Supersternzeit 01.01.01.: Alles wird gut


Direkt nach Obamas historischem Wahlsieg rollte ob des langersehnten Endes des dunklen Zeitalters eine Welle der Begeisterung über den Globus und erfaßte mit Ausnahme des amtierenden US-Präsidenten, der sich wenig überraschend als schlechter Verlierer erwies und mit plumpen Beleidigungen nachtrat, nicht nur die europäischen Verbündeten, die darum wetteiferten, wer Obama die meisten Soldaten für den Kampfeinsatz in Afghanistan zur Verfügung stellen darf, sondern nach kurzer Zeit sogar jene Außgestoßenen, die im manichäischen Weltbild des kriegstreiberischen Dummbeutels aus Texas völlig zu Unrecht jahrelang an den Rand der internationalen Gemeinschaft gedrängt worden waren:

Das nordkoreanische Kassenbrillenmodell Kim Jong Il (oder zumindest ein ihm verblüffend ähnlich sehender Roboter) rief Millionen seiner Anhänger ein kräftiges „Juche!“ zu, als er erfuhr, daß Obmas berühmte Forderung „Tear down this wall!“ bald Wirklichkeit werden soll.

Die chinesische Führung lobte besonders das ehrenwerte Herzensanliegen Obamas, amerikanische Arbeiter vor ausländischer Billigkonkurrenz zu schützen und beteuerte, daß das chinesische Volk für solch ein hehres Ziel gerne den Gürtel etwas enger zu schnallen bereit sei.

Der russische Präsident Medwedew verkündete, daß gegenüber solch einem sympathischen Amtskollegen die Kritik am US-Raketenabwehrsystem natürlich hinfällig sei und statt Atomschlägen gegen Osteuropa nur ein Begrüßungsfeuerwerk in Kaliningrad vorbereitet werden würde.

Der iranische Präsident Achmadinedschad freute sich anläßlich einer Pressekonferenz schon auf ein offenes Gespräch unter Männern, bei dem er das Ende des umstrittenen und ohnehin nur wegen Bushs cowboyhaftem Auftreten begonnenen Atomprogramms auch offiziell erklären würde. Sein Chef, Ayatollah Khameini, bestätigte dies bei dieser Gelegenheit nicht nur ausdrücklich, sondern gab zugleich bekannt, daß die ganze Hängerei, Steinigerei und Auspeitscherei von Ehebrecherinnen, Homosexuellen und Andersdenkenden bei so einem netten Mann in Weißen Haus in Zukunft selbstverständlich überflüssig sei.

Die Untergrundführung der irakischen Ba’ath-Partei erklärte sich angesichts der Aussicht auf die baldige Wiedereinsetzung eines rechtmäßigen Führers aus ihren Reihen bereit, bis Ende 2012 die Zahl der Hinrichtungen Oppositioneller auf maximal 50 pro Tag zu begrenzen, um Obamas Chancen bei den nächsten Präsidentschaftswahlen nicht dadurch zu schmälern, daß man seine Behauptung, der Irakkrieg wäre ein Fehler gewesen, allzu offen ad absurdum führt.

Die syrische Augenarzt und Freizeitdiktator Assad teilte von einem der zahllosen Internetcafes in Damaskus aus mit, daß die syrischen Streitkräfte an die Grenze zum Irak verlegt würden, um illegale Grenzübertritte von Terroristen zu unterbinden und so gleichzeitig den libanesischen Reformprozeß indirekt zu unterstützen.

Die Hisbollah begann nach Angaben Scheich Nasrallahs unterdessen mit ihrer Entwaffnung gemäß des Waffenstillstandsabkommens von 2006, um so den jungen Präsidenten beim Versuch zu unterstützen, den durch Bushs Amtsübernahme ausgebrochenen Nahostkonflikt friedlich zu beenden.

Hamas-Ministerpräsident Chania gab noch am selben Tag bekannt, daß sich mit dem Ende des Bush-Regimes auch die palästinensischen Vorbehalte gegen den Staat Israel und die ihn bewohnenden Affen und Schweine erledigt hätten und lud den Schimpansen Bibi spontan auf eine Tasse Tee ein.

Die sudanesische Regierung betonte, daß nach Obamas Wahlsieg die Einführung der Scharia natürlich ebensowenig weiter Sinn machen würde wie das Massakrieren der Bevölkerung in Darfur, und gelobte, bei der nächsten Europareise einen längeren Abstecher in Den Haag zu machen.

