Neue Quellen, alte Lügen


Westliche Ölkonzerne wie BP und Exxon stehen kurz vor der Rückkehr in den Irak – 36 Jahre, nachdem Saddam Hussein sie vertrieb.

[…] Mit dem Bekanntwerden des Engagements wird erneut Kritik an der US-Politik laut: Seit der US-Invasion wird in der arabischen Welt, aber auch in der amerikanischen Öffentlichkeit der Bush-Administration vorgeworfen, den Krieg nur begonnen zu haben, um sich den Zugriff auf die Rohstoffvorräte zu sichern.

Das hat schon was. Erst wird der US-Regierung unterstellt, daß es ihr nur darum geht, dem Irak in übelster imperialistischer Manier sein Öl rauben zu wollen, damit der Ölpreis niedrig bleibt.

Als der Ölpreis dann dummerweise in die Höhe schießt, war alles nur ein Plan von Bush, der auf diese Weise dafür sorgt, daß sich seine Kumpels aus der Ölindustrie eine goldene Nase verdienen.

Nachdem der Irakkrieg länger dauert und teurer wird als erwartet, ist er plötzlich ein verlustreiches Abenteuer neokonservativer Weltverbesserer, das der Wirtschaft schadet statt ihr zu nützen.

Kaum stabilisiert sich die Lage im Irak so, daß er endlich westliche Investoren anlockt, wollen die Amis sich wieder nur das Öl unter den Nagel reißen, obwohl selbst der SPIEGEL nicht umhin kommt anzumerken:

[…] Von den betroffenen Unternehmen ist allerdings nur eines – Exxon Mobil – ein amerikanisches.

Und bei alledem merken die Irakkriegsgegner nicht, daß sie mit jedem dieser Argumente ihre Mitstreiter als ignorante Volldeppen dastehen lassen. Fast könnten sie einem bei solchen „Freunden“ leid tun. Aber eben nur fast.

~ von Paul13 - Donnerstag, 19. Juni 2008.

11 Antworten to “Neue Quellen, alte Lügen”

  1. Man achte vor allem auf die Kommentare zu diesem Thema,die nun wirklich an bloedheit und blindheit was die europaeischen Unternehmen angeht nicht zu ueberbieten sind.

  2. @ Paul

    Es ging nicht darum, „sich die Ölvorräte unter den Nagel zu reißen“, sondern um die Kontrolle eines bis dato feindlichen Öl-Produzenten mit immerhin den zweitgrößten Reserven weltweit, der zwischen dem drittgrößten und dem fünfgrößten Ölförderland liegt:
    http://www.hamburger-bildungsserver.de/welcome.phtml?unten=/ozean/rohstoff/rohstoffd-203.htm

    Kontrolle bedeutet: Invasion und Besetzung um eine prowestlichen, amerikafreundlichen Regierung einzusetzen und zu stabilisieren, die als Gegengewicht gegen die Achse der Unbotmäßigen (Iran – Syrien) etabliert werden konnte und möglichst einer langfristigen Stationierung amerikanischer Truppern zustimmen soll(te).

    Hat nur leider nicht geklappt und ist erheblich teurer geworden als geplant – politisch, miltärisch, wirtschaftlich, finanziell. Merke: auch dämliche Kolonialkriege – sind Kolonialkriege. Allerdings können zu viele verlorene Kolonialkriege zum Statusverlust der Kolonialmacht führen.

  3. no more republicans: Wartet man mit Revisionismus nicht gemeinhin ein paar Jahre?

  4. Noe die basteln jetzt schon am Revisionismus, bleibt ihnen doch nichts anderes uebrig.

  5. @ Schlens

    Etwas genauer, bitte: welche meiner Aussagen halten Sie für „revisionistisch“?

  6. Und wenn alle Unternehmen aus den USA währen: das Öl gehört nun seit Jahrzehnten endlich wieder dem irakischen Volk. Vor dem Krieg haben das Elf und Gasprom gekauft (das legale aus dem Oil-for-Food-Programm, ebenso wie das illegal geförderte) und damit eine perverse Diktatur am leben erhalten.
    Nun verkauft das Öl das Parlament an interessierte Unternehmen, was daran so verwerflich ist hat mir noch niemand erklären können.

  7. @ Paul / Nepomuk

    Angesichts des obigen Kommentars, wiederhole ich noch einmal die Grundlagen des Irakkonflikts:

    Bbeim Irakfeldzug gig es NICHT um billiges Öl! Das hätte man in der Tat nach Lockerung der Sanktionen prima vom Saddam-Regime kaufen können. Worum ging es dann? Darum:

    1. Um die Ausschaltung des Saddam-Regimes, das als nicht kontrollierbar eingestuft worden war. Nicht weil es drohte, Israel anzugreifen, sondern weil es Kuwait besetzt und trotz westlicher Drohung nicht ohne Gewaltanwendung geräumt hatte. Nach der – unrealistischen – Einschätzung der Bush-Administration bildete Saddam eine ständige Bedrohung für die Ölvorräte Kuwaits und Saudi-Arabiens und damit für die westliche Energieversorgung. 9/11 war dann nur noch noch der passende Anlaß.
    In welchem Ausmaß Bushs Nahostpolitik gescheitet ist, kann man daran erkennen, dass die Instabilität des Irak diese vermeintliche Bedrohung in eine reale Gefahr verwandelt hat.

