Pacifism by firepower?


In Teheran scheint die Botschaft angekommen zu sein, dass eine Fortsetzung des iranischen Atomprogramms höchstwahrscheinlich militärische Konsequenzen haben wird. Zumindest gibt es aus Teheran beachtenswerte Signale, die auf eine verstärkte Verhandlungsbereitschaft hindeuten.

Die Drohung mit militärischen Konsequenzen (eine nette Umschreibung für einen völkerrechtlich nicht autorisierten Angriffskrieg) erzwingt Verhandlungsbereitschaft? Ja, welch finsterem NeoCon hat die ZEIT denn da eine Bühne geboten, um seine kranken Ideen von einer „heißen Abrüstung“ zu verbreiten. Wer ist der kriegstreiberische Dunkelmann, der hier das Appeasement-Credo der rot-grünen Ära in die Mülltonne der Geschichte tritt? Ist es der umtriebige Paul Wolfowitz? Der geheimnisvolle Richard Perle? Vielleicht der strippenziehende Bibi Netanyahu? Oder am Ende gar der Leibhaftige, also George W. Bush, höchstpersönlich? Weit gefehlt: Niemand geringeres als unser aller Ex-Bundesjoschka dreht hier der Friedensbewegung rhetorisch den Hals um.

[…]Das jüngste Angebot der „5+1“, also der fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder und Deutschlands, wurde in Teheran begrüßt. Dieses Angebot sieht neben einer weitreichenden Zusammenarbeit in politischen und wirtschaftlichen Fragen auch eine Zusammenarbeit mit Iran in nuklearen Fragen vor.

[…] Sollte es Iran ernst meinen, wird es um nichts Geringeres gehen, als um einen großen regionalen Interessenausgleich zwischen Iran und den USA, sowie Europa und den regionalen Verbündeten der USA, ein sogenannter „Grand Bargain“ also.

[…] Sollte in der obersten Führung in Teheran die Einsicht um sich gegriffen haben, dass es vernünftiger ist und eher den Interessen des Landes entspricht, die außenpolitischen Erfolge der letzten Jahre und die Existenz des Regimes zu konsolidieren, als nun alles in einer militärischen Konfrontation mit unabsehbaren Folgen zu riskieren, dann besteht eine echte Chance für eine diplomatische Lösung.

OK, Joschka Fischer wäre nicht Joschka Fischer, wenn er eine kluge Erkenntnis nicht durch einen dazu passenden Trugschluß zu entwerten verstünde. So auch hier, denn mit dem Bad des Pazifismus hat er dummerweise auch das Kind der Menschenrechte ausgeschüttet, und so träumt er denn allen Ernstes davon, daß sich die Mullahs im optimalen Fall mit der Atombombe das Recht erkaufen, hinfort ohne Angst vor einem Umsturz auf unbestimmte Zeit und völlig legal Ehebrecherinnen zu steinigen, Homosexuelle aufzuhängen und Oppositionelle – also z.B. grüne Bürgerrechtler – im Kerker verschwinden oder am besten gleich ermorden zu lassen. So wie es aussieht, ist es von verantwortungsloser Gesinnungsethik zu menschenverachtender Realpolitik eben doch nur ein kleiner Schritt.

~ von Paul13 - Montag, 7. Juli 2008.

5 Antworten to “Pacifism by firepower?”

  1. Ach so, jeder der sich für militärische Drohungen ausspricht ist ein NeoCon? Das ist aber ein ganz mieser Taschenspielertrick!

    NeoCons sind doch was ganz anderes. NeoCons sind doch die, die glauben, dass der natürlich Zustand der Menschheit die Demokratie ist. Also muß man nur den Unterdrücker entfernen und sofort geht die befreite Gesellschaft in ihren natürlichen Zustand von Demokratie über. Also Rechtssicherheit, Gewaltmonopol des Staates usw. zum Nulltarif!

  2. @ Adnan

    Seit wann erkennst Du keinen Sarkasmus mehr? Im übrigen sollte Dir nach Lektüre des Artikels eigentlich aufgegangen sein, daß ich Fischer eben gerade nicht für einen NeoCon halte, sondern bestenfalls für einen ganz ordinären Real(o)politiker.

  3. Ich würde ja mal gern sehen, dass die Idealisten nicht immer nur auf dem MHR (Moralisch Hohen Ross) sitzen bleiben müssen, sondern einfach mal einen schlichten politischen Erfolg vorweisen können: Verwirklichung von Menschenrechten und Demokratie – zack, fertig, aus.
    Warum kommt Ihr nicht endlich runter vom Gaul und macht mal, mit Erfolg? Warum nicht?

  4. @ Surfer

    Gestern Kleber heute-journal (sinngemäß): Schlechte Nachrichten, nicht aus Irak, da ist es z.Zt. eher ruhig (Nebensatz, murmel murmel), AAAAABER in Afghanistan, schlimmster Anschlag seit usw.

    „Verwirklichung von Menschenrechten und Demokratie“ – mit erheblichem Aufwand verbunden. Aber machbar. Auch mit Erfolg. Wenn man will und dran bleibt.

  5. Die Verhandlungen mit dem Iran über sein Atomprogramm laufen schon ein paar Jahre. Welche Ergebnisse haben die diplomatischen Diplomaten eigentlich vorzuweisen?
    Joschka Fischers Aussagen zeigen, dass er keine Ahnung hat, wie man den Iran von Atomwaffen abhalten soll.
    Hier noch ein Satz:
    „Zwar will Teheran keinesfalls eine israelische Hegemonie akzeptieren, die Tonlage beginnt sich aber auch gegenüber Israel zu verändern.“
    Wie bitte israelische Hegemonie? Wo denn bitte? In Israel. Na toll!
    Die Tonlage ändert sich, das ist ja echt beruhigend.
    Außerdem bleibt er in den entscheidenden Fragen vage.
    Was will der Iran?
    Wie sähe ein Grand Bargain zwischen den USA und Iran denn aus?
    Was bringt es wenn die USA direkt mit dem Iran verhandeln? Können nicht einfach Merkel oder Steinmeier dem Iran sagen, was die USA wollen und was sie akzeptieren würden?
    Im übrigen ist das Wort „Iran“ hier natürlich falsch, richtig müsste es heißen: mörderische Mullahs, die im Iran rechtswidrig die Macht übernommen haben und seitdem die Iraner dort als Geiseln halten.

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