…und ’ne Buddel voll Rum


Neue Vorwürfe gegen die US-Regierung: Laut einer Menschenrechtsorganisation soll die Bush-Administration Terrorverdächtige nicht nur auf Guantanamo und in Geheimgefängnissen der CIA ohne ordentliche Verfahren festgehalten haben, sondern auch auf Gefangenenschiffen.

Hach, klingt das schön schaurig: Gefangenenschiff! Muß wohl so was ähnliches sein wie ein Geisterschiff oder ein Piratenschiff. Auf jeden Fall klingt es wie ein Relikt aus einer anderen Zeit, dessen einziger Sinn offensichtlich darin besteht, irgendwelche monströsen Dinge zu tun, wie z.B. Gefangene festzuhalten. Was ja bekanntlich auch viel schlimmer ist, als das an Land zu tun oder die Gefangenen gleich ins Meer zu werfen. Da kann man sich so richtig vorstellen, wie auf den sieben Weltmeeren die Totenkopfflagge auf Stars and Stripes über schwimmenden Kerkern weht und ein zottelbärtiger Bin Laden im mächtigen Rumpf den Graf von Monte Christo gibt.

Doch wie meist, wenn Deutschlands führendes Nachrichtenmagazin sich auf militärisches Terrain wagt, blamiert es sich gnadenlos. Denn die Bataan und die Peleliu sind natürlich keine „Gefangenenschiffe“, sondern Hubschrauberträger für amphibische Operationen, und da Terroristen in der Regel nicht wesentlich größer sind als Marines, haben sie zwangsläufig nun mal auch Platz, um erstere gefangenzuhalten. Sie wurden aber nicht für diesen Zweck gebaut, was im übrigen nicht nur ein recht teurer Spaß wäre, sondern auch Perlen vor die Säue, denn es gibt kein international verbrieftes Grundrecht von Terroristen auf eine funktionierende Klimaanlage.

Das Ziel des Artikels war es aber eh nicht, die Leser zu informieren, sondern mal wieder ein wenig Stimmung gegen Amerika zu machen. Denn besagte Schiffe verfügen auch über eine ziemlich leistungsfähige Kantine, die kaum schlechter als die in der Brandstwiete sein dürfte. Man könnte sie damit also guten Gewissens auch als Restaurantschiff bezeichnen. Die medizinische Ausstattung läßt wiederum die meisten deutschen Krankenhäuser blaß aussehen, also könnte man ebenso von einem Hospitalschiff reden. Angesichts von Fitnessstudios, Spielhallen und Multimediaschnickschnack aller Art wäre sogar Kreuzfahrtschiff nicht völlig abwegig.

Doch diese Schiffe können auch anders. Sie verfügen über Flugabwehrkanonen, welche pro Sekunde (!) 75 Granaten abfeuern können. Und es können nicht nur Kampfhubschrauber auf ihnen starten, sondern sogar ausgewachsene Jagdbomber. Ganz zu schweigen davon, daß sie Soldaten beherbergen. Amerikanische wohlgemerkt. Also lassen wir den Kinderkram mit den Gefangenen. Nennen wir es doch einfach beim Namen. Es ist ein Todesschiff. Klingt ähnlich wie Todesstern, und da George W. Bush in der Beliebtheitsskala ohnehin weit hinter Darth Vader steht, kommt es auch den Ressentiments der SPIEGEL-Leser ausreichend entgegen.

Und so erkennt dann endlich jeder, wie es gemeint ist.

~ von Paul13 - Dienstag, 3. Juni 2008.

24 Antworten to “…und ’ne Buddel voll Rum”

  1. Ja ja der Spiegel. Wie so oft voellig laecherlich mit diesem gewissen „nmr“ charme.
    Das beide Schiffe Mobile Operationsbasen mit allem drumm uns drann inkl. einer funktionierenden Brick und dem freundlichen Master at Arms kommen die nicht. Das es da logisch ist wenn Marines Gefangene machen sie umgehend z.B. in Gefangenschaft zu bringen und wenn noetig Medizinische Versorgung Sicherzustellen usw. usw. Aber wie Paul schon gesagt hat um Information ging es eh nicht. Es darf nur kein Tag vergehen ohne das in jedem Bereich dort eine Negativscchlagzeile wie im Stuermer oder der Roten AUST fehlt. Mal so am Rande passiert in Europa nichts besonderes? Ich meine ja nur als Deutscher waeren mir die direkten Nachbarn wichtiger. Oder habe ich verpasst das Deutschland den USA als Bundesstaat beigereten sind? Kleiner Tipp dafuer ist Deutschland zu Christlich ;-)

