Der wirkliche Untergang (nicht nur) des Abendlandes


Liest man die Wirtschaftsnachrichten, glaubt man ja fast schon das Ende unserer Zivilisation gekommen, nur weil wahrlich nicht überraschend mal wieder eine Blase geplatzt ist, und die, die sie aufgepustet hatten, jetzt ein bißchen nach Luft schnappen. Das, was die Welt, wie wir sie kennen, aber wirklich nachhaltig verändern könnte, sind eher Nachrichten wie diese:

In Hamburg muss eine Kita schließen, weil Nachbarn gegen den Lärm geklagt hatten. Solche Klagen häufen sich. Während die Große Koalition den Ausbau der Kinderbetreuung beschlossen hat, berufen sich empfindliche Bürger auf Lärmschutz und Baurecht. Kita-Betreiber finden kaum neue Räume.

Ein Land, indem Kindergeschrei als Lärmbelästigung gilt, hat als riesiges Altersheim eh keine Chance auf eine Zukunft. Wenn wir selbst die wenigen Kinder, die wir noch kriegen, wie Aussätzige aus unserer Umgebung vertreiben, weil wir uns durch ihre Gegenwart in unserer Lebensqualität beeinträchtigt sehen, sagt das alles über den Zustand dieser Gesellschaft.

Kombiniert mit der unfaßbaren Dummheit, ganze Generationen junger Einwanderer durch Desinteresse regelrecht wegzuwerfen, statt uns im ureigensten Interesse und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um deren Integration zu kümmern, schaufeln wir uns selbst unser Grab. Nur wird dann möglicherweise niemand mehr da sein, um uns darin zu verscharren.

~ von Paul13 - Donnerstag, 23. Oktober 2008.

27 Antworten to “Der wirkliche Untergang (nicht nur) des Abendlandes”

  1. @ Paul

    „Nur wird dann möglicherweise niemand mehr da sein, um uns darin zu verscharren.“

    Das könnten die Hamburger übernehmen, die überleben noch eine Generation länger ;-)

    „§ 29 a des „Hamburgischen Gesetzes zur Ausführung des Achten Buches Sozialgesetzbuch“: Beeinträchtigungen durch Kinderlärm
    Durch kindliches Spielen erzeugter Lärm im Bereich von Kindertageseinrichtungen oder Schulen ist eine notwendige Ausdrucksform und Begleiterscheinung des kindlichen Spielens, der nicht generell unterdrückt oder auch nur beschränkt werden kann. Kinderlärm ist daher als selbstverständlicher Ausdruck kindlicher Entfaltung hinzunehmen. Erziehung zur Rücksichtnahme auf Nachbarn ist Bestandteil des pädagogischen Auftrages der Kindertageseinrichtungen und der Schule.“

  2. Habe gerade nochmal nachgelesen – der Fall stammt ja ausgerechnet aus Hamburg.
    Das Problem scheint zu sein, dass die Baunutzungsverordnung ein Kinderlärmgesetz aus dem Feld schlagen kann, was schon für einige Kritik sorgt. Vielleicht doch eher ein juristisches als ein gesellschaftliches Problem?
    http://www.abendblatt.de/daten/2008/09/13/936721.html

  3. Doch, natürlich ist jemand da, der uns versacharren kann: die Ausländer bzw. Migranten. Die kriegen nämlich noch Kinder.

  4. @Paul
    Da ist sie wieder! Die gute, alte Angst der Deutschen vor dem Aussterben. Zwar sind wir mit 80 Millionen Menschen immer noch eines der am dichtesten besiedelten Länder der Erde. Zählen wir mal großzügig die Migranten ab, dann sind wir immer noch 60 Millionen, aber egal, unter dem Aussterben tuts niemand in Deutschland. Wer Angst vor dem Aussterben hat, sollte sich nochmal „Soylent Green“ anschauen. Das kuriert und der Film ist ein erheblich realitätsnäheres Zukunftsszenario als ein menschenleeres Deutschland.
    Man wie liebe ich Norwegen: nur 5 Millionen Menschen und keine Angst vorm Ausserben.

  5. Beim lesen dieser Nachricht kommen mir die „Das Spielen der Kinder auf den Grünanlagen ist verboten.“-Schilder in den Sinn.

    Aber gut, irgendwo müssen die Hunde ja hinkacken können.

  6. @ Claudio Casula

    Was die Notwendigkeit noch unterstreicht, die Integration der Migranten mit allen Mitteln sicherzustellen.

  7. @ Lebowski

    Ums Aussterben der Deutschen speziell geht’s mir nun wirklich nicht, das ist mir sowas von egal. Aber ganz eiskalt darum, daß unser umlagefinanziertes Rentensystem dann schlicht und einfach nicht mehr funktioniert, und ganz sentimal darum, daß ich den hierzulande immer wieder anklingenden Kinderhaß nur noch widerlich finde.

  8. @ Daniel Drungels

    Das ist ein klasse Beispiel! Wenn man sieht, wie gut man hierzulande Hunde behandelt, und dann sieht welchen Stellenwert Kinder oft haben, dann kommt einem irgendwie der Verdacht, daß sich so mancher deswegen ein Haustier zulegt, weil es pflegeleichter ist als ein Baby. Und das sage ich als absoluter Tierfreund.

  9. @ Paul

    Ja, aber zur Integration gehört auch, dass der zu Integrierende dazu bereit ist. Scheint mir, moderat gesagt, nicht immer der Fall zu sein.

  10. @ Claudio

    Leider sind viele Deutsche dazu auch nicht in der Lage.

  11. @Paul13
    Irgendwelchen Kinderhass kann ich hier nun überhaupt nicht erkennen. Für meinen Geschmack lässt man den lieben Kleinen in diesem Land einiges durchgehen.
    Wenn der Eindruck entsteht, dieses Land sei besonders kinderunfreundlich, dann liegt es wohl daran, dass viele Eltern ihre Kinder in irgendwelchen Verwahranstalten parken müssen, weil ein Einkommen allein nicht reicht oder weil man auch auf den gewohnten Lebensstandard nicht verzichten will.
    Umgekehrt gibt es Eltern, die zu der ordnungsgemäßen Aufzucht ihres Nachwuchses gar nicht in der Lage sind.

    Dass das Rentensystem mit seinem Generationenvertrag nicht mehr funktioniert, wundert mich nicht.
    Er beruht auf dem Prinzip, dass ich mir in der Kneipe einen saufen kann und die Leute nach mir müssen die Zeche zahlen.
    Also entweder darf ich nur sehr wenig trinken, damits für die Nachfolgenden nicht so teuer wird oder aber ich trinke viel und eine Menge Leute müssen nach mir kommen, damit sich meine Zeche auf viele Leute aufteilt.
    Aber selbst wenn eine Menge Leute nach mir kommen würden, müsste, man irgendwann die Kneipe wegen Überfüllung schließen.
    Aber dieser Fall tritt momentan nicht ein. Tatsächlich gibt es immer weniger Leute, die meine Zeche zahlen wollen.
    Und deswegen beruht aus gutem Grund das Bezahlprinzip einer Kneipe nicht dasselbe wie das des Generationenvertrag.
    Sonst bleibt der Wirt auf seiner Rechnung sitzen.

  12. Sorry!
    Der vorletzte Satz muss natürlich heißen:
    Und deswegen ist das Bezahlprinzip einer Kneipe nicht dasselbe wie das des Generationenvertrags.

  13. @ Claudio Casula

    Man muß das ja nicht widerstandslos hinnehmen. Aber derzeit schauen wir nur weg und lamentieren dann hinterher, was sich da im toten Winkel alles zusammengebraut hat. Was wir brauchen ist ein Deal:

    Teil 1 – Wir heißen Euch herzlich willkommen im Einwanderungsland Deutschland und akzeptieren Euch als vollwertige Mitbürger.

    Teil 2 – Ihr akzeptiert die Grundlagen unserer Verfassung, weil es die Option, sie nicht zu akzeptieren, gar nicht erst gibt.

    Wenn beide Seiten lernen, sich an diese nun wirklich sehr simplen Spielregeln zu halten, sollte es da eigentlich keine größeren Probleme mehr geben. Und dann ist irgendwann auch die Rente wieder sicher. ;-)

  14. @ lebowski

    Da hast Du im Prinzip völlig recht. Dummerweise wollte Kneipenwirt Adenauer seine mittellosen Gäste nicht mit wirtschaftstheoretischer Rechthaberei verdursten lassen, als die ihm nach Kriegsende die Kneipe stürmten und erst mal alle anschreiben lassen wollten.

  15. @Claudio Casula
    Welcher Anteil der Einwanderer ist nicht dazu bereit sich zu integrieren? Um bessere Aussagen zu bekommen: Welcher Anteil der russischen, polnischen oder türkischen Einwanderer will sich nicht integrieren? Könntest Du Belege nennen?

  16. @alle
    Mich interessiert wirklich was eigentlich in Deutschland integriert bedeuten soll. Es muss ja eine Definition sein, die die große Mehrheit der deutschen Deutschen erfüllt. Und wenn ich so an einige Gebiete im Osten denke, weiß ich nicht was man zu fordern ha

  17. Wäre Mohammed Atta nicht ins WTC geflogen, wäre er das Musterbeispiel für gelungene Integration…

  18. Paul, du Oberschlaumeier, du zitierst doch so gerne Studien:

    http://www.thelocal.se/15198/20081024/

    Wer Schweden auch nur ein bisschen kennt, der weiß was das bedeutet!

