Eigentor mit Ansage


Sollten die westlichen Demokratien in ferner Zukunft wider Erwarten tatsächlich untergehen und das Feld irgendeiner barbarischen Terrorideologie überlassen müssen, dann werden die Historiker bei der Suche nach den Ursachen zweifellos auch auf den krankhaften Drang dieser Gesellschaften stoßen, die eigenen Erfolge ohne erkennbaren Grund zu Fehlschlägen umzuschreiben:

Nato prüft erstmals Exit-Szenario für Afghanistan

Da denkt das stärkste Militärbündnis der Weltgeschichte darüber nach, nach erfolgreichem Abschluß einer Operation seine Truppen logischerweise irgendwann auch wieder abzuziehen, weil sie ja nicht mehr benötigt werden, doch anstatt sich höchstens darüber zu beklagen, daß es etwas lange gedauert hat, wird versucht, mit negativ behafteteten Begriffen den Eindruck einer Niederlage zu erwecken.

Angesichts dieser offenkundigen Todessehnsucht großer Teile unserer Zivilisation dürfen wir uns nicht wundern, daß selbst chancenlose Feinde ernsthaft glauben, uns besiegen zu können. Sie können nämlich einfach darauf bauen, daß wir das für sie erledigen. Und diese Hoffnung ist nicht vermessen, da sie uns ja nicht einmal mehr ermorden müssen. Aktive Sterbehilfe reicht völlig.

Da dürfte es denn auch nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die ersten durchgeknallten Revisionisten den Endsieg des Großdeutschen Reichs im II. Weltkrieg proklamieren, weil die alliierten Besatzer nach der offiziellen Unterzeichnung ihrer bedingungslosen Kapitulation im Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1991 ihre Exit-Strategie umsetzen und geschlagen abziehen mußten.

Und da für unsere Defaitisten die Gegner des Westens alleine schon durch ihr bloßes Überleben gewinnen, müssen sich die Rechtsradikalen, die inzwischen sogar wieder in einigen Landtagen sitzen, wohl nur noch auf einen Führer einigen, dann ist die Machtergreifung reine Formsache. Wer braucht schon V1 oder V2? Die negative Autosuggestion ist die wahre Wunderwaffe!

~ von Paul13 - Freitag, 4. April 2008.

5 Antworten to “Eigentor mit Ansage”

  1. Zum NATO-Gipfel musste der Spiegel ja Tiefstform auflaufen. Während es beim Spiegel eine gewisse Kontinuität Augsteinscher Ideologie ist, saß man bei ARD und ZDF in der hintersten Reihe, will heißen, da haben die Augstein-Adepten, die Neonationalisten und Möchtegernneutralisten erst seit ein paar Jahren das Sagen.

    Es war doch klar, nachdem sie das „Scheitern“ Bushs etwas zu früh verkündeten, mussten sie ja noch ein Geheimpapier aus dem Hut zaubern, um die 40 Jahr-Feiern der „Antiimperialisten“, besser der klammheimlichen Freunde des Sowjetimperialismus, zu versüßen.

    Die Bezeichnung Defätisten ist irgendwie falsch. Die glauben tatsächlich stellvertretend für sie hätte der Terrorismus gesiegt und sie könnten jetzt die Ernte einfahren.

  2. @ Paule

    „Da denkt das stärkste Militärbündnis der Weltgeschichte darüber nach, nach ERFOLREICHEM Abschluß einer Operation seine Truppen logischerweise irgendwann auch wieder abzuziehen, weil sie ja NICHT MEHR BENÖTIGT werden, doch anstatt sich höchstens darüber zu beklagen, daß es etwas lange gedauert hat, wird versucht, mit negativ behafteteten Begriffen den EINDRUCK EINER NIEDERLAGE zu erwecken.“ (Hervorhebungen von mir, NMR).

