Mao baut dem Kanzler eine Autobahn


Da will wohl jemand unbedingt das eigene Denkmal zerstören, bevor es überhaupt errichtet wurde:

„Aber er war eben auch der Mann, der Chinas Souveränität wiederhergestellt und den Frauen die Gleichberechtigung gebracht hat.“

Angesichts von Opferzahlen, die selbst in jenem Zustand, den ein Sozialdemokrat gemeinhin Frieden zu nennen pflegt, noch höher waren als die aller Staaten im II. Weltkrieg zusammengenommen, sind solche Sätze nicht nur eine peinliche und eines angesehenen Staatsmannes unwürdige Geschichtsklitterung, sondern auch noch eine bodenlose Unverschämtheit gegenüber den Opfern.

Außer natürlich, man meint, Souveränität bedeutet das Recht der chinesischen Regierung, die eigene Bevölkerung selber zu massakrieren statt diesen Job den Japanern zu überlassen, oder Gleichberechtigung heißt, daß Männer und Frauen nirgendwo so gleich sind wie auf einem Schädelberg. Falls nicht, wäre jetzt zweifellos der perfekte Zeitpunkt für eine unmißverständliche Entschuldigung.

~ von Paul13 - Mittwoch, 21. Mai 2008.

20 Antworten to “Mao baut dem Kanzler eine Autobahn”

  1. Was heißt hier Denkmal? Als (Gift)Gartenzwerg macht er sich doch ganz gut. Demnächst wird die SPD beschließenjedem ein Denkmal zu stiften, der den 1. Mai zum nationalen Feiertag machte.

  2. Schmidt ist leider etwas alterssenil. Deutsche Politiker sollten im Allgemeinen darauf achten „deutsche Interessen“ zu vertreten. Sie werden vom deutschen Volk nicht gewählt um auf chinesische Pseudo-Befindlichkeiten (Tibet, Taiwan, usw.) zu achten oder sich von den Kommunisten ihre Gesprächspartner vorschreiben zu lassen. Die chinesische Führung sieht so ein Verhalten lediglich als Schwäche an. Präsident Bush trifft sich ja auch ständig mit dem Dalai Lama…

  3. […] gegen die Universalität der Menschenrechte Gestern Helmut Schmidt und jetzt diese Knalltüte, die mit der Arroganz eines Privilegierten Millionen Menschen ihr Recht […]

  4. Mein Gott, nun regt euch hier mal nicht so künstlich auf. Was an der Äußerung von Schmidt ist verkehrt? Fairerweise hätte vor dem Zitat auch der vorhergehende Satz stehen müssen. Aus dem Zusammenhang zitieren und dann jemanden sturmreif schießen kann ja jeder.

  5. In den hier zu lesenden zwölf Zeilen hast du tausendmal mehr über deine Ressentiments gesagt, als über den senilen Herrn Schmidt…

    Deine Autobahnmetapher entlarvt dich als Mensch mit der offenkundigen Neigung den NS zu relativieren. Der Unterschied zwischen Peter Scholl Latour und dir liegt nur im Detail. Er wünscht, dass die Amis in Bagdad ihr Stalingrad erleben. Du willst, dass es die Chinesen in Tibet bald vor sich haben. In beiden Fällen wäre die Einzigartigkeit der größten deutschen Niederlage bzw. des größten deutschen Traumas dahin…

  6. Nigma, so ein Unsinn. Tibet, demnächst das „Stalingrad der Chinesen“? Wie kommen Sie auf die schwachsinnige Idee, Paul13 wolle das?

    Im übrigen, Schmidtschen Schnauzes Denkmal steht fest, da ändert keine heutige Talkshow mehr was. Es ist nun mal so, die meisten von uns leisten nicht über die gesamte Lebensspanne Außergewöhnliches.

    Henryk Broder verdiente sich sein Denkmal bereits 1986 mit „Der ewige Antisemit“, inzwischen gibt er der Braunen Narzisse Interviews und bepöbelt im TV die Musikerin Joy Fleming. Das entwertet nicht nachträglich seine Verdienste.

  7. @Diskus

    Fairerweise hätte vor dem Zitat auch der vorhergehende Satz stehen müssen.