  2. @ Auslaender

    Da bekommt man unwillkürlich das Gefühl, daß die Deutschen vergrätzt sind, weil sie die „Graf Zeppelin“ nicht zuendebauen konnten, und deswegen versuchen, den Amis ihre Träger madig zu machen. Wenn man sie schon nicht versenken kann, kann man sie so wenigstens diskreditieren.

  3. Na ja, man kann sich schon Fragen warum SPON das veröffentlicht. Aber die Bezeichnung Gefangenenschiff ist ja nur die wortgetreue Übersetzung aus dem Orginal:

    US government must reveal information about prison ships used for “terror suspects”

    http://tinyurl.com/5uccer

  4. Und was ist Reprieve?

    „Reprieve was founded by human rights lawyer Clive Stafford Smith in 1999. Reprieve has nine full-time staff working in its London office, and supports eight full-time Fellows working in the field in the Deep Southern United States.“

    Und wer ist Stafford Smith?

    „From 2002 Stafford Smith has volunteered his services to security detainees at Guantanamo Bay and has assisted in filing lawsuits on behalf of 128 detainees. His clients include Shaker Aamer, Jamil al Banna, Sami Al Hajj, Sami Al Laithi, Abdul Salam Gaithan Mureef Al Shehry, Moazzam Begg, Omar Deghayes, Jamal Kiyemba, Benyam Mohammed, Hisham Sliti. In a BBC interview, when asked why he was representing detainees, he answered that „liberty is eroded at the margins“.“

    Ja ne, ist klar, immer diese Deutschen!

  5. @Rene: „“Denn die Bataan und die Peleliu sind natürlich keine “Gefangenenschiffe”, sondern Hubschrauberträger für amphibische Operationen, und da Terroristen in der Regel nicht wesentlich größer sind als Marines, haben sie zwangsläufig nun mal auch Platz, um erstere gefangenzuhalten.”

    Hm. Sind jetzt “Hubschrauberträger” keine Schiffe?“

    Da steht doch nirgends, dass es sich nicht um Schiffe handelt. Da steht nur, dass es keine „Gefangenenschiffe“ sind. Hubschrauberträger sind genauso Schiffe wie Flugzeugträger. Das sieht auch der gute Paul so. Seien Sie mir dessen versichert.

  6. Den Spiegel wird es freuen: der Ausdruck „Gefangenenschiff“ eignet sich doch prima zum Anfixen von Lesern, so bleibt man noch ein wenig länger auf SPON und die werden umso interessanter für die werbetreibende Industrie.
    Erschreckend ist gar nicht das schludrige Geschreibe, sondern die Tatsache, dass der Rest der Trottelpresse von dieser Seite abschreibt.

  7. Alles reine Ansichtssache: ;-)

    „Das CIA-Hausblatt “Spiegel” versucht als Bildzeitungsabklatsch für die gehobene Klasse Oskar Lafontaine und Anne Will natürlich auch runter zu schreiben. Doof bloß, dass der “Generation Doof” sowieso schon lange keiner mehr glaubt.“

    http://tinyurl.com/5d6xtf

  8. Und wenn wir schon beim Thema Schiffe sind:

    http://blog.focus.de/wiegold/?p=432

  9. @ Adnan

    Und? Was wollen die Bundeswehrkasper denn machen, wenn sie ein paar Piraten lebend gefangen haben? Auf ihre Fregatte schaffen? Das geht nicht, denn dann wäre die ja auch ein Gefängnisschiff. Muahahaha…

  10. @Paul

    Nein, die kommen an Bord und stellen sofort einen Asylantrag. ;-)

  11. @Adnan: Wäre es dann ein Asylantenschiff? Ist das was Gutes, oder was Schlechtes?

  12. @Rene: „Hilf mir auf die Sprünge: was sind es denn sonst ausser Gefängnisschiffe?“
    Ein Hubschrauberträger erkennbar an den Hubschraubern.

    „Woher willst Du nun eigentlich wissen, ob Paul das auch so sieht. Hast mit ihm in der U-Bahn gesprochen drüber (oder hast mit Deiner anderen Identität Paul gesprochen)?“
    Ne, wir waren auf demselben amerikanischen Gefangenenschiff inhaftiert.

    So, wären damit alle Ihre Fragen beantwortet, Frau Zellweger?

  13. @ Rene

    Du überforderst ihn. Er glaubt vermutlich tatsächlich, die beiden Schiffe wären für den Gefangenentransport gebaut worden und es würden sich dort mehr Terroristen tummeln als Besatzungsmitglieder (3000) oder als das Lazarett Betten hat (600). Sonst hätte er sich sicher längst mal gefragt, wieso der SPIEGEL gerade die nebensächlichste und temporärste Nutzung eines Gegenstands für seine Bezeichnung auswählt.

  14. @Paul
    Was bedeutet eigentlich das „darunter auch“ im SPON-Artikel? So im Bezug auf die Hubschrauberträger meine ich…

  15. @Paul
    Streiche „darunter auch“, setze „darunter die“.

  16. @ daniel

    Das bedeutet, daß es auch um andere Schiffe geht. Wahrscheinlich alles von der Fregatte bis zum Kreuzer. Aber was immer im einzelnen dabei war, mit Sicherheit kein einziges „Gefangenenschiff“. Sowas hat die US Navy nämlich schon aus Kostengründen nicht.

  17. Gefangenenschiff ist tatsächlich der falsche Ausdruck, impliziert er doch einen Aufenthalt über einen längeren Zeitraum. Ich würde diese Schiffe eher als temporäre, schwimmende Folterkammern bezeichnen.

  18. @Paul
    „Sonst hätte er sich sicher längst mal gefragt, wieso der SPIEGEL gerade die nebensächlichste und temporärste Nutzung eines Gegenstands für seine Bezeichnung auswählt.“

    Auch wenn du das anscheinend nicht erfassen kannst. Der Spiegel hatlediglich einen Artikel aus dem Guardian übersetzt!!!!!!!!!!
    Wie übersetzt den Paul den Begriff: Prison Ship ins Deutsche? Hubschrauberträger?

    Der Spiegel bezog sich auf diesen Artikel:
    http://www.guardian.co.uk/world/2008/jun/02/terrorism.terrorism

    Mit ein bisschen Mühe und gutem Willen kann man das doch kapieren, oder nicht?

  19. @mrpresident

    „Wäre es dann ein Asylantenschiff? Ist das was Gutes, oder was Schlechtes?“

    Ist doch nicht auf meinem Mist gewachsen:

    „In somalischen Gewässern patrouillieren britische und deutsche Kriegsschíffe, die gemeinsam für die Sicherheit der Schifffahrtsrouten in diesen gefahrvollen Gewässern sorgen sollen. Denn dort tummeln sich radikale islamistische Piraten, die Handelsschiffe und Yachten kapern, Lösegeld erpressen und im Namen des Islam bisweilen auch Menschen ermorden.

    Die britische Kriegsmarine wurde nun offiziell darauf hingewiesen, dass diese somalischen Piraten das Recht haben, an Bord britischer Kriegsschiffe politisches Asyl zu beantragen. Ihre Menschenrechte dürften nicht verletzt werden.

    Wenn die Piraten an die somalische Küste gebracht und dort ausgesetzt würden, könnten sie einem verfeindeten Clan in die Hände fallen und getötet werden. Ausdrücklich wurde den vor der somalischen Küste kreuzenden britischen Kriegsschiffen auch untersagt, somalische Piraten einzusperren, da auch das ihre Menschenrechte verletzen könne.“

    http://www.timesonline.co.uk/tol/news/uk/article3736239.ece

    Es ist Schlecht!

  20. Letztendlich hat der Spiegel bewusst die Originaluebersetzung genommen um Stimmung zu machen. Dazu nutzt es einen der Organisation von Smith, der dringend Kohle braucht. Das geht aber nur mit knackigen Worten da sein Laden ohne Gitmo nicht ueberleben kann.
    Gitmo will aber keiner mehr hoeren also kommt jetzt die naechste Nummer mit Gefangenenschiffen. Fuer so eine Organisation mag das verstaendlich, wenn auch nicht redlich, sein.
    Fuer ein Blatt wie den Spiegel das sich noch immer in der Sonne der Legende vom Sturmgeschuetz der Demokokratie suhlt, ist es unredlich.
    Da beide Vessels kleinere Staedte sind und die entsprechenden Kapaizitaeten zur Unterbringung von Gefangenen und deren Medizinische Versorgung haben waere es redlich durch den Spiegel gewesen einfach nur zu berichten das auf beiden Gefangene untergebracht und medizinisch versorgt wurden.
    Der Leser haette die Information gehabt von der der Spiegel glaubt
    diese verbreiten zu muessen und er waere Neutral geblieben.
    Was der Spiegel als Blatt (Website) draus gemacht hat war uebele Propaganda und keine Berichterstattung. Da beist die Maus keinen faden ab, auch wenn Typen wie Rene schon aus Prinzip dann gegen Paul schiessen und dabei selbst nicht erkennen wie laecherlich sie sich machen.

  21. @ Alex

    Mal ganz davon abgesehen, daß selbst der SPIEGEL das „und möglicherweise gefoltert“ nur einfach mal so auf Verdacht in den Raum stellt, könnte man mit dem selben Recht jedes Küchenmesser als Mordinstrument bezeichnen, nur weil man damit auch jemanden erstechen könnte. Aber gut, dann ist Deutschland eben ein zwar nicht schwimmendes, dafür aber auch nicht nur temporäres Folterlager, weil hierzulande noch ganz andere Gewaltverbrechen als Kavaliersdelikte hingenommen werden.

  22. @ Adnan

    „Auch wenn du das anscheinend nicht erfassen kannst. Der Spiegel hatlediglich einen Artikel aus dem Guardian übersetzt!!!!!!!!!!“

    Umso schlimmer! Sie schreiben einfach nur noch ab und denken nicht mal mehr drüber nach, was da eigentlich drin steht. Denn der al-Guardian hat mit „prison ship“ selbstverständlich auch nicht recht. Aber was ist von einem Modemagazin auch anders zu erwarten…

    http://lifeandhealth.guardian.co.uk/fashion

  23. @ Paul

    1.In dem Artikel steht nicht „möglicherweise gefoltert“, sondern sie wurden laut Clive Stafford Smith tatsächlich gefoltert. Ob er recht hat oder nicht, werden wir wohl nicht erfahren.

    2. Folter ist beispielsweise für CIA-Angehörige ausdrücklich nicht verboten. Ich gehe also davon aus, dass sie von diesem Instrument durchaus Gebrauch machen, Ob das nun konkret auf den besagten Schiffen geschehen ist, spielt dabei für meine persönliche Klassifizierung keine Rolle. ich würde auch jedes chinesiche oder iranische Gefängnis als Folterkammer bezeichnen, unabhängig davon, ob in Gefängnis xy tatsächlich schon jemand gefoltert wurde.

  24. @ Alex

    Da selbst Schlafentzug (also nur 4 Stunden Schlaf innerhalb 24 Stunden) bereits als Folter gilt, bin ich bei solchen Vorwürfen erst mal skeptisch. Aber die Frage war hier ja eine der Terminologie bzw. ihres demagogischen Mißbrauchs.

    Wenn Du also tatsächlich meinst, daß es objektiv und in keinster Weise manipulativ ist, amerikanische Hubschrauberträger als Gefangenenschiffe zu bezeichnen, dann unterschreibst Du sicher auch die Aussage, daß beispielsweise das organisierte Verbrechen in Deutschland mit stillschweigender Billigung von Staat, Justiz und Polizei ganze Sklavenstädte (mit Sicherheit mehr als 17, darunter Hamburg und Frankfurt, um auch mal ein paar Namen zu nennen) betreibt, in denen weit mehr und weit unschuldigere Menschen (sprich Zwangsprostituierte, darunter auch Minderjährige) weit schlimmerer Folter ausgesetzt sind als jeder Terrorist (außer man empfindet Dauerbeschallung mit HipHop als mit jahrelanger Dauervergewaltigung vergleichbar).

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: