Freiheit für Ossetien!


Nachdem sich jetzt der Pulverdampf größtenteils gelegt hat (die russischen Aufräumarbeiten in Georgien stoßen ja auf keinen militärischen Widerstand mehr, sondern werden von der georgischen Regierung wie der Weltöffentlichkeit einfach als unvermeidliches Übel ähnlich einer Warzenplage hingenommen) ist es an der Zeit zu analysieren, wie es zu diesem betrüblichen Konflikt kommen konnte, damit sich derartige Zusammenstöße für die Zukunft vermeiden lassen. Hierzu ist es nötig, sich auf den Kernpunkt des Konflikts zu konzentrieren, und der liegt im bislang nur unzureichend verwirklichten Selbstbestimmungsrecht der Völker.

Die in Kreisen neokonservativer Kalter Krieger weitverbreitete Unterstellung, Putin wollte die Welt durch die Demonstration militärischer Stärke einschüchtern, Revanche für den Verlust des Kosovo nehmen, ein Exempel an einem unbotmäßigen Nachbarstaat statuieren, dessen souveräne Entscheidung für die NATO-Mitgliedschaft bestrafen, seine demokratisch gewählte Führung stürzen, oder ihn destabilisieren, um so die Entwertung des eigenen Erpressungspotentials durch eine Alternativroute für Energielieferungen zu verhindern, entbehrt ja bekanntlich jeglicher Grundlage, weil sie die russischen Motive völlig falsch einschätzt.

Wie die Loony Left der deutschen Blogosphäre täglich aufs neue nachweist (die Ridiculous Right ist sich noch nicht wirklich schlüssig, weil sie derzeit noch damit beschäftigt ist, die Moslems im Kaukasus zu zählen, um zu wissen, auf welcher Seite sie stehen soll), ging es den Russen bei ihrem selbstlosen Friedenserzwingungseinsatz ja nicht um irgendwelche imperialen Großmachtambitionen, sondern nur um den Schutz des unterdrückten ossetischen Volkes und seiner Jahrtausende alten Kultur. Der Westen sollte das anerkennen und Russland beim Kampf für die Freiheit der kaukasischen Bergvölker vorbehaltlos unterstützen.

Aus diesem Grund müssen Europäer und Amerikaner das Streben der Osseten nach einem eigenen Staat endlich vorbehaltlos unterstützen und bei der internationalen Anerkennung Ossetiens die Führung übernehmen. Um dem neuen Mitglied der Völkerfamilie bei seinem Start ins Leben zu helfen, sollten zunächst die südossetische Regierung als legitimer Vertreter des ossetischen Volkes anerkannt werden. Im nächsten Schritt sollten die reichen Staaten des Westens kostenlos die ossetischen Pässe drucken und 10% davon der dortigen Regierung zur Verteilung an die Bevölkerung überlassen.

Da Ossetien als junger und kleiner Staat noch nicht die nötigen Resourcen hat, um jene 90% der Bevölkerung, die außerhalb des eigenen Territoriums in der russischen Teilrepublik Nordossetien leben, mit Pässen zu versorgen, sollte der Westen ihn bis zum Aufbau einer diplomatischen Infrastruktur durch den Aufbau eines dortigen EU-Generalkonsulats entlasten, damit auch die in Rußland lebenden Osseten ohne unnötige Verzögerungen in den Besitz ihrer Dokumente kommen. Sollte sich der Aufbau des Konsulats unerwartet verzögern, wäre als Alternative der Paßversand direkt von Brüssel aus denkbar.

Damit haben die Osseten die Perspektive auf eine gemeinsame Zukunft in einem unabhängigen Gemeinwesen und auch Rußland hat nach Erfüllung seiner berechtigten Anliegen keine weiteren Forderungen mehr an Georgien (außer vielleicht die Befreiung Abchasiens, aber auch da könnte man den russischen Wünschen analog dem Vorgehen im Falle Ossetiens entgegenkommen, wobei dann die USA zur Entlastung der EU das Drucken der Pässe übernehmen könnten), weil Georgien mit seinen selbstlosen einseitigen territorialen Zugeständnissen wie gefordert seine ethnischen Probleme beseitigt hat.

Damit wäre dann für das souveräne Georgien endlich auch der Weg in die NATO frei, denn mit Beseitigung der letzten Konfliktpunkte sollten weder die Europäer noch die Russen irgendwelche weiteren Einwände dagegen haben. Nachdem die russische Müllabfuhr bereits so freundlich war, daß veraltete, noch aus Sowjetzeiten stammende georgische Kriegsgerät in den letzten Tagen zu entsorgen und in die Heimat zu verschiffen, steht auch einer umfassenden Modernisierung der georgischen Streitkräfte mit modernen und NATO-kompatiblen westlichen Waffensystemen nichts mehr im Wege.

Um russischen Bedenken hinsichtlich einer Bedrohung durch die NATO Rechnung zu tragen, könnte die georgische Regierung auf die Stationierung ausländischer Truppen verzichten und sich gleichzeitig bereiterklären, die eigenen Streitkräfte in eine überwiegend mit leichten Waffen ausgerüstete Territorialarmee umzustrukturieren, die abgesehen von mobilen und professionellen Komponenten für internationale Verpflichtungen wie im Irak rein defensiv ausgerichtet ist, so daß kein Land, so lange es nicht in Georgien einmarschieren will, damit irgendein Problem haben sollte. Mit dieser salomonischen Lösung sollten dann eigentlich alle Beteiligten leben können.

Und jetzt her mit dem Friedensnobelpreis!

~ von Paul13 - Freitag, 15. August 2008.

8 Antworten to “Freiheit für Ossetien!”

  1. Mein Mitarbeiter des Monatstext ist fertisch. Paul übernimmst du?

  2. @ Analytics

    Nur her damit!

  3. “ Wie die Loony Left der deutschen Blogosphäre täglich aufs neue nachweist (die Ridiculous Right ist sich noch nicht wirklich schlüssig, weil sie derzeit noch damit beschäftigt ist, die Moslems im Kaukasus zu zählen, um zu wissen, auf welcher Seite sie stehen soll)“

    Uhh… Hammer! Weiter so!

  4. Pässedrucken halte ich für eine tolle Idee. Damit könnten wir auch gleich die deutsche Wirtschaft weiter ankurbeln. Und der Versand (besser aus Deutschland als aus Brüssel) würde Arbeitsplätze bei der Post sichern. Steinmeier könnte dann Postminister werden…

  5. hmm ich hoffe der ganze text ist ironisch gemeint. bitte noch deutlicher kennzeichnen, es gibt sicher einige leute die das nicht schnallen.
    aber es hätte mir besser gefallen, wenn du deine ironie auf weniger fiktionalen elementen hättest basieren lassen.

  6. @ rueckgrat

    Sagen wir mal so, auch wenn es natürlich sarkastisch gemeint ist, fände ich, das wäre durchaus eine interessante Alternative zu einer direkten Konfrontation, um angesichts der möglichen Wirkung auf die übrigen Kaukasusvölker weitere russische Eroberungsgelüste auf dem Ethnoticket ein für allemal im Keim zu ersticken und Putindie Konsequenzen des eigenen Handelns drastisch vor Augen zu führen.

    Aber natürlich weiß ich auch, daß das nicht realistisch ist, weil im Westen über Grenzkorrekturen immer erst dann nachgedacht wird, wenn es zu spät ist, um sie noch ohne Blutvergießen umzusetzen.

  7. Witzbold хренов. Ich würde dich mal gerne hören, wenn dein Dorf “ im Schweiz an die Grenze mit Deutschland“ in der Nacht total zerstört wird mit Bomben und Panzern von schweizer . Und morges Menschen werden wie asteckende Tiere erschossen und erstechen, nur bloss , weil “ schweizer dieses Dorf nur für schweizer brauchen. Und alle Menschen im Dorf deutsche Staatsangehörigkeit haben. 1600 Menschen stirbt. Frage: SOLL Deutschland Bevöllkerung im Dorf RETTEN ODER NICHT?????

  8. @ Ich

    Ich sollte die Betreffenden auf jeden Fall retten, nicht nur, wenn es Schweizer sind, denen ich vorher deutsche Pässe geschenkt habe, um einen Interventionsvorwand zu haben. Was ich dann aber nicht tun sollte, ist, dabei mit Phantasiezahlen und Lügen von einem Völkermord zu operieren.

    Vor allem dann nicht, wenn ich wenige Jahre mit einem Veto im UN-Sicherheitsrat ein anderes Land daran gehindert habe, ein wirkliches Terrorregime zu stürzen, wenn ich selber ethnische Minderheiten in ganz anderen Dimensionen massakriere, und wenn ich die Freiheit im eigenen Land mit Füßen trete.

    Dann sollte ich einfach den Mund halten und mich in der Ecke ein bißchen schämen.

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