Deutsches Nachrichtenmagazin ignoriert Pitzkes Patzer


Mit immer bissigeren TV-Spots ereifert sich der US-Republikaner McCain über die Popularität seines Rivalen Barack Obama. Vor allem den Journalisten wirft er vor, den demokratischen Präsidentschaftsbewerber zu hätscheln. Doch in Wahrheit ist das Gegenteil der Fall.

Da kommen einem ja die Tränen. Die Medien sind schließlich sooo gemein zu Obama. War ja auch wirklich widerwärtig, der SPIEGEL-Titel „Deutschland sucht den Superloser“ und all die anderen unflätigen Beschimpfungen, die Obama in letzter Zeit in Presse und Fernsehen über sich ergehen lassen mußte.

[…] Längst ist das zu einem Axiom dieses Rennens ums Weiße Haus geworden: Die US-Medien hätscheln ihren Liebling Obama, beten ihn sogar an – und benachteiligen McCain, den wackeren Underdog. Das Problem daran: Es stimmt nicht.

Das Problem daran: Es stimmt nicht, daß es nicht stimmt. Nur ist jemand wie Marc Pitzke, der die Behandlung von George W. Bush in der SPIEGEL-Berichterstattung als Nullmeridian der gefühlten Objektivität nimmt, um seine eigene Voreingenommenheit daran zu eichen, kaum in der Position das zu beurteilen.

Im Gegenteil: McCain hat sich in den vergangenen Wochen einen derart miserablen Wahlkampf geleistet, mit solchen Missgriffen und Tiefschlägen – und doch herrscht dazu in den US-Medien meist höfliches Schweigen. So was hätten sie Obama nie durchgehen lassen.

Deswegen bestimmte ja auch Obama mit seiner aufschlußreichen Mitteilung, daß er bereits 57 US-Bundesstaaten besucht hat, obwohl es nur deren 50 gibt, tagelang die Schlagzeilen. Und seitdem denkt jeder Mensch auf diesem Globus, daß Obama ein uncooler Volltrottel ist, der niemals Präsident werden darf. Ja nee, is klar.

Es wird Zeit, daß sich Pitzke nach diesem erneuten Beweis seiner fachlichen Eignung als unbestechlicher, nur der Wahrheitssuche verpflichteter Journalist größeren Aufgaben stellt. New York ist keine wirkliche Herausforderung für solch einen Genius. Am besten, man schickt ihn nach Werchojansk. Und zwar im Winter.

~ von Paul13 - Freitag, 1. August 2008.

20 Antworten to “Deutsches Nachrichtenmagazin ignoriert Pitzkes Patzer”

  1. @ Paul

    Das beste Zitat aus Pitzkes Artikel als Beleg für die „57 Bundesstaaten“-Episode hast du ja gar nicht gebracht:
    „Wenn Obama nur eine dieser Dümmlichkeiten von sich gegeben hätte, hätten sich die Medien und die McCain-Kampagne sofort auf ihn gestürzt wie rote Ameisen auf einen waidwunden Hundewelpen.“
    Wirklich unglaublich.

  2. Also ich muss Herrn Pitzke zustimmen.

    Hätte Obama einen langweiligen Lokalwahlkampf hingelegt und der Welt nicht gesagt, dass er sie retten will, hätten die Medien bestimmt auf ihn eingedroschen.

    Außerdem ist es bestimmt eine Verunglimpfung des Amtes eines US-Präsident(schaftskandidat)en, auf eine einmalige verbale Entgleisung hinzuweisen.

    Die Idee, schlechte Journalisten nach Sibirien zu schicken, ist zwar anfangs verlockend, erinnert aber an eine dunkelrote Vergangenheit *g*

    (Ich hoffe, ich muss keine Ironie-Tags einfügen ;))

  3. @ Chewey

    Stimmt! Und das schlimmste: Dieses Zitat war einer der Hauptgründe dafür, daß ich den Artikel überhaupt geschrieben habe. Das mit den 57 Staaten sollte eigentlich direkt dahinter kommen. Weiß der Teufel, warum ich das dann am Ende umgestellt habe. Man sollte so spät nachts besser ins Bett gehen.

  4. @ Andreas

    Das mit Sibirien sollte ja nur eine neue Herausforderung sein, keine Zwangsverschickung. Und er bekäme sicherlich noch einen Gehaltszuschlag für die aktuelle Wintermode. :-)

  5. Ich glaube ja, dass Pitzke in Obama verliebt ist. Anders kann ich mir das nicht erklären.

  6. Lustig ist, wenn man Marc Pitzke bei Google eingibt, dass dann bereits der 2. Treffer zum Sauerkraut Paul führt. Goggle scheint doch sehr schlaue Algorithmen einzusetzten.

  7. @ Paul

    Er zählt halt Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Japan, Südkorea, Taiwan und Israel zu den jetzigen US states dazu. Unter seiner Präsidentschaft wäre eine enge Kooperation dieser wichtigen Verbündeten ja auch eine realistische Vorstellung – sozusagen change you can believe in.

    Aber mal im Ernst – er ist des Teufels weil er sich versprochen hat? Sonst fällt euch nichts besseres ein? Erinnert ihr euch nicht mehr daran, dass euer Held letztens noch behauptet hat, der Irak hätte eine gemeinsame Grenze mit Pakistan? LOL!

  8. @Paul
    Die „57 Staaten“ sind ja bekanntlich nur ein Teil der Gaffe-O-Matic – das bekommen die Messiah-Juenger nur selten mit, denn die Presse verschweigt die vielen Patzer des Erloesers :-)

    @DJ
    Ich wusste nicht, dss Obama waehrend der Primaries Deutschland besucht haette.

  9. @ Chewey:

    Ich bin derzeit noch etwas mit dem Finetuning meines eigenen Blog beschäftigt, deswegen konnte ich hier noch nicht volle Potte zulangen. Ich suche immernoch co-autoren, also wenn auch du heiße Luft abzulassen hast, nur zu. Das gilt auch für alle anderen hier.

  10. Guys where are you.

  11. Bin gerade unterwegs. Mehr später. Ist so unpraktisch per Handy.

  12. Sommer, Sonne + Pool ;-)

  13. Hass die Jahreszeit. Hohe Temperaturen bekommen mir halt einfach nicht. Ka wieso.

  14. @ S1IG

    Bewölkt, Wespen, Sauerland, und dann noch ’ne Reifenpanne. Aber schön!

  15. Nun, jeder will, dass sein Liebling David und der andere Goliath ist, denn man weiß wie die Geschichte ausgeht. Im übrigen, kann es nicht sein, dass es, wenn US-Medien Obama etwas härter anpacken, um inhaltliche Gründe geht? Wäre echt nett wenn das auch eine Rolle spielte. Außerdem finde ich, dass die Anti-Obama-Spots, die ich gesehen habe, aus dem McCain-Lager durchaus sachliche Kritik üben.
    Und schließlich ist Marc Pitzke ein „Britney-Spears-Höschen-Wächter“ wenn er Wahlkampfauftritte mit älteren Damen im Supermarkt für Bauerntheater und nicht für realitätsnah hält. Obwohl die „Britney-Spears-Höschen-Fraktion“ hat wenigstens noch Ironie, Marc Pitzkle ist wohl doch eher ein in seinen Star verknallter Teenie.

  16. @ Analytics

    Danke für dein Angebot, ich komme ggf. gerne darauf zurück. Bin aber z.Zt. so eingespannt, dass ich kaum zum schreiben komme, und die restliche Zeit versuche ich – wie die anderen hier – was vom Sommer abzubekommen ;-)

  17. @ nmr

    Nun lies doch wenigstens mal die Beiträge, bevor du dich äußerst. Kein Mensch verteufelt Obama, weil er sich versprochen oder mal geirrt hat. Es geht darum, dass Äußerungen wie diese in diesem Zusammenhang einfach absurd wirken:
    “Wenn Obama nur eine dieser Dümmlichkeiten von sich gegeben hätte, hätten sich die Medien und die McCain-Kampagne sofort auf ihn gestürzt wie rote Ameisen auf einen waidwunden Hundewelpen.”

  18. @ NMR

    Was Chewey da anspricht, wollte ich Dir auch noch sagen. Versprecher passieren jedem mal, das ist nicht das Problem. Aber sie Bush jahrelang als Beweis für seine Dummheit vorzuhalten, sie dann bei McCain als Anzeichen von Senilität hochzuspielen, und dann anfangen zu weinen, weil die eigene Lichtgestalt hinfort mit denselben Maßstäben gemessen wird, ist Heuchelei hoch drei.

  19. […] Prozent der Befragten sagten, daß SPIEGEL-Reporter Marc Pitzke sich mit seinem surrealen “der arme Obama”-Gejammer für den Einsatz in den USA endgültig disqualifiziert hat, ist nicht bekannt. Aber nur, […]

  20. Ne ganz einfache allgemeine Festellung ist doch: „Was ist das besondere an dieser Wahl?“. Ich kenne weder von Obama noch von McCain die wahre politische Vorgeschichte. Mir ist die Wahl in den USA (wenn sie überhaupt stattfindet) sowas von egal. Der Fahrplan für die nächsten Monate und Jahre steht doch sowieso.

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