Klare Ansage


Eigentlich wollte ich anläßlich des 5. Jahrestags der Befreiung des Irak auch ein paar Worte zum Thema verlieren, aber da ich aus Zeitgründen momentan nicht in dem Maß zum Bloggen komme, wie ich mir das selber wünsche, sieht’s diesbezüglich eher schlecht aus. Umso mehr freue ich mich, daß jemand anders sich bereits die Mühe gemacht und die entscheidenden drei Punkte klargestellt hat:

„Nach fünf Jahren in dieser Schlacht gibt es eine verständliche Debatte darüber, ob es sich gelohnt hat, diesen Krieg zu führen, ob es sich lohnt, ihn zu gewinnen und ob wir ihn gewinnen können. Die Antworten sind für mich klar: Es war die richtige Entscheidung, Saddam Hussein zu entmachten, und dies ist ein Kampf, den Amerika gewinnen kann und muss.“

~ von Paul13 - Mittwoch, 19. März 2008.

20 Antworten to “Klare Ansage”

  1. Ziemlich interessantes Interview: http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/irak-als-einheit-waere-nicht-wuenschenswert/?src=AR&cHash=be9c6fe763

    Es enthält ganz zentral einen Gedanken, den ich teile, der in der polarisierten Diskussion aber meist untergeht: Daß nämlich der Krieg das Leben für den Durchschnittsiraker wohl besser gemacht hat, daß der Nutzen angesichts der enormen Kosten für Amerika jedoch eher fragwürdig ist. Später mehr dazu, versprochen.

  2. @ Paul

    Hier eine Antwort aus konservativer Sicht:
    http://www.slate.com/id/2186955/

    Der Atikel beschreibt den Verlauf des Irakkrieges zutreffend, aber er übersieht einen zentralen Punkt: in der Diskussion geht es nicht mehr darum, ob die USA den Krieg verloren haben, sondern nur noch darum, ob der Irak die schlimmste Katastrophe der amerikanischen Außenpolitik SEIT Vietnam ist, ober ob er SCHLIMMER ALS Vietnam sein wird. Ich tendiere zur zweiten Einschätzung, aber das wird die Zukunft zeigen.

  3. @DJ (aka no more republicans)
    Konservative Sicht? Wie kommst Du darauf?
    Deine Einschätzung ist natürlich von der Hoffnung geprägt, dass die Terroristen gewinnen.

    P.S. Paul antwortet Dir doch schon seit Wochen nicht – schon vergessen? :-)

  4. Leute, ihr seht eindeutig nur die negativen Seiten, dabei gibt es im Irak gibt unverkennbar Fortschritte. In Basra zum Beispiel konnten die Briten die Kontrolle schon an die irakischen Sicherheitsdienste abgeben. Es geht bergauf im ganzen Land.

  5. @ Rene

    Wie kommst Du darauf, daß gerade ich zu suggerieren versuche, daß nicht Bush der Verdienst für die Befreiung des Irak gebührt, sonderm dem SPIEGEL? Hast Du das falsche Zeug geraucht und bist jetzt auf einem Paranoia-Trip?

  6. @ Bruno

    Das ist gar nicht so falsch, wenn auch für Amerika nur, wenn man es bloß kurzfristig und rein finanziell bewertet. Jetzt muß man es nur noch Anton und (Volks)genossen erklären, denn die meinen, daß sich Amerika am Irakkrieg eine goldene Nase verdient.

  7. @ alex
    ich stimme deinem kommentar voll und ganz zu. vieles, wenn nicht sogar alles ist deutlich besser geworden. und ergänzend möcht ich noch fragen: welchen wert hat freiheit, zukunft und eine der offeneren gesellschaften der arabischen welt als viele andere? kann man das in dollars ausdrücken? ich denke nicht.

    es ist nur unglaublich schwer, diese position in einer von den linkslastigen und antiliberalen medien geprägten welt in der öffentlichkeit oder sogar in der eigenen familie zu behaupten.

    dennoch: no pasaran! und an dieser stelle an die einschlägigen herzliche glückwünsche zum 60ten burzeltag!!

    viele liebe grüße aus augsburg!!

