Yes, you can (send more soldiers)!


„Bush wäre dafür ausgelacht worden“

Dieser Satz des Historikers Heinrich August Winkler enthält viel Wahrheit, wenn auch vermutlich anders als beabsichtigt. Denn in jenen lichten Momenten seiner Berliner Rede, in denen Obama das „Yes we can change and heal the world“-Erweckungspathos kurzzeitig verließ und wenigstens andeutungsweise konstruktive Dinge zum „war on terror“ von sich gab, klang er wie Bush III. Nur daß er dafür – warum auch immer – im Gegensatz zu Bush I von dessen deutschen Kritikern euphorisch bejubelt wurde, obwohl er in der Sache eigentlich wesentlich härter war als Bush II.

So allmählich scheinen das auch Obamas bis an die Grenze der Selbstverleugnung unterwürfige Claqueure in den deutschen Medien zu begreifen, und so üben sie sich schon mal versuchsweise in vorsichtigem Obama-Bashing, damit sie nicht mit dem Ende von Bushs Amtszeit Gefahr laufen, mangels demagogischer Praxis ihren Arbeitsplatz zu verlieren, weil ihre Kundschaft natürlich früher oder später merkt, daß der Präsident der Vereinigten Staaten immer noch als erstes die Interessen seiner Wähler im Auge hat und nicht das emotionale Wohlbefinden der deutschen Friedensbewegung:

Die einen schicken mehr Truppen, die anderen sparen: Bei seinem Frankreich-Besuch hat US-Senator Barack Obama mehr Nato-Truppen für Afghanistan gefordert. Das hätte auch für die US-Wähler Vorteile, rechnet er vor: In den Vereinigten Staaten könnten dann die Steuern sinken.

Statt Obama einfach zuzugestehen, daß die Last im „war on terror“ dank Bushs fast schon unpatriotischer Großzügigkeit ungleich verteilt war und er als amerikanischer Populist durchaus mit einer gewissen Logik verlangen kann, daß seine Fans von der Berliner Siegessäule allmählich mal die Marschstiefel schnüren, stellt der SPIEGEL es gleich so da, als ob Obama sich – oder besser gesagt seinen Landsleuten – ein goldenes Näschen verdienen will und deswegen, sozusagen nach dem Motto „Blut für Geld“, Europäer sterben müssen, damit die Amis besser leben können.

Tatsache ist aber nun mal, daß die Verteidigungsausgaben der USA ein vielfaches ihrer sogenannten Verbündeten betragen (mit gut einem Drittel der Bevölkerung entrichten sie ca. zwei Drittel der NATO-Militärausgaben!) und damit die amerikanische Wirtschaft weit über Gebühr belastet wird. Da ist es natürlich leicht, über die Schwächen der nicht konkurrenzfähigen US-Wirtschaft zu schwadronieren und selber als solider Exportweltmeister zu posieren, wenn auf amerikanische Produkte de facto noch mal ein paar Prozent Verteidungszusatzsteuer draufgeschlagen werden.

Was Obama hier einfordert, ist also völlig legitim, und zwar ganz unabhängig davon, ob ihm das nun Vorteile an der Heimatfront bringt oder nicht. Seine hiesigen Jünger sollten sich mal fragen, wie sie es denn finden würden, wenn sie zusätzlich zu Mehrwertsteuererhöhung und gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel noch mal 1% NATO-Solidaritätsabgabe abdrücken müßten, damit Deutschland auch nur den Bündnisdurchschnitt erreicht. Da hätte Obama in Berlin besser mal erwähnt, daß so immerhin das iPhone billiger wird, dann hätte er jetzt vielleicht Applaus bekommen.

~ von Paul13 - Samstag, 26. Juli 2008.

11 Antworten to “Yes, you can (send more soldiers)!”

  1. Bush waere dafuer nicht nur ausgelacht worden, sondern man haette Ihn endgueltig als nicht zurechnungsfaehig abgekanzelt..

