Die blutigen Grenzen der kollektiven (Un)sicherheit


Am Donnerstag hatten sich Polen und die USA nach fast zweijährigen Verhandlungen über den geplanten US-Raketenschild geeinigt. […] Das Abkommen schließt demnach die von Polen gewünschte „Verpflichtung zu gegenseitiger Hilfe“ ein, wozu auch die Verstärkung der polnischen Streitkräfte mit Patriot-Abwehrraketen gehört. Die USA gelobten, Polen in “ schwierigen Zeiten“ umgehend zu Hilfe zu kommen.

In diesem Zusammenhang gab der polnische Ministerpräsident Donald Tusk der NATO dann noch ein paar Worte mit auf den Weg, die für ein Verteidigungsbündnis – ein so wichtiges zumal – mehr als peinlich sind:

[…] Die Nato würde im Falle einer Bedrohung Polens womöglich zu langsam reagieren, sagte er: Es würde „Tage, Wochen dauern, diese Maschinerie in Gang zu bringen“. Deshalb sei die direkte Beistandsverpflichtung der USA für sein Land wichtig: „Polen will nicht in Bündnissen sein, in denen der Beistand irgendwann später kommt – es ist nicht gut, wenn die Hilfe Tote erreicht. Polen will in Bündnissen sein, in denen die Hilfe in den ersten Stunden eines jeden möglichen Konflikts kommt.“

Wenn selbst die eigenen Mitglieder im Ernstfall lieber dem robusten militärischen Unilateralismus einer einzelnen Supermacht vertrauen als den wertlosen Solidaritätsbekundungen ihrer weitgehend abgerüsteten Verbündeten, sollte die NATO mal selbstkritisch über ihre eigene Rolle nachdenken. Autosuggestive Friedensbekundungen, gruppendynamische Diskussionen und diplomatischer Nullsprech sind jedenfalls kein Ersatz für militärische Glaubwürdigkeit, politische Entschlossenheit und internationale Einigkeit.

~ von Paul13 - Samstag, 16. August 2008.

10 Antworten to “Die blutigen Grenzen der kollektiven (Un)sicherheit”

  1. Das Grundproblem scheint zu sein das jeder was das angeht den Kopf in den and steckt. Die Polen haben was das angeht voellig recht, solange auch nur ein Staat blockiert bleibt alles stecken.
    Ich brauche doch bloss an die NATO Anforderung der Tuerkei denken.
    Fast jede Entscheidung wurde durch Deutschland blockiert, zum schluss musste Deutschland bedingt nachgeben und verlieh nur Material an die Niederlaender in Form von Patriot Wirkmitteln.
    Nur gab es da einen entsprechenden Zeitraum fuer Entscheidung und Dislozierung.
    Ich erinnere mich noch an die Sprueche der Norweger die drauf und dran waren die NATO zu verlassen.
    Wenn man jetzt noch bedenkt dass jede Menge NATO Staaten jede Menge Geld investiert haben um seinerzeit NATO Truppen in Westdeutschland zu unterhalten….
    Auf der anderen Seite waere die NATO zurzeit eh nur bedingt zu einer Verteidigung im Grossen Stil faehig. Jahrelange Vernachlaessigung der Armeen, dann Transformierung auf ein Neues Szenario, was im uebrigen bisher eigentlich nur die kleinen Laender hinbekommen haben, aber nun keine Moeglichkeiten mehr einen groesseren Krieg in Europa abzuwehren.
    Da hilft dann nur Kopf in den Sand, was Russland angeht und hoffen das der Kelch vorueber gehen wird.
    Das erkennen dieser Gefahr, die im uebrigen nie wirklich weg war, bedeutet jede Menge Geld in die Hand nehmen da eine Mischarmee vorhanden sein muss die beides kann, schnelle Weltweite Dislozierung von kleinen Verbaenden und die gute alte Panzerarmee.
    Das heisst zwangslaeufig sich auf die USA verlassen, da diese Faehigkeiten plus Reserven haben. Dann noch die Gefahr ob Deutschland zumindest einen freien Truppendurchmarsch zulassen wuerde, dieser muesste dann erzwungen werden, wer soll dazu bei allem guten Willen in der Lage sein?
    Der naechste Krisenherd in Europa mit Russland ist jedenfalls schon in Sicht, spaetestens wenn die Ukraine und Russland die Hafenfrage neu verhandeln muessen.

  2. Paul got my mail?

  3. Was sagt Altmeister PSL?
    Deutschland sollte auf keinen Fall den unseligen US-Feldzug gegen Rußland länger mitmachen! Offiziere der Bundeswehr befinden sich bereits in der Ukraine und Georgien, und wir leisten Zuarbeit bei der Vorbereitung, beide Länder in die Nato und die EU aufzunehmen. Wir scheinen vergessen zu haben, daß die Sowjetunion bzw. Rußland seit der Zeit der Wende in Osteuropa bereits ungeheuere Konzessionen gemacht hat! Rußland befindet sich in einem Trauma wie Deutschland nach Versailles. Es ist heute auf die Grenzen des Zwangsfriedens von Brest-Litowsk von 1917 zurückgedrängt – historisch eine Stunde der tiefsten Erniedrigung für die Russen. Wie damals hat man heute wieder die Ukraine verloren – dabei ist Kiew die Mutter aller russischen Städte. Wären die amerikanisch-europäischen Winkelzüge gelungen, wäre auch Weißrußland vollständig aus der russischen Sphäre herausgebrochen worden, dann stünde die Nato heute wie weiland die Wehrmacht gar bei Smolensk.

    http://www.jf-archiv.de/archiv07/200749113010.htm

  4. @Tyrian
    „Wir scheinen vergessen zu haben, daß die Sowjetunion bzw. Rußland seit der Zeit der Wende in Osteuropa bereits ungeheuere Konzessionen gemacht hat!“
    Russland hat „Konzessionen“ gemacht als es seine Truppen aus, zu dem Zeitpunk wieder, eigenständigen Staaten abgezogen hat die niemals richtig wollten das die Russen überhaupt in ihren Ländern stehen? Interessante Ansichten. Interessant generell die Ansichten vor allem der deutschen Medien die die Aktionen Russlands anscheinend als mehr oder weniger gerechtfertigt sehen und so tun als holten sich die Russen nur zurück was ihnen eigentlich zusteht.
    Die Russen werden den Abchasen und Südosetiern bestimmt eine eigenständige Nation zugestehen so wie sie das auch bei den Tschetschen tun, nicht wahr? Halt, ich vergas, die Abchasen und Süd-Osetier wollen ja heim ins Reich… äh… in die Union.

    „…dann stünde die Nato heute wie weiland die Wehrmacht gar bei Smolensk.“
    Stimmt, der einzige Daseinsgrund der NATO ist und wahr ja schon immer die Eroberung Russlands…
    Es ist halt nie Imperialismus wenn er von Russland ausgehen könnte, gelle?
    Traurig an der ganzen Sache ist nur dass deine Ansichten von viel zu viel Menschen in Europa geteilt werden.

  5. @Tyrion: Gott behüte! Demokratie in Weißrussland? Gut, dass das gerade nochmal so verhindert wurde.

  6. PSL ist und bleibt Gaullistist des alten Stils, spannend ist aber zusehen das er Deutschland klar in der NATO sieht und wenn ich mir seine Aeusserungen seinerzeit zu einer moeglichen Nuklearmacht Deutschland ansehe hat er garantiert nicht den Nahen Osten oder die USA im Blickfeld gehabt.

  7. @Tyrian
    Wer PSL gerne zitiert sollte sich erst mal die Mühe machen die Vorraussagungen des Alleswissers der letzten Jahre noch mal ins Gedächtnis zu rufen und zu vergleichen was davon eingetreten ist.

  8. Eigentlich meinte ich das PSL-Zitat ironisch. Was PSL ansonsten zu aktuellen Themen bringt, ist genauso unter aller Sau. Sein Vergleich Wehrmacht=NATO ist eine dermaßene Dreistigkeit, dass man seinen Rassismus, Russen die Demokratiefähigkeit abzusprechen, schon fast unter ferner liefen abwerfen kann.

    Am meisten erstaunt es mich, dass er Kiew eine russische Stadt nennt-soll er mal die Ukrainer dazu fragen.

  9. @Tyrion
    Na ja geschichtlich gesehen nicht falsch, aber daran erkennt man auch das der Mann in der moderne noch nicht angekommen ist.
    Nun ja warten wir darauf was in den Baltischen Staaten, der Ukraine, Brooklyn und Long Island noch so kommt wenn die Russen dort geschuetzt werden muessen.
    Eigentlich sollte Deutschland als Hueter des Preussischen Erbes jetzt endlich Koenigsberg zurueckforden, zumindest aber die Litauer als nachfahren der Pruzzen. ;-)
    Die Israelis verweissen ja auch jedes Verfahren nach Italien ab, wenn es um eine Wideraufnahme der Besatzungsurteile der Roemer geht ;-)

  10. @ Tyrion

    Bezeichnend für die Entwicklung ist, daß PSL seine antiamerikanischen Ergüsse fröhlich in der Jungen Freiheit absondert, während die Putinversteher, die genau denselben Unsinn verzapfen, sich trotzdem oft immer noch für links halten.

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