    2. Das Ziel der Besetzung war die prowestliche „Befriedung“ des Irak durch eine starke Abhängigkeit des neuen Regimes von den USA. (An das Demokratisierungs-Geschwätz hat wohl nur dubya selbst geglaubt.) Ein solches proamerikanisches Regime in Baghdad bot die Chance, die Ölförderung – und die Öltransportrouten vom Schatt El Arab bis zur Straße von Hormuz – der ganzen Region unter die militärische Kontrolle der US-Streitkräfte zu bekommen. Eine solche Kontrolle der Region über die Kontrolle des Irak setzte eine dauerhafte und massive militärische Präsenz der USA im Irak voraus, was ohne den Sturz Saddams mittels Invasion und Besetzung nicht zu haben war.
    Auch hier zeigt sich der Grad der amerikanischen Niederlage daran, dass nach über fünf Jahren Besatzung / Bürgerkrieg es keine politische Regelung für diese Militärpräsenz gibt und der Einfluß der USA in der Region – gerade bei den bisherigen Verbündeten – drastisch gesunken ist.

    3. Egal wie schnell die amerikanischen Truppen aus dem Irak abziehen werden, der Einfluss des Iran ist erheblich gewachsen und wird durch die Anlehnung eines schiitisch dominierten Irak weiter wachsen, selbst wenn ein unabhängiges Kurdistan – nach einem blutigen Unabhängigkeitskampf – ein Hindernis für eine Westexpansion des Iran bedeuten sollte.

    4. Was der Irakkrieg für die Ausbreitung islamistischer Positionen in der arabischen Welt bedeutet (hat) ist hier oft genug dargestellt worden. Ich beschränke mich deshalb auf den Hinweis, dass die prowestlichen arabischen Regimes (Saudi-Arabien, Kuwait, Jordanien, Emirate) allein aufgrund ihrer Kooperation mit „den westlichen Kreuzfahrern“ seit 2003 mit einer immer stärkeren fundamental-islamisch legitimierten Opposition rechnen müssen und dass ihre Reaktion: Repression „gegen den Terror!“ die Konflikte in ihren Gesellschaften weiter verschärft.

    Wie gesagt: es war ein DÄMLICHER Kolonialkrieg.

  8. @ all

    q. e. d. :
    http://www.nytimes.com/2008/06/19/world/middleeast/19iraq.html?_r=1&ref=todayspaper&oref=slogin

    Wie gesagt: ein prima Deal für die Big Five – immer vorausgesetzt, die USA sind weiterhin bereit 100 Mrd. Dollar für die militärische Absicherung dieser Verträge auszugeben und die US forces schaffen es, die Sabotage der Ölfordeung / Pipelines zu stoppen.

  9. „9/11 war dann nur noch noch der passende Anlaß.“

    Na, wenn das kein Revisionismus ist…

    Dettläffchen, wir wissen doch alle, dass du ein Herz für Terroristen hast und deswegen den Krieg gegen den Terrorismus ablehnst. Du lehnst ihn aber nicht ab, weil er deiner Meinung nicht die Demokratie sofort bringt und der Terrorismus nicht zubesiegen sei, sondern weil deine Terroristen eben eine Niederlage nach der anderen einstecken.

    Aber ist doch schon mal gut, wenn du den 11/9 direkt in Verbindung mit dem Sturz Saddams bringst. Du solltest dich allerdings nicht wundern, wenn kein ernst zunehmender amerikanischer oder europäischer Politiker deine Einschätzung „passender Anlass“ teilt.

    Nur so zum merken: Islamismus und Terrorismus gibt es nicht erst seit gestern.

  10. @ Blog-Troll B.

    Die Einschätzung „passender Anlaß“ stammt nicht von mit, sondern von der Führungsspitze der Bush-Administration obwohl diese wußte, dass Saddam nichts mit 9/11 zu tun hatte:

    http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/3119676.stm
    http://www.csmonitor.com/2003/0314/p02s01-woiq.html
    http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A50679-2004Jun17.html

    Noch Fragen? Nein? Gut, dann setzen & fein stille schweigen. Aber ich hab noch eine:
    wer ist „Detlef“?

  11. Das ändert nichts an der Tatsache, dass DJ ein Diktatoren- und Terroristenfreund ist.

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