Die „Spezialkräfte-Affäre“ hinter der „Spezialkräfte-Affäre“


Warum bildeten deutsche Beamte libysche Sonderkräfte aus – und wer wusste davon? Die „Bild am Sonntag“ meldet unter Berufung auf Geheimdienstkreise, dass der Deal zustande kam, weil Libyens Machthaber Gadaffi an der Freilassung deutscher Geiseln beteiligt war.

Wozu die Aufregung? Hier geht es um Gerhard Schröder! Der kumpelt noch mit ganz anderen Gestalten, da ist jemand wie Ghaddafi fast schon ein Fortschritt. Libysche Polizisten auszubilden ist sicherlich kein netter Zug, aber verglichen mit der – glücklicherweise gescheiterten – Lieferung von hochmodernen Kampfflugzeugen an die Chinesen, damit die einen etwaigen Angriffskrieg gegen Taiwan besser führen können, oder der Lieferung von Waffen und Munition an die diversen Despoten der arabischen Halbinsel ist das fast schon Kinderkram.

Vielleicht ist der Hintergrund aber eh weit banaler, als es hierzulande in der Presse dargestellt wird. Möglicherweise ging es nämlich bloß darum, verdienten GSG-Kämpen eine Freude zu machen, und da VW-Werksbesichtigungen in Brasilien zu diesem Zeitpunkt politisch nicht mehr opportun waren, bot sich ein Einsatz im sonnigen Süden geradezu an. Wenn sie ihren Job gut gemacht hätten, hätten sie irgendwann eventuell auch mal Ghaddafis Leibgarde „betreuen“ dürfen. Die aber besteht statt aus unfreundlichen, haarigen Kleiderschränken aus knackigen orientalischen Superbräuten in hautengen Anzügen…

~ von Paul13 - Sonntag, 6. April 2008.

11 Antworten to “Die „Spezialkräfte-Affäre“ hinter der „Spezialkräfte-Affäre“”

  1. Also die gespielte Aufregung muss mir jetzt jemand mal erklaeren.
    Seit urzeiten trainieren ehemalige, oder auch sich im Urlaub befindende Elitesoldaten/Polizisten fuer Kohle irgendjemandes Polizei/Millitaer Einheiten in Drittwelt Laendern oder fuer noch mehr Kohle auch gerne im Nahen Osten. Neu ist nur das der Deal diesmal direkt ueber eine deutsche Firma abgewickelt wurde (Schroeder sei dank fiel hier mal der in der Regel britische Zwischenhaendler weg). Das ganze unter Beobachtung und Begleitung des jeweiligen Westlichen Heimatdienstes.
    Okay Ghaddafi steht jetzt auch wieder auf der Lieferliste aber das war doch nun nach seinem turnaround zu erwarten.
    Selten so eine heuchelei gehoert. Wirklich peinlich ist doch dabei nur das ein Provinzblatt das Ding als erstes auf seiner Titelseite hatte.

  2. @ auslaender

    Auch wenn Sie das nicht glauben werden, aber ich stimme Ihnen zu: seit Jahrzehnten beliefern bundesdeutsche Firmen alle mögliche zweifelhaften Regimes mit Waffen & Gerät – vom Apartheid-Regime in Südafrika, über die Türkei unter Militärherrschaft bis zu chilenischen Diktatur unter Pinochet und bundesdeutsche Polizeibeamte bilden Sicherkräfte in Ländern der Dritten Welt aus. Warum jetzt ausgerechnet Libyen unter dem zahm gewordenen Ghaddafi der Sündenfall sein soll, ist mir nicht klar. Und wenn es wirklich einen Deal gab, dass Ghaddafi die ulgarischen Krankenschwestern gegen Ausbildung seiner Leibwache freigelassen hat: guter Deal.

  3. „aber verglichen mit der – glücklicherweise gescheiterten – Lieferung von hochmodernen Kampfflugzeugen an die Chinesen“

    Wären das EF-2000 gewesn? Wieviele?