    Hihi! Paule at its best! Nur so aus Neugier: glauben Sie das selbst, was Sie da oben geschrieben haben? Ganz ehrlich? Wirklich? Dann sollten Sie über therapeutische Hilfe nachdenken …

    Zur Verdeutlichung: stellen Sie sich in einem kleinen Gedankenexperiment einmal vor, ich oder irgend ein anderer „Defätist“ hätte vor – sagen wir: einer Woche – behauptet, dass die NATO-Mitgliedstaaten auf ihrem nächsten Gipfel über eine Exit-Strategie für Afghanistan diskutieren würden. Was wäre dann auf NFBS passiert? Na das:

    – kollektiver Aufschrei aller online-Helden (alibaba, S1IG, auslaender, Tyrion … you name it) über diese feige, miese, terroristenfreundliche chamberlaineske Propaganda-Lüge eines altkommunistischen, kryptoislamistischen Terrorverstehers

    – sofortige Zitate von New York Post über Weekly Standard bis DEBKA file, dass man so etwas nicht denkt, nicht darüber spricht und schon gar nicht zugibt.

    – langatmige Abhandlungen von Paule über die Geschichte der Kapitulation und des Verrats seit Pontius Pilatus und was die NeoCons dagegen tun können (kurz gesagt: nichts)

    – farbenprächtige Darstellung von auslaender wie man solche Verräter in der NATO – wenn es sie je geben sollte – von der Luft angreifen könne, sollte, müsse und welche schönen amerikanischen Waffensysteme am besten dafür geeignet sind.

    – Ein kurzer Abriß der DDR-Geschichte mit besonderen Verweisen darauf, welche grauenhaften kollektiven Erziehunserfahrungen wie gemeinsdames Hocken auf kommunistischen Töpfchen zu den Charakterdeformationen geführt haben, die zur Existenz solcher Verräter am Westen, der freien Marktwirtschaft, dem christlichen Abendland und überhaupt geführt haben.

    Tja die Realität ist of grausam. Aber immerhin kriegt Bush jetzt seine heißgeliebte Raketenabwehr und der Iran darf nur noch die Ukraine angreifen, wenn er ungeschoren davon kommen will.

    P.S. Wenn Sie mögen, können Sie diesen Beitrag als meinen „Kommentar des Monats“ verstehen.

  3. Verglichen mit dem Stern ist SPON ja noch harmlos. Habe letztens beim Arzt (ich les den doch nicht freiwillig ;-)) einen Artikel über Afghanistan gelesen. In der Mitte zwei Bilder: Deutsche Soldaten, die den Bau einer Schule beaufsichtigen und eines von Kanadiern, die ein Tür eintreten. Diese ekelhafte Suggestion „wir sind die guten“ ist eine Schande, aber entspricht wohl den Gefühlen der Mehrheit der Deutschen.
    Das Schema in der Afghanistanberichterstattung ist immer dasselbe: böse Amis bombardieren sinnlos und massakrieren Zivilisten, während die Aufständischen natürlich nie den Afghanen auch nur ein Haar krümmen. Dann noch der obligatorische Satz „Afghanistan ist nicht mit rein militärischen Mitteln zu befrieden“ und fertig ist der pazifistische Kriegsreporter mit seinem Bericht. Fehlt nur noch der Verweis auf den Vernichtungsfeldzug der Roten Armee (auf die Idee, mal die Verluste zu vergleichen, kommt niemand).

  4. @Paul
    kleines Gedankenexperiment bedeutet bei DJ (aka no more republicans): Er macht sich Illusionen und Hoffnungen. Geil auch seine Idee vom Kollektiv – das ist sein Commie-Background oder vielleicht doch die Borg? :-)

    @DJ (aka no more republicans)

    hätte vor – sagen wir: einer Woche

    Hätte, wenn und aber

    @Tyrion
    Der Stern ist quasi eine Bedrohung für den Wald ;-)

  5. @ no more republicans

    P.S. Wenn Sie mögen, können Sie diesen Beitrag als meinen “Kommentar des Monats” verstehen.

    Hätt ich gern gemacht, aber da das hier bereits kommentiert wird, macht es wenig Sinn, das nachträglich zu löschen und als Beitrag einzustellen. Deshalb beim nächsten Mal besser direkt als eMail an mich. Und eine griffige Überschrift dazupacken!

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