Die Stunde der Soft Power


Der Ton wird schärfer: Israels Vizeregierungschef Mofas hat in einem Interview offen mit einem Angriff auf Iran gedroht. Ein Militärschlag sei unausweichlich, sollte Teheran sein Atomprogramm weiterführen, sagte Mofas.

Das dürfte dann auch die letzten Zweifel darüber beseitigen, was Premierminister Olmert nach seinem Gespräch mit Präsident Bush so orakelhaft meinte, als er überraschend ankündigte, daß das iranische Atomprogramm bald gestoppt wird. Jetzt sollte auch dem letzten Träumer klar sein, daß der Iran nicht nur Israel auszulöschen gedenkt, sondern auch, daß dieses sture kleine Land sich diesem Ansinnen doch tatsächlich zu verweigern gedenkt.

Damit tickt die Uhr laut und deutlich, und zwar nicht nur für das Regime in Teheran, sondern auch für die Appeasementfraktion im Westen. Olmerts und Mofas‘ Äußerungen sollten jedenfalls für ausreichend Motivation sorgen, um die Überlegenheit der hochentwickelten europäischen Staatskunst gegenüber amerikanischer Cowboymentalität und israelischer Kriegsgeilheit nicht immer nur zu beschwören, sondern endlich auch mal konkret zum Tragen zu bringen.

Also Schluß mit symbolischen Mini-Sanktiönchen und wirkungslosen Gesprächstherapien und her mit Totalembargo und internationalen Haftbefehlen für die Mullahbande. Ergebnisse müssen her, und zwar zügig. Nicht daß am Ende wieder jemand weint, die friedlichen Mittel wären ja nicht ausgeschöpft worden. Wer immer schöpfen will, jetzt hat er Gelegenheit dazu. Nur sollte er es bald tun. Sonst hat sich’s wirklich ausgeschöpft.

~ von Paul13 - Samstag, 7. Juni 2008.

7 Antworten to “Die Stunde der Soft Power”

  1. @ Paul

    Was wollen Sie denn jetzt hören? Machen wir es kurz: im Jahr 2008 kein Militärschlag gegen das irakische Atomprogramm. Warum? Weil:

    1. kein Konsens im UNSC oder G8 oder NATO oder sonstwo. Maximal leicht verschärfte Wirtschafts-Sanktionen.

    2. Kein Konzept, was nach einem solchen Erstschlag passieren soll. Angriff mit Bodentrupen und Besettzung des Iran? LOL! Oder einfach auf die iranisch Reaktion warten?

    3. Wer soll einen Luftangriff führen?
    a) die IAF? Ist ohne amerikanische Unterstützung zu schwach – zun wenige weitreichende Kampfflugzeuge, keine ausreichende Logistik und CCCI. Bei einem Angriff mit Atomwaffen – Ende des Nahen Ostens, so wie wir ihn kennen.
    b) die USAF (+IAF)? Nein, weil: Wahlkampf, Irak + Afghanistan.

    4. Der antisemitische Schreihals Ahmadinedschad ist nach den letzten Wahlergebnis anscheinend auf dem absteigenden Ast. Wer sich als Führer der konservativen Parlamentsfraktion und des Apparats unter Khamenei auf Dauer durchsetzt, ist unsicher. Ob man mit der neuen Führung über ein Stopp des Anreicherungsprogramms oder zumindestens über umfangreiche internationale Kontrollen verhandeln kann, ist zur Zeit völlig offen. Aber eines ist sicher: die iranische Führung hat am nordkoreanischen Beispiel gelernt, dass man seinen wichtigsten bargaining-chip NIEMALS ganz aus der Hand gibt.

    Können wir diese Debatte damit beenden?

  2. @NMR

    1.) Zustimmung, es gibt keinen Konsens. Deutlich verschärfte Sanktionen wird es vermutlich auch nicht geben, wenn dann höchstens Kosmetik.

    2.) Stimmt, einen Einmarsch mit Bodentruppen wird es ebenfalls nicht geben. Hierfür stehen nicht genug Truppen zur Verfügung.

    3. Ich würde im zweifelsfall auch eher einen israelischen als einen amerikansichen Angriff erwarten. Diesen halte ich jedoch sehr wohl für möglich; es existieren auch entsprechende Konzepte. Die USA würden vermutlich stille Unterstützung in Form von Überflugsrechten und Aufklärung geben, ohne dies an die große Glocke zu hängen. Kann ein solcher Angriff das iranische Atomprogramm zerstören? Vermutlich nicht, allerdings zurückwerfen. Weietrhin müßte Iran, wenn es einen Angriff erwartet, die sensiblen Apparate, v.a Zentrifugen, möglichst weit auseinanderhalten, anstatt sie zu konzentrieren, was die Arbeit ebenfalls verzögern würde. Dies dürfte ein weiteres Motiv für das in letzter Zeit verstärkte Säbelrasseln sein.

    4. Stimmt, Ahmadinejad, wird vermutlich längst weg vom Fenster sein, bevor es eine Bombe gibt. Allerdings ist Ahmadinejad auch im Moment nicht der wichtigste Mann im Iran; wenn Chamenei verhandeln will, kann er das tun. Insofern würde ich mir nicht allzuviel Hoffnung auf einen fundamentalen Politikwechsel machen.

  3. @ Paul

    Und auch wenn die Situation im Irak auch insgesamt trostlos ist, ab und zu gibt es auch was zu lachen:
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7441329.stm

  4. Paul

    BITTE spamfilter checken. Oder ist BBC als Quelle nicht mehr zugelassen?

  5. @ NMR

    1. kein Konsens im UNSC oder G8 oder NATO oder sonstwo. Maximal leicht verschärfte Wirtschafts-Sanktionen.

    Ok, dann gibt’s Krieg. Nur sollen sich dann jene, die „maximal leicht verschärfte Wirtschafts-Sanktionen“ durchgesetzt haben, hinterher nicht beklagen. Sie hatten’s mit der Soft Power ja in der Hand.

    2. Kein Konzept, was nach einem solchen Erstschlag passieren soll. Angriff mit Bodentrupen und Besettzung des Iran? LOL! Oder einfach auf die iranisch Reaktion warten?

    Wenn es nur realpolitisch um das Ausschalten einer Bedrohung durch den Iran geht und nicht neokonservativ um dessen Befreiung und Demokratisierung, ist die Frage von Bodentruppen und Besetzung völlig irrelevant. Da heißt es nur „Macht kaputt, was Euch (sonst) kaputt macht“, und das können Air Force und Navy eigentlich ganz gut auch alleine, glaub mir.

    3. Wer soll einen Luftangriff führen?
    a) die IAF? Ist ohne amerikanische Unterstützung zu schwach – zun wenige weitreichende Kampfflugzeuge, keine ausreichende Logistik und CCCI. Bei einem Angriff mit Atomwaffen – Ende des Nahen Ostens, so wie wir ihn kennen.
    b) die USAF (+IAF)? Nein, weil: Wahlkampf, Irak + Afghanistan.

    Die IAF wäre wohl nicht zu schwach, um einen erfolgreichen Angriff gegen das Atomprogramm führen zu können, zugegeben aber nicht stark genug, um diesen Erfolg auch garantieren zu können. Kann also klappen, muß aber nicht. Das ist ein bißchen wenig, solange es einen alternativen Plan B von Uncle Sam gibt. Weswegen ich Variante b) auch vorziehe.

    Das Wahlkampf-Argument zieht nicht. Der amtierende Präsident trifft die Entscheidung, nicht der zukünftige. Und Bush’s Chancen auf Wiederwahl sind denkbar gering. Wenn er davon ausgeht, daß seine endgültige Bewertung eh erst in den Geschichtsbüchern stattfindet, würde ich diesen Sommer an Deiner Stelle keine Immobilen in Teheran erwerben.

    4. Der antisemitische Schreihals Ahmadinedschad ist nach den letzten Wahlergebnis anscheinend auf dem absteigenden Ast. Wer sich als Führer der konservativen Parlamentsfraktion und des Apparats unter Khamenei auf Dauer durchsetzt, ist unsicher. Ob man mit der neuen Führung über ein Stopp des Anreicherungsprogramms oder zumindestens über umfangreiche internationale Kontrollen verhandeln kann, ist zur Zeit völlig offen. Aber eines ist sicher: die iranische Führung hat am nordkoreanischen Beispiel gelernt, dass man seinen wichtigsten bargaining-chip NIEMALS ganz aus der Hand gibt.

    Wann begreift die Appeasementfraktion endlich, daß das kein Personalproblem ist, sondern das Mullahregime als solches? Machmirdendschihad versteht es nur, dessen Interessen recht plakativ darzustellen. Die Fäden aber haben immer noch Chameini & Co. in der Hand. Im übrigen freut es mich, daß Du immerhin zu begreifen scheinst, daß man solche Regime die „bargaining chips“ erst gar nicht kriegen lassen darf.

    Können wir diese Debatte damit beenden?

    Ganz gewiß nicht. Das hättest Du wohl gerne.

  6. @Paul
    Um noch mal auf das eigentliche Thema zurückzukommen. Das Geweine wird von denen am größten sein, die den Mullahs immer wieder Spielraum geben. Ist doch klar, dass man als bedrohter Nachbar bei den Aktionen der Verbrechern und Lügner in Teheran unruhig wird. Gerade wenn die Kaffeekränzchen mit den Herren Dikatoren nichts bringen. Der als „Schreihals“ so nett hingestellten Herr spricht offen aus, was seine Kumpane wollen. Für die sind dann einige Millionen eigener Landsleute bekanntlich ein akzeptabler Preis. Das ist den Soft-Power-Freunden, der Appeasementfraktion und den Schönrednern egal – dieser Preis wird dann stillschweigend hingenommen. Die haben wie Du so schön sagst jetzt die Chance – ob die weiter labern und ablenken?

  7. […] Panik, Norman, alles nur heiße Luft. Da wurde von kompetenter Stelle doch längst Entwarnung gegeben: Im Jahr 2008 kein Militärschlag gegen das irakische […]

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