Freund oder Feind?


Bloß keine Afghanistan-Debatte in der Sommerpause: Die Bundesregierung hat sich nach SPIEGEL-Informationen geeinigt, gegenüber der Nato auf Zeit zu spielen. Die Isaf-Schutztruppe hatte Awacs-Flugzeuge des Militärbündnisses angefordert – Deutschland stellt ein Drittel von deren Besatzung.

Das erneute unwürdige Gezerre um den Einsatz der NATO-eigenen AWACS-Staffel sollte eigentlich Grund genug sein, die Deutschen zu fragen, ob sie sich noch als vollwertiges Mitglied des atlantischen Bündnisses verstehen oder ob ihre E-3-Besatzungen nur eine Art Sperrminorität darstellt, die verhindern soll, daß die NATO ihre begrenzten Mittel halbwegs effizient einsetzt.

[…] Die in Geilenkirchen bei Aachen stationierten Awacs sollen mit ihrem weitreichenden Radar den zunehmenden Flugverkehr am Hindukusch koordinieren helfen, würden aber auch als Kommandozentralen für Kampfjets dienen, die für Isaf und die Anti-Terror-Operation „Enduring Freedom“ (OEF) unterwegs sind.

Das wäre vielleicht ein Ansatzpunkt für einen Kompromiß. Die Deutschen dürfen ihr AWACS-Personal in 5-6 Maschinen für die Abwehr der russischen Bomberflotten über der Ostsee zusammenziehen und die ISAF/OEF-Führung sichert ihnen zu, der Bundeswehr nicht mit unerwünschten Luftangriffen zu Hilfe zu kommen. Spätestens wenn dann nach einem Taliban-Angriff die Meldung lautet „mehr als 50 Bundeswehrsoldaten getötet“, sitzen die Deutschen ganz schnell wieder neben den Kameraden vor dem Radarschirm und erledigen brav die Arbeit, für die sie bezahlt werden.

[…] Die Isaf-Truppe, von der Uno eingesetzt als Aufbauhelfer und Beschützer, hat sich jedoch längst zur robusten Kampfmacht entwickelt. Sie ist – wie die Einheiten von OEF – gegen Aufständische aktiv und bekämpft Taliban-Führer auch gezielt mit Operationen, bei denen es um das Ausschalten des Gegners geht – tot oder lebendig.

Operationen? Ausschalten? Gegner? Tot!? So richtig mit Bumm-Bumm-Bumm und Raketen und Schießen und so? Aber das wäre dann ja Krieg!!!

Daran nehmen auch deutsche Soldaten teil. Ihr Auftrag aus Berlin lautet jedoch, die Verdächtigen tunlichst lebend zu schnappen.

Lebend? Ok, kein Krieg. Und für Polizeiarbeit braucht man natürlich keine fliegenden Radarzentralen. Sondern nur einen Haftbefehl.

~ von Paul13 - Dienstag, 29. Juli 2008.

10 Antworten to “Freund oder Feind?”

  1. Wie wird wohl ein Angriff der Taliban mit 200 Mann auf eine deutsche Stellung aussehen? Keine Kampfpanze oder schwere Artillerie zur Verteidigung, Close Air Support muss bei Verbündeten angefragt werden. Und am allerbesten: Soldaten dürfen erst schießen, wenn Sie den Angreifer gewarnt haben. Mit dem Gewehr wird dann „deeskaliert“, wie der Verteidigungsminister sagt.

    Man stelle sich nur mal vor, den Ostblock gäbe es heute noch..

  2. @ Paule

    Seufz. Also noch mal langsam zum mitschreiben für NeoCons und Ballerspiel-Geschädigte:

    1. Die Bundesrepublik ist eine halbwegs funktionierende Demokratie (repräsentativ parlamentarischer Typ).

    2. Die überwältigende Mehrheit der deutschen Bevölkerung (ca. 3/4 and counting) steht dem Militäreinsatz der Bundeswehr in Afghanistan skeptisch bis ablehnend gegenüber. Auf keinen Fall will sie dort mehr Truppen stationiert sehen.

    3. Die Bundeswehr ist dank der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtes eine Parlamentsarmee, über deren Einsatz NUR der Bundestag entscheidet – niemand sonst. (Für unsere amerikanischen Freunde: war powers act in full).

    4. Die Bundesregierung weiß, dass sie bei einer drastischen Aufstockung bzw. einem erweiterten Kampfeinsatz mit Gegenstimmen aus den eigenen Reihen rechnen muß, die die Kanzlermehrheit gefährden. Deshalb versucht sie das Engagement häppchenweise zu erhöhen und wichtige Entscheidungen bis nach den Wahlen (in Bayern, im Bund) zu verschieben.