  8. @alex+Florian
    Ihr trefft es – es ist ein Anfang. Zwar nur mit wenig Steigung, aber es geht in die richtige Richtung!
    Und natürlich kann man das nicht in Dollars aufrechnen – aber das wollen einge Leute nicht verstehen, denn die geniesen die Früchte der Freiheit ihr ganzes Leben…

  9. @ Rene

    Aha. Weil du Paul Nichtverstehen unterstellst, müsstest du etwas annehmen, was du aber nicht vermuten würdest und von dem du willst, dass es auch bei anderen nicht vermutet werden soll. Rene! Ist doch bald Ostern. Such doch mal nach Logik ;-)

    P.S. Hast du schon Schröder, Fischer und Solana vors Kriegsverbrechertribunal geschleppt? Die Medien bringen noch gar nichts.

  10. @ alex

    „In Basra zum Beispiel konnten die Briten die Kontrolle schon an die irakischen Sicherheitsdienste abgeben. Es geht bergauf im ganzen Land.“

    Einfache Frage: war das Sarkasmus oder einfach nur Blödheit? In Basra bringen sich die rivalisierenden Gangs auf offener Strasse um, Frauen trauen sich ohne Kopftuch + Schleier nicht mehr aus dem Haus, weil sie sonst mißhandelt und/oder umgebracht werden und die irakischen Zentralregierung hat aber auch gar nichts zu melden. Offen ist nur noch, ob die kriminellen Banden oder die fundamentalistischen Milizen am Ende siegen werden – und wie hoch der Wegezoll für die Öltransporte an den Golf sein wird.

    Lest ihr denn nur noch DEBKAfile?

  11. @ alex

    Und da das ja sowieso alles MSM-Lügen sind, hier ein unverdächtiger Zeuge:
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/politics/7305731.stm

    Und was die Iraquis dazu sagen:
    http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=88019858

    Aber sonst ist (fast) alles prima im Iraq. Es gibt einen klaren Indikator dafür, dass eine Regierung den Kontakt zur Realität verloren hat: wenn sie beginnt, die eigene Propganda zu glauben.

  12. @ DJ,

    mal was Neues? Bisschen Sorge heucheln mit den unverschleierten (nackten) Frauen in Basra. Kein Wort zu gesteinigten Frauen im Iran, Afghanistan und fast auch in Nigeria?

    Übrigens kommt das davon, wenn BBC und Guardian ständig den Sinn der britischen Mission anzweifeln, wo doch deren Kolonialpolitik den Amis ein leuchtendes Beispiel geben sollte. Kein Brite hat sich jemals in Indien über die Unsitte aufgeregt, Witwen gleich mit zu einzuäschern. Da muss man sich doch nur wundern, dass Indien, Afghanistan und der Irak nicht Kolonie bleiben wollten.

  13. @alibaba
    Nun bitte nicht gegen den BBC-Artikel sprechen – der ist doch recht positiv. Ansonsten hätte Grandmaster Flash DJ doch was dazu geschrieben und nicht nur blind einen Link gepostet. ;-)

  14. Zitat von alibaba:
    „Kein Brite hat sich jemals in Indien über die Unsitte aufgeregt, Witwen gleich mit zu einzuäschern“.

    Doch. Witwenverbrennung wurde 1829 in Indien von den Briten verboten.

  15. Und zwar mit sehr harschen Worten eines Komandierenden Offiziers vor Ort.
    So aus dem Gedaechtnis: Okay, es ist Indische Tradition Witwen zu verbrennen. Gut, es ist Britische Tradition Frauenmoerder zu haengen.

  16. @ Bruno,

    wurde aber bis ins 20. Jhd. praktiziert.

    @ Ausländer,

    …und Weggucker gab es auch schon mal.

  17. @alibaba
    unstrittig, leider.

  18. @ AB (aka alidingsbums)

    Mal was Richtiges? Weil die Briten im 19. Jahrhundert ein Kolonialreich hatten, dürfen die Amerikaner jetzt auch mal? Oder was ist die Botschaft Ihres Beitrages?

    Zur Erinnerung: es ging um die Einschätzung von alex “ Es geht bergauf im ganzen Land“ – bezogen auf die Lage im Iraq im Frühjahr 2008, ausgerechnet am Beispiel Basra! Ich könnte mir jetzt die Mühe machen und die hämischen Kommentare in der britischen Presse vom letzten Jahr anläßlich des Rück-/Abzuges der britischen Truppen aus Basra zitieren.

    Aber ich beschränke mich auf die Feststellung, dass die amtierende irakischen Zentralregierung weder im Süden, noch im Norden, noch im Westen des Landes was zu melden hat. Diese Feststellung ist nun nicht neu, dafür aber zutreffend. Im Gegensatz zu den Endsiegfantasien der hiesigen surge-Fans.

