Die totalitäre Friedensmacht


Assads zweigleisige Politik dürfte vor allem von dessen Wunsch nach Machterhalt geleitet werden.

Und deswegen würde sie ganz schnell in unserem Sinne eingleisig, wenn man Assad endlich glaubwürdig deutlich machen würde, daß eben dieser Machterhalt gefährdet ist, wenn er die Achse des Bösen nicht verläßt. Und zwar ein bißchen plötzlich.

Syrien ist ähnlich wie der Irak ein Land, in dem verschiedene, teils verfeindete Religionsgruppen zusammenleben. Dass das bislang meist friedlich geschah, ist eins der Verdienste des totalitären syrischen Regimes, das Widerspruch nicht duldet.

Schon toll, was totalitäre Regime so alles für Verdienste haben. Vielleicht hätte Frau Putz anstelle von Andreas Ulrich das Interview mit Misha Glenny führen sollen. Sie hätte ihm dann erklären können, daß es eines der Verdienste von Mussolini war, die Mafia zerschlagen zu haben. Dann würde vielleicht sogar dem Vorgesetzten von Frau Putz auffallen, daß hier unter seinen Augen munter Autobahnen gebaut werden.

Europa weiß: ohne Syrien kein Frieden im Nahen Osten

Aber nur weil Europa das weiß. Wenn Europa das nicht wüßte, dann wäre Assad entbehrlich, und wenn Assad wüßte, daß er entbehrlich ist, dann gäbe es Frieden im Nahen Osten, auch ohne das Europa das weiß. Dürfte dann für Europa eine ziemliche Überraschung werden.

In Syrien herrscht Friedhofsruhe, aber eben Ruhe. Der Bruderkrieg im Nachbarland Irak hat die Elite in ihrem Glauben bestärkt, dass das Land nur mit harter Hand zu führen ist.

Schon interessant, was für kernige Äußerungen Frauen in mittleren Jahren heutzutage so von sich geben. Früher hörte man derartige Sätze eher von alten Männern, die einem die Vorzüge der Herrschaft des Schahs von Persien nahebringen wollten.

Ein Regimewechsel, wie ihn die USA zwischenzeitlich propagierte, könnte das fragile Gleichgewicht zwischen den Volksgruppen stören und das Land ins Chaos stürzen – eine Überlegung die auch im Westen Adepten gefunden hat, die nun den Wandel durch Annäherung propagieren.

Das es solche Adep(p)ten gibt, ist nichts wirklich neues. Das macht ihre Ansichten aber nicht unbedingt richtiger.

[…] Syrien soll zurück ins Boot geholt werden, weil ohne Syrien nichts geht im Nahen Osten. Ohne Damaskus gibt es keinen Frieden im Irak, keine Einigung mit Iran in der Atomfrage, kein Nebeneinander zwischen Israel und dem zu gründenden Staat Palästina – diese Erkenntnis hat sich nicht nur im Westen durchgesetzt.

Man könnte es auch andersherum formulieren: Wenn der Westen das wirklich will, dann gibt es keinen Frieden in Syrien, bei der Klärung der Atomfrage mit dem Iran landet es auf der Liste mit den Ausweichzielen, Israel sorgt nur für Durcheinander, und statt einem Tribünenplatz bei der nächsten Militärparade kriegt Assad nur einen Tribunalplatz in Den Haag. Ach ja, und Rockerkumpel Putin kann nichts dagegen tun. Über kurz oder lang klettert Syrien dann schon von ganz alleine ins Boot. Und wenn es dahin schwimmen muß.

[…] Dort waren die prowestlichen Regierungsanhänger von der prosyrischen Opposition per Waffengewalt in die Enge getrieben worden, wollten aber trotzdem ihren Machtanspruch nicht aufgeben. Erst ein Machtwort aus Katar überzeugte die prowestlichen Gruppen, dass die Schlacht verloren war. Die Opposition unter Führung der prosyrischen Hisbollah konnte sich durchsetzen: Noch einer der vielen Siege, die Assad in letzter Zeit einheimsen konnte.

Und alles Siege, die nicht Syrien mit seinen totalitären Vorzügen erringt, sondern Niederlagen des Westens, die dieser sich ohne Not selber bereitet. Aus der fehlenden Bereitschaft, sich einem Gegner entgegenzustellen, auf dessen Stärke zu schließen, und die dann wiederum als Argument dafür zu nehmen, daß man sich ihm nicht entgegenstellen sollte, weil er ja so stark ist, ist zweifellos eines der schönsten Beispiele für die intellektuelle Kapitulation der denkenden Klasse vor der Wirklichkeit.

~ von Paul13 - Donnerstag, 4. September 2008.

3 Antworten to “Die totalitäre Friedensmacht”

  1. Nicht zu vergessen Assads Dienste zur Eindämmung des militanten Islamismus in Hama. War ja eine viel erfolgreichere Strategie als die der Amis im Irak… die Friedhofsruhe lässt grüßen.

  2. Friedhofsruhe anzupreisen, ist schon heftig. Wie waere es, wenn der Leser Frau Putz auf den Friedhof wuenschte, damit sie endlich Ruhe gibt?!

  3. Süß:)
    Ich gehe davon aus, dass du Deutscher mit urdeutschen Wurzeln ohne tiefere persönliche Bindung zum Nahen Osten bist:)
    Demnach muss ich auch gar keinen bösen Kommentar schreiben, denn du kannst es schlicht nicht besser.

    Und ich dachte noch zunächst dieser Blog wäre ironisch ;-)

    Einen schönen Tag

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: