Bush mal wieder viel zu nett


Hamburg/London – Es ist ein ganz neuer George W. Bush. Ein nachdenklicher, ein reflektierender Mann. Einer, der Bedauern ausdrückt. Er zeigt sich sogar selbstkritisch.

Für viele kommt dieser neue Bush allerdings zu spät, nach den vom „alten“ Bush verantworteten Kriegen in Afghanistan und im Irak. Hunderttausende starben, das Image der USA besonders im Nahen Osten ist dahin.

Nicht schlecht SPIEGEL, erst ein paar Zeilen, und schon die eigene Argumentation jenseits sämtlicher Fakten völlig in den Sand gesetzt. Nicht hunderttausende starben, sondern zehntausende, und das auch nicht durch die USA, sondern durch jene, gegen die sie ja gerade kämpfen. Hunderttausende wären hingegen gestorben, wenn die Täter ihre Verbrechen nicht nur aus dem Untergrund, sondern mit dem Machtapparat einer – von den Kriegsgegnern natürlich anerkannten – Regierung hätten durchführen können. Daß es all diese Opfer nicht gab, ist dem Eingreifen der USA zu verdanken, nicht jenen, die sie gerne daran gehindert hätten.

Hätte der US-Präsident hingegen auf all die Westerwelles, Voigts, von Klaedens und Trittins gehört, dann hätten die Iraker statt freien Wahlen heute nur eine solche zwischen Tod durch den Ba’ath-Terror und, abhängig davon welche Fraktion der Kriegsgegner sich gerade durchgesetzt hätte, entweder die Folgen der Sanktionen oder einen mit Massenvernichtungswaffen geführten Regionalkrieg gehabt, während es auf dem Eingang afghanischer Schulen und Krankenhäuser wohl Schilder gäbe, auf denen durchgestrichene Mädchengesichter zu sehen wären und darunter der Text „Wir müssen leider draußen bleiben!“

Seine Pistolenheld-Rhetorik habe die Welt glauben lassen, dass er „einer war, der unbedingt den Krieg“ im Irak wollte, sagte Bush der englischen Zeitung. Er bedaure die tiefen Gräben, die dieser Krieg habe entstehen lassen – und wie sehr sein Land missverstanden worden sei: „Ich denke im Nachhinein, ich hätte einen anderen Ton, eine andere Rhetorik benutzen sollen.“

Formulierungen wie „Her damit“ oder „Tot oder lebendig“ seien sicher missverständlich gewesen, sagte Bush. „Sie hätten „darauf hingedeutet, dass ich, wissen Sie, kein Mann des Friedens war“. Dabei, so Bush, fände er es sehr schmerzlich „junge Menschen Schaden auszusetzen“. Er fühle mit den Familien der Opfer: „Ich versuche, mich mit so vielen wie möglich zu treffen. Ich habe auch eine Verpflichtung sicher zu stellen, dass diese Leben nicht nutzlos geopfert wurden.“

Auch ein großer Präsident macht mal Fehler. Seine klaren Worte zu bedauern, gehört sicherlich dazu. Denn was ist das für eine Welt, in der man einen Schurken nicht mal mehr einen Schurken nennen, einen brutalen Terroristenhäuptling nicht „tot oder lebendig“ fangen oder die Kriegserklärung an die gesamte westliche Welt als eine ebensolche ernst nehmen darf? Warum darf man selbst bei Völkermördern immer nur diplomatisch „Besorgnis“ äußern, statt den Führern der verantwortlichen Regime unmißverständlich klarzumachen, daß der einzige Ort, an sie die Predator-Drohne nicht finden wird, eine Zelle in Den Haag ist?

