angriffe und die Gegenangriffe wurde Amerika weltweit gehasst wie noch nie

    Aber Dank dem entschlossenen Handeln Amerikas konnte das wesentliche Ziel der Terroristen nicht erreicht werden – Angst vor den Muslimen zu schüren und damit die Gesellschaft zu spalten.

    Amerika ist eine gesunde Gesellschaft geblieben, in der ein Mann mit dem Namen Barack Hussein Obama zum Präsidenten gewählt werden konnte.

  7. Wahrlich. Dass ein Mann der kein Moslem ist und nie einer war zum Präsideten gewählt wird beweist, dass merika keine Angst vor Moslems hat…

  8. @ daniel

    „Das endet in der Gewaltspirale die die Seite gewinnt, die entschossener ist und das ist in der Regel der Ursprungsterrorist.“

    Wenn das so wäre, hätte Amerika im Irak keine Erfolge erzielen können.

  9. Nordirland? Da haben sich die ganzenn Widerstandsgruppen jeglicher Farben mehr oder weniger aufgeloest oder sich zu profanen Kriminellen entwickelt.

  10. spieglein an die wand..
    es ist doch wirklich kaum zu glauebn.
    ein absoluter volltreffer, wenn ichs ueberdenke !
    alle anderen terroristen/kindermoerder sind nur verzweifelt weil es im gazastreifen zu wenig munition .. ehm natuerlich brot und strom gibt und dafuer zu viele schulen in irak und afghanistan.
    dqarum muessen EU, USA und israel dran glauben!

  11. Amerika hat im Irak Erfolg, weil sie mehr Truppen geschickt haben. Ob sie das weiter tun steht aber ebnso in den Sternen wie die Frage im Raum, ob die irakische Regierung arg stabil bleibt wenn die Truppen irgendwann mal abgezogen sind.

  12. @ daniel

    Was wäre denn ein Beispiel dafür, dass die Seite der „entschlossenen Ursprungsterroristen“ gewonnen hätte?

  13. Der Gaza-Streifen

  14. @ daniel

    Nun ja. Verfolgen die nicht als Ziel eine Ein-Staaten-Lösung in ganz „Palästina“ oder so ähnlich?

  15. Naja, sie haben die PLO und die anderen Otternasenfresser aus dem Gaza-Streifen vertrieben.

  16. … und stehen jetzt abgesehen von ein paar Loonies im Westen vollkommen isoliert da, halten die eigene Bevölkerung in Geiselhaft und sind von ihren politischen Zielen (hoffentlich) weiter entfernt denn je. Das wäre eher ein Beispiel dafür, dass man mit Terrorismus zwar Clankriege ausfighten kann, aber nicht gegen zivilisierte Gesellschaften ankommt.

  17. Zivilisierte Gesellschaften halte ich as Kategorie für völlig unangebracht und sinnlos hier. Gegen Israel, die mit dem Rücen zur Wand stehen, kommen sie natürlich nicht an. Bringen die aber dazu, sich sich Finger massiv schutzig zu machen und keine gescheite Rgierung mehr zu billden.

  18. @ daniel

    „Bringen die aber dazu, sich sich Finger massiv schutzig zu machen […]

    Sehr eigenartige Kategorie bringst du hier ins Spiel. Wenn man dich angreift und du dich verteidigst, dann „hat man dich dazu gebracht, dir die Finger schmutzig zu machen“? Tja, wenn du es nicht widerstandslos über dich ergehen lassen willst, musst du das wohl tun. Aber was lehrt uns das?

    „[…] und keine gescheite Rgierung mehr zu billden.“

    Hamas „bringt Israel dazu, keine gescheite Regierung mehr zu bilden“? Halte ich für ein Gerücht. Und zwar für ein haltloses.

    „Zivilisierte Gesellschaften halte ich as Kategorie für völlig unangebracht und sinnlos hier.“

    Den Begriff „zivilisierte Gesellschaft“ halte ich für völlig angebracht in Abgrenzung zu einem Regime, welches „Abweichler“, „Verräter“ und „Kollaboratöre“ auf der Straße niederschießt, möglichst noch inklusive der Angehörigen oder von Hochhäusern herunterstößt, welches Behinderte mit Sprengstoffgürteln losschickt und und und… Wenn das nicht „unzivilisiert“ ist, dann weiß ich nicht was. Falls du dich an dem Begriff „Gesellschaft“ störst: Ich habe noch keine Stimmen aus der dortigen Bevölkerung gehört, die sich ein Ende dieser „Politik“ gewünscht hätten.

    Ich fasse zusammen: Deine Behauptung „Das endet in der Gewaltspirale die die Seite gewinnt, die entschossener ist und das ist in der Regel der Ursprungsterrorist.“ ist in genau einem Beispiel geeignet, den Machtkampf zwischen zwei islamistischen Clangruppen zu charakterisieren. Das hätte allerdings nichts mit den von Paul genannten Fällen zu tun.

  19. Nö, wenn Israel meinte seine Existenz durch Kollektivstrafen, militärische Gewalt gegen Unschuldige und aggressive Expansion auf Kosten unbeteiligter zu beschützen, dann finde ich, machen sie sich die Finger schmutzig. Weil ich ihnen das weder verübeln kann noch sie dafür irgendwie in Kritik nehmen will, halte ich „zivilisierte Gesellschaft“ für eine sinnlose und unbrauchbare Kategorie, weil ich jemanden, der seine schiere Existenz verteidigt, nicht an Maßstäben wie „Zivilisation“ messen werde. Denn natürlich scheitern die dann dran wenn man weiß, dass sie auch mal Kinder über die Klinge springen lassen oder ein Wohnhaus mit Bewohnern und mit ohne Terroristenn plattmachen.
    Es geht halt nicht anders. Deswegen will ich den Maßstab nicht anlegen. Nur nur weil sie auf dem Weg überleben, werden sie das Problem aber eben nicht los. Das ist mit „Gewaltspirale“ gemeint. Das weiß man in Israel aber auch – ich glaube die Frau mit der Handtasche hat sinngemäß gesagt, man werde so lange um seine Existenz kämpfen wie die Paalästinenser die Juden mehr hassen als sie ihre Kinder lieben. Völlig richtiger Satz und bemerkenswert weitsichtig – was aber bei ihr nicht überrascht.
    Und was die Regierung angeht: Krisen sorgen dafür, dass Radikale in die Nähe der Macht gelangen und das erschwert es, stabile Verhältnisse herzustellen. Ist überall so, auch in Israel, frag‘ mal Frau Livni.

  20. Sicherheitsmaßnahmen sind keine Kollektivstrafen

    Unschuldige Zivilisten waren nie das Ziel israelischer Angriffe, auch wenn immer wieder Unschuldige getötet werden, hinter denen sich Hamas & Co verstecken

    Agressive Expansion haben zunächst einmal die arabischen Staaten gegen Israel betrieben – Gaza und das Westjordanland sind keineswegs die einzigen Gebiete auf der Welt die nach einem Krieg wem anderen zufielen

    bin auch für eine pragmatische Lösung mit einem funtionierenden Palästinänserstaat – diese besonderen moralischen Ansprüche Israel gegenüber nerven aber gehörig

    Wieso sind wohl ausgerchnet die Deutschen Meister in der Disziplin „Israelkritik“?

    für die Sudetendeutschen trauen sie sich nicht Partei zu ergreifen, weil sie dann „rechts“ wären. Ich empfehle ihnen die Kurden: die haben im Gegensatz zu den Arabern keinen einzigen Staat – die sind ihnen aber wohl genauso wurscht wie die Palästinänser, wenn diese nicht ausgerechnet mit Juden um ein enges Stück Land streiten würden.

  21. OK, das ist mir jetzt zu kompliziert. Ich kritisiere Israel nicht, werde abeer mit Israelkritikern und „Israelkritikern“ in einen Topf geworfen was bedeutet, dass ich, wenn ich auf die Kritik antworte, zu einer der Gruppen gerechnet werden kann und damit aus der Debatte ausgeschlossen werden muss.
    Aron, sonst klappts aber noch so ganz gut, oder?

  22. Ich meine das wirklich nicht persönlich, aber das erinnert mich an die Leute, die erklären:“ich habe nix gegen Ausländer“, um im nächsten satz loszulassen, was sie gegen Ausländer haben.

    Nur weil du sagst „ich kritisiere Israel nicht“ bist du kein Israelkritiker?

