Verwirrt in Beirut


Die Meldungen klangen verheißungsvoll, das Abkommen um den US-Truppenabzug aus dem Irak schien kurz vor dem Abschluss – dann kam das Aus: zu viele unterschiedliche Interessen. Mitschuld an der Misere ist ausgerechnet die Aussicht auf einen möglichen US-Präsidenten Obama.

Da hat der SPIEGEL ja mal wieder ganz tief in die Trickkiste gegriffen. Dumm nur, daß er sich bei der Gelegenheit auch gleich selbst mit ausgetrickst hat:

[…] Ein Verhandlungspartner ist der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama zwar bislang nicht. Aber sollte er gewählt werden, will er alle US-Soldaten binnen 16 Monaten nach Hause holen – das versprach er im Vorwahlkampf.

Es ist vor allem diese Ankündigung Obamas, die Maliki zögern lässt, jetzt einen Deal mit den Amerikanern einzugehen.

[…] „Er ist trotz einiger Erfolge immer noch ein schwacher Regierungschef, gerade deshalb muss er betonen, dass kein Diener der Amerikaner ist.“ Maliki drohe der Verlust des letzten bisschen Ansehens, sollte er den USA einen Freibrief bis 2011 ausstellen.

Vielleicht sollte mal jemand Frau Putz den Gebrauch eines Kalenders erklären, dann wird sie nämlich nach kurzem Nachrechnen ebenfalls zum Ergebnis kommen, daß auch Obama, selbst wenn er gleich am Tage seines möglichen Amtsantritts Anfang 2009 die Stoppuhr anwirft, bereits bis Mitte 2010 braucht, um auch nur sein vollmundig angekündigtes Ziel eines Abzugs binnen 16 Monaten umzusetzen. Und da er bezüglich des genauen Datums prophylaktisch bereits kräftig den Flipper gegeben hat, ist nicht wirklich davon auszugehen, daß am Ende zwischen Obamas Abzugsplänen und dem jetzt genannten Datum noch ein wesentlicher Unterschied besteht.

Doch das allerschärfste ist das hier:

[…] Zu den Schwierigkeiten im eigenen Land kommt Druck aus Iran. Die Mullahs sorgen sich darum, die ungeliebten US-Truppen noch weitere drei Jahre in unmittelbarer Nähe zu wissen.

Da bemühen sich die Kriegsgegner jahrelang, den Einsatz im Irak als Schwächung der US-Streitkräfte darzustellen, der sie jeglicher Optionen gegenüber dem Iran beraubt, und dann kriegen sie vom SPIEGEL mit dem Hinweis, daß gerade die Mullahs das ganz anders sehen, einen argumentativen Dolch in den Rücken gestoßen. Da ist es dann schon fast egal, wer von beiden auf den jeweils anderen jetzt mit größerer Berechtigung sauer ist. Es trifft in jedem Fall den richtigen.

~ von Paul13 - Samstag, 23. August 2008.

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