    Die von Barack Obama besoffenen haben das ganze mit Sichherheit nicht nur ueberhoert, sondern wahrscheinlich nicht mal verstanden, oder nicht verstehen wollen. Ich bin gespannt wie das ganze in einem Jahr aussieht, falls der Mann wirklich gewaehlt werden sollte. Was ja auch noch passieren muss.

  2. Bill Clinton once said „Democrats fall in love, Republicans fall in line“

  3. Ich weiß gar nicht was ihr habt, im Gegensatz zu den etwas verstörten Bionade Säufern neben mir, denen sich die Zehennägel unter ihren Crogs hochrollten habe ich eifrig applaudiert als Obama über die Fortführung des War on Terror redete und uns bat uns mehr zu involvieren!
    Seit der Berliner Rede kreuzt die Friedensbewegung weltweit die Finger, dass McCain amerikanischer Präsident wird – ein Afroamerikaner in diesem Amt würde nämlich das Ende des als zügellose Kritik getarnten Anti-Amerikanismus bedeuten. Und Hitler Vergleiche würden plötzlich pietätlos werden.

  4. Guten Morgen. Bin sehr froh über diesen Blog gestolpert zu sein, der sich mal realistisch (und humorvoll) mit Obama auseinandersetzt. Besonders lustig finde ich auch seine Steuersenkungspläne, selten so gelacht. Die Demokraten sind ja geradezu berüchtigte Steuersenker. Von dem Geld würden sie doch eher ein paar neue, sinnlose Departments erschaffen. Oder er packt wieder die alte „universal Healthcare“ Lüge aus, in guter, alter, blauer Tradition. Armes Amerika..

  5. @ appdata

    Danke für das Lob! Nur interessehalber, wie hast Du diese Seite denn gefunden?

  6. Schön wenn man einen Mann zujubelt, nur weil er etwas neues darstellt.

    (ohne jetzt einen Vergleich mit Hitler zu machen…)

  7. […] – Kleingedrucktes (Bissige Liberale ohne Gnade) – Obama: Champion im Nichtssagen (Bettina Röhl) – Yes, you can (send more soldiers) (No Blood for Sauerkraut) – Deutschlands Lieblingsamerikaner (Lizas Welt) – Die gefährlichen […]

  8. Hallo Paul,
    das ist wie immer schwer nachzuvollziehen nach stundenlanger Klickerei. Ich bin irgendwie auf einem liberalen Blog gelandet als ich nach Infos zu Europafragen/EuGH-Urteilen gesucht habe. Die hatten dann ebenfalls einen Navigator mit Verweisen zu anderen Blogs, und der Name „No Blood for Sauerkraut“ hat mich einfach draufklicken lassen. Allerdings verwies der Link noch auf eine veraltete Version deiner Seite.
    Hab mittlerweile einige Artikel hier durchgelesen, und finde es sehr spannend, da es unheimlich schwer ist, euch in irgendeine Schublade zu stecken. Das gefällt mir. Gibt viel zu viele Hinterherläufer in unserem Land.

  9. @ appdata

    Danke für die Info! Ist gut zu wissen, daß der Blog-Name die Leute nicht abschreckt, sondern sogar ein bißchen neugierig macht.

    Das mit der Schublade stimmt tatsächlich. Da gibt’s die unterschiedlichsten Varianten. Auf alle diese Blogs trifft wohl der Begriff „liberal hawk“ zu, aber darüber hinaus ist das Spektrum schon recht weit gefächert, von konservativ bis kommunistisch. Spannende Mischung, muß ich sagen.

  10. […] allerdings durchaus legitim, dass ein US-Präsident bei den Verbündeten einfordert, dass die Amis nicht derart viel der Last des Kampfes in Afghanistan zahlen müssen. Ob er das durchsetzen kann, ist eine andere […]

  11. Obama dürfte es bei den Deustche jetzt ohnehin vergeigt haben; Truppen für Afghanistan sind eine Sache, aber bei dem Thema verstehen die Deutschen wirklich keinen Spaß…

    http://news.yahoo.com/s/livescience/obamagaffeamericadidntinventautomobile

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