  19. @Paul13
    „Dummerweise wollte Kneipenwirt Adenauer ..“
    Es sind nicht Adenauer oder sonst irgendwelche Politiker alleine.
    Wenn man die Kosten für sein eigenes Tun in die Zukunft verschieben kann, dann tut man das eben.
    Der Gelackmeierte ist immer dann der, der die Rechnung präsentieren muss.
    Ein Horst Köhler hat in den Neunzigern dafür gesorgt, dass die deutsche Einheit durch Plünderung der Rentenkasse bezahlt wird.
    Der wird aber nicht derjenige sein, der irgendwann den Volkszorn zu spüren kriegt, wenn die Rentenkasse Pleite geht.
    Das ist das Katastrophale beim Kapitalismus.
    Man kann durch Kredite, Spekulation und Schuldenmachen den Anschein erwecken, dass das Wirtschaftssystem kerngesund ist, während es tatsächlich schon auf dem Sterbebett liegt.

    Aber das führt jetzt etwas weg vom Thema.

  20. @ lebowski

    Auch wenn es etwas vom Thema wegführt, ist es ja nicht falsch, was Du hier zu politischen Mechanismen sagst. Aber es ändert nichts daran, daß nach dem Krieg auch Rentner essen mußten, und damit eine Umlagefinanzierung angesichts der damaligen Geburtenraten (die Pille war noch undenlbar) durchaus vernünftig schien.

    Wenn das System aber erst mal so aufgestellt ist, ist es schwer, daß komplett zu ändern, was man an der ganzen Herumriesterei sehr gut sehen kann. Solange die Umstellung aber in solchen Trippelschritten weitergeht und auch die Erhöhung des Rentenalters auch keinen Beliebtheitspreis bei den nächsten Wahlen gewinnt, werden wir junge Einwanderer benötigen.

  21. @ Adnan

    Ok, jetzt wissen wir also endlich, daß in Schweden der Anteil der Einwanderungsgegner von knapp 4 auf knapp 6 Prozent gestiegen ist. Und was wollen uns diese Worte sagen?

    Daß man Einwanderer nicht integrieren sollte? Wieso sollte das diesen 6 Prozent lieber sein? Gibt es mit nicht integrierten Einwanderern weniger Probleme? Oder hast Du nur den faklschen Link gepostet?

  22. @ Tyrion

    Von Andreas Baader mal abgesehen, bestand auch die RAF eher aus Intellektuellen als Proletariern. Trotzdem sind die meisten Studenten keine Terroristen geworden. Na ja, zumindest nicht alle. ;-)

  23. @Paul13
    Den Kapitalismus gibt es seit ca. 500 Jahren und wenn er zugrunde geht, wird es so etwas wie Arbeit (als abstrakte Lohnarbeit) oder Renten nicht mehr geben. Es gibt kein universelles Gesetz, dass man mit 65 Jahren jede Betätigung einstellen muss oder darf.

  24. @ Paul,

    nur mal so ein kleiner Hinweis wie das mit Integration anderswo diskutiert wird:
    http://www.weltwoche.ch/artikel/default.asp?AssetID=21253&CategoryID=62

    Gar so einfach, ne?

  25. @ Lebowski

    Es gibt aber ein universelles Gesetz, daß man liebgewordene Privilegien nur ungern aufgibt. Denk mal an die Rente mit 67 und die Begeisterung, die sie außerhalb der Wirtschaftsforschungsinstitute gefunden hat. Wer keine Kinder mag, sollte jedenfalls nicht meckern, wenn die Rente dann wirklich nicht mit 67 kommt, sondern erst mit 75.

  26. @ Alibaba

    Guter Artikel! Kann ich größtenteils vorbehaltlos zustimmen. Den sollte man für das PI-Publikum zur Pflichtlektüre machen.

  27. @Paul13
    Die Rente besteht im wesentlichen aus Geldzahlungen und wer weiß, wie viel unsere Kohle in einem Jahr noch wert ist.
    Denn die Wirtschaft vernichtet Geld durch platzende Spekulationsblasen, aber der Staat für gewöhnlich durch Inflation.
    Und da unsere Politiker gerade dabei sind, einen Haufen Geld auszugeben, das sie nicht haben, wird das wohl in absehbarer Zeit auf eine Inflation hinauslaufen.

    Abgesehen davon: es ist schon ein Kreuz mit der Rente. Sie funktioniert nur, wenn viele Junge für wenige Alte zahlen, wenn immer annähernd Vollbeschäftigung herrscht, wenn alle Jungen eine astreine Erwerbsbiografie haben usw.. Die erste Forderung führt direkt in die Überbevölkerung, die zweite Forderung ist im Zeitalter der Automatisierung auch nur schwer zu erfüllen und die dritte Forderung setzt bei der jungen Generation den Wunsch voraus, sich für andere den Buckel krumm zu schuften.
    Die Zahl der Randbedingungen ist einfach zu hoch, das Rentensystem kann nicht funktionieren.

    Und das Interview mit Dahrendorf. Man kann die Schreierei nach Bildung inzwischen nicht mehr hören, allein schon deswegen, weil alle Leute, die nach Bildung schreien, die Antwort schuldig bleiben, was Bildung im Zeitalter von Internet und Wikipedia überhaupt sein soll.
    Hier mal zwei schöne Links dazu:
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/863237/

    http://www.welt.de/welt_print/article2613190/Vom-Groessenwahn-der-Paedagogen.html

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