    Und bevor Sie wieder fragen, wie ich zu solch irrealen pessimistischen Lagebewertungen komme – lesen Sie den Stand der Dinge vom Fachmann:
    http://www.military.com/NewsContent/0,13319,164481,00.html
    Und dann schauen wir im Herbst noch mal, was dabei raus gekommen ist …

  19. Die im Irak enstandene relative Ruhe hat zwar zum Teil mit the surge zu tun, aber zum grössten Teil damit, dass die ethnischen Vertreibungen so gut wie ihr Ziel erreicht haben und die verschiedenen Gruppen sich in den Stadtteilen Baghdads und auf dem Land nicht mehr direkt gegenübersitzen.

    Ich sehe keine effektive Strategie, die noch verhindern könnte, dass der Iran langfristig die Politik der schiitischen Milizen kontrolliert. Die Gebiete im Süden entziehen sich dem Zugriff Baghdads und werden mit Ahmadinedschad an der Macht ein bleibendes Sicherheitsrisiko für Kuweit und die ölreichen, schiitischen Gebiete im Nordosten Saudi-Arabiens darstellen, Gebiete, die im Irankonflikt ohnehin zum Raketenziel werden und wohl die hauptsächliche Ursache sind, dass die US of A davor zurückscheuen, den Sprengkopf von Teheran zu entschärfen. Das erscheint mir jedenfalls die plausiblere Motivation für den NIE-Report, selbst für die zunehmende Äquidistanz der Administration im Palästinakonflikt: Iran als enstehende Grossmacht des Nahen Ostens ist dabei, ein beachtliches Abschreckungspotenzial aufzubauen. Sieht so aus, als ob Israel nach all den republikanischen Treueschwüren, die immer schon was unreflektiertes und Sonntagsredenmässiges hatten, mit dem Problem einer direkten iranischen Bedrohung erstmal auf sich selbst angewiesen sein wird.

  20. @ alibaba / Paule / alex

    Und da NeoCons nur lernen, wemm man immer wieder aufs Schlimme … – hier ein paar aktuelle Zitate zur Erinnerung:

    1. „In Basra zum Beispiel konnten die Briten die Kontrolle schon an die irakischen Sicherheitsdienste abgeben. Es geht bergauf im ganzen Land.“ (alex, middle eastern expert)

    2. “ We have made up our minds to enter this battle and we will continue until the end. No retreat.“ ( Nouri al Maliki, Iraqi PM on state television).

    Und hier ein paar abweichende Informationen zur Lage in Basra und zum sich ausbreiteten Klima von Frieden und Gewaltlosigkeit unter einer stabilisierten irakischen Regierung:
    http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/iraq/article3635838.ece
    http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/iraq/article3631718.ece
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7317935.stm

    Das einzige Lustige an dem ganzen Chaos ist der jeder Sachkenntnis entbehrende Versuch des Herrn Bush, uns diesen Kampf zwischen schiitischen Fraktionen um Macht und Geld als einen weiteren Schritt zur Einheit des Iraq und zur Unabhängigkeit der irakischen Regierung zu verkaufen, angesichts der Tatsache, dass die irakische Armee ohne Unterstützung durch amerikanische Kampftruppen und Luftunterstützung schon vor einer schmählichen Niederlage stand:
    http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/03/28/AR2008032801167.html?hpid=topnews
    http://english.aljazeera.net/NR/exeres/443E0166-B886-4025-B59D-D9E5EE69FF70.htm

    Und wenn wir schon mal dabei sind: kann nicht einer seiner Berater vor Ort dem (leider noch) amtierenden amerikanischen Präsidenten mal erklären, dass unter einem vom ISCI (früher: SCIRI) und den Badr-Brigaden geführten Irak der Einfluss des Iran viel größer sei dürfte, als bei einem Sieg von Moqtada al Sadr und seinen diffusen Mehdi-Miliz, der wenig Interesse an einer Kontrolle durch iranische Mullahs haben dürfte?:
    http://www.slate.com/id/2187564/

    Richtig spannend würde es ja erst dann, wenn sich der schiitische Fundamentalist UND irakische Nationalist Al Sadr gegen die militärische Übermacht von amerikanischer und (jetziger) irakischer Armee mit den sunnitischen Milizen verbünden sollte. Denn wenn jemand kein Interesse an einem wachsenden iranischen Einfluss hat, dann die Sunniten. Wie sagte der große Sean Connery: never say never. Aber bevor jemand Bush die Konfliktlogik einer solchen Kooperation erklärt hat – ist dessen Amtszeit eh abgelaufen …

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