Genschman returns


Und ein alter Flakscheinwerfer strahlt ein großes G an den Himmel, während Genschman ungebremst in der Hamburger Brandswiete einschlägt und dabei sein eigenes Denkmal vollständig zerstört:

Hamburg – Heftige Kritik von Hans-Dietrich Genscher an George W. Bush: Noch nie habe ein US-Präsident seinem Nachfolger ein derartig schwierige Erbe hinterlassen – vor allem in der Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie in der Außen- und Sicherheitspolitik, kritisierte der frühere Außenminister in der „Westdeutschen Zeitung“.

Daß ein es ehemaliger deutscher Außenminister, der beim Anblick einer Diktatur nicht an deren baldmöglichsten Sturz, sondern über die weitestgehende Kooperation mit ihr nachdenkt, nicht gerade freut, wenn ein einstiger Geschäftspartner der BRD am Galgen baumelt, mag man ja vielleicht noch nachvollziehen können, aber daß ein FDP-Superstar einen Politiker, der verglichen mit der Drei-Pünktchen-Apothekerpartei geradezu ein neoliberales Monster war, für die Folgen der Umsetzung liberaler ordnungspolitischer Binsenweisheiten kritisiert, grenzt schon an vorsätzliche Selbstzerstörung.

Vergleiche man Bushs Politik mit der seines Vaters – Präsident von 1989 bis 1993 -, so zeige sich, dass „das deutsche Sprichwort, der Apfel falle nicht weit vom Stamm, nicht immer richtig ist“, sagte der FDP-Politiker. Genscher leitete von 1974 bis 1992 mit Unterbrechungen das Auswärtige Amt.

Das mag sein, aber in diesem konkreten Fall ist das nur von Vorteil. Denn entgegen der vollmundigen Ankündigung einer neuen Weltordnung befreite Papa Bush Kuweit am Ende doch nur von der irakischen Besatzung, nicht aber der Diktatur als solcher, sonst wäre die Restauration des vorherigen Regimes kaum so reibungslos über die Bühne gegangen. Und damit am Ende nicht tausende amerikanische Soldaten sterben mußten, taten das dann statt dessen zehntausende irakische Kurden und Schiiten. Aber wie soll jemand Kritik an der Realpolitik nachvollziehen können, der im Rahmen der Entspannungspolitik noch ganz andere Terrorregime stablisiert hat als nur ein paar lächerliche Wüstenscheichs.

[…] Der neue Mann im Weißen Haus dürfte laut Genscher „nicht wieder den Fehler machen, auf die Allianz der Willigen zu setzen, die sich schnell als unwillig erweisen“.

Immer noch besser eine Koalition der Willigen als eine Koalition der Unfähigen, wie sie der am meisten überschätzte Außenminister der jüngeren deutschen Geschichte üblicherweise zu schmieden pflegte, wenn es darum ging, dem sowjetische GULag-Regime zu internationaler Anerkennung zu verhelfen. Wenn Genscher aber schon nicht in der Lage ist, die Bush-Doktrin auch nur ansatzweise zu verstehen, dann soll er wenigstens nicht so tun, als ob er mit seiner Bilanz in Sachen Diktatorenversteherei in der Position wäre, einem der wirklich großen Außenpolitiker der Geschichte mit unqualifizierten Bemerkungen dumm kommen zu können.

~ von Paul13 - Freitag, 31. Oktober 2008.

8 Antworten to “Genschman returns”

  1. stellt sich die Frage fuer welche Seite sich den Aussenminister A.D Genscher im Rahmen des Melianischen Dialogs gestellt haette
    ;-)

  2. @Rene

    die ersten taliban einheiten tauchten erst dann auf der weltbühne als die sowjets schon längst zu hause waren. deine anspielung auf die angebliche unterstüzung der usa bei der aufbau der taliban ist deshalb irgendwie unlogisch.

  3. @Dichter und Denker
    Unser Rene will immer wieder einmal punkten, kapiert aber den Unterschied zwischen Afgahnischem Widerstand unter der SU Besatzung also den Afghanischen Mudschahedin und den Taliban die erst in den 1990ern auftauchten nicht. Fuer den sind die alle gleich. Tragen Handtuecher um den Kopf haben eine AK dabei glauben an den Islam. Folglich aus der Logik von Rene Taliban = Mudschahedin. Da hilft auch kein Verweis auf einschlaegige Literatur oder sowas.
    Er will daran glauben.

  4. @Rene
    Das war Anton oder no more….
    Und dem hatten wir schon nachgewiesen das er das Buch nicht gelesen haben kann oder zumíndesten dieses Buch nicht verstanden hat.
    Die Welt wird mit Obambi sicherer, wenn er denn gewaehlt wird?
    Na wenn Du das glaubst, dann glaubst Du auch an den Osterhasen.
    Paul bitte diesen Feuchten Traum eines Obama Juengers sichern damit wir das ihn und den anderen um die Ohren hauen koennen wenn die Marschflugkoerper eingeschlagen sind.

  5. @ Dichter und Denker

    Vergebliche Liebesmüh. Das mit den Taliban haben wir ihm bereits vor Jahr und Tag schon zu erklären versucht. Aber das versteht er nicht. Wie Auslaender schon so treffend bemerkte: Handtuch, AK und Islam, fertig ist der Taliban.

  6. @ Auslaender

    Das ist das, was mich fast zu Obama neigen läßt: Die Enttäuschung all der Renes und Antons, wenn ihr Held sich mit ein paar Marschflugkörpern von seinem Weicheiimage zu befreien sucht. :-)

  7. Daß ausgerechnet ich noch mal in meinem Leben den Genscher in Schutz nehmen muß, hätte ich auch nicht gedacht! Meine Güte, hast Du Dich verrannt!

  8. @ DDH

    Deine ausgefeilte Widerlegung meiner Kritik an Genscher deutet aber eher darauf hin, daß ich so falsch offensichtlich nicht liege.

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