  4. @ Feynman

    Ging zwar tatsächlich um den Eurofighter, aber die Zahl ist meines Wissens nicht bekannt. War ja auch noch nichts konkretes. Nach den Erfahrungen mit russischen Kampfflugzeugen und deutschen Magnetschwebebahnen dürfte es den Chinesen am Ende aber wohl nur wieder um ein paar Dutzend gegangen sein, und das auch nur, um wenigstens so zu tun, als ob man an echter Kunde wäre.

    Dann hätten sie die Dinger wie sonst auch einfach aufgemacht, nachgeschaut, was drin ist, und für einen Bruchteil der Kosten nachgebaut. Und zum Schluß hätte man die Kopien gewinnbringend an irgendwelche Schurkenstaaten verscherbelt, damit sich die Originale beim nächsten Krieg nicht so langweilen und die Sandkörnchen im westlichen Getriebe etwas lauter knirschen.

  5. Gibt es eine Quelle für die Eurofighter-China Geschichte?

    Ein Typhoon ist schon ein wenig komplexer als eine
    MIG-21, das letzte Flugzeug das die Chinesen kopiert und verkauft haben.
    Für den Export bieten haben die Chinesen momentan mit der JF-17/FC-1 ein günstiges, modernes Kampfflugzeug an, für den etwas größeren Geldbeutel vielleicht die J-10. Mehr können sich potentielle Kunden nicht leisten.

  6. @ Feynman

    Also die J-10 ist ja eine Kopie der Lavi und die J-11 eine der Su-27. Da hätten die sicher keine Hemmungen, den Eurofighter zur J-13 zu verwursten. Mit den Kosten hast Du aber insofern recht, daß auch ein chinesischer Klon des Eurofighter immer noch viel zu teuer für Mugabe wäre.

    Was die Quellen angeht, so ging das damals durch die Medien (ich glaube um den Jahreswechsel 2004/5 anläßlich eines China-Besuches von Schröder). Er hatte sich dafür eingesetzt, das EU-Waffenembargo aufzuheben und sich dafür sogar vom eigenen grünen Koalitionspartner Kritik eingefangen.

  7. @ Feynman

    Hab mal eben gegoogelt. Hier wird das z.B. erwähnt:

    http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article421632/Waffenexporte_Schroeder_veraergert_SPD_und_Gruene.html

    Der Witz ist ja, daß der deutsche Bundestag sich dann einen Wolf beschließen könnte, den Chinesen trotzdem nichts zu liefern. Weil die großen Rüstungsprojekte inzwischen eh meist multilateral sind, würde bei Wegfall der EU-Restriktionen dann eben eines der Partnerländer die Auftragsabwicklung übernehmen.

  8. Die J-10 ist sicherlich von der Lavi beeinflusst worden, abder kein Klon.

    J-11 ist eine Lizenz-Kopie, sinodefence schreibt dazu:
    „The J-11 (Jianji-11 or Jian-11) is a licensed copy of the Russian Sukhoi Su-27SK air-superiority fighter aircraft built by Shenyang Aircraft Corporation (SAC). The initial batches of the J-11 were identical to the single-seat Su-27SK, but the later batches had increased portion of Chinese-made components.“

    Die 72 saudischen Typhoons werden größtenteils auch in Saudia Arbien hergestellt werden.

  9. @ Feynman

    Klar, inzwischen ist die J-10 ein komplett neues Flugzeug, aber angefangen hat das als Lavi-Nachbau. Der Eurofighter ist ja auch kein Jäger 90 mehr. ;-)

    Daß die Saudis die Dinger auch noch selber herstellen dürfen, wußte ich übrigens gar nicht. Das grenzt ja schon an Hochverrat.

  10. Es ist nichts ungewöhnliches Kampf-Flugzeuge im eigenen Land zusammenzubauen. Beispiele wären die schweizer F-18, türkische F-16, indische Su-30 MKI, …

  11. @ Feynman

    Das ist sicher nicht ungewöhnlich, aber zwischen schweizer F-18, türkischen F-16 und indischen Su-30 auf der einen Seite und saudi-arabischen oder gar chinesischen Typhoons auf der anderen besteht ein wesentlicher Unterschied, und damit meine ich nicht den Flugzeugtyp. ;-)

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