Boomtown Rat flies Air Force One


Kein Staatschef hat mehr für Afrika getan als der gern gehasste US-Präsident George W. Bush.[…] Es ist eine bemerkenswerte Story, und ich habe mich immer gefragt, warum sie den Amerikanern, die das Geld dafür aufbringen, nie richtig erzählt wurde.

«Ich hab’s versucht», sagt Bush. «Aber die Presse war nicht besonders interessiert.

[…] Bush muss seine Afrika-Politik nicht rechtfertigen. Er hat während seiner Amtszeit die Hilfe für die Ärmsten der Welt vervierfacht.

[…] Bush sei sprachlich unbeholfen, liest man oft, und auch ich habe oft über seine Ausrutscher gelacht. Er selbst würde es bestreiten, aber ich glaube, der Spott trifft ihn und er tut es mit einer Portion Selbstironie ab. Aber in der Öffentlichkeit und mir gegenüber sprach er fliessend und verwendete oft wunderbare Aphorismen.

Igitt, was ist das denn? Lob für den schlechtesten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika? Wer macht denn so was? Wo doch jedes Schulkind weiß, daß Bush der dümmste und böseste Mensch diesseits des Rio Grande (und zwar in beiden Richtungen) ist? Diese Lobhudeleien sind bestimmt nur aus dem Protokoll des letzten neokonservativen Weltverschwörertreffens abgeschrieben. Wen interessiert das schon? Fragt sich doch höchstens, ob Rummy oder Wolfowitz Schriftführer war.

Wie, keiner von beiden? Im Gegenteil? Was soll das heißen, ein anerkannter Weltverbesserer? Bob Geldof? DER Bob Geldof? Ja tickt der noch ganz richtig? Man kann sich echt auf keinen mehr verlassen, nicht mal auf die Rockidole seiner Jugend. So was darf man doch nicht sagen, wie kann er nur! Es geht doch um Bush!!! Dumm, böse, Rio Grande und so! Moment, wie war das, er kann das sogar begründen? Ja, wie das denn? Ach, so:

[…] Die Politik von George W. Bush polarisiert – aber nicht in Afrika. Er sei inkompetent, lese ich. Aber nicht in Afrika. Er habe für Verbitterung gesorgt. Aber nicht in Afrika. Bush kann keine Reden halten. In Afrika kann er das. Und warum? Seine Regierung hat Millionen Menschenleben gerettet und dazu beigetragen, dass 29 Millionen Kinder zum ersten Mal die Schule besuchen können. Bush hat sein Hilfsprogramm (PEPFAR) auf den Weg gebracht. 2003 erhielten nur 50 000 Afrikaner Aidsmedikamente, die sie selbst bezahlen mussten. Heute sind es 1,3 Millionen, die kostenlos Medikamente erhalten.

[…] Man vergisst leicht, dass Bush Betriebswirtschaft studiert hat. Er denkt wie ein Unternehmer, denkt in Ergebnissen, Gewinnen und Verlusten. Seine Afrikaprogramme sind konkret, und eine grosse Rolle spielt, zu Recht, der Handel: «Mein Vorgänger hat den African Growth and Opportunities Act (AGOA) ins Leben gerufen, ich habe dieses Gesetz zweimal bekräftigt», sagt Bush. Gemeint ist ein Gesetz, demzufolge 900 bislang kräftig besteuerte afrikanische Exportgüter nun abgabenfrei importiert werden können. Das Ergebnis ist verblüffend. In Lesotho arbeiten 42 Prozent der Beschäftigten in Betrieben, deren Exporte nach Amerika gehen. Zwar macht Erdöl weiterhin 90 Prozent der afrikanischen Exporte in die USA aus, aber AGOA ist genau das, was zu einem Wandel in Afrika beitragen wird.

«Eine Steigerung der afrikanischen Exporte um ein Prozent ist mehr Geld als alle Entwicklungshilfe pro Jahr zusammengenommen. Deswegen ist Doha so wichtig», sagt Bush mit Blick auf die WTO-Verhandlungen.

Aaargh, auch noch neoliberale Umtriebe! Als ob neokonservativ nicht schlimm genug wäre, zeitigt jetzt auch noch die Globalisierung Erfolge! So ein Mist, das Osterwetter war scheiße, der heldenhafte irakische Widerstand wird jetzt auch in Basra zum Teufel gejagt, ein alter Revoluzzer lobt den doofen Dubya, und als krönender Abschluß die Demontage althergebrachter Entwicklungshilfephantasien. Man könnte kotzen. Macht gar keinen Spaß mehr, Bushhasser zu sein. I don’t like Fridays…

~ von Paul13 - Freitag, 28. März 2008.

6 Antworten to “Boomtown Rat flies Air Force One”

  1. @Paul
    Bob wurde ja schon vor geraumer Zeit „umgedreht“ und die Bush-HasserKritiker haben das ganz einfach „verdrängt“. Scheinbar sind die Zeiten vorbei, als die afrikanischen Sozialisten mit der Planwirtschaft und unblutiger Unterdrückung noch in Richtung Erfolg steuerten – da konnte man noch die neokoloniale Politik des Westens (allen voran die USA) „kritisieren“. Nun hat der Teufel tief in die Tasche gegriffen – sogar für die Sklaverei hat er sich bei den Einwohnern des schwarzen Kontinents entschuldigt… Das riecht alles nach einer Neocon-Verschwörung ;-)

  2. @ Paul

    Was soll ich dazu sagen. Alles was mir dazu einfällt – fällt unter den Beleidigungsparagraphen. Ach doch, eines interessiert mich: was kostet Hofberichterstaatung dieser Art heutzutage?

  3. Mensch Detleff,

    nun sei doch froh, dass der Pitzke nicht bei Georgie und Condi mitfliegen darf und hinterher dir Sudel-Ede in den Rücken fällt. Das deutet doch alles darauf hin, dass deine Lieblingskorrospondenten als Hofberichterstatter ganz anderer Leute auch genug Geld verdienen, wenns auch nicht zum Veranstalten von open-air Konzerten reicht. Aber sowas Geldof auch schon vorher gemacht – gell?

  4. @Paul
    Zu Tatsachen und Fakten fallen manchen Leuten dann nur noch Beleidigungen ein. Proof of Concept :-)

  5. AliG (out of the house) / sudel-ali

    Für Beleidigungen & Verleumdungen sind doch auf NBFS Sie zuständig. Und ich will Ihnen ja nicht den einzigen Job wegnehmen, den Sie ausfüllen können.

  6. no more republicans hat doch so Recht: Es geht doch nur um ein paar Neger in Afrika. Und die können sich auf Leute wie ihn voll verlassen. So wie 1994 in Ruanda.
    (Buchtipp dazu „Handschlag mit dem Teufel“ von Romeo Dallaire = der kanadische General der der UNAMIR in Ruanda vorstand und von Gott und der Welt, also no-republicans wie Clinton usw. zur Verhinderung des Völkermords im Stich gelassen wurde.)
    Es ist immer gut zu wissen, auf wen man sich nicht verlassen kann, wenn´s mal eng wird.
    P.S.
    Clinton hatte übrigens ausrechnen lassen wieviele tote Soldaten er aus Popularitätsgründen verkraften könne.
    1 pro 85.000 tote Ruander. Scheint mir immer noch die gebotene Zahl für non-republicans bei Konfliktsituationen zu sein.
    Aber Rassisten sind se natürlich nicht.

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