Der venezolanische Caudillo Hugo Chavez verkündete den jetzt aber wirklich endgültigen Sieg des Sozialismus und versprach ganz Lateinamerika ein goldenes Zeitalter, wenn der neue Präsident der Gringos die westliche Hemisphäre nur erst mal von der unerträglichen Freihandelszone NAFTA befreit haben würde.

Doch nicht nur international, auch an der Heimatfront ist mit Bushs Abgang ein Ende der von ihm verursachten Probleme in Sicht. Der Dachverband der Immobilienspekulanten teilte beispielsweise mit, daß der Rückgabe der von Bush geraubten Häuser nach dessen Abwahl nichts grundsätzliches mehr im Wege stehe.

Angesichts der zahllosen Black Panther-Aktivisten, die aus Freude über „Brother Cool“ im Oval Office singend und lachend mit Konföderiertenflaggen durch die Bronx zogen, zeigte sich sogar der Ku-Klux-Klan versöhnlich und versprach, jene rassistischen 46% der amerikanischen Wähler, die gegen Obama gestimmt hatten, anzuweisen, ihren sinnlosen Widerstand an der Wahlurne beim nächsten Mal aufzugeben.

Für den einzigen Wermutstropfen sorgte die Ankündigung des Disney-Konzerns, sämtliche Erlebnisparks des Unternehmens in den USA zu schließen, da nach Ende von Bushs Schreckensherrschaft niemand mehr in die Fantasiewelt von Disneyland flüchten wird. Im allgemeinen Jubel über die Befreiung vom Urübel der Menschheit und Weltfeind Nr. 1 ging jedoch selbst diese traurige Nachricht unter und die Börsen schossen davon unbeeindruckt erwartungsgemäß in ungeahnte Höhen.

~ von Paul13 - Donnerstag, 6. November 2008.

20 Antworten to “Supersternzeit 01.01.01.: Alles wird gut”

  1. Schöne heile Obama-Welt! Super-Artikel!

  2. Innenpolitik ist viel wichtiger als Aussenpolitik. Nicht nur bei den haeusern wird’s besser werden, wie eine Waehlerin letzte Woche ueber Obamas wahrscheinlichen Sieg sagt:

    „I won’t have to worry about putting gas in my car, I won’t have to worry about paying my mortgage, you know, if I help him, he’s gonna help me.“

    Das wird jetzt alles gut.

  3. @Paul13
    Du hast in Deiner kleinen Aufzählung die Saudi-Despoten vergessen. Das sind enge Kumpels von Bush, um die er sich nach 9/11 zuerst gekümmert hat. Die sind im wesentlichen für die Finanzierung islamistischer und antisemitischer Vereine, Gruppen, Bewegungen usw. verantwortlich und deren Kohle trägt nicht unwesentlich zur Verschlechterung des Klimas zwischen der islamischen Welt und dem Westen bei.
    Wenn also in Zukunft im Weißen Haus ein Präsident sitzt, der denen nicht ganz so wohlgesonnen ist und der keine geschäftlichen Interessen an den Leuten hat, kann das nur gut sein.

  4. @ Lebowski

    Ich habe das nicht vergessen, sondern wie andere Punkte, wo meines Erachtens beide falsch bzw. richtig lagen, bewußt beiseitegelassen. Das war hier ja nicht das Thema. Mir ging es in meinem Text – eigentlich für jeden leicht erkennbar – um jene Bereiche, wo Bush, McCain und die NeoCons recht hatten und Obama bzw. seine Anhänger irrten.

    Weder Bush noch Obama aber haben den Regime Change in Saudi-Arabien ausreichend forciert, weder Bush noch Obama wollen die Marines in den Kongo schicken, sowohl Bush als auch Obama wollen den Afghanistan-Krieg gewinnen. Weswegen die Kritik an Bush und der Jubel über Obama ja auch zufälligerweise genau zu diesen Fragen sehr verhalten ist.

  5. Bei den Republikanern hat es immer starke Tendenzen gegeben, sich zu isolieren. Geostrategisch wäre das für die Amerikaner auch wesentlich leichter möglich als für uns Europäer. Ron Paul war ein überzeugter Gegner des Irakkriegs. Er hat einen Ausblick gegeben, wofür die Republikaner in Zukunft wieder stehen könnten.
    Wer könnte die Amerikaner beim Eintreten für die universellen Werte ersetzen?
    Mit Sicherheit nicht wir Europäer. In Bosnien haben wir sofort nach dem Sheriff gerufen. Wir sind nicht einmal bereit, die sekuläre Türkei zu unterstützen (auch wenn wir eine Kopftuchtürkei niemals in die EU beitreten lassen würden)
    Von einer starken Rolle im Nahostkonflikt und einer klaren Position gegenüber dem Iran ganz zu schweigen

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2008/11/07/sieg-der-urbanen-weltoffenheit/

  6. Na Rene, Du bist doch dann konsequenterweise bestimmt auch der Meinung, dass Deutschland in den 30ern/40ern eine Regionalmacht war und in Ruhe gelassen gehoerte?