    5. Daraus folgt für US Präsident Obama und die Außenpolitik seiner Administratiob: mehr deutsche Entwicklungshilfe für Afghanistan, mehr Unterstützung beim Aufbau von Verwaltung, Polizei und Justiz, ein paar mehr deutsche Soldaten in den Norden (so bis ca. 5.000 troops). That´s it. Keine Kampfeinsätze im Süden, keine Luftangriffe deutscher Tornados u.ä.

    Noch irgendwelche Fragen? Nein? Danke, setzen!

    P.S. Und das heißt natürlich auch: no AWACS mit deutscher Beteiligung für OEF.

    P.P.S. An Tyrion: auch wenn Sie es noch nicht mitbekommen haben sollten – der Kalte Krieg ist vorbei.

  3. @ NMR

    Daß es Dich nicht stören würde, wenn die Bundeswehr im Ernstfall keine Luftunterstützung bekäme, überrascht mich jetzt nicht wirklich. Daß Du Deinem Held Obama so in den Rücken fällst, hingegen schon.

  4. @ Paul

    1. Was mich stört oder nicht ist völlig unerheblich. Entscheidend ist wie gesagt die Stimmenmehrheit im Bundestag. Aber definieren Sie doch mal „Ernstfall“.

    2. Obama war nie „mein Held“. Ein vernünftigeres außenpolitisches Programm als McBush zu formulieren ist ja nun nicht so schwer – von der Energie- oder Wirtschaftspolitik ganz zu schweigen. Aber dshalb sollte man nicht alles was Obama im Wahlkampf erzählt auf die Goldwaage legen. Bezogen auf Afghanistan heißt das:

    – die Europäer werden einer signifikanten Ausdehnung des militärischen Konfliktes nicht zustimmen bzw. dafür keine Truppen stellen. Ohne sie können die USA keinen zweiten Krieg in der Größenordnung Irak führen: die Ressourcen sind einfach nicht da und der Konsens in der Bevölkerung auch nicht.

    – Erreichbar ist günstigenfalls eine Eindämmung der Taliban und eine Stabilisierung + Entwicklung in Teilgebieten im Westen und im Norden Afghanistans. Schon dieses würde erheblich mehr Geld und Infrastrukturhilfe erfordern – und einen Konsens der Nachbarstaaten zu diesem Kurs. Wenn der Westen ernsthaft bereit sein sollte, einen Konflikt mit Pakistan – dessen Eliten an einer Stabilisierung Afghanistans bzw. Schwächung der Taliban keinerlei Interesse haben – deswegen zu riskieren, müßte zunächst ein modus vivendi mit dem Iran erzielt werden.

    – wenn etwas den Konflikt in Afghanistan eskalieren läßt, so die Luftangriffe im Rahmen von OEF. Wer glaubt, die Taliban durch Bombardierung von Siedlungen besiegen zu können, versteht weder etwas von Guerillakrieg noch von Lage in Afghanistan. Da bleibt noch viel zu tun für Präsident Obama …

  5. @ NMR

    zu 1.) Wenn ein kleiner Vorposten der Bundeswehr von einer Übermacht der Taliban angegriffen werden sollte, was bei kleinen Vorposten immer mal passieren kann. Und wenn dann keine Warzenschweine die Deutschen heraushauen können.

    zu 2.) Das klang früher anders. Da war Obama Dein Supermann. Aber mit dem Gedächtnis hast Du’s nicht so. Sonst hättest Du den amüsanten Patzer vermieden, hier gerade auf jemanden zu setzen, der den Konflikt in Afghanistan nicht nur entschlossener führen will als er das Bush unterstellt, sondern zu diesem Zweck bei Bedarf sogar Pakistan angreifen würde. Da hat er wirklich noch viel vor, der gute Barack.

  6. @Paul
    The „Fawnies“ throw the Star under the bus… :-)

  7. @ Paul

    Nur der Ordnung halber: mit Helden habe ich es nicht so. Mein bevorzugter Präsidentschaftskandidat wäre Bill Richardson gewesen, aber im Zweikampf zwischen „the magician“ und „the machine“ hatte ein intelligenter Politiker mit einer durchschnittlichen Medienpräsenz keine Chance.

    Müßte ich mich aber zwischen Obama und McBush entscheiden, so ist die Wahl klar.

  8. @DJ
    Komisch – vor kurzem stand der UFO-Sichter bei Dir vor Richardson in Deiner Gunst. Richardson hast Du bekanntlich nur den „einen oder anderen wichtigen Strukturwandel“ zugetraut …

  9. @ Islamisten-Gnom

    Dann lesen Sie nochmal genau nach.

  10. @nmr
    Wer ist McBush? Etwa ein Schotte?

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