Gegenüber Regimen, die ihren Opfern wegen Kritik an der Kleidung des großen Führers die Zunge herausreißen, Frauen wegen Ehebruchs auspeitschen, aber ihre Töchter gleichzeitig zur Vergewaltigung freigeben, die Kleinkindern als Druckmittel gegen die Eltern die Knochen einzeln brechen, Behinderte als lebende Bomben mißbrauchen und nicht nur unsere über Jahrhunderte erkämpften Freiheiten hassen, sondern auch ihre eigene Bevölkerung ins Mittelter zwingen wollen, sollte niemand ein „Mann des Friedens“ sein. Schon gar nicht der Präsident der Führungsmacht der freien Welt. Der Journalist, der über ihn schreibt, allerdings auch nicht.

~ von Paul13 - Donnerstag, 12. Juni 2008.

8 Antworten to “Bush mal wieder viel zu nett”

  1. @ Paul

    Bush unterliegt hier bezüglich seiner Rhetorik tatsächlich einem Missverständnis. Klare Worte hätte er durchaus äußern dürfen, bloss es dann unbedingt dabei bewenden lassen müssen. Das hätte ihm evtl. sogar einen Ehrenplatz („Verzicht auf Vergeltung nach 9/11“ o.ä.) unter der europäischen Heuchlerfraktion eingebracht.

  2. @ Chewey,

    deutsche Journalisten und Antiimpis Bush einen Ehrenplatz einräumen – du spinnst. Den hätte er nicht mal bekommen, wenn er auf die Präsidentschaft zugunsten Gores verzichtet hätte.

    Der wiederum hätte die Herzen der Deutschen mit rhetorsichen Wendungen, wie „Isch bin ein grüner Apfel“, „Isch bin ein Frankenfurter Würstchen“ oder „isch bin ein hamburger“, im Sturm
    erobert erobert.

    Wenn er dann noch nach 11/9 gesagt hätte, dass er dieses komische fünfeckige Gebäude und die skyline von Manhattan sowieso nie mochte – nicht auszudenken, wie die ihm gehuldigt hätten.

  3. @ Paul

    Da ja hier immer der NeoCOn-Version der Realität widersprochen werden muß: natürlich sind in den letzten fünf Jahren hunderttausende Iraker an den Folgen von Invasion und Bürgerkrieg gestorben – auch wenn Sie dass nicht wahrhaben wollen.

  4. @ alibaba

    „deutsche Journalisten und Antiimpis Bush einen Ehrenplatz einräumen – du spinnst.“

    Danke für die Blumen ;-) Nun ja, nach der Wahlmaschinen- und Neuauszählungsnummer war bei der genannten Zielgruppe wahrscheinlich wirklich Hopfen und Malz verloren. Nach ihrer Meinung hat sich Bush ja praktisch ins Amt geputscht.

    Aber denk einmal daran, welchen Charme ein in ihren Augen christlich-fundamentalistischer, ja quasi proto-faschistischer Bush für sie als Kronzeuge gehabt hätte, wenn dieser den Krieg gegen den Terror nicht geführt hätte und es bei Sprüchen belassen hätte. So nach dem Motto: „Wenn selbst einer wie er so handelt…“

  5. @ Rene

    Erstens glaube ich Dir unbesehen, daß Du den Unterschied zwischen den Opfern alliierter Luftangriffe und jenen des Naziterrors nicht verstehst.

    Zweitens wäre eine größere Zahl von Opfern des islamofaschistischen Terrorismus nur ein noch stärkeres Argument für dessen Bekämpfung.

    Und drittens kannst Du Dir mit der Lancet-„Studie“ den Hintern abwischen, falls Deine Bücher über den „Bomben-Holocaust“ nicht genügend Seiten haben.

  6. Einen fuer Zwischendurch zum Thema

    http://ocs.zgk.de/mdsocs/mod_movies_archiv/movie/tk130608/ocs_ausgabe/ksta

  7. Hei Paule, spam filter mal wieder in den falschen Haenden ;-)

  8. @ Auslaender

    Sorry, ist behoben. Ich weiß, das mit Akismet nervt, aber sonst hätten wir nach aktuellem Stand der Statistik jeden Tag drei italienische Viagra-Werbungen oder Supersonderangebote für Blow Jobs durch verdorbene Hausfrauen drin.

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