  7. @Rene: „Er ist gewählter Präsident des Irans (mag mir und anderen nicht gefallen, ist aber nun mal so)…“
    Das ist lustig. Der demokratische Charakter der iranischen Theokratie ist, hm, sagen wir mal zumindest umstritten. Der Wächterrat sortiert ja jedesmal erst einen Großteil der Kandidaten aus und unterliegt selbst keinerlei demokratischer Kontrolle. Was an diesem Prozess demokratisch sein soll, das ist mir schleierhaft. Sind Ihre Maßstäbe für Demokratie so niedrig? In praktisch allen Autokratien gibt es „gewählte“ Führer. Das hat erstens nichts mit Demokratie zu tun, und zweitens bedeutet es nicht dass man die Pflicht hat mit ihnen zu sprechen.

  8. @mrpresident
    Adolf wurde ja auch demokratisch ins Amt gehievt – hab Dich nicht so! ;-)

  9. @S1IG: Sorry, ey! Mein Fehler! ;-)
    @Rene: Der Satz stammt nicht von Paul. Von Bomben habe ich auch nix gesagt.

  10. @ mrpresident

    Rene glaubt, daß jeder, der ihm hier widerspricht, ich wäre. Dikatorenversteher wie er kommen ohne Verschwörungen nun mal nicht aus. Und bei ihm stecke halt ich hinter allem. Sozusagen die große Paulverschwörung. :-)

  11. @Paul: Das ergibt natürlich Sinn! Bist Du auch für das kalte Wetter heute verantwortlich? ;-)

  12. @ Paul

    Auch wenn ich Verständnis dafür habe, dass Sie leiden, wenn Sie sehen wie die eigenen Helden – ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Rumsfeld, Wolfowitz, Blair, Bush – so in Schimpf und Schande davon gejagt werden. Finden Sie nicht, dass Sie ein bißchen übertreiben?
    Denn Obama hat doch noch gar nichts gemacht, dass Sie ablehnen könn(t)en. Abgesehen von der Tatsache, dass er die Unverschämtheit besitzt dort einzuziehen, wo er nach Ansicht vieler „konservativer“ Wähler nicht hingehört:
    „Nigger, please. It´s a WHITE House!“

    for more read here:
    http://groups.google.com/group/alt.politics.liberalism/browse_thread/thread/27daa139c143c55b/2be50ba661e1388e?#2be50ba661e1388e

  13. Blair wurde trotz der damals katastrophalen Lage ein drittes Mal gewählt.

    In Amerika gibt es soviel ich weiß nur 2 Amtszeiten.

    In einer funktionierenden Demokratie ist es außerdem nicht so ungewöhnlich, dass auch einmal wer anderer gewählt wird. Erst recht nach einer schweren Finanzkrise. Der Irakkrieg, Bushs schlimmste Sünde war hingegen kaum ein Thema im Wahlkampf.

    McCain, der mit seiner Unterstützung der Surge Strategie zur Verbesserung der Sicherheit im Irak recht behalten sollte, erhielt immerhin 45 % der Stimmen.

    aber ohne miese unfundierte unterstellungen wie “Nigger, please. It´s a WHITE House!” gehts wohl nicht?

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2008/10/26/playing-the-race-card/

  14. @no more republicans
    Du bist ein rassistisches Arschloch!

  15. @ NMR

    Er hat noch nichts gemacht, aber – vor allem während des Vorwahlkampfs – schon ziemlich viel dummes Zeug geredet. Aber es stimmt natürlich, am Ende kommt es darauf an was er macht, und auch Bush fand ich am Anfang ja bescheuert. Und da Obama in Sachen Afghanistan durchaus nicht ganz so bekloppt ist, wie die Loony Left das gerne hätte, ist es tatsächlich durchaus nicht unrealistisch, daß ich den armen Obama am Ende wieder gegen Dich in Schutz nehmen muß. Ich freu mich drauf. ;-)

  16. @ Aron2201sperber/S1IG

    Ihr müßt ihn verstehen. Wenn sich Bush über den ersten farbigen Präsidenten im Weißen Haus freut ( http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,588716,00.html ), muß NMR halt irgendwas abfälliges über „Nigger“ schreiben. Geht ja nicht an, daß er und Bush mal einer Meinung wären.

  17. @ S1IG
    Und Sie, Herr, sind ein dummer Schwätzer. Derjenige, der auf den unterschwelligen Rassismus des republikanischen Wahlkampfes – und ja, McCain ist für das Geschwätz von Palin mitverantwortlich – hinweist, ist natürlich Rassist. Die ganze guilt-by-association Taktik (Wright, Ayers, Rashidi, der gefakte Anschlag auf Ashley Todd) zielte bewußt auf die Vorurteile und niedersten Instinkte der rechtskonservativen weißen Unterschicht: Xenophobie, religiöse Intoleranz und Rassismus. Ein besonders drastisches Beispiel habe ich verlinkt. Lesen Sie, was ein aufrechter Konservativer zu diesem Thema schreibt:
    http://www.slate.com/id/2203619/
    und dann halten Sie die Klappe!

    @ Paul
    Ich lege Wert auf die Feststellung, dass ich Ihnen NICHT Rassismus unterstellt habe, auch wenn der Gnom das nicht verstehen will. Aber ist es Ihnen eigentlich egal, wenn Ihre Helden sich solcher Mittel bedienen, um den politischen Gegner auszuschalten? Aber was frage ich – Sie finden ja auch Bush gut.

    Trotzdem: es sollte Ihnen zu denken geben, dass kurz nach der Ernennung von Rahm Emanuel zum Stabschef im Schwarzen Haus auf den rightwing-blogs die These vertreten wurde, dass Obama der geheime Kandidat von ZOG sei, der endgültig die Herrschaft der UN über die USA (BLACK helicopter!) durchsetzen wolle. Wobei das Gespenst einer „afro-zionistischen Front“ den einen oder anderen traditionellen Spinner ziemlich verwirren dürfte – siehe oben.

    Ansonsten: niemand verlangt, dass Bush sich über Obamas Sieg freut – und dass ihm sogar die Gratulation sprachlich verunglückt ist sei ihm verziehen. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich von Obama nie Wunder erwartet. Und dass er sich in Afghanistan so weit aus dem Fenster gelehnt hat, um sich gegen die Patriotismus-Hetze der Reps abzusichern, wird ihn noch teuer zu stehen kommen. Aber wie gesagt: nach Bush wird jede halbwegs vernünftige Entscheidung als politischer Neuanfang bejubelt werden.

  18. @ NMR

    Right-wing blogs? Die mit den schwarzen Hubschraubern? Pat Buachanan und so? Also bisher kannte ich diese Spinner vor allem als Kämpfer gegen das USraelische Imperium, welches über die Einflußnahme der NeoCons auf Bush direkte Anweisungen des Likud ausführt, damit die Bundesregierung wider die nationalen Interessen und nur zum Wohle des von den Zionisten kontrollierten militärisch-industriellen Komplexes harmlose Länder wie Afghanistan oder den Irak angreift. Bisher hatte ich aber ehrlich gesagt nicht den Eindruck, als ob Dir derartige Gedankengänge allzu fremd wären.

  19. @Paul
    Letzlich weiss der feine Herr nicht, welche Hautfarbe hier die Kommentatoren oder deren Famlienangehörigen haben. Aber das N-Wort einfach pauschal Leuten und schmutzige Witze zu unterstellen, beleidigt eigentlich jeden Menschen. Dann von „guilt-by-association Taktik“ zu schwätzen, ist im höchsten Grade lächerlich.

    Was Haß aus Menschen alles machen kann – widerlich!

  20. nmr versteht nicht das auch die paar Spinner aus den Bergen, die am liebsten Ron Paul haetten, auch eine Meimung haben duerfen und diese dann auch noch sagen koennen.
    Tja nmr das Leben ist hart,bei uns duerfen nicht nur Kommunisten und andere Linke ihren Senf der Welt mitteilen sondern auch faschisten und andere Spinner dieses Recht aus der Verfassung fuer sich nutzen ohne nahtlos ins Gefaengnis gehen solange sie dieses Muendlich bzw. schriftlich tun und sich darauf beschraenken. Nur mal so am Rande die halte auch Bush fuer einen durch die UN, den Freimaurern und Zionisten gesteuerten Roboter.
    Zumindstens bei den Zionisten duerftet ihr eine Uebereinstimmung haben.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: