„The war in Iraq is over. We’ve won.“


Schön, daß es mal jemand laut und deutlich ausspricht. Und Bret Stephens liefert für die Begriffsstutzigen die Begründung gleich mit:

Saddam is dead. Had he remained in power, we would likely still believe he had WMD.

Einziger Einwand: Wir würden es nicht nur glauben, er hätte sie tatsächlich. Warum auch nicht? Es wäre ja nicht nur recht, sondern auch billig. Denn:

He would have been sitting on an oil bonanza priced at $140 a barrel. He would almost certainly have broken free from an already crumbling sanctions regime.

Mit Saddam an der Macht wären diese beiden Sätze schon alleine für sich genommen bedrohlich genug. Zusammen wären sie eine Katastrophe.

The U.S. would be faced with not one, but two, major adversaries in the Persian Gulf.

Anders ausgedrückt: All die superklugen Geostrategen, die meinen, es wäre leichter, den Iran in die Schranken zu weisen, ohne vorher den Irak als Gegner ausgeschaltet zu haben, können offensichtlich nur bis eins zählen. Und das ist nicht sehr weit.

Iraqis would be living under a regime that, in an average year, was at least as murderous as the sectarian violence that followed its collapse.

Auch dieser Punkt kann nicht oft genug wiederholt werden. Was wohl auch der Grund dafür ist, daß ihn die Irakkriegsgegner mit Ausnahme der Lancet-Loonies von sich aus nicht ansprechen und ansonsten alles tun, um eine Stellungnahme dazu zu vermeiden.

And the U.S. would have seemed powerless to shape events.

Ebenfalls so richtig wie wichtig: Saddams Gefährlichkeit bestand nicht zuletzt darin, daß er sich durch sein bloßes Überleben die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Abschreckungsfähigkeit erheblich beschädigte. Dieser Irrtum ist definitiv korrigiert.

Instead, we now have a government that does not threaten its neighbors, does not sponsor terrorism, and is unlikely to again seek WMD. We have a democratic government, a first for the Arab world, and one that is increasingly capable of defending its people and asserting its interests.

Wobei Errungenschaften wie Demokratie und Freiheit oder der Verzicht auf Massenvernichtungswaffen, Angriffskriege, Terrorismus und Völkermord zugegeben nichts sind, was der durchschnittliche Irakkriegsgegner als Erfolgskriterien zu würdigen weiß.

We have a defeat for al Qaeda. Critics carp that had there been no invasion, there never would have been al Qaeda in Iraq. Maybe.

Hier wäre noch anzumerken, daß der Dschihad-Tourismus zur afghanischen statt irakischen Qaida-Filiale der Entwicklung am Hindukusch kaum zuträglich gewesen sein dürfte. So weit kam es aber erst gar nicht:

As it is, thousands of jihadists are dead, al Qaeda has been defeated on its self-declared „central battlefield,“ and the movement is largely discredited on the Arab street and even within Islamist circles.

Wobei es schon interessant wäre herauszufinden, was in den Köpfen von Leuten vorgeht, die die Niederlage einer Seite auf einem von ihr als „entscheidend“ bezeichneten Schlachtfeld in einen Sieg umzudeuten versuchen.

We also have — if still only prospectively — an Arab bulwark against Iran’s encroachments in the region.

Last but not least: Sollte das Mullahregime einen Angriff der USA und/oder Israels tatsächlich vermeiden oder wenigstens politisch überleben können, wird wenig seine Herrschaft auf Dauer so gefährden wie eine prosperierende Demokratie im Irak.

NeoCons lachen offenbar am besten.

~ von Paul13 - Mittwoch, 6. August 2008.

20 Antworten to “„The war in Iraq is over. We’ve won.“”

  1. AMEN.

  2. @ Paul

    Träumen Sie ruhig weiter …

  3. @ NMR

    Deine ausgefeilte Widerlegung von Stephens Kriterien kommt noch erschwerend hinzu. Wenn „Nyet!“ alles ist, was Ihr habt, um den Sieg der Terroristen zu begründen, dann ist die Lage im Irak noch besser als gedacht.

  4. @ Paul

    Victory? Sure:
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7545868.stm

    Ansonsten:
    https://nbfs.wordpress.com/2008/07/28/victory-for-dummies/

  5. @
    Paul

    Spam-Filter, seufz.

  6. Ach NMR. Mehr hast Du nicht zu bieten? Dann bin ich ja beruhigt.

  7. @ NMR

    Politiker streiten tatsächlich um ein Gesetz? Na, das ist natürlich ein untrüglicher Beweis für das Scheitern einer Demokratie.

    Dumm nur, daß weder die Sieger von al-Qaida noch die Gewinner der Ba’ath-Partei dabei auch nur nach ihrer Meinung gefragt werden.

  8. …und dabei gibt es so viel Grund den Text zu zerreissen…

    Warum zählt Stephens eigentlich nur amerikanische Leichen? Iraker sterben im Irak noch einige, und die Iraker liegen ihm doch so am Herzen. Warum zählt er die nicht (als Nachweis, dass der Krieg noch nicht ganz fertig ist)?
    Und die lustige Realpolitikerlogik von Paul mag man sich auch mal genauer durchlesen. Wenn der Irak noch baathgeführt wäre, hätte man es mit zwei regionalen Großmächten zu tun? Realpolitiker würden hier schon was von balancing erzählen und Dir nachweisen, dass das soooo gar nicht geht. Das musst Du entweder zulassen oder das ganze System von wegen Realpolitik ablehnen. Aber nicht, wie Du es machst, nach der Hälfte anfangen zu nörgeln…
    Bei den WMD würd‘ ich immer drauf verweisen dass wir (mindestens) im Nachhinein wissen, dass die USA gar nicht WUSSTEN, dass der Irak welche hat, auch wenn sie anderes sagten. Deswegen jetzt davon auszugehen er HÄTTE welche (Hier bräuchte es ein Futur IV) ist dünn…
    Der lustigste Absatz ist aber der: „Saddams Gefährlichkeit bestand nicht zuletzt darin, daß er sich durch sein bloßes Überleben die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Abschreckungsfähigkeit erheblich beschädigte.“ Bezieht er sich auf Saddam? Dann glaub ich Todesstrafenverneiner Paul kein Nein mehr in dieser Frage. Bezieht er sich auf Saddams Regime, dann frag ich mich, wie Paul erklärt, dass es noch EINE Diktatur auf der Welt gibt UND die amerikanische Glaubwürdigkeit dennoch angeblich Bestand hat?

  9. @Rene
    Ich will ja hier nicht rumklugscheißern, aber Dein historischer Vergleich ist etwas daneben:
    Es war Cato Senior von dem der Ausspruch “Ceterum censeo Carthaginem esse delendam” stammt. Einen Senator Delanda hats nie gegeben und auch sonst ist der Vergleich mit den Römern reichlich windschief, denn die Pointe bei dem Satz ist gar nicht, dass Karthago zerstört werden muss, sondern das „Übrigens meine ich“.Die Zerstörung Karthagos, der zweitgrößten Militärmacht der dmaligen Zeit, ist Cato nicht mal eine ganze Rede wert sondern nur einen beiläufig gesprochenen Satz am Ende einer Ansprache.

  10. @ daniel

    Warum zählt Stephens eigentlich nur amerikanische Leichen? Iraker sterben im Irak noch einige, und die Iraker liegen ihm doch so am Herzen. Warum zählt er die nicht (als Nachweis, dass der Krieg noch nicht ganz fertig ist)?

    Du solltest schon den ganzen Text lesen. Natürlich zählt er sie. Und er kommt zu dem korrekten Schluß, daß es ohne Saddam deren weniger gibt als mit. Es wäre im übrigen sogar dumm, sie nicht zu zählen, denn die irakischen Opfer sind größtenteils tote Terroristen oder die Opfer von deren Kriegsverbrechen und damit das beste Argument dafür, daß man besagte Terroristen bekämpfen statt sich mit ihnen arrangieren muß.

    […] Bei den WMD würd’ ich immer drauf verweisen dass wir (mindestens) im Nachhinein wissen, dass die USA gar nicht WUSSTEN, dass der Irak welche hat, auch wenn sie anderes sagten. Deswegen jetzt davon auszugehen er HÄTTE welche (Hier bräuchte es ein Futur IV) ist dünn…

    Daß ich das richtig verstehe: Heißt das, Du gehst allen Ernstes davon aus, daß ein nach Ende der Sanktionen dank der Ölpreisentwicklung im Geld schwimmender Saddam Hussein sein – dann ja völlig legales! – WMD-Programm nicht fortgeführt hätte?

    Der lustigste Absatz ist aber der: “Saddams Gefährlichkeit bestand nicht zuletzt darin, daß er sich durch sein bloßes Überleben die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Abschreckungsfähigkeit erheblich beschädigte.” Bezieht er sich auf Saddam? Dann glaub ich Todesstrafenverneiner Paul kein Nein mehr in dieser Frage.

    Diese Bemerkung bezog sich auf das politische Überleben Saddams (ich dachte eigentlich, das ging aus dem Zusammenhang hervor). Wobei es aber tatsächlich auch andersherum richtig ist, denn ich bin nicht gegen die Todesstrafe, weil ich sie prinzipiell bei jedem Verbrechen als unangemessen erachte, sondern weil sie Unschuldige treffen könnte und dabei gleichzeitig irreversibel ist.

    Sofern man aber nicht mit Sätzen der „Wenn das der Führer wüßte!“-Klasse argumentieren will, ist in meinen Augen jeder Diktator auch ohne von ihm persönlich unterschriebenen Führerbefehl voll für die von seinen Schergen begangene Massenmorde verantwortlich. Er hätte sie schließlich einfach stoppen können. Deswegen ist er ja auch Diktator und nicht Frühstücksdirektor.

    Bezieht er sich auf Saddams Regime, dann frag ich mich, wie Paul erklärt, dass es noch EINE Diktatur auf der Welt gibt UND die amerikanische Glaubwürdigkeit dennoch angeblich Bestand hat?

    Also der König von Lampukistan hat nicht nach einem gegen die USA verlorenen Krieg seine Krone dadurch gerettet, daß er ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet hat, welches er dann dauernd ungestraft gebrochen und sich so als – auch von den westlichen Medien gefühlter – Sieger über die verhaßte Supermacht aufgespielt hat.

    Aber unabhängig davon hast Du grundsätzlich recht, daß es generell besser wäre, wenn die anderen Diktatoren auch noch an die Reihe kämen. Schön, daß wir uns da einig sind.

  11. @ Rene

    Einen Linkage zwischen dem vom Zaun gebrochenen Irak-Krieg und dem Iran-Atomkriegsprogramm ist nun ein solch hanebüschener Stuss, dass es auch Dir hätte auffallen müssen. A. wurde erst 2005 gewählt und mit Chatami kamen die westlichen Staaten ziemlich gut zurecht. Er wurde sogar als Reformer gefeiert, von Atom-Plänen war da nur wenig die Rede.

    Erstens wurde A. (sehr schöne Abkürzung!) nicht gewählt, zweitens ist der Präsident im Iran eh nicht der Bandenchef, sondern nur der oberste Unterling (wobei ich A. zugegeben zutraue, daß er den Ehrgeiz hat, das zu ändern), und drittens geht das iranische Atomprogramm schon auf eine Zeit zurück, da war Dein Chatami noch nicht mal Präsident.

    […] Es mag sein, dass Saddam die U.S.-Abschreckungsfähigkeit ein wenig angekratzt hat, gefährdet hat er sie nie. Man würde ihm ja nun postum quasi die zweifelhafte Ehre anhängen, das gesamte U.S.-Militär dermaßen in Schach halten zu können, dass diese nicht mehr handlungsfähig gewesen wären. Dies wäre das eigentliche Armutszeugnis und ist ausgesprochener Quatsch.

    Das behauptet auch keiner. Aber er hat die politische Fähigkeit der USA, das Militär auch entsprechend einzusetzen, entscheidend angekratzt. Unter Clinton war alles, was man nicht verlustlos mit Marschflugkörpern und aus der Luft erledigen kann, irgendwann keine realistische Option mehr. Jetzt ist es wieder eine.

    […] Und: Bush jun. hat der Abschreckungsfähigkeit mehr geschadet als es Saddam hätte tun können. Er hat nämlich gezeigt, dass (1) durch schlichte Fehlplanung (fehlende Ausführungs- und Rückzugsplanung, Setzen auf einen Betrüger in Washington) und (2) das Nichtfertigwerden mit der irakischen Widerstandsbewegung die USA angreifbar und handlungsunfähig sind.

    Die USA haben durchaus einen Rückzugsplan. Aber eben einen, der den Rückzug erst dann vorsieht, wenn der Job erfolgreich zuendegebracht ist. Alles andere wäre auch wenig sinnvoll. Was die Kriegsverbrecher angeht, die Du so entlarvend „Widerstandsbewegung“ nennst, so kriegen die inzwischen dermaßen aufs Maul, daß sie selber nicht mehr an den Endsieg glauben, von dem Du noch träumst.

  12. Komisch ich dachte die werden immer weniger und versuchen gerade nach Afghanistan zu fliehen? Muss ich dann wohl doch wieder auf die Zionistische Presse reingefallen sein ;-)

  13. Da trauert einer den Baath-Faschisten und Terroristen ganz schoen hinterher – zu dumm, wenn man auf die Verlierer gesetzt hat.

  14. @Paul
    Nö, nochmal gelesen und tote Iraker tauchen nur zwischen den Zeilen von zwei nebensätzlichen Nebensätzen ganz am Rande auf. In erster Linie rechnet er tote Amerikaner mit toten Amerikanern auf.
    Und zum Rest sag ich nix mehr weil es unredlich ist, sich einfach sein eigenes Völkerrecht zusammenzubasteln in dem Iraks WMDs „legal“ sind und deswegen existieren, während sie, als sie „illegal“ waren nicht existierten aber gejagt wurden.

  15. @ Rene

    Hm. Was ist er denn dann?
    Von Gott gesandt?

    Weder von Gott noch gesandt. Aber eben auch nicht vom Volk und gewählt. Sondern von den Mullahs und ernannt.

    Aber warum sag ich Dir das. Für Dich war das Schauspiel ja eine einwandfreie demokratische Wahl.

  16. @ daniel

    Für die Amerikaner sind die gefallene GIs genauso im Fokus wie für die Deutschen tote Bundeswehrangehörige. Das mag von der globalen Perspektive gesehen falsch sein, ist aber allgemein üblich.

    Aber Stepehens Nebensätze sind immer noch weit mehr als das dröhnende Schweigen der Kriegsgegner zu den Opfern der Saddam-Diktatur. Sonst hätten sie nach 5 Jahren endlich eine Alternative zur militärischen Befreiung vorgelegt.

  17. @Paul
    Vielleicht sind die Kriegsgegner ja keine Phantasten, was sollen sie sich Gedanken machen, wenn eh keiner auf sie hört? Und den Rückzieher mit den toten Irakern merk ich mir. Zwar wirst Du das jetzt bestreiten, aber dass BS anhand der amerikanischen Verluste die Situation im Irak beurteilt, ist lächerlich. Also haben wir einen Lächerlichkeitsfaktor von 3 auf der nach oben offenen politischen Blindheitsskala. BS – keine glaubwürdige Quelle. Und, sorry, da hast Du dann auch ein bißchen danebenkommentiert…

  18. @ daniel,

    sicher ist es unredlich sich sein eigenes Völkerrecht zusammenzubasteln, wie es Kommunisten, Apeaser und Diktatorenversteher seit einem knappen Jahrhundert machen. Besonders widerlich ist aber wenn solche Leute zur Zivilcourage aufrufen.

  19. @alibaba
    Ja, und verschimmelte Tomaten in den Schuhen zu haben ist auch schlimm…

  20. Vielleicht sind die Kriegsgegner ja keine Phantasten, was sollen sie sich Gedanken machen, wenn eh keiner auf sie hört?

    Daniel mit dieser Frage disqualifizierst Du Dich doch selbst. Vielleicht sind die Friedensfreunde keine Phantasten? Massenmorde durch Saddam war deren Lösung. Auf so was willst DU hören? Dazu muss man Phantast sein!
    Oder kannst Du mir einen nützlichen und sinnvollen Vorschlag der „Friedensfreunde“ nennen, auf den nicht gehört wurde? Fange bloss nicht wieder mit dem Märchen von weiteren Inspektionen und Sanktionen an… Dazu war mehr als 10 Jahre Zeit!

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