  23. Nö, is klar. Nur weil ich Israel nicht kritisiere bedeutet das nicht, dass ich Israel nicht kritisiere. Macht ja auch Sinn. Kürzt man nämlich die verräterischen „nichts“ raus, dann steht da: „Nur weil ich Israel kritisiere, bedeutet das, dass ich Israel kritisiere“. Mannomann, wenn Henryk M. Broder bis drei zählen könnte, könnte das glatt von ihm stammen…
    Mal im Ernst: Was mach‘ ich grad‘ eigentlich verkehrt dass ich mit Anführungszeichen angeführt werde und an „Leute“ erinnere…???!!!Einself

  24. Zivilisation und zivilisiert sind IMO schon kategorien die aufgeführt werden müssen, wenn es um Konflikte geht, an denen zivilisierte gesellschaften beteiligt sind; desweiteren müssen meiner meinung nach natürlich die mittel nicht absolut sondern kontextabhängig betrahtet werden.

    Meineserachtens ist eine abwehrmassnahme einer zivilisierten gesellscheft solange zivilisiert als dass sie ein mittel wählt, das mit sicherheit dazu führt die bedrohende barbarei abzuwenden, ohne dabei jedoch viel zu weit über das notwendige mass an repression und gewalt hinauszugehen. Das hat israel bisher mehr oder weniger gemacht; Die gefahr der barbarei wurde zwar nicht gebannt, jedoch besteht Israel heute noch, und die palestinänser gibt es auch noch. Die Zukunft mit einem atomar aufrüstendem Iran aussieht wird zeigen müssen wie weit die notwendige zivilisierte abwehr gegen die barbarei gehen muss.

  25. @ daniel

    Ich sehe an deiner Beschreibung israelischer Verhältnisse vieles anders, aber das wird mir jetzt auch zu umständlich und wenig interessant. Mir ging’s mehr darum, dass du dich mit deinem vollmundigen Statement hübsch weit aus dem Fenster gelehnt hast, die Erläuterungen aber reichlich mager ausgefallen sind. Schauen wir’s uns nochmal an:

    „Terroristen streuen schlicht Angst unter denen, die die Regierungsgewalt beeinflussen. In der Regel löst Terror Gegenterror aus. Harte Reaktionen auf harte Angriffe. Das endet in der Gewaltspirale die die Seite gewinnt, die entschossener ist und das ist in der Regel der Ursprungsterrorist.“

    Du beziehst dich ausdrücklich auf die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Terroristen. Da passt der Gazastreifen schon mal gar nicht, oder sollen jetzt etwa die Fatah die Terroristen und die Hamas die Regierungspartei sein? Wenn du damit aber doch Israel gemeint haben solltest, dann ist die Bezeichnung „Gegenterror“ mehr als fragwürdig. Bei allen anderen rechtstaatlichen Regierungen im übrigen auch.

    Übrigens kenne ich das Zitat. Es stammt aus dem Film „Ausnahmezustand“. Ich hab den neulich auch gesehen, als er im Fernsehen lief. Aber nur, weil das von der toughen vollbusigen CIA-Agentin rausgehauen wurde, heißt das nicht, das es stimmt ;-)

    „Mannomann, wenn Henryk M. Broder bis drei zählen könnte, könnte das glatt von ihm stammen…“

    Mit dieser Bemerkung, mit der du deine herausragende Intelligenz geradezu verewigt hast, hast du dir heute abend in der Kneipe einen doppelten Jack daniel(s) verdient.

  26. @chewey
    Nö, ich habe nicht Israel gemeint. Und die Unterscheidung zwischen Terroristen und nicht-Terroristen kann man auch anwenden, wenn beide Seiten an anderer Stelle Terroristen sind. Die Hamas hat eben, durch Terror – oder „Bruderkrieg“-die Gewalt im Gaza an sich gerissen. Nur weil man das nicht schön findet, kann man mit der Erkenntnis doch arbeiten…
    Das Zitat stammt meines Erachtens von Münkler. Aber ich bin gerne bereit, die toughe CIA-Agentin als körbchengrößere PR-Bombe zu akzeptieren…

  27. Falsche Prämisse: Terror erzeugt Gegenterror.

    Wer die Entführung eines Flugzeugs mit der Befreiung der Geiseln und möglicher präventiver Tötung der Terroristen gleichsetzt, hat noch niemals begriffen was Zivilisation ausmacht.

    Eine derartige „Zivilisationskritik“ ist nicht nur asozial, sondern im Kern kriminell. Die ETA, so wie die IRA, war auch nie eine politische „Organisation“, sondern hat stets ihre kriminelle Energie politisch bemäntelt.

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