Geständnis aus Beirut


Eigentlich wäre es ja eine naheliegende Idee, daß Israel die Shebaa-Farmen einseitig räumt und damit der Hisbollah den letzten Vorwand raubt, sich als Kämpfer für die territoriale Integrität des Libanon aufzuführen. Zudem wäre es sicher ausgesprochen unterhaltsam zuzuschauen, wie sich Syrien, der Libanon, die Hisbollah und die UNO anschließend darum streiten, wer wem warum jetzt die Oberhoheit über das Gebiet wegnehmen darf, kann, soll oder muß. Das ganze hat sich jedoch zwischenzeitlich erledigt. Die Hisbollah hat nämlich unmißverständlich klargestellt, daß diese Idee nicht nur naheliegend, sondern auch strunzdumm wäre:

BEIRUT: Hizbullah on Thursday said Lebanon would still need its armed presence even if Israel finally quit the disputed Shebaa Farms region in the South. „Any Zionist retreat from the Shebaa Farms would be a big achievement for the resistance for this would be the result of its role and its pressure,“ Hizbullah MP Hassan Fadlallah was quoted as saying by the state-run National News Agency (NNA).

But any retreat „will not change the fact that Lebanon needs the resistance,“ he added.

[…] „Those who think that putting the Shebaa Farms under international supervision could put pressure on the resistance… delude themselves,“ he added.

Um es in Worte zu fassen, welche auch unsere antiimperialistischen Guerillanostalgiker verstehen können, die in der Hisbollah bisher nur eine heldenhafte Widerstandsbewegung gegenüber der zionistischen Besatzung gesehen haben, die völlig legitime Anliegen habe und mit dem Vernichtungsantisemitismus ihrer Auftraggeber in Teheran nichts, aber auch gar nichts zu tun habe: Die Hisbollah wird die Waffen frühestens in dem Moment niederlegen, in dem Tel Aviv nur noch eine historische Ruinenstadt in Groß-Jaffa ist, wenn überhaupt. Ihr geht es nicht um den Libanon, sondern um Palästina, und zwar das ganze. Israel täte gut daran, das nicht zu vergessen.

~ von Paul13 - Montag, 23. Juni 2008.

5 Antworten to “Geständnis aus Beirut”

  1. Shebaa Farms – was ist dat eigentlich? Wird da Katzenfutter hergestellt?
    Im übrigen könnte natürlich auch jedes freistehende Dixieklo als Vorwand für den „Widerstand“ der Hisbollah herhalten.

    Die Sache ist argumentativ wasserdicht: Räumt Israel Gebiete ist das für die Hisbollah der Beweis ihres Erfolges und die Aufforderung zum Weitermachen, behält es die Gebiete, müssen sie befreit werden. Dumm für Israel: Frieden gibt es nicht.
    Noch dümmer allerdings für die Restlibanesen, die schnurstracks auf den nächsten Bürgerkrieg zusteuern.

  2. Antiimperialisten, die bei Verstand sind, werden in der Hisbollah sicher keine Brüder im Geiste sehen und ihr definitiv keine Kränze flechten, denn die Hisbollah ist das Werkzeug des Teheraner Imperialismus!

    Allerdings könntest Du mir mal erklären, wie es denn kömmt, daß die einstens so PLO- und Fatah-feindliche Hisbollah, die ihren Aufstieg überhaupt nur einer verständlichen Reaktion der Libanesen auf den Arafat-Terror gegen den Südlibanon verdankt (die haben sich, bis die ganze Mischpoke nach Tunesien ausgeschippert wurde, da aufgeführt wie die Axt im Walde und kein Libanese trauerte den Palis damals eine Träne nach!) im Laufe der Jahre sich zum Gralshüter palästinensischer Interessen stilisieren konnte?

  3. @ DDH

    Das hat eine Reihe von Gründen, von denen die Rolle des Iran wohl der wichtigste ist. Einer davon allerdings, das muß ich leider konstatieren, ist die – wenn auch aus damaliger Sicht vielleicht verständliche – Kurzsichtigkeit der Israelis, die die langfristige Vision, Araber als Verbündete zu gewinnen, in der Notwendigkeit des täglichen Überlebenskampfs außer Acht gelassen haben.

    Als die Israelis 1982 in den Südlibanon einmarschiert sind, wurden sie aufgrund des vorherigen PLO-Terrors von der schiitischen Bevölkerung nämlich zunächst als Befreier begrüßt. Daraus nichts gemacht zu haben, ist zweifellos ein strategischer Fehler gewesen, den ich bis heute nicht verstehe. Da wäre „hearts and minds“-Denken auch im eigenen Interesse durchaus hilfreich gewesen.

  4. Bin überrascht. Du hast gerade genauso argumentiert wie Dein – von mir einfach mal vermuteter – Gottseibeiuns Peter Scholl-Latour. ;-)

    Selbst maronitische Christen, die früher mit den Israelis auf der gleichen Party getanzt haben, sind nicht mehr wirklich gut auf sie zu sprechen…

  5. @ DDH

    Also das mit PSL war jetzt gemein! ;-) Nein, im Ernst, der hätte wenn überhaupt vermutlich dafür plädiert, daß die Israelis für irgendwelche Stellvertreterkriege sich einen schiitischen Warlord aufbauen, und sich dann gewundert, daß das irgendwann nach hinten losgeht, weil die Iraner den daraus resultierenden Unmut wieder für sich hätten ausnutzen können.

    Mir hat hingegen eher was in der Art vorgeschwebt, daß sie den Schiiten in allem helfen, ihnen Jobs verschaffen, sie bewaffnen und ihnen jene demokratischen Rechte verschaffen, die ihnen die sunnitischen und christlichen Eliten verwehrt haben. Wenn es dann noch zu einer echten Demokratisierung im Libanon gekommen wäre, hätten sie einen wichtigen Verbündeten gewonnen.

    Das wäre früher oder später natürlich auf einen Konflikt mit den Palästinensern und deren Schutzmächten unter den traditionellen sunnitischen Autokraten in der arabischen Welt hinausgelaufen, die das damals so wenig wie heute im Irak gewollt hätten, aber wenn sie erst mal da im selben Schützengraben gelegen hätten, dann wären Araber wie Israelis heute weiter.

    Aber wie heißt es so (un)schön – hätte, wäre, wenn. :-(

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