    Da hast Du nicht unrecht. Hätte aber in meinen Augen nichts geändert. Man könnte dann auch sagen: „Ja, ein „brutaler Herrscher“ sei Stalin gewesen, […] Aber er war eben auch der Mann, […]“. Das ist doch nur eine Relativierung Schmidts oder? Ich stimme da mrpresident zu: Das Alter. Deswegen sollte man mit dem alten Mann auch ein wenig gnädiger umgehen ;-)

    @Edward
    Ich kann nicht sehen, wie hier die Verbrechen im Dritten Reich relativiert werden. Ich habe den Eindruck, Du siehst hinter jedem Vergleich eine Relativierung. Dein Stalingrad-Vergleich halte ich für ungeschickt. Die Freiheit der Menschen im Tibet könnte ein Anfang für Millionen anderer Chinesen sein. Nur um ein eventuell rückkehrendes feudales System zu verhindern, „gönnen“ wir Millionen Chinesen eine Diktatur? Das kann wohl nicht die Lösung sein.

    Ein interessanter Artikel bzw. Diskussion zu Tibet/China, die Du auf Deinem Blog hast. Letzlich geht es um die Ignoranz gegenüber den Problemen wie Unterdückung/(Massen)Mord in China (inklusive Tibet), Dafur oder Burma. Und das bittere: Bei allen drei Fällen haben die Kommunisten in Peking ihre Finger im Spiel.

  8. Schmidt hat ja einen Vorteil: Er war nie Vorsitzender der SPD!
    Aber weshalb er das jetzt zu kompensieren versucht bleibt wohl sein Geheimnis.

  9. @ Diskus

    Das vorherige Zitat ändert nichts. Es macht das ganze vielleicht sogar noch schlimmer, weil es dann diesen „ich finde Diktator soundso auch scheiße, aber…“-Effekt hat

  10. […] Kritik gegenüber einem offenbar sakrosankten Elder Ex-Möchtegernriesenstaatsmann erreichte mich ein Kommentar, den ich angesichts des darin enthaltenen Vorwurfs, daß ich dazu neigen würde (ja, der […]

  11. […] 23, 2008 · 2 Comments Eigentlich war ich ja der Meinung, dass die Kollegen Diskus und Paul die Zwergenkaufmänner der Woche bereits aufgespürt hätten. Weit gefehlt! Ein Interview in der […]

  12. „Du siehst hinter jedem Vergleich eine Relativierung.“

    Nicht ganz, ich sehe hinter jedem NS-Vergleich eine Relativierung, da es die Einzigartigkeit des nationalsozialistischen Wahns und seiner konkreten Auswirkungen in Frage stellt.

    „Nur um ein eventuell rückkehrendes feudales System zu verhindern, “gönnen” wir Millionen Chinesen eine Diktatur? Das kann wohl nicht die Lösung sein.“

    Nö, ist es bestimmt nicht. Aber ein Bürgerkrieg kann es auch nicht sein…

  13. @Edward E. Nigma
    Ich denke der letzte Kommentar war an mich gerichtet(?).

    Nicht ganz, ich sehe hinter jedem NS-Vergleich eine Relativierung, da es die Einzigartigkeit des nationalsozialistischen Wahns und seiner konkreten Auswirkungen in Frage stellt.

    Ich verstehe und denke Du fokusierst zu sehr auf die NS-Geschichte. Du solltest das mal lesen und dann noch mal über die „Befreier“ des Tibets vom feudalen Joch genau nachdenken. Du löst das Tibet-Problem nur raus – es ist nur ein prominentes Stück in einem riesigen Verbrechen. Nach Deinem Denkmuster könnten die Opfer (oder vielmehr die Hinterbliebenen) der „Tibet-Befreier“ Dir auch Relativierung der Verbrechen des kommunistischen chinesischen Regimes vorwerfen.

  14. Nein, so einfach könnten Sie es eben nicht. Ich habe in einem anderen Kommentar hier versucht deutlich zu machen, was der zentrale Unterschied zum Holocaust ist, und zwar in jedem Fall.

    Hier die Passage:

    „Ich würde gerne die Problematik der Einzigartigkeit des NS, speziell der Shoa, noch einmal unter die Lupe nehmen, plus der Frage ob und inwiefern sich eigentlich jeglicher Vergleich mit anderen Verbrechen verbietet.

    Paul13, wenn Sie hier schreiben, dass es eine Art Rangliste der Menschheitsverbrechen gibt, dann befinden wir uns schon wieder im Dissens, auch wenn Sie die Verbrechen der Nazis auf den ersten Platz setzen. Diese dem Sport abgeschaute Form der Bewertung historischer Ereignisse widert mich nämlich nicht deswegen an, weil der eine oder andere die Verbrechen Stalins bzw. Maos an erster Stelle setzt, sondern weil es der Versuch ist ein Verbrechen gegen die Menschheit (siehe dazu Hannah Arendt) mit anderen – definitiv unmenschlichen – Verbrechen zu vergleichen, um letztendlich – über drei Ecken – die Besonderheit/Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Verbrechen zu relativieren bzw. sogar zu dementieren.

    Nur zu dumm, dass es sich beim Holocaust nicht um irgendeinen x-beliebigen Massenmord handelt, sondern um den Versuch eine als “Gegenrasse” konstruierte Menschengruppe zu vernichten, beziehungsweise die Vernichtung des jüdischen Prinzips (worin die Nazis den liberalen Kapitalismus ebenso subsumierten wie den kosmopolitischen Kommunismus). Um es etwas deutlicher zu machen: Damit man diese Tatsache in Dtl. vergisst, wurde der englische Begriff ‚crime against humanity’ ins deutsche als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und eben nicht der Menschheit, übersetzt. Damit war schon von Anfang an die Möglichkeit gegeben die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Verbrechen im Rahmen der vergleichenden Völkermordforschung nach und nach aufzuheben. Und genau da fängt nämlich dann das Problem an, wenn der Versuch die Juden zu vernichten, nur der bisher schlimmste Völkermord auf Erden war, welche besondere Existenzberechtigung hat dann eigentlich Israel im Gegensatz zu Tibet zum Beispiel?

    Definitiv haben die Nazis – nicht nur – an der sowjetischen Bevölkerung einen wie auch immer gearteten Völkermord/Massenmord begangen, doch ihr Versuch die Juden zu vernichten, war weit mehr als ein ‚normaler’ Völkermord (Sind eigentlich von den Nazis als Vierteljuden eingestufte Menschen wirklich Teil des jüdischen Volkes? Und wer oder was definiert das jüdische Volk überhaupt?)…“

    Ich hoffe, mein Standpunkt wird dadurch etwas klarer…

  15. @Edward E. Nigma
    An wen richtet sich Dein letzter Kommentar?

  16. Dar war für Sie gedacht…

  17. @Edward E. Nigma
    OK – dann will ich kurz auf Deine Punkte eingehen:

    Nein, so einfach könnten Sie es eben nicht.

    Wer ist „Sie“? Und was könnten „Sie“ nicht so einfach? Ich denke Du meinst die Chinesen.

    Ich habe in einem anderen Kommentar hier versucht deutlich zu machen, was der zentrale Unterschied zum Holocaust ist, und zwar in jedem Fall.

    Das habe ich verstanden – aber in Deinem ersten Kommentar verlinkst Du zu einem Artikel (auf Deinem Blog), in dem Du die chinesichen Kommunisten als eine Art „Befreier“ für die Tibeter hinstellst. Das ist geschmacklos und damit realtivierst Du einen anderen Massenmord. Millionen von toten Chinesen waren der Preis für diese „Befreiung“ – diese „Befreiung“ ist quasi die Autobahn!

    Wenn Du sagst:

    Nur zu dumm, dass es sich beim Holocaust nicht um irgendeinen x-beliebigen Massenmord handelt, […]

    Da hat und will Dir niemand wiedersprechen – dennoch gilt hier folgendes Zitat:

    Es ist für ihre Opfer aber letztendlich scheißegal wer sie ermorden lassen hat, sie sind um das Leben gebracht worden, welches ihnen geschenkt wurde, noch knapper: tot ist tot.

    Und ich glaube so sehen es die Opfer der chinesischen Kommunisten auch. Oder?

    P.S. Mein letzter Kommentar (5. Juni 2008 um 7:20) war mehr zum Nachdenken gedacht, als Dir etwas vorzuwerfen. Ich sage das nur, weil ich einen anderen Eindruck habe.

  18. So um die Ordnung wieder hinein zubekommen, etwas Puzzlearbeit:

    Sie schrieben:

    „Nach Deinem Denkmuster könnten die Opfer (oder vielmehr die Hinterbliebenen) der “Tibet-Befreier” Dir auch Relativierung der Verbrechen des kommunistischen chinesischen Regimes vorwerfen.“

    Meine Antwort darauf lautete:

    „Nein, so einfach könnten Sie es eben nicht.“

    Was ihren Eiertanz danach betrifft, so denke ich müsste Ihnen selbst auffallen, dass Sie entweder nicht wissen, was Sie wollen, oder Sie einfach nicht in der Lage sind – logisch – bis drei zu zählen…

    Wenn Sie nämlich wirklich verstanden hätten, dass der Holocaust nicht irgendein x-beliebiger Massenmord war, wieso schreiben Sie dann im gleichen Atemzug, dass ich „einen anderen Massenmord“ (sie meinen damit die „Befreiung“ Tibets) relativiere? Mit dieser Aussage beziehen Sie sich doch auf den vorher erwähnten Holocaust, und subsumieren ihn ebenfalls als Massenmord. Um dann noch polemisch den Topos „Autobahn“ hinterher zuschieben…

    Doch das war ja noch längst nicht alles. Obwohl Sie dann noch einmal behaupten, mir nicht widersprechen zu wollen was die Einordnung der Einzigartigkeit des Holocausts betrifft, setzen Sie ihn in Beziehung zu einer – in diesem Fall meiner – Aussage, in der es um die Frage ging wer den der schlimmere Massenmörder war, Pol Pot oder Pinochet. Merken Sie diese unlogischen Geschmacklosigkeiten überhaupt noch?

    Um es für Sie verständlich zu machen, meine von Ihnen zuletzt zitierte Aussage, gilt grundsätzlich erst einmal für alle Opfer von (Gewalt)Verbrechen, für wirklich alle! Doch aus dieser wirklich simplen humanistischen Aussage, kann man noch keine vergleichende Völkermordforschung in einem historischen Maßstab basteln, sondern nur zum Ausdruck bringen, das jedes Menschenleben welches „sinnlos“ vergeudet wird, eines zuviel ist. Das sollte eigentlich Standard sein.

    Und nun zum historischen Teil: Weder Mao, noch Pinochet oder Pol Pot wollten das jüdische Prinzip ausrotten, sondern „nur“ ihre ideologischen und machtpolitischen Vorstellungen durchsetzen, was sie diametral von Adolf Hitler und seiner Bagage unterscheidet. Das ist der Unterschied ums Ganze: es geht eben nicht um die makabere Auszählung wer den höchsten Leichberg hinterlassen hat, sondern darum aus welchen Motive dies geschah…

    Statt eines Nachwortes: Wenn Sie mir in einem pro-tibetischem Blog irgendeinen Kommentar zeigen, indem nicht nur die tibetischen Opfer des Aufstandes bedauert werden, sondern auch die chinesischen, die es nachweislich gegeben hat, dann wäre ich bereit darüber zu diskutieren, inwiefern mein Beitrag zu Tibetdebatte nicht etwas zu polemisch geraten ist…

    Freundlichst, Ihr Edward E. Nigma

  19. @Edward E. Nigma
    War der letzte Kommentar wieder für mich? Wenn Sie das Problem lösen können und noch prüfen wann und wo Sie die „Pinochet-Pol-Pot“-Frage gestellt haben, dann denken Sie über Logik, Eiertänze und Ihre unlogischen Geschmacklosigkeiten nach. Sie bringen hier einiges durcheinander – zur Diskussion „Pinochet vs. Pol Pot“ geht es auf dieser Autobahn. Nun beruhigen und noch alles in Ruhe durchlesen.

  20. „wann und wo Sie die “Pinochet-Pol-Pot”-Frage gestellt haben“ muss heißen: „wann und wo die “Pinochet-Pol-Pot”-Frage